Jecinta, 15, unauffällig, angepasst, kein Alleinstellungsmerkmal, das mittlere Kind, Eltern aus zwei Kontinenten, Afrobeat und Deutschrap, weder glücklich noch unglücklich, Kleidung am liebsten unisex, keine Klimaaktivistin aber gegen Plastikflaschen, kurz: ein einziges Dazwischen. So kann das nicht weitergehen. Wenn sich schon nichts im Leben tut, dann gleich ordentlich nichts. So lautet der Entschluss, selbst der Name muss dran glauben, wird zu einem Buchstaben verkürzt. J., englisch Jay also.
Als Nichts tut sich auch nicht viel mehr im Leben, bis auf ein paar anstrengende Gespräche mit Eltern und Lehrenden. Aber mit einer knallgelben Jacke und einer Person darin, die seit Kurzem in der Klasse ist, ändert sich alles: Leo, kurz für Leonie. Eine Person, die überallhin zu passen scheint, die bestimmte Fragen stellt und andere nicht, die in der einen Situation erschrickt und in einer ähnlichen ein anderes Mal nicht. Eine Person, die Vieles in sich zu vereinen scheint - und dies auch tatsächlich tut, in einer WG lebt, Betreuer:innen hat, so einiges schon erlebt und überlebt hat. Ein Nichts trifft also auf ein Viel.
Währenddessen zerbröselt zuhause ein für immer fix geglaubtes Gefüge - Trennung der Eltern, die ältere Schwester verkrümelt sich, der jüngere Bruder versucht auf seine Art, damit klarzukommen. Aus Nichts wird also Viel.
Ein intensiver Jugendroman über Identität, Gemeinschaft, Familienfragen, Freundschaft und Liebe.
Stell dir vor, du holst die Sterne vom Himmel und dann weißt du nicht, was du mit ihnen machen sollst
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Ich sage Hallo und dann nichts – ein Jugendroman über die Tücken des Erwachsenwerdens
Bewertung aus Tulfes am 01.10.2023
Bewertungsnummer: 2034541
Bewertet: Buch (Gebundene Ausgabe)
Jacinta ist ein „Kind dazwischen“, nicht die Älteste, nicht die Jüngste in der Geschwisterreihe, ihr Leben mittelmäßig in allen Belangen, ihre Noten durchschnittlich, weder hochbegabt noch dumm, kein Kind mehr, aber auch nicht erwachsen, kein Ja, kein Nein, maximal ein Vielleicht. Und keine einzige Katastrophe, „einfach nur dazwischen“. So beginnt der Jugendroman rund um die Protagonistin, die sich selbst als unspannend und langweilig wahrnimmt, bis sie beschließt, ab sofort zu streiken und nicht mehr mitzuspielen, um dazu zu gehören, nicht mehr das zu tun, was alle tun, um interessant zu erscheinen. Sie steigt aus und wird zu Jay. Und plötzlich eröffnen sich ihr neue Möglichkeiten. Denn sie freundet sich mit Leo, der Außenseiterin, an. Mit Leo, die ihr so eigenartige Fragen stellt, wie, was sie von der Liebe hält. Leo wohnt in einer therapeutischen Wohngemeinschaft. Und hört Stimmen im Kopf, in ihr wohnen viele Persönlichkeiten.
Zuhause zerbröselt inzwischen die Beziehung ihrer Eltern, die ältere Schwester zieht aus und scheint sie gar nicht zu vermissen. Jays Leben gerät plötzlich in ziemliche Bewegung.
Mit diesem Buch ist der Autorin ein Jugendroman gelungen, der ziemlich deutlich das Chaos und die Schwierigkeiten der Pubertät widerspiegelt. Wo gehöre ich hin? Wer möchte ich sein? Die Suche nach der eigenen Identität und seinem Platz im Leben ist keine einfache.
Die Angst, nichts besonderes zu sein, kommt dabei ebenso deutlich zum Ausdruck wie die Befürchtung, nicht zu passen, nicht richtig oder normal zu sein. Klare Antworten findet die Protagonistin keine. Aber tröstende Wege und Möglichkeiten, um herauszufinden, wer und was sie sein möchte. Ein Beginn…
Fazit: Ein berührender Roman für junge Menschen, der viele Themen wie Scheidung der Eltern, psychische Erkrankung, Auszug der älteren Geschwister, Zugehörigkeit zu einer Gruppe und die Suche nach der eigenen Identität anspricht. Dabei bietet er keine vorgefertigten Lösungen, vieles bleibt offen. Doch die Botschaft ist auch: Es gibt auch Veränderungen zum Guten, Neues kann auch Türen öffnen, die bisher verschlossen waren. Insofern ein hoffnungsspendendes Buch. Hat mir gut gefallen.
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