Musik ist Simons Beruf und seine Berufung. Doch eines Tages auf einer Sommertournee durch Finnland, als er in einer Kirche Bartóks Solosonate für Violine spielt, passiert es: Zwei Finger der linken Hand verweigern ihren Dienst, Simon muss das Konzert abbrechen. Er ahnt, dass es sich nicht um einen einmaligen Aussetzer handelt, sondern um einen nicht heilbaren Defekt. Während er noch unter Schock steht, bietet eine Musikerkollegin an, ihm für eine Weile ihr Ferienhäuschen auf einer Schäreninsel zu überlassen, damit er Klarheit über seine Lage gewinnen kann. Ganz allein macht Simon sich mit der Natur der kleinen Insel vertraut, dem Meer, den Bäumen, den Möwen, lernt Bootfahren und Holzhacken. Und sucht nach einer Antwort auf die Frage, was er ohne seine Geige sein kann.
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Wie begreife ich das Unfassbare?
Bewertung am 07.03.2024
Bewertungsnummer: 2148715
Bewertet: Buch (Gebundene Ausgabe)
Simon spielt Geige. Damit verdient er sein Geld und die Musik ist sein Leben. Doch plötzlich versagt eine Hand ihren Dienst. Und damit beginnt eine Zeit der Reflexion, der Verzweiflung und der Erinnerung. Simon kann einige Zeit in eine Hütte ziehen die auf einer kleinen Insel im Meer liegt. Ausser ihm gibt es nur viele Vögel, den Wind und die Gezeiten. Stefan Moster erzählt klar und ohne Pathos von der Tragik aber auch den vielen Beobachtungen eines Musikers, der nicht weiss wie es für ihn weitergehen wird. Als Leser/in geniesst man die schönen Naturbeschreibungen und die skizzierten Musikstücke obwohl einem die Dimension dieser Lebenskrise sehr bewusst ist. Dieser Roman ist ein Erlebnis und bleibt lange in Erinnerung.
Ein Musiker in einer existenziellen Krise
Bewertung aus Baden-Baden am 07.09.2023
Bewertungsnummer: 2017137
Bewertet: Buch (Gebundene Ausgabe)
Stefan Moster hat sich einen Namen gemacht als Übersetzer finnischer Literatur, aber auch als Schriftsteller. „ Bin das noch ich“ ist sein sechster Roman.
Simon Abrameit ist Berufsmusiker, Geiger. Er ist froh, nach der coronabedingten Zwangspause wieder auftreten zu können, obwohl er nur die zweite Geige spielen darf. Aber einen Soloauftritt hat er, mit dem möchte er sein Können unter Beweis stellen. „ Das Programm soll sein Phönixflug werden: das große Aufschwingen, das ihn über das Mittelmaß erhebt, zu dem er sich seit einer halben Ewigkeit verurteilt sieht.“ Die zwei Bach - Sonaten dürften keine Schwierigkeit darstellen, doch die Sonate von Bartok stellt höchste Anforderungen an den Geiger. Vor ihr fürchtet sich Simon, denn er hat seit einiger Zeit Probleme mit den Fingern seiner linken Hand. Das Befürchtete tritt ein, seine Finger versagen den Dienst, Simon muss das Konzert abbrechen.
Seine Musikerkollegin Mai hat Verständnis für seine Situation und bietet dem völlig Zerstörten ihr Ferienhäuschen auf einer kleinen Schäreninsel an. Dort kann er in Ruhe über seine Lage nachdenken.
Anfangs versucht Simon immer wieder Geige zu spielen. Zum einen, weil das Geigenspiel zu seiner täglichen Routine gehört, zum anderen in der Hoffnung, sein Problem mit der Hand möge sich gelegt haben. Aber: „ Die Wahrheit zu erkennen heißt nicht, sie anzunehmen.“
Simon steht vor einer existenziellen Frage. Bisher war die Musik sein Lebensinhalt. Von Kind an hat er täglich geübt, nun verweigert sich dem sein Körper. Womit füllt er diese Lücke? Was macht ein Musiker, der sein Instrument nicht mehr bespielen kann ? Und vor allem, wer ist er noch, wenn er nicht mehr Musiker ist? Bin das dann noch ich? Um diese Fragen kreisen unablässig seine Gedanken.
Simon hat keine engere Bindung zu anderen Menschen, seine Passion für die Musik ließ ihn einsam werden. Der Kontakt zu seiner Mutter ist nur sporadisch und beschränkt sich auf Floskeln.
Einzig Darja scheint ihm wichtig zu sein. Darja, das Wunderkind, die früh aus der Sowjetunion geflohen ist und im Westen eine beispielhafte Karriere als Violinistin hingelegt hat. Darja, die ihm in jungen Jahren, einzig durch ihr Spiel, gezeigt hat, dass er Mittelmaß ist und bleiben wird. An sie sind die nicht abgeschickten Briefe adressiert, in denen er versucht, sich über sich und seine Lage klarzuwerden.
Gleichzeitig ruft Simon sich die Biographien anderer Musiker mit ähnlichen Problemen ins Gedächtnis , denkt an Pianisten, die im Krieg eine Hand verloren haben. Oder an Bartok, der gezwungen war, ins Exil zu gehen und dort schwer krank starb. So erhält man als Leser gleichzeitig einen interessanten Einblick in Musikerleben, und Simons Biographie wirft einen kritischen Blick auf den unbarmherzigen Musibetrieb. Um das Ganze abzurunden, empfiehlt es sich, die im Text angesprochenen Musikstücke anzuhören.
Der Prozess der Verarbeitung braucht Zeit. Aus der geplanten einen Woche werden mehrere, die Simon auf der menschenleeren Insel zubringt. Er ist gezwungen, hier ganz elementare Dinge zu tun, Feuer zu machen, Holz zu spalten, ein Boot zu lenken. Es erfüllt ihn mit Stolz, solche handwerklichen Verrichtungen zu beherrschen.
Er beobachtet die Vögel und ist fasziniert von ihren Verhaltensweisen und vor allem von ihren unterschiedlich klingenden Stimmen. ( Dass Stefan Moster Hobby- Ornithologe ist, merkt man den detaillierten Schilderungen aus der Vogelwelt an.) Simon nimmt auf einmal die Klänge der Natur wahr.
Als Leser begleitet man den Protagonisten auf diesem schmerzhaften Weg vom Erkennen zur Akzeptanz. Es passiert äußerlich nicht viel, doch umso bewegender ist das, was im Inneren der Figur passiert. Denn Simon steckt nicht nur in einer existenziellen Lebenskrise, sondern sieht auch ganz konkret sein finanzielles Fundament weg brechen.
Moster beschreibt dies mit sehr viel Einfühlungsvermögen und mit einem genauen Blick für Details. Großartig sind aber nicht nur seine Beschreibungen der seelischen Nöte des Protagonisten, sondern die Art, wie er die Insel mit Flora und Fauna, den Wind und das Meer zum Klingen bringt.
Ein leiser, aber intensiver Roman, der mich von Anfang an in seinen Bann geschlagen hat.
Meinung aus der Buchhandlung
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in diesem Buch werden wir Teil von Simons Leben - einst Musiker - Geiger - sein Leben erfüllt von Auftritten und Musik - Bach und Bartok, bis er auf einmal nicht mehr spielen kann - da seine Hände schmerzen - ein AUS für den Musiker - auf einer kleinen Insel findet er Ruhe - sieht die Welt mit neuen Augen - hinterfragt - schreibt Tagebuch an Darja - eine Musikerin, die er immer bewundert hat. Las sich angenehm und berührend.
zum Abschluss noch ein Satz aus dem Buch " Die Welt war Klang - bevor es die Musik gab !"
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