Anna arbeitet für Alpha Solutions, einen multinationalen Kon-zern, um den sich ein Kult gebildet hat. Die Liebe zum Unter-nehmen gilt als heilige Pflicht, Privatleben als altmodische Idee. Viele Mitarbeiter haben das Firmengelände noch nie verlassen. Als Anna einer Gruppe rebellischer Jugendlicher erklärt, sie könnten alles erreichen, wenn sie sich nur anstrengten, glaubt sie sich zum ersten Mal selbst nicht mehr. Sie hat genug von den Lügen, die ständig erzählt und wiederholt werden sollen. Zunehmend fällt es ihr schwer, auf das zu vertrauen, was sie denken soll. Ihr Freund Thomas kann das nicht nachvollziehen. Er hat sich damit abgefunden, dass alles ist, wie es ist. Den Wunsch, etwas zu verändern, findet er befremdlich. Und er ist sich sicher, sein Leben mit Anna verbringen zu wollen. Immerhin haben die beiden im Zuge des Partnervermittlungsprogramms von Alpha Solutions erfahren, füreinander bestimmt zu sein. Als sie sich von ihm trennt, begreift er nicht, wie es so weit kommen konnte.
Nüchtern und mit lakonischem Humor blickt Mario Wurmitzer in seinem zweiten Roman auf eine Welt im Jahr 2037, von der man sagt, es könnte alles noch schlimmer sein. Die Grenzen dessen, was möglich ist, haben sich ein Stück weit verschoben, aber nicht allzu weit.
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Spannende Geschichte
Bewertung am 28.09.2023
Bewertungsnummer: 2031941
Bewertet: Buch (Gebundene Ausgabe)
Ungewöhnliche Geschichte über eine aktuelle Thematik. Anna arbeitet für ein großes Unternehmen, das einerseits geradezu kultisch verehrt wird, andererseits aber durch unlautere und aggressive Geschäftspraktiken auffällt. Wie geht es den Menschen in dieser Arbeitswelt - eine absolut relevante Frage, um die herum ein fesselnder Plot entworfen wird.
So ein Wahnsinn
Bewertung am 08.09.2023
Bewertungsnummer: 2017289
Bewertet: Buch (Gebundene Ausgabe)
GELESEN: Mario Wurmitzer „Es könnte schlimmer sein“
Erschienen am 15. Juni 2023 bei Luftschacht-Verlag, Wien
248 Seiten
Es ist schon recht bedrohlich, was sich Mario Wurmitzer in seinem zweiten Roman ausgedacht hat. Aber nach einigen Seiten fragt man sich als Leser, ob dieser wirklich so weit weg von der Realität angesiedelt ist? Was passiert seit Jahren in Großkonzernen?
Stundenlange Meetings zur hundertsten Prozessoptimierung ohne späteres Feedback an die Zieladresse, ständiges Briefing, Schulungen, Messetraining, Kleiderordnungen, Videokonferenzen.
Grenzenlose Loyalität.
Jegliche Kritik wird mit sofortiger Abmahnung bestraft mit dem Ergebnis, dass Mensch während der Arbeitszeit in eine Rolle schlüpft. Sprechen und Freundlichkeit sind aufgesetzt. Unlogische Anweisungen werden ausgeführt und kaum mehr hinterfragt.
Einzig das Verlassen des Firmengeländes ist in der Realität „noch“ erlaubt.
Die ersten einhundert Seiten waren gut, teilweise direkt spannend und bargen auch einen Hauch von Humor. Dann aber zog sich die Geschichte wie Gummi und drehte sich um die eigene Achse. Was uns der Autor vermitteln wollte, kam an und gar nicht schlecht. In der Kürze wäre hier die Würze gelegen.
Zur Geschichte:
Natürlich erleben wir in dieser Erzählung um die Protagonistin Anna, die im Jahr 2037 angelegt ist, ein paar Dinge, die es so noch nicht gibt, oder sie sind mir glücklicherweise nicht bekannt.
Mensch alleine ist nicht mehr lebensfähig; die Gemeinschaft, die es eigentlich auch nicht gibt, verspricht den Halt und ein sorgloses Leben.
Die Geschichte von Anna und Thomas steht ein Stück für den Wahnsinn, den wir teilweise heute schon um uns herum erleben. Ihr Arbeitsplatz in der Deponie in Gerasdorf bei Wien ist gleichzeitig auch ihr Lebensraum, denn verlassen sollten sie das Gelände der Alpha Solutions nicht. Es steht ihnen zwar frei, aber damit verlieren sie all ihre Privilegien, wie man ihnen sagt. Eine Gruppe junger Leute, angeführt von Sven, begehrt auf. Sie möchten sich nicht länger unterwerfen. Als man bei Alpha Solutions davon erfährt, wird Anna als Expertin für Gewaltprävention, Stress- und Aggressionsabbau ausgebildet. Man hat sie ausgewählt. Ihre Aufgabe besteht darin, die jungen Menschen zu besänftigen. Allerdings ist auch sie an einem Punkt angelangt, der sie zweifeln lässt. Von Thomas will sie sich trennen. Er wurde als Partner von A.S. für sie ausgewählt und Anna findet immer mehr, dass sie überhaupt nicht zusammenpassen. Ihr direkter Vorgesetzter Krause, der sie zum ersten Mal zum Gespräch bittet, ist eigentlich nur ein kleines Würstchen, nicht ein Mann mit einem Heiligenschein, wie ihn sich Anna immer vorgestellt hat. Als sie sich immer noch nicht wieder fügt, wird sie in die Zentrale nach London versetzt. Hier herrscht noch ein größerer Irrsinn als in Wien. Die Menschen werden mit bunten Pillen „gefüttert“, die sie einerseits rund um die Uhr wachhalten, wie auch dem erholsamen Schlaf (der wohl zwischendurch notwendig ist) zuführen.
Als plötzlich Sven in London auftaucht und ihr anbietet zur Flucht zur verhelfen, nimmt Anna das Angebot sofort an. Anders als sie glaubte, fasst sie auch außerhalb vom Konzern schnell Fuß. Trotz allem holt sie ihr altes Leben immer wieder ein. Sie kann es nicht abschütteln, so sehr sie es sich auch wünscht. Da kommt die Gelegenheit günstig. Sie kann einen neuen Wirkungskreis bekommen, ähnlich dem bekannten. Bei Brown&Davis, einem Konkurrenzunternehmen, hat sie die Möglichkeit, Alpha Solutions durch ihre Führungspositionen Schaden zuzufügen, was anfänglich gelingt. Aber Brown& Davis ist nun viel zu schnell gewachsen, und wie ein Kartenhaus bricht alles wieder in sich zusammen und mit ihm Anna, die nun in einem Wellnesshotel landet, welches die „Gäste“ nur auf den Wiedereinstieg bei Alpha Solutions vorbereitet. Der Kreis schließt sich.
Man kann, aber man muss diese Geschichte nicht lesen.
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