Diaty Diallo thematisiert in ihrem Roman den allgegenwärtigen Rassismus, Polizeigewalt und Ausgrenzung in den französischen Metropolen, deren öffentlicher Raum von Überwachungsvorrichtungen und Polizeistreifen geprägt wird. Diaty Diallo schreibt in einem präzisen und poetischen Stil. Musik spielt in dem Buch eine herausragende Rolle. Die Autorin nimmt die Sprache der Musik auf und überträgt sie in die Sprache des Romans: rhythmisch, pulsierend, in hartem Sound und zarten Balladen.
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„Wer stark genug ist, alle zu schützen, ist auch stark genug, alle zu unterdrücken.“ | Thomas Hobbes
Dirk Knappe aus Hagen am 12.04.2024
Bewertungsnummer: 2176146
Bewertet: eBook (ePUB 3)
Der Verlag Assoziation A sieht sich in der Tradition der antiautoritären und undogmatischen Protestbewegungen in Deutschland, die ihre Wurzeln in der 68er-Revolte haben.
Veröffentlichungen wie das viel diskutierte Buch "2 Sekunden brennende Luft" passen daher ausgezeichnet in das Verlagsprogramm.
Diaty Diallo wurde 1988 in Versailles geboren.
Sie ist Bloggerin und komponiert Lieder.
Nun hat sie mit "2 Sekunden brennende Luft" ihren ersten Roman vorgelegt.
Dieser ist ein Gegenentwurf zum Klischee der unpolitischen Vorstadtjugend, die ursächlich durch Videospiele, Nachahmerei und Gruppenzwang eskalierende Gewalt verübt.
Diatty Diallo entwirft in ihrem Erstling stattdessen ein Szenario, das sie kennt und quasi hautnah erlebt hat, denn sie ist in einem Pariser Banlieu aufgewachsen.
Für Diallo sind die regelmäßig wiederkehrenden "Unruhen" so etwas wie "Aufstände", die entstehen, weil in den Vorstädten Menschen leben, für die es durch die Verlagerung ganzer Industriezweige in kostengünstigere ausländische Standorte keinen Bedarf mehr gibt.
Das Leben dieser sog. "Überschussbevölkerung" ist durch Arbeitslosigkeit, soziale Isolation und Armut gekennzeichnet, die quasi von Generation zu Generation weiter gegeben wird.
Besagte "Aufstände" sind für die Autorin ein Ausdruck der mit dieser Realität einhergehenden fehlenden qualitätsvollen Lebensperspektive.
Im Zentrum ihres Romans steht dabei eine Gruppe Jugendlicher mit arabischem und afrikanischem Hintergrund.
Mit ihrem lebendig pulsierenden, nah der Realität verortetem Text macht sie die Bedrohung anschaulich, der die Jugendlichen Tag für Tag ausgesetzt sind.
Sie holt die jungen Menschen aus der Anonymität, gibt ihnen ein Gesicht und eine Stimme.
Ihr poetischer Roman, geschrieben im Takt der Vorstadt-Realität, beschreibt den allgegenwärtigen Rassismus, die Polizeigewalt und die Ausgrenzung in den französischen Metropolen, deren öffentlicher Raum von massiven Überwachungsvorrichtungen und häufigen Polizeistreifen geprägt wird.
Diaty Diallo erhebt ihre Stimme in einem zumutendem und zugleich auch magischen Stil, dem ich mich als Leser nicht entziehen wollte und konnte.
Sie nimmt die Sprache der Jugendlichen auf und mischt sie mit den real anmutenden Musikstilen, deren Klangfarbe den Alltag der Heranwachsenden begleitet.
Sie entwickelt ihre ganz eigene Ausdrucksform; impulsiv und pulsierend, in einem Sound, der zugleich hardcore und balladesk anmutet.
"Ich wollte diese Realität abbilden, zeigen, wie solche regelmäßigen Eingriffe der Ordnungskräfte eine Art Harmonie der Jugend stören können. Wie sehr sie es erschweren, erwachsen zu werden, wie man kaum Selbstachtung oder Vorstellungen von der Zukunft entwickeln kann." [Diatty Diallo].
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