Drei Generationen, verbunden durch die tiefe Sehnsucht danach, Wurzeln zu schlagen – in ihrem großen Roman erschreibt sich Joana Osman ihre eigene Familiengeschichte
Sabiha und Ahmed sind fest verwurzelt in ihrer Heimatstadt Jaffa. Hier eröffnen sie ein eigenes Kino, um in der letzten Reihe bei Filmen mit Shirley Temple zu weinen, und ziehen ihre Söhne groß. Doch 1948, mit dem ersten arabisch-israelischen Krieg und schließlich der Gründung Israels, beginnt für die Familie eine Odyssee. Sie fliehen in den Libanon und weiter in die Türkei, stets auf der Suche nach einem neuen Zuhause. Sie leben in Abbruchhäusern und werden von keinem Staat anerkannt. Sie trauern um die Verstorbenen und verlieren doch nie die Lust am Leben und erst recht nicht ihren Humor. Siebzig Jahre später begibt sich Joana Osman in Israel auf Spurensuche. Wer waren ihre Großeltern, die ihren Vater auf der Flucht großzogen? Was war das für eine Reise, die auch ihr eigenes Aufwachsen so stark und doch so unsichtbar geprägt hat? Fiktion und Autofiktion verschwimmen in diesem Roman, in dem Joana Osman ihre eigene Familiengeschichte vor dem Vergessen rettet. Voller Fantasie und hinreißendem Witz lässt sie die Geister der Vergangenheit tanzen. Ungekürzte Lesung mit Lisa Hrdina
5h 15min
Kundinnen und Kunden meinen
4.6/5.0
nil_liest
aus RheinMain Gebiet
5/5
09.02.2024
Buch (Gebundene Ausgabe)
Wenn Lebensträume durch die Weltpolitik platzen
Flucht, Trauma, Überleben. Zugleich aber auch Leben, Hoffnung und Weitblick für Familie.
Joana Osman ist eine spannende Frau mit interessanten Wurzeln. Ihr Vater kam zum Studieren nach Deutschland und lernte ihre deutsche Mutter kennen, aufgewachsen ist sie in Bayern. Immer interessiert am qualitativen und positiven Austausch und Friedensunterstützerin. Mitbegründerin von ‚The Peace Factory‘. Nun ist in 2023 ihr zweiter Roman erschienen „Wo die Geister tanzen“.
Aktueller könnte ein Roman nicht sein, beleuchtet er doch als palästinensische Stimme die Historie des Nahostkonflikts auf persönlicher Ebene. Denn sie schreibt autofiktional über die Geschichte ihrer Großeltern, die 1948 Jaffa verlassen mussten. Vorher ein schönes Leben als Kinobetreiber, war das (sehr unterschiedlich alte) Paar glücklich in Jaffa. Das Gebiet wurde britisches Mandatsgebiet und nun waren 70.000 palästinensische Araber auf der Flucht. Sabiha und Ahmed Osman flohen in den Libanon und dann in die Türkei. Sie bekamen 7 Söhne miteinander, die in prekären Umständen zeitweilig lebten. Alles verloren und immer wieder aufrappeln. Alltäglich und doch dramatisch.
Eine harte Lebensgeschichte, die nur so strotzt vor Dramatik und hier hat Joana Osman aus meiner Sicht viel Gutes getan, indem sie dem Roman ein wenig Leichtigkeit, saloppe Sprache und Alltägliches im Absurden verpasst hat. Das schattiert und hilft beim Verdauen. Wie auch wir alle im Leben schreckliches kennen, aber es nicht immer nur eine einzige Schattierung des Lebens ist, die uns begleitet.
Toll geschrieben, hat Joana Osman hier gutes tolles Buch geschrieben, dass nicht nur ihre spannende Familienhistorie fiktional aufarbeitet. Auch hat sie uns mit einer palästinensischen Stimme beglückt und das Spektrum der Geschichten um einen weiteren Mosaikstein bereichert.
nil_liest
aus Frankfurt
5/5
09.02.2024
Buch (Gebundene Ausgabe)
Wenn Lebensträume durch die…
Wenn Lebensträume durch die Weltpolitik platzen Flucht, Trauma, Überleben. Zugleich aber auch Leben, Hoffnung und Weitblick für Familie. Joana Osman ist eine spannende Frau mit interessanten Wurzeln. Ihr Vater kam zum Studieren nach Deutschland und lernte ihre deutsche Mutter kennen, aufgewachsen ist sie in Bayern. Immer interessiert am qualitativen und positiven Austausch und Friedensunterstützerin. Mitbegründerin von ‚The Peace Factory‘. Nun ist in 2023 ihr zweiter Roman erschienen „Wo die Geister tanzen“. Aktueller könnte ein Roman nicht sein, beleuchtet er doch als palästinensische Stimme die Historie des Nahostkonflikts auf persönlicher Ebene. Denn sie schreibt autofiktional über die Geschichte ihrer Großeltern, die 1948 Jaffa verlassen mussten. Vorher ein schönes Leben als Kinobetreiber, war das (sehr unterschiedlich alte) Paar glücklich in Jaffa. Das Gebiet wurde britisches Mandatsgebiet und nun waren 70.000 palästinensische Araber auf der Flucht. Sabiha und Ahmed Osman flohen in den Libanon und dann in die Türkei. Sie bekamen 7 Söhne miteinander, die in prekären Umständen zeitweilig lebten. Alles verloren und immer wieder aufrappeln. Alltäglich und doch dramatisch. Eine harte Lebensgeschichte, die nur so strotzt vor Dramatik und hier hat Joana Osman aus meiner Sicht viel Gutes getan, indem sie dem Roman ein wenig Leichtigkeit, saloppe Sprache und Alltägliches im Absurden verpasst hat. Das schattiert und hilft beim Verdauen. Wie auch wir alle im Leben schreckliches kennen, aber es nicht immer nur eine einzige Schattierung des Lebens ist, die uns begleitet. Toll geschrieben, hat Joana Osman hier gutes tolles Buch geschrieben, dass nicht nur ihre spannende Familienhistorie fiktional aufarbeitet. Auch hat sie uns mit einer palästinensischen Stimme beglückt und das Spektrum der Geschichten um einen weiteren Mosaikstein bereichert.
Tara
aus Ratingen
5/5
07.02.2024
Buch (Gebundene Ausgabe)
Eine mitreißende Familiengeschichte
„Wo die Geister tanzen“ ist ein bewegender Roman der in der Nähe von München lebenden Autorin Joana Osman.
Bei dem Roman handelt es sich um eine Mischung aus Fiktion und dem Leben der Autorin und ihren Angehörigen. Sie selbst ist in Bayern als Tochter eines palästinensischen Vaters und einer deutschen Mutter aufgewachsen und in ihrem Buch greift sie ihre Familiengeschichte über drei Generationen hinweg auf.
Zunächst erläutert sie kurz, wie es zu diesem Roman kam, bevor sie um 70 Jahre in die Vergangenheit zu ihren Großeltern väterlicherseits zurückkehrt. Diese wurden 1948 durch den arabisch-israelischen Krieg aus ihrer Heimat Palästina vertrieben.
Ihre Flucht geht zunächst in den Libanon, wo ihnen wenig Perspektiven geboten wurden und dann in die Türkei. Aber sie sind staatenlos, kommen nicht zur Ruhe und das Leben auf der Flucht ist ein stetiger Kampf auf der Suche nach Hoffnung, Ruhe und Glück.
Obwohl Joana Osman tragische Ereignisse, Elend und Krieg schildert, gibt es auch viele positive Momente, in denen der Familienzusammenhalt und Hoffnung zu spüren sind.
In diesem Roman wird eine Seite der flüchtenden Palästinenser geschildert, über die ich bisher nur wenig gewusst habe. Es ist ein tragisches Stück Zeitgeschichte, dass die Autorin hier eng mit ihrer eigenen Familiengeschichte verknüpft und in die damaligen politischen Ereignissen einbettet. Dabei deckt sie die volle Bandbreite der Themen eines Lebens im Krieg ab. So geht es um Familie, Flucht, Heimat, Verbundenheit, Identität, Krieg, Frieden und vieles mehr.
Der Schreibstil der Autorin ist kraftvoll, tragisch, mit Witz, mitreißend und stellenweise auch poetisch.
Durch eine Karte zu Beginn des Buches, habe ich eine gute räumliche Vorstellung der Ereignisse bekommen. Mit ihrem Epilog rundet Joana Osman ihren Roman gelungen ab.
Es ist ein lesenswertes Buch über eine palästinensische Familie, das stellvertretend für viele Schicksale steht und dessen Titel kaum treffender hätte gewählt werden können.
Von mir gibt es eine klare Empfehlung für Leser, die sich für Schicksale und die Hintergründe des Nahostkonflikts interessieren.
Tara
aus Ratingen
5/5
07.02.2024
Buch (Gebundene Ausgabe)
Eine mitreißende Familiengesch…
Eine mitreißende Familiengeschichte „Wo die Geister tanzen“ ist ein bewegender Roman der in der Nähe von München lebenden Autorin Joana Osman. Bei dem Roman handelt es sich um eine Mischung aus Fiktion und dem Leben der Autorin und ihren Angehörigen. Sie selbst ist in Bayern als Tochter eines palästinensischen Vaters und einer deutschen Mutter aufgewachsen und in ihrem Buch greift sie ihre Familiengeschichte über drei Generationen hinweg auf. Zunächst erläutert sie kurz, wie es zu diesem Roman kam, bevor sie um 70 Jahre in die Vergangenheit zu ihren Großeltern väterlicherseits zurückkehrt. Diese wurden 1948 durch den arabisch-israelischen Krieg aus ihrer Heimat Palästina vertrieben. Ihre Flucht geht zunächst in den Libanon, wo ihnen wenig Perspektiven geboten wurden und dann in die Türkei. Aber sie sind staatenlos, kommen nicht zur Ruhe und das Leben auf der Flucht ist ein stetiger Kampf auf der Suche nach Hoffnung, Ruhe und Glück. Obwohl Joana Osman tragische Ereignisse, Elend und Krieg schildert, gibt es auch viele positive Momente, in denen der Familienzusammenhalt und Hoffnung zu spüren sind. In diesem Roman wird eine Seite der flüchtenden Palästinenser geschildert, über die ich bisher nur wenig gewusst habe. Es ist ein tragisches Stück Zeitgeschichte, dass die Autorin hier eng mit ihrer eigenen Familiengeschichte verknüpft und in die damaligen politischen Ereignissen einbettet. Dabei deckt sie die volle Bandbreite der Themen eines Lebens im Krieg ab. So geht es um Familie, Flucht, Heimat, Verbundenheit, Identität, Krieg, Frieden und vieles mehr. Der Schreibstil der Autorin ist kraftvoll, tragisch, mit Witz, mitreißend und stellenweise auch poetisch. Durch eine Karte zu Beginn des Buches, habe ich eine gute räumliche Vorstellung der Ereignisse bekommen. Mit ihrem Epilog rundet Joana Osman ihren Roman gelungen ab. Es ist ein lesenswertes Buch über eine palästinensische Familie, das stellvertretend für viele Schicksale steht und dessen Titel kaum treffender hätte gewählt werden können. Von mir gibt es eine klare Empfehlung für Leser, die sich für Schicksale und die Hintergründe des Nahostkonflikts interessieren.
Lia48
5/5
14.01.2024
Buch (Gebundene Ausgabe)
Flucht von Palästinensern nach Gründung Israels - eindrücklicher 3-Generationen-Roman
„Aber die Dinge, die man unter den Teppich kehrt, haben es so an sich, irgendwann wieder hervorzukriechen, und niemand weiß das besser als die Menschen im Nahen Osten.“
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INHALT:
Über drei Generationen hinweg schreibt Joana Osman die Geschichte ihrer Familie nieder.
In einer Mischung aus realen Ereignissen und Fiktion erzählt sie, wie ihre Großeltern mit ihren Kindern beim ersten arabisch-israelischen Krieg 1948 das britische Mandatsgebiet Palästina verlassen müssen. Mit der Gründung Israels werden 700.000 Palästinenser aus ihrer Heimat vertrieben (je nach Quelle gibt es unterschiedliche Ansichten darüber, ob es sich um eine gewaltsame Vertreibung oder ein freiwilliges Verlassen handelte - für Joanas Familie war es Ersteres) und verlieren dabei ihr Hab und Gut.
Die Familie flieht in den Libanon und in die Türkei. Doch sie bleiben Flüchtlinge und werden von keinem Staat mehr anerkannt. Sie haben nicht viel, kämpfen ständig ums Überleben und trauern um die Verstorbenen ...
Als Tochter eines palästinensischen Vaters und einer deutschen Mutter ist Joana in einem bayerischen Dorf aufgewachsen, wo sie sich zu Hause fühlt. Doch auch in Beirut, Tel Aviv und Jerusalem überkommt sie ein Gefühl der Heimat, auch wenn sie dort nicht dauerhaft leben möchte.
„Vielleicht, weil meine Vorfahren ihre Heimat so oft und so gewaltsam verlassen mussten, sehne ich mich umso stärker danach, meine Wurzeln tief in die Erde zu strecken und mich festzukrallen in der einzigen Heimat, die ich habe (…).“
Joana, die Amerikanistik, Theaterwissenschaft und Kunstgeschichte studiert hat, begibt sich in Israel auf Spurensuche: Was ist damals eigentlich geschichtlich und persönlich mit ihrer Familie geschehen?
„Es ist ein wahrlich merkwürdiges Gefühl, Heimweh nach einem Land zu haben, in dem man nie zu Hause war, und noch merkwürdiger ist es, nach einem Zuhause zu suchen, das längst nicht mehr existiert.“
Joana findet in Israel Freunde und setzt sich schließlich für eine friedvolle Zukunft ein.
„Da sitzen wir jetzt, und du bist, was du bist, und ich bin, was ich bin. Und all das spielt überhaupt keine Rolle. Wir sind Frauen, das verbindet uns. Und Künstlerinnen. Und Freundinnen. Das ist Frieden. Ist es nicht so?
Es ist so. Und trotzdem herrscht Krieg.“
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MEINUNG:
Für mich war es höchste Zeit, mal wieder ein Buch zu lesen, welches sich mit der Geschichte von Palästina und Israel beschäftigt, womit ich mich bisher viel zu wenig auseinandergesetzt habe.
Das Buch nimmt dabei vor allem die 1950er und 1960er in den Fokus, nachdem der Staat Israel gegründet wurde und Joanas palästinensischen Großeltern die Flucht antreten mussten.
Vorher war mir nicht bewusst, wie viele Palästinenser damals vertrieben wurden (oder je nach Quelle, freiwillig gegangen sind) und wie schnell Menschen für staatenlos erklärt werden konnten.
Gut zum Ausdruck kam für mich außerdem, wie sich die Familie von Joanas Großeltern als Flüchtlinge immer wieder durch das Leben kämpfen musste. Zum Beispiel durften sie als (ehemalige) Palästinenser im Libanon bestimmte Berufe nicht ausüben, keine staatlichen Schulen besuchen, keinen Grundbesitz erwerben und verdienten automatisch weniger als andere. Unglaublich, wie oft sie umziehen mussten!
Während des Lesens habe ich immer wieder einiges zu den historischen Begebenheiten gegoogelt, um mehr zu erfahren. Wenn ein Buch dies bei mir auslöst, ist das meistens ein gutes Zeichen – so auch hier.
Für den Anfang fand ich das Buch ganz gut geeignet, um einen Eindruck von damaligen Ereignissen zu bekommen.
Natürlich muss man beachten, dass das Buch vor allem die Seite der Palästinenser beleuchtet. Ich denke, hier sollte man sich unterschiedliche Sichtweisen anschauen.
Wobei Joana auch israelische Freunde hat und dadurch auch diesen Blickwinkel ein Stück weit im Auge hat. Letztendlich spricht sie sich aber klar für den Frieden aller aus, auch wenn sie betont, dass diese Vorstellung wohl eher einer Utopie gleicht.
Eindrücklich fand ich u. a., wie Joana ihre Schuldgefühle schildert, als sie mitbekommt, dass ihre Verwandten und Freunde sich mitten im Kriegsgeschehen befinden, während sie selbst in großer Entfernung zu Hause in Sicherheit ist. Das muss man vermutlich selbst erleben, um es richtig nachempfinden zu können. Ich stelle es mir jedenfalls unglaublich schwierig und bedrückend vor.
Die Schilderungen von Kindern sowie deren Gedanken und Handeln wirkten auf mich altersentsprechend und sehr authentisch (da bin ich recht sensibel).
Ihre Perspektiven machten die Geschichte immer wieder sehr emotional.
Von Anfang an hat mir die schöne Sprache der Autorin gut gefallen.
Dass sie wörtliche Rede nicht mit Anführungszeichen kennzeichnet, hat mich hier nicht gestört.
Zu Beginn ist mir die Handlung etwas zu schnell hin- und hergesprungen, was etwas zu viel Spannung herausgenommen hat. Doch schon bald wirkt alles viel strukturierter, trotz Perspektiven- und Zeitenwechsel.
Der Klappentext lässt vermuten, dass es in dem Buch auch witzig zugeht. Diesen Eindruck kann ich leider nicht bestätigen. Tatsächlich würde ich das Buch eher als bedrückend einordnen, wenn auch durch den Gegenwartsstrang als nicht als zu belastend.
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FAZIT: Insgesamt handelt es sich hierbei um eine eindrucksvolle Familiengeschichte über drei Generationen, die sich besonders auf die 50er und 60er Jahre nach der Gründung Israels fokussiert und sich mit der langen Flucht der palästinensischen Familie von Israel in den Libanon und die Türkei auseinandersetzt. Die Ereignisse werden dabei familiär bedingt eher aus palästinensischer Sicht geschildert. Interessant & lesenswert auch bzgl. der historischen Begebenheiten. 4,5-5/5 Sterne!
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