Mit ihren 190 Kilo bleibt Henriette am liebsten zu Hause, während das Leben vor ihrem Fenster stattfindet. Ihre Mutter, die in der Wohnung über ihr lebt, möchte das Leben ihrer fünfzigjährigen Tochter kontrollieren, sie lässt sie nicht in Ruhe, kommentiert jede Essensbestellung, jede Kleiderwahl, die Henriette trifft. Aber zum Glück ist da Martin: Ihr Arbeitskollege, den sie nur vom Zoom-Bildschirm kennt und der so schöne Augen hat. Sie verliebt sich in ihn, auch wenn sie sich das selbst nicht zugesteht. Als sie eines Tages ihre junge Nachbarin kennenlernt, beginnt Henriette sich und ihre Welt zu öffnen. Gelingt es ihr, sich von ihrer Mutter zu lösen und einen Schritt in die Zukunft zu wagen?
Kundinnen und Kunden meinen
3.9/5.0
Cebra
5/5
07.03.2024
Buch (Gebundene Ausgabe)
Sensibles Porträt einer Adipösen
Henriette wiegt 190 Kilo. Sie ist Buchhalterin und froh, im Home-Office arbeiten zu können, denn sie verlässt ihre Wohnung nur äußerst ungern.
Autorin Andrea Heinisch beschreibt in kurzen Episoden Henriettes Leben. Das äußere und das innere. Dass sie zum Beispiel zwei Mägen hat. Nicht wirklich, aber wie sollte sie sonst so viel essen müssen. Und dass in ihrem Herz eine Margerite blüht, denn sie ist verliebt. Doch wie soll das gehen, verliebt und derart übergewichtig?
Die Probleme, die Henriette hat, werden thematisiert. Nichts wird weggelassen, nichts wird beschönigt. Von engen Toilettenkabinen im Flugzeug über die Scham beim Einkaufen von Nahrung bis zu Depression und Selbsthass und einem ambivalenten Verhältnis zu einer Mutter, die in ihrem durchaus liebevollen Kümmern übergriffig und anmaßend ist.
Über Henriettes Erinnerungen an ihre Kindheit erhaschen wir Details, mit denen jeder Psychologe ihre Entwicklung begründen könnte.
Doch darum geht es nicht. Nicht um Erklärung. Vielmehr um das Hinein-Fühlen. Das Miterleben.
Man könnte befürchten, ein trostloses Buch über ein trostloses Schicksal in die Hand zu nehmen. Aber Heinisch stellt sich mit einer ungeheuren, beinahe wuchtigen Sensibilität an Henriettes Seite, schaut genau hin und schreibt, was sie sieht, so nüchtern wie poetisch, so zart wie schonungslos in meist kurzen Sätzen nieder. Sie gestattet sich Leichtigkeit und Humor, aber keine Ironie. Sie nimmt keine Bewertung vor, verbietet sich jedwede Interpretation. Subtil und warmherzig führt sie uns nicht nur an einen besonderen Menschen heran, sondern auch an unsere eigenen Vorurteile, und bietet gleichzeitig die Chance, diese zu überwinden.
Dieses Buch zu lesen ist ein großes Glück. Oder anders gesagt: Wer sich dabei beobachten würde, könnte sich vermutlich lächeln sehen.
Bewertung
aus Stuttgart
5/5
13.12.2023
Buch (Gebundene Ausgabe)
Einfühlsam erzählt
Mit ihren 190 Kilo bleibt die 50jährige Henriette am liebsten zu Hause. Ihre Mutter lebt in der Wohnung über ihr und kontrolliert die Tochter in allen Bereichen des Lebens. So sind viele Spitzen gewiss, die Henriette sehr wohl versteht und gegen die sie dennoch kaum etwas unternehmen kann. Wird es Henriette je gelingen, sich von ihrer Mutter zu lösen und eine eigene Zukunft zu wagen?
Es sind bedrückende Bilder, die der Leser aus Henriettes Leben erfährt. Die 190 Kilo dominieren ihr Leben, beengen und bedrängen sie. Die einzelnen Kapitel sind sehr kurz geraten, und doch kommen sie mit der Wucht des vollen Gewichts von Henriette. Andererseits aber erzählt der Roman einfühlsam von Henriette und ihrem beschwerlichen Leben. Wer sich darauf einlässt, wird unbedingt mehr Verständnis erhalten für das Leben mit Adipositas. Man fühlt mit Henriette, hofft auf eine Veränderung, die sie aus dem Gefängnis ihres Lebens herausholen kann. Und wünscht diese Veränderung, nach der Lektüre dieses Buches, unbedingt jedem schwergewichtigen Menschen.
So schwer das Thema selbst ist, so leicht verständlich und einfühlsam wird die Geschichte erzählt, dass ich das Buch sehr gerne weiter empfehle. Ich vergebe alle 5 möglichen Sterne.
Magnolia
5/5
08.11.2023
Buch (Gebundene Ausgabe)
Ein schwergewichtiges Thema, federleicht erzählt
Wie schön, dass Henriette mich angelächelt und mich auf den ersten Blick verzaubert hat. Das Cover macht Laune, die Margeriten, der Titel, die ganze Aufmachung laden direkt ein, das Buch näher zu betrachten. „In Henriettes Herz blüht heimlich eine Margerite.“ Ist das nicht schön, so lebensbejahend? Ich finde schon, auch wenn sich Henriette mir zunächst ganz anders präsentiert, denn sie schleppt 190 Kilo mit sich rum. Die Pandemie kommt ihr gerade recht, sie kann von zuhause aus arbeiten. Die Außenwelt betrachtet sie eher durch das Fenster, sie zieht sich immer mehr zurück. Was soll sie in einem Lokal, in dessen Stühle sie immer weniger passt? Da bestellt sie doch lieber all die Köstlichkeiten frei Haus, die sie dann massenweise verschlingt. Genießen ist eher Nebensache, ihre zwei angedachten Mägen wollen gefüllt sein. Und auch wenn ihr ihre Mutter immer wieder ins Gewissen redet, so lässt Henriette sich gehen – es sieht ja keiner. Naja, Martin schon. Zumindest sieht er sie auf dem Bildschirm in ihren täglichen Meetings. Nicht nur in seine grünen Augen hat sie sich verguckt, sie träumt von ihm, sie verstehen sich gut. Wäre da noch Sonja mit ihren Kindern, das Vierte wird auch bald da sein. Henriette nimmt ihren ganzen Mut zusammen und fragt, ob sie bei ihr putzen würde.
Henriettes Mutter ist immer dann sehr präsent, wenn Henriette Unmengen an Essen bestellt, wenn die Wäscheberge immer größer werden, das dreckige Geschirr sich stapelt. Henriette kann sich immer weniger bewegen, jeder Schritt will gut überlegt sein. Und bücken – geht meist gar nicht.
Das Buch hat eine ganz besondere Ausstrahlung. Die kurzen Kapitel sind sehr sinnig übertitelt, Andrea Heinisch schreibt federleicht und sehr poetisch. Einmal angefangen, kann man sich dem nicht mehr entziehen. Sie erzählt Henriettes Geschichte und lässt viel Ungesagtes mitschwingen. Man beginnt zu verstehen, was mit der Mutter ist, Henriettes Welt wird ein Stück größer, sie knüpft zunächst zaghafte Kontakte, sie öffnet sich ein Stück weit. Ihr verstecktes Leben jenseits der gesellschaftlichen Normen hat mich nachdenklich werden lassen. Verurteilt man sich oftmals zu schnell und vergisst, den Menschen dahinter zu sehen?
Und jetzt, nachdem ich Henriette näher kennengelernt habe, lächle ich zurück. Das schwergewichtige Thema kommt leise und sehr feinsinnig daher, Andrea Heinisch trifft mit ihrem wunderbaren Erzählstil den genau richtigen Ton. Ein lesenswertes Buch, dessen Ende hoffen lässt.
Magnolia
aus Bayern
5/5
08.11.2023
Buch (Gebundene Ausgabe)
Ein schwergewichtiges Thema,…
Ein schwergewichtiges Thema, federleicht erzählt Wie schön, dass Henriette mich angelächelt und mich auf den ersten Blick verzaubert hat. Das Cover macht Laune, die Margeriten, der Titel, die ganze Aufmachung laden direkt ein, das Buch näher zu betrachten. „In Henriettes Herz blüht heimlich eine Margerite.“ Ist das nicht schön, so lebensbejahend? Ich finde schon, auch wenn sich Henriette mir zunächst ganz anders präsentiert, denn sie schleppt 190 Kilo mit sich rum. Die Pandemie kommt ihr gerade recht, sie kann von zuhause aus arbeiten. Die Außenwelt betrachtet sie eher durch das Fenster, sie zieht sich immer mehr zurück. Was soll sie in einem Lokal, in dessen Stühle sie immer weniger passt? Da bestellt sie doch lieber all die Köstlichkeiten frei Haus, die sie dann massenweise verschlingt. Genießen ist eher Nebensache, ihre zwei angedachten Mägen wollen gefüllt sein. Und auch wenn ihr ihre Mutter immer wieder ins Gewissen redet, so lässt Henriette sich gehen – es sieht ja keiner. Naja, Martin schon. Zumindest sieht er sie auf dem Bildschirm in ihren täglichen Meetings. Nicht nur in seine grünen Augen hat sie sich verguckt, sie träumt von ihm, sie verstehen sich gut. Wäre da noch Sonja mit ihren Kindern, das Vierte wird auch bald da sein. Henriette nimmt ihren ganzen Mut zusammen und fragt, ob sie bei ihr putzen würde. Henriettes Mutter ist immer dann sehr präsent, wenn Henriette Unmengen an Essen bestellt, wenn die Wäscheberge immer größer werden, das dreckige Geschirr sich stapelt. Henriette kann sich immer weniger bewegen, jeder Schritt will gut überlegt sein. Und bücken – geht meist gar nicht. Das Buch hat eine ganz besondere Ausstrahlung. Die kurzen Kapitel sind sehr sinnig übertitelt, Andrea Heinisch schreibt federleicht und sehr poetisch. Einmal angefangen, kann man sich dem nicht mehr entziehen. Sie erzählt Henriettes Geschichte und lässt viel Ungesagtes mitschwingen. Man beginnt zu verstehen, was mit der Mutter ist, Henriettes Welt wird ein Stück größer, sie knüpft zunächst zaghafte Kontakte, sie öffnet sich ein Stück weit. Ihr verstecktes Leben jenseits der gesellschaftlichen Normen hat mich nachdenklich werden lassen. Verurteilt man sich oftmals zu schnell und vergisst, den Menschen dahinter zu sehen? Und jetzt, nachdem ich Henriette näher kennengelernt habe, lächle ich zurück. Das schwergewichtige Thema kommt leise und sehr feinsinnig daher, Andrea Heinisch trifft mit ihrem wunderbaren Erzählstil den genau richtigen Ton. Ein lesenswertes Buch, dessen Ende hoffen lässt.
books
5/5
23.10.2023
Buch (Gebundene Ausgabe)
Befreiungsschlag mit 190 kg?!…
Befreiungsschlag mit 190 kg?! In „Henriette lächelt“ bekommen wir Einblick in das Leben von Henriette. Sie ist Buchhalterin, 50 Jahre alt und wiegt 190 kg, die sich in ihrem Alltag bemerkbar machen. Ihre Mutter wohnt über ihr und kann es nicht sein lassen, sich in ihr Leben einzumischen oder ihre Meinung kundzutun. Die zu Beginn sehr isolierte Henriette durchläuft im Laufe des Buches eine bemerkenswerte charakterliche Entwicklung und wird offener, sodass sie Bekanntschaften schließt und den Kontakt zu Mitmenschen sucht. Das Buch ist in kurze Kapitel eingeteilt, die sprunghaft Erlebnisse und Ereignisse aus ihrem Leben widerspiegeln. Ich beschäftige mich privat in letzter Zeit vermehrt mit den Themen Bodyshaming und Bodypositivity und den Einblick in die Gefühlswelt einer Betroffenen fand ich sehr bereichernd, zumal ich Henriette auch von Anfang an ins Herz schloss und die Schilderungen gut nachempfinden konnte. Ich kann dieses Buch wirklich empfehlen, es war eine schöne Leseerfahrung!
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