Mit dir bis ans andere Ende der Welt
Roman | Ein bewegender Familienroman von der Autorin des New-York-Times-Bestsellers „Wenn du mich heute wieder fragen würdest“
"Eine Autorin mit einer außergewöhnlichen Tiefe, viel Gefühl und Witz." Meg Wolitzer
Greta Cahill und ihre Schwester Johanna kennen nichts anderes als das einfache Landleben im Irland der 1960er Jahre. Doch während Greta sich dort zuhause fühlt, träumt Johanna von einem Leben unterwegs, ungebunden und frei. Als in der Familie ein Unglück geschieht, finden sich die beiden auf einem Schiff Richtung New York wieder – eine Reise, die ihr Leben für immer verändern wird.
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Ein irisches Leben in New York
Lesefuchs - Bücher mit Herz aus Bargteheide am 03.03.2024
Bewertungsnummer: 2145130
Bewertet: Buch (Taschenbuch)
Ende 2020 hatte ich den ersten Roman „Wenn du mich heute wieder fragen würdest“ der Autorin Mary Beth Keane gelesen. Ich hatte diesen Roman damals mit den Romanen von John Updike und Marilyn French verglichen – beides Autor:innen, die ich sehr mag. Als nun 2022 ein neuer Roman der Autorin angekündigt war, habe ich mich sehr darüber gefreut. Aber ich hatte irgendwie dieses Mal ein wenig Angst vor dem Buch gehabt. Und das nicht zu Unrecht.
Mary Beth Keane erzählt wieder eine Familiengeschichte über einen längeren Zeitraum. Aber der Roman ist trotzdem ein ganz anderer Roman als der vorherige. Erst im Nachhinein ist mir bewusst geworden, dass dies eigentlich ihr erster Roman war. Der Eisele Verlag hat ihn aber erst nachträglich herausgebracht, nachdem „Wenn du mich heute wieder fragen würdest“ so ein Erfolg war.
Das Buch beginnt 1956 und endet 2007. 1956 beginnt die Geschichte in Ballyroan, einem kleinen Dorf in Irland. Greta, die eine Hauptperson, ist zu diesem Zeitpunkt acht Jahre alt. Sie ist das jüngste der Cahill Geschwister. Die Familie lebt in einem Cottage und ist bitterarm. Sie halten sich mit illegalem Lachsfang über Wasser. Doch dann passiert ein Unglück, und die verbliebene Familie muss sehen, wie sie überlebt. Greta wird als etwas zurückgeblieben beschrieben.
In dieser Zeit lernen die beiden Schwestern Greta und Johanna den ungefähr gleichaltrigen Tinkerjungen Michael kennen. Aber es dauert einige Zeit, bis sie wieder aufeinandertreffen. Erst 1963 kreuzen sich ihre Wege wieder. Und es werden die Weichen für ein neues Leben in den USA gestellt, denn in Irland gibt es zu dieser Zeit keine Arbeit für die jungen Menschen. Also sorgt Lily, die Mutter von Johanna und Greta dafür, dass die beiden Mädchen nach New York auswandern. Eine Bekannte, die schon länger in New York lebt, übernimmt die Bürgschaft für die beiden und für Michael.
Und dann beginnt das Leben in New York, was sich allerdings ganz anders entwickelt, als ich es mir vorgestellt habe. Und diesem Leben folgen wir bis zu Überraschungsfeier zur Pensionierung von Michael im Jahr 2007.
Mich hat dieser Roman sehr überrascht. Er war so ganz anders als „Wenn du mich heute wieder fragen würdest“ und auch so anders als die meisten Romane, die ich über diese Zeit in New York gelesen habe. Mary Beth Keane beschreibt sehr eindrucksvoll, wie das Leben in der Zeit von 1956 bis 1963 in Irland gewesen sein muss. Ein Großteil der Menschen lebte in aller einfachsten Verhältnissen. Elektrischer Strom kam erst 1963 in die Dörfer. Aber trotzdem blieb das Leben trist und trostlos. Nicht umsonst bewog es auch zu dieser Zeit noch viele Iren, ihr Land zu verlassen und in England, Australien, Neuseeland, Kanada oder den USA ein neues Leben zu beginnen. Trotzdem blieben sie ihr Leben lang Iren und empfanden Irland als ihre Heimat, auch wenn viele nie wieder zurückkehrten.
Aber auch in New York war das Leben nicht einfach. Johanna, Greta und Michael lebten weiterhin in sehr beengten Verhältnissen. Aber sie waren fleißig und strebsam und sich für keine Tätigkeit zu schade. Doch Johanna wollte mehr. Und dafür hat sie im Prinzip alles getan. Sogar Michael und Greta mit etwas zurückgelassen, womit die beiden eigentlich in dem Alter nicht hätten zurechtkommen müssen. Doch die beiden meistern auch das. Und irgendwann wird das Leben für die beiden und ihre später wachsende Familie besser. Wäre da nur nicht immer die Angst, dass Johanna irgendwann einmal zurückkommt, um einen Teil ihres damals verlassenen Lebens zurückzufordern.
Ich fand diesen Roman sehr interessant und habe daraus viele Informationen gewonnen, die mir bis dato nicht bekannt waren. So habe ich z.B. etwas über die Tinker gelernt. Die Tinker (Kesselflicker), richtig Pavee, sind ein Gruppe des fahrenden Volks, die aber nicht mit den Sinti und Roma verwand sind. Allerdings leben sie ähnlich wie diese in Gruppen zusammen und ziehen mit ihre Wagen und Pferden von Ort zu Ort.
Ich wusste schon, dass die Iren gerne im Ausland zusammenhalten. Aber dass sie immer von der alten Heimat träumen, die sie doch wegen wirtschaftlicher Schwierigkeiten verlassen mussten, ist mir ein Rätsel.
Ich muss gestehen, dass ich mit Johanna und Greta nicht warm geworden bin. Irgendwie hat speziell Greta in meinen Augen nicht gelebt. Ich konnte auch nicht erkennen, ob sie eigentlich ein Ziel in ihrem Leben hatte. Immer hat sie gearbeitet. Immer hat sie für ihre Familie gesorgt. Aber in dem Buch ist nie rübergekommen, dass sie, ihr Mann und ihre Kindern auch einmal Spaß hatten. Das hat mich sehr verstört und traurig gemacht. Zum Glück haben sich die Kinder anders entwickelt.
Erschütternd fand ich auch, wie die Arbeitssituation in New York beschrieben wurde. Michael hat als Tunnelarbeiter gearbeitet und war gewerkschaftlich organisiert. Aber trotzdem war es ein Leben, wo er immer damit rechnen musste, plötzlich ohne Arbeit und ohne Absicherung dazustehen. Ein Leben, wie ich es mir nicht vorstellen kann, da das Erwerbsleben bei uns in Deutschland doch ganz anders abgesichert ist.
Für mich war der Roman ein sehr trauriger Roman, weil ich das Gefühl hatte, das die Protagonist:innen ihr Leben verschenkt hatten. Ich wusste nicht, dass es in den USA z.T. auch in der Zeit der 70. Jahre bis heute so schlimm war. Und dabei werden die USA doch auch heute noch häufig als Paradies dargestellt, in dem alles möglich ist. Das ist es vielleicht auch, aber eben nicht für jeden! Nach diesem Roman denke ich das weniger denn je!
Eine tief berührende Familiengeschichte
Shilo aus Ulm am 11.10.2022
Bewertungsnummer: 1803367
Bewertet: Buch (Gebundene Ausgabe)
In diesem Buch durfte ich Greta Cahill und Michael Ward von 1956 bis 2007, also 60 Jahre lang, auf ihrem Lebensweg begleiten.
Die beiden Schwestern Greta und Johanna leben in dem kleinen Dorf Ballyroan an der irischen Küste in einfachsten Verhältnissen. Greta fühlt sich hier wohl, während Johanna immer mehr von einem Leben in Ungebundenheit und Freiheit träumt. Sie möchte sich in Amerika ein neues Leben aufbauen. Nach einem tragischen Unglücksfall sieht ihre Mutter Lily keinen anderen Ausweg, als beide mit einem Schiff nach Amerika zu schicken, damit sie dort ein neues und gesichertes Leben beginnen können. Diese Reise wird für immer ihr Leben verändern.
Dieser emotional berührende Roman handelt in der Hauptsache von Greta und dem Tinkerjungen Michael, der die Schwestern nach New York begleitet. Das Leben auf dem irischen Cottage, wie auch in New York, ist anschaulich und bildhaft beschrieben. Schnell hatte ich das Gefühl, mittendrin in den Geschehnissen zu sein. Die verträumte Greta entwickelt sich in Amerika zu einer selbstständigen Frau, die ihr Ziel vor ihren Augen hat und an ihnen trotz aller Schwierigkeiten festhält. Die Protagonisten sind ausführlich und sympathisch beschrieben und die Handlung ist mit ihren unvorhersehbaren Wendungen sehr fesselnd. Die Autorin hat es geschafft, mich mit ihrem ruhigen und flüssigen Schreibstil in den Bann zu ziehen, so dass die Seiten nur so dahin flogen und ich das Buch in kürzester Zeit gelesen hatte.
Mein Fazit:
Ein wunderbarer Frauenroman, den man unbedingt gelesen haben sollte. 5 Sterne und eine ganz klare Leseempfehlung.
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