Eine paradiesische Insel in der Karibik: In der Villa eines weißen Millionärsehepaars begegnen sich die schwarze Amerikanerin Jadine, Sorbonne-Absolventin, Kunsthistorikerin und Nichte des Butlerehepaars, und Son, ein abgerissener, gut aussehender Krimineller auf der Flucht, der alles verkörpert, was Jadine verabscheut und begehrt. Zwischen ihnen entspannt sich eine Affäre, die sich von der Karibik bis nach Manhattan und in den tiefen Süden der USA erstreckt.
In ihrem unvergesslichen Roman untersucht Toni Morrison das Geflecht von Machtverhältnissen zwischen Schwarzen und Weißen, Herr:innen und Diener:innen, Frauen und Männern in allen Nuancen.
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Gegensätzliche Spannungen
HeRu aus Regensburg am 08.01.2024
Bewertungsnummer: 2105099
Bewertet: eBook (ePUB 3)
Tar Baby entfaltet sich auf einer paradiesischen Insel in der Karibik, wo der pensionierte, wohlhabende Amerikaner Valerian Street mit seiner wesentlich jüngeren Frau Margaret und zwei afroamerikanischen Bediensteten lebt. Die Nichte der Bediensteten, Jadine, genießt die Gunst der Familie Street, was ihr die Möglichkeit eröffnet, als Model zu arbeiten und an der Sorbonne zu studieren. Die Dynamik ändert sich jedoch drastisch, als der Matrose Son in ihr Leben tritt.
Das Buch offenbart sich mir als eine Erzählung zahlreicher Spannungen: zwischen Schwarzen und Weißen, Reichen und Armen, Männern und Frauen, Alten und Jungen. Insbesondere spielt der Rassismus eine zentrale Rolle, wobei der alltägliche Rassismus eindrucksvoll dargestellt wird, oft unbemerkt von der weißen Oberschicht. Besonders mitgenommen hat mich der Rassismus innerhalb der schwarzen Gemeinschaft, und hier konnte ich mich stark in Jadine einfühlen, die oft den Vorwurf hörte, nicht "schwarz genug" zu sein.
Toni Morrison überzeugt erneut mit ihrer bildhaften und poetischen Sprache, wobei dieses Werk stärker von Dialogen geprägt ist als einige ihrer anderen Werke. Morrison gelingt es, den Leser immer wieder zum Nachdenken und zur Reflexion über die soziale Welt, in der wir leben, anzuregen.
Auf der Suche nach Identität…
Bories vom Berg aus München am 15.11.2025
Bewertungsnummer: 2971102
Bewertet: Buch (Gebundene Ausgabe)
Auf der Suche nach Identität Der vierte Roman der amerikanischen Schriftstellerin Toni Morrison mit dem Titel «Tar Baby» ist in der aktuellen deutschen Ausgabe mit einem Vorwort der Autorin ergänzt worden. Darin schildert die erste farbige Nobelpreisträgerin die familiären Umstände, die sie dazu gebracht hätten, dieses Buch zu schreiben. Auslöser war demnach eine uralte Geschichte aus Afrika von einer Puppe aus Teer, die den Gruß eines Kaninchens nicht erwidert hat. Als das Kaninchen die Puppe wütend tritt, bleibt es an dem klebrigen Teer hängen und kann sich nicht mehr davon befreien. Dieses Teerbaby ist für die Autorin das Sinnbild einer toughen, schwarzen Frau, die sich nicht unterkriegen lässt, wie sie im Interview erklärt hat. Im ersten von zehn Kapiteln wird die Geschichte einer abenteuerlichen Flucht erzählt, die einen farbigen Seemann auf eine abgelegene Karibikinsel verschlägt. Son ist von einem vorbeifahrenden Schiff gesprungen und wäre beim Schwimmen an Land beinahe ertrunken. Unterschlupf findet er in einem einsam gelegenen Haus, in das er sich nachts einschleicht. Wobei er beinahe erwischt worden wäre, er konnte sich gerade noch in die Kleiderkammer der Hausherrin retten. Der mehr als siebzigjährige Valerian Street hat vor Jahren seine Bonbonfabrik in Amerika verkauft und sich mit Margaret, seiner deutlich jüngeren Frau, in ein großes, feudales Landhaus zurückgezogen, sein karibisches Refugium. Betreut wird das weiße Ehepaar von dem farbigen Butler Sydney und dessen Frau, die als Köchin fungiert. Als die Hausherrin überraschend auf Son stößt und schreiend um Hilfe ruft, will Sydney den Eindringling auf der Stelle erschießen, wird in letzter Sekunde aber vom Hausherrn daran gehindert. Der lädt den Farbigen vielmehr zu einem Drink ein und bietet ihm schließlich sogar großzügig auch noch Unterkunft an. Im Haus wohnt besuchsweise seit einigen Monaten auch Jadine, die 25jährige, ebenfalls farbige Nichte des Butler-Ehepaares. Sie wurde nach der Schule vom Hausherrn gefördert, er hat ihr ein Studium als Kunsthistorikerin in Paris finanziert, das sie inzwischen erfolgreich abgeschlossen hat. In Paris wurde die äußerst attraktive junge Frau als farbiges Model entdeckt und hat sich deshalb entschlossen, zunächst nicht als Dozentin an der Universität zu bleiben. Sie ist stattdessen nach New York gegangen, um dort als gut bezahltes Model zu arbeiten. Nach anfänglichem Streit kommen sie und der Eindringling Son sich schnell näher und haben bald schon rauschhaften Sex miteinander. Er erzählt ihr schließlich sogar den kriminell bedingten Grund für seine Flucht aus den USA. Es ist kurz vor Weinachten, der erwachsene Sohn der Streets wird sehnsüchtig erwartet. Wegen widriger Wetterverhältnisse sind aber kurzfristig alle Flüge gestrichen worden, und auch andere Gäste müssen absagen. So sitzen schließlich nur die Streets, das Butlerehepaar sowie Jadine und Son beim Festschmaus am Esstisch zusammen, wo der traditionelle Truthahn aber ausnahmsweise diesmal durch eine Gans ersetzt ist. Es kommt zum Eklat, als gesprächsweise durch die Köchin, die für den einzigen Sohn wie eine zweite Mutter war, angedeutet wird, dass Mrs. Street ihn als Baby und Kleinkind mit Nadeln gestochen und ihm sogar Brandwunden zugefügt hat. Überstürzt reisen Jadine und Son nach New York ab. In Person der auf einem derart speziellen Gebiet wie der Mode erfolgreichen, schwarzen Protagonistin kumulieren die unterschwellig vorhandenen, rassistischen Töne, die der Plot thematisiert und der Buchtitel symbolisiert. Sie fühlt sich von den konventionellen Vorstellungen und sozialen Bedingtheiten anderer farbiger Frauen bedrängt. Und auch die heiße Affäre mit Son scheitert schließlich an derartigen rassisch geprägten, konträren Lebens-Einstellungen und -Bedingungen. Nicht nur die Farbigen in diesem Roman befinden sich auf der Suche nach ihrer Identität, alle müssen sich letztendlich fragen, ob sie denn wirklich authentisch handeln. Stilistisch überzeugend ist die poetische Sprache der Autorin, mit der sie - auch in kontemplativen Dialogen - starke Bilder erzeugt beim Lesen ihrer extrem breit angelegten, interessanten Rassismus-Story.
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