Fünf Jahre war Moll Gladney verschwunden. Fünf Jahre, in denen ihre Eltern versucht haben, die Trümmer ihres Lebens zusammenzuhalten. Doch plötzlich ist ihre Tochter wieder da, 25 inzwischen. Ohne ein Wort, wo sie gewesen ist, einen Hinweis, warum sie sich nie gemeldet hat. Gerade als sich die Wogen aus Klatsch und Tratsch in der kleinen irischen Gemeinde beinahe wieder gelegt haben, klopft die Polizei an die Tür der Gladneys – mit unfassbaren Neuigkeiten.
Kundinnen und Kunden meinen
3.8/5.0
mimitatis_buecherkiste
aus Krefeld
5/5
05.05.2024
Buch (Gebundene Ausgabe)
Das flüchtige Glück
Irland, 1973. Kit und Paddy Gladney sind einfache Leute, ihr kleines Cottage gehört Paddys Arbeitgeber, zusätzlich liefert der über Sechzigjährige im Dorf die Post aus. Erst spät hat das gläubige Paar ein Kind bekommen, welches das größte Glück im Leben ihrer Eltern ist. Umso höher das Entsetzen, als Mary, die Moll genannt wird, mit zwanzig über Nacht verschwindet, ohne Abschied einen Bus nach London nimmt und unauffindbar bleibt. Erst fünf Jahre später kommt Moll zurück, als wäre nichts geschehen. Gerade lassen Klatsch und Tratsch darüber nach, als der Dorfpolizist an die Tür klopft und ungeheuerliche Neuigkeiten überbringt.
„Sie ging auf die sechzig zu, die Paddy bereits hinter sich gelassen hatte, und Moll war das Wunder in ihrer Lebensmitte gewesen, ihr Lächeln von Gott, und jetzt war Moll weg, und auf ihren Schultern spürten sie das schreckliche Gewicht all der Dinge, die sie über die Welt nicht wussten.“ (Seite 18)
Was da kurz nach der Rückkehr von Moll aus England zutage kommt, darauf möchte ich nicht näher eingehen, weil es zwar einerseits Einfluss nimmt auf die gesamte Familie und seine Kreise zieht in die Nachbarschaft, um nicht zu sagen, es betrifft das ganze Dorf, ich andererseits aber die Überraschung darüber, um was es sich handelt, keinem Leser und keiner Leserin nehmen möchte. Man gestatte mir im übrigen einen kleinen Zwischenruf, der zwar nichts mit der Geschichte zu tun hat, aber angesichts meines ersten Satzes dieses Abschnitts angebracht ist: Wem mein erster Satz bereits zu lang und zu verschachtelt sein sollte, wird sich bei der Lektüre sehr wundern, denn manche Sätze dort nehmen eine halbe Seite ein. Ich liebe das, auch wenn es manchmal etwas anstrengend sein kann. Mit voller Konzentration auf das Buch sollte dies aber nun wirklich kein Problem sein.
Das Leben der Familie im weiteren Verlauf wird von Donal Ryan so anschaulich beschrieben, dass ich oft das Gefühl habe, dabei gewesen zu sein. Die Abschnitte handeln von jeweils einem Mitglied der Familie, vermischen sich aber im Laufe der Zeit, wenn es zum besseren Verständnis passt. Als dies zum ersten Mal passiert, bin ich kurz irritiert, gewöhne mich aber schnell daran. Das Buch zieht mich kontinuierlich in seinen Bann, ich kann mir nicht vorstellen, dass es noch interessanter werden kann, als einige Dinge passieren, die mich erstaunen, entzückt lese ich ohne Pause weiter und erfreue mich daran.
Die Hochs und Tiefs, die Freuden, das Leid, Zufälle und Absichten, das Miteinander und auch das Alleinsein, das ganze verdammte Leben kann so unglaublich spannend sein. Auf den letzten Metern erfahre ich noch so einiges, von dem ich nicht wusste, dass es relevant ist, rückblickend erscheint einiges, das unwichtig schien, ganz anders, werden Momente weniger schlimm oder andersrum. Immer wieder bin ich überwältigt, wütend, erstaunt, peinlich berührt und manchmal weine ich still vor mich hin. Alle Fragen werden beantwortet, sogar die, von denen ich nicht ahnte, dass ich die Antwort wissen will. Je näher das Ende kommt, desto weniger wünsche ich es herbei, denn ich könnte endlos weiterlesen. Aber nichts ist unendlich und so lasse ich los, lege das Buch beiseite und lächle vor mich hin. Große Freude überkommt mich und das ist doch des Lesens Sinn. Großartig!
Buchstabenfestival
aus Deutschland
4/5
07.03.2024
Buch (Gebundene Ausgabe)
Vor diesem Buch kannte ich…
Vor diesem Buch kannte ich den Autoren nicht. Der Klappentext hatte mich angesprochen, so dass ich das Buch in die Hand nehmen musste. Nach den ersten wenigen Seiten habe ich geschaut, ob der Autor schon verstorben ist, denn sein Schreibstil hat mich sehr an die 50er-60er Jahre erinnert. Die langen Schachtelsätze und die Wortwahl ließen mich in dem Glauben, dass das Buch neu aufgelegt worden ist. Tatsächlich ist jedoch der Autor Jahrgang 1976. Die langen Sätze waren anfangs sehr gewöhnungsbedürftig, so dass ich das Lesen immer wieder mal abgebrochen und das Buch beiseite gelegt hatte. Nach gut 1/4 des Buches wurde die Geschichte komplexer und spannender und ich hatte mich an den Schreibstil gewöhnt. Die kleinen Wendungen in der Geschichte hielten die Spannung und somit mein Interesse bis zum Schluss aufrecht. Die Charaktere und die Gegend, in denen sie leben, werden sehr gut beschrieben, so dass man sich gut in die Geschichte hineinversetzen kann. Die Enge der kleinen irischen Gemeinde spürt man beim Lesen, die starke Religiosität und die Abhängigkeiten der einzelnen Gemeindebewohner:innen spielen eine große Rolle. Und Moll? Moll kommt zurück und sagt kein Wort über das Warum und Wieso ihres Wegganges. Aber bringt etwas mit, womit die Eltern nicht gerechnet haben. Die Gemeinde tuschelt und die Eltern müssen sich mit dem Schock auseinandersetzen. Das schmale Buch setzt sich mit einer Familiengeschichte über drei Generationen auseinander. Jede Generation kämpft mit ihren ganz eigenen Problemen. Teilweise muss sie aber auch die Päckchen aus der Vergangenheit mittragen. Viele aktuelle Themen werden in diese Geschichte eingebaut, jedoch ohne den Lesenden zu überfordern, sondern eher sachlich vor Augen zu halten, dass es die Themen schon seit Jahren gibt. Insgesamt fand ich die Geschichte gut und schön geschrieben (wenn man von den Schachtelsätzen mal absieht).
Lia48
4/5
05.03.2024
Buch (Gebundene Ausgabe)
Die verschwundene Tochter kehrt zurück - eindrückliche Geschichte über 3 Generationen!
„(…) Moll war das Wunder in ihrer Lebensmitte gewesen, ihr Lächeln von Gott, und jetzt war Moll weg, und auf ihren Schultern spürten sie das schreckliche Gewicht all der Dinge, die sie über die Welt nicht wussten.“
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INHALT:
Irland, 1973: Kit und Paddy Gladney, beide um die sechzig Jahre alt, leben in einem Cottage im Grünen von Knockagowny. Doch der Schein der friedvollen Idylle trügt.
Fünf Jahre ist es her, dass ihre gemeinsame Tochter Moll plötzlich verschwand. Lediglich eine Reisetasche und etwas Bargeld bei sich, verlor sich ihre Spur damals in Dublin.
Es hatte keinen Streit gegeben und ihre Tochter galt stets als vernünftig, anständig und brav – ein gewöhnliches Mädchen, das mit ihnen jeden Abend den Rosenkranz betete.
Noch immer besteigt die fromme Mutter Kit jeden Abend den Hügel zur Maria Magdalena gewidmeten Kirche und fleht um ihre verlorene Tochter.
Die Eltern führen seitdem ein „stilles Halbleben“, die Hoffnung, Moll lebendig wiederzusehen, schwindet von Tag zu Tag mehr und ihre Herzen wiegen schwer.
Als eines Tages die mittlerweile 25-jährige Tochter unerwartet wieder vor ihrer Tür steht, sind ihre Eltern zunächst froh und überglücklich, sie wieder bei sich zu haben und das weder tot noch schwanger.
„Sie war zurück und auf den ersten Blick unversehrt, und die Welt war wieder warm und voller Leben und Licht.“
Aber warum ist Moll damals gegangen? Was ist geschehen?
„(…) keine Frage war Frage genug, und keine Antwort konnte etwas an der Wahrheit des Augenblicks ändern, dass dieses Mädchen an ihrem Tisch saß und nicht ertrunken oder ermordet oder irgendwo eingesperrt war, sondern brav schweigend aß, und dass ihre Geschichte erzählt werden oder in ihrem Innern verbleiben mochte: Beides würden sie überleben.“
Doch spätestens als die Tochter nicht mehr mit zur Sonntagsmesse geht, anderen gegenüber ausfallend wird und plötzlich die Polizei an der Tür steht, wird den Eltern bewusst, dass Moll in Schwierigkeiten stecken muss …
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MEINUNG:
Zum Inhalt des Buches könnte man sicherlich noch so viel mehr schreiben, doch ich finde, hier ist weniger mehr.
Ich möchte die Gründe für Molls Verschwinden nicht spoilern und auch nicht, was in der Zwischenzeit alles geschehen ist und was noch passieren wird.
Dies war mein erstes Buch von Donal Ryan, der Klappentext hatte mich neugierig gemacht. Zugegeben, an den Schreibstil musste ich mich erst einmal gewöhnen. Auch wenn ich diesen an sich als schön und anschaulich empfunden habe, haben mich die langen Schachtelsätze herausgefordert und ich bin anfangs etwas abgeschweift. Mit der Zeit habe ich die langen Sätze aber immer weniger als störend empfunden, konnte mich immer besser darauf einlassen und mich auf den Inhalt fokussieren.
Denn tatsächlich ist die Geschichte, die hinter Molls Verschwinden steckt, interessant. Sie stellt das Leben einer ganzen Familie und weiterer Leute auf den Kopf.
Der Roman, der sich über drei Generationen erstreckt, handelt u. a. von Beziehungen unterschiedlicher Art, Liebe, Selbstfindung, Zugehörigkeit, Geheimnissen, Schuld und Rassismus, ohne dabei thematisch überfrachtet zu wirken.
Außerdem zieht sich ein religiöser roter Faden durch das ganze Buch. Die Eltern Kit und Paddy Gladney sind fromme Leute, die ihren Glauben ausleben. Zudem tragen die verschiedenen Kapitel biblische Namen und eine der Figuren entwickelt eine Erzählung rund um die Geschichte des blinden Bartimäus aus der Bibel.
Das Buch über drei Generationen hinweg fand ich insgesamt sehr eindrücklich und lesenswert. Die einzelnen Figuren sind differenziert ausgearbeitet und ihre Hintergründe habe ich gerne verfolgt. Vor allem das letzte Drittel des Buches hat mich auch emotional sehr berührt.
Die unerwarteten Wendungen und Entwicklungen haben zu noch mehr Spannung beigetragen.
So habe ich das Buch an einem Stück verschlungen, da ich es nicht mehr aus den Händen legen konnte.
Auch wenn ich einen thematischen Übergang bei einem der Perspektivenwechsel nicht ganz rund fand, schließt sich am Ende des Buches der Kreis und es wirkt sehr stimmig.
Anmerken möchte ich noch, dass mir persönlich der Titel des Buches nicht offensichtlich genug ist. Ich musste die Hintergründe nach der Lektüre erst einmal googeln. Da hätte ich mir noch mehr Bezug zum Inhalt gewünscht oder einen anderen Titel.
Leute, die das Buch noch nicht kennen, könnten z. B. auch denken, dass es hier um Falschgeld geht.
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FAZIT: Nachdem ich mich an die langen Schachtelsätze gewöhnt hatte, mochte ich das Buch immer mehr. Die Geschichte ist eindrucksvoll, lesenswert mit differenziert ausgearbeiteten Figuren und unerwarteten Wendungen. Ein Buch mit tollen Themen, dem ich noch mehr Aufmerksamkeit wünsche – das hat es verdient! 4-4,5/5 Sterne und eine klare Leseempfehlung!
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(C. N.: Rassismus, Fatshaming, Suizidgedanken, se*uelle Gewalt, Tod, Trauer)
Birgit
aus Ventschow
3/5
29.03.2024
Buch (Gebundene Ausgabe)
Ein tiefgründiger Roman
Inhalt:
Irland 1973: Von einem auf dem anderen Tag ist Moll, das einzige Kind von Kit und Paddy Gladney, fort. Ohne irgendwelche Anzeichen ist Moll mit ihren 20 Jahren in den ersten Bus nach Dublin gestiegen. Kit und Paddy machen sich auf die Suche, zweifeln an ihrer Erziehung zu ihrer Tochter und akzeptieren irgendwann, dass Moll entweder tot oder schwanger ist. Doch fünf Jahre später steht Moll vor der Tür ihres Elternhaus ohne Erklärung für ihr Verschwinden. Und schon bald klopft die Polizei an die Tür der Gladneys.
Fazit:
Der Klappentext machte mich extrem neugierig und das Buch beginnt auch schnell mit dem Verschwinden von Moll. Jedoch ist der Schreibstil mit den langen Schachtelsätzen nicht leicht zu konsumieren. Trotzdem gewöhnt man sich schnell an das Buch.
Durch die vielen Sichtweisen der einzelnen Charakteren hat die Geschichte eine gewisse Tiefgründigkeit, was ich sehr schön finde.
Als ich dachte, dass Molls Verschwinden schon in der Mitte des Buchs geklärt wäre, habe ich mich getäuscht. Das Buchende hat nochmal der Geschichte eine neue Sichtweise gegeben.
Ostseekind92
aus Ventschow
3/5
29.03.2024
Buch (Gebundene Ausgabe)
Ein tiefgründiger Roman…
Ein tiefgründiger Roman Inhalt: Irland 1973: Von einem auf dem anderen Tag ist Moll, das einzige Kind von Kit und Paddy Gladney, fort. Ohne irgendwelche Anzeichen ist Moll mit ihren 20 Jahren in den ersten Bus nach Dublin gestiegen. Kit und Paddy machen sich auf die Suche, zweifeln an ihrer Erziehung zu ihrer Tochter und akzeptieren irgendwann, dass Moll entweder tot oder schwanger ist. Doch fünf Jahre später steht Moll vor der Tür ihres Elternhaus ohne Erklärung für ihr Verschwinden. Und schon bald klopft die Polizei an die Tür der Gladneys. Fazit: Der Klappentext machte mich extrem neugierig und das Buch beginnt auch schnell mit dem Verschwinden von Moll. Jedoch ist der Schreibstil mit den langen Schachtelsätzen nicht leicht zu konsumieren. Trotzdem gewöhnt man sich schnell an das Buch. Durch die vielen Sichtweisen der einzelnen Charakteren hat die Geschichte eine gewisse Tiefgründigkeit, was ich sehr schön finde. Als ich dachte, dass Molls Verschwinden schon in der Mitte des Buchs geklärt wäre, habe ich mich getäuscht. Das Buchende hat nochmal der Geschichte eine neue Sichtweise gegeben.
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