"Mit zwölf Jahren wurde mir schlagartig klar, dass ich nie durch Anmut überzeugen würde." Charly Benz.
Wie gestaltet man sein Leben, wenn man zwei linke Hände, eine demolierte Seele und jede Menge Probleme hat? Eine hinreißende Tiefstaplerin, der man nicht so ganz trauen kann, führt uns durch den neuen Roman von Verena Roßbacher.
Mit unverbrüchlichem Optimismus und irre gut gelaunt strauchelt Charly Benz seit 43 Jahren durch ihr Leben. Sie arbeitet im Marketing einer Berliner Foodcompany, ernährt sich von angebrannten Croissants und bespricht ihre Beziehungsprobleme - die darin bestehen, dass sie keine Beziehung hat - mit ihrem einzigen Freund: Herr Schabowski, ein sechzigjähriger Mann, der ihre Post und Ängste sortiert. Doch als dieser eine tödliche Diagnose erhält, ihr erster Versuch einer Systemischen Familienaufstellung in einem Debakel endet und plötzlich gleich drei Männer ihr Leben gehörig durcheinanderbringen, verlässt Charly allumfassend der Mut. Den sollte sie schleunigst wiederfinden, sie ist nämlich schwanger. Sie und Schabowski beschließen, ihre Probleme proaktiv anzugehen: Sie flüchten. Und zwar nach Bad Gastein, ein ehemals mondäner Kurort im Südwesten Österreichs. In einem leerstehenden Hotel der Jahrhundertwende, das einst Charlys Vater gehörte, stellen sie fest: Man kann sich die Menschen, mit denen man verwandt ist, nicht aussuchen - seine Familie aber schon.
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Großartig
Bewertung am 17.01.2026
Bewertungsnummer: 2983410
Bewertet: Buch (Taschenbuch)
Eines der besten Bücher seit langem.
Klug, witzig, feinfühlig, traurig und sehr berührend. Große Literatur mit Humor. Eine seltene Paarung. Frau Rossbacher gelingt mit diesem Buch ein wahres Kunstwerk. Sehr empfehlenswert!
Tolles Buch
Bewertung am 17.12.2024
Bewertungsnummer: 2366131
Bewertet: eBook (ePUB 3)
Ich habe es gerne mit Vergnügen gelesen. Verena Rossbacher schreibt echt umwerfend gut. Die psychologischen Einwürfe und Erfahrungen der Protagonistin sind herrlich zu lesen. Eine absolute Empfehlung!
Meinung aus der Buchhandlung
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Ein wunderbarer Roman über Freundschaft, Liebe und Alltagsprobleme mit einer ordentlichen Portion Humor. Die chaotische und herrlich schräge Hauptfigur lässt seit ihrer Kindheit kein Fettnäpfchen und keine Katastrophe aus, doch nach einem einschneidenden Ereignis krempelt sie nicht nur ihr Leben, sondern auch die Leben der Menschen in ihrem engsten Umfeld um.
Absolute Leseempfehlung.
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Are you happy in this modern world? oder auch: eine literarische Dramödie in drei Akten
Bewertet: Buch (Gebundene Ausgabe)
Den Plot dieses Buches findet man vermutlich zu hauf in Romanen, seien es avancierte oder leichte: Es geht im Groben um das Singlesein und die Einsamkeit in einer modernen Welt, um das Abgehängt-Fühlen und darum, sich als Außenseiter zu empfinden. Es wird ein Lebensabschnitt behandelt, in dem sich für die Protagonistin alles ändert und sie sich weiterentwickelt - auch das kennen wir aus diversen Büchern. Was dieses Buch besonders macht, ist die Art und Weise, wie mit diesem Thema umgegangen wird bzw. wie erzählt wird.
Was in anderen Romanen oft nur bierernst behandelt werden kann, wird hier durch die flapsige und schrullige Ich-Erzählerin, die sich zum Teil selbst karikiert, zu einem vergnüglichen Leseerlebnis. Das heißt aber nicht, dass einem nicht das Lachen im Hals stecken bleiben kann oder dass wir hier ins Triviale abrutschen. Ja, die Ich-Erzählerin ist eine auschweifende Tiefstaplerin, die in einer "ironischen Endlosschleife" gefangen ist und sich in Metaphern oder Werbeslogans ihrem Leben und Gefühlen nähert, was einem einige Lacher entlockt und das Buch vergnüglich macht. Dabei muss man aber sagen, dass die Themen, die behandelt werden durchaus ernst sind - nur: Humor schafft Distanz, macht uns Situationen aushalten, die uns ansonsten vielleicht verzweifeln lassen würden. Und sie sagt ja selbst: "[...] ich bin übrigens auch gar nicht so witzig, das wirkt nur so, weil alle immer denken, das wäre bei mir alles ironisch [...]". Diese Art von sich zu Erzählen wird jedoch von ihrem Gegenüber, Herrn Schabowski, immer wieder in Frage gestellt und wir merken, vielleicht ist Charlie in ihren Ausführungen doch nicht ganz zu trauen.
Insgesamt ist die Erzählweise des Buches gelungen: Der Prolog zu Beginn ist nicht bloß witzig (im besten Sinn), sondern prägend für das Buch. Ebenso wird die Art zu Erzählen immer wieder refelektiert, wobei die Leser*innen miteinbezogen werden. Charakteristisch ist schon das erste Kapitel, wo die Ich-Erzählerin lapidar feststellt: "Oder hätte ich anders anfangen sollen? [...] Wie auch immer, der Hase hat sich ja eh schon vergaloppiert, wir müssen da jetzt einfach durch." Und dieses Hakenschlagende eines Hasen haftet diesem Buch an, wir springen fröhlich hin und her zwischen Gegenwart, Vergangenheit und unterschiedlichen Handlungssträngen. Es wird nie der Faden verloren, es stimmt hier einfach alles zusammen und das ist erst recht ein Vergnügen.
Persönlich hat mich gefreut, dass es - neben (karikaturhaften) Seitenhieben auf Handke, Knausgard, Wittgenstein und geisteswissenschaftliche Studien - Verweise gibt auf Popularkultur und andere Autor*innen. Manchmal scheint hier etwa der geschwätzige Erzähler der berühmten Haas'schen Brenner-Romane aufzublitzen, wenn der charakteristische "Dings"-Platzhalter oder der Nachsatz "nix dagegen" auftaucht.
Insgesamt ein wirklich lesenswerter Roman über uns Menschen, die sich in der Welt zurechtfinden müssen. Verena Rossbacher hat mich dabei auch sprachlich und erzähltechnisch überzeugen können. Ich kann das Buch nur jedem empfehlen.
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