In "Oberst Chabert" entfaltet Honoré de Balzac die Tragödie eines Mannes, der nach dem Konflikt Napoleons in die Gesellschaft zurückkehrt, um sich mit seiner verschollenen Identität und der Kälte der modernen Welt auseinanderzusetzen. Der Roman ist im typischen Realismus Balzacs verankert, wobei er die psychologischen Nuancen und sozialen Strukturen des frühen 19. Jahrhunderts präzise einfängt. Balzac verleiht der Geschichte mit seiner charakteristischen Detailgenauigkeit und eindringlichen Prosa eine tiefgründige Dimension, die den Leser in die emotionale und gesellschaftliche Landschaft jener Zeit hineinzieht. Honoré de Balzac, einer der einflussreichsten Schriftsteller der französischen Literatur, ist bekannt für sein umfassendes Werk, das die Gesellschaft seiner Zeit kritisch reflektiert. Seine persönlichen Erfahrungen, insbesondere die Wechselwirkungen zwischen Arm und Reich sowie die Herausforderungen des sozialen Aufstiegs, fließen direkt in die Schaffung von komplexen Charakteren und facettenreichen Geschichten ein. Diese Aspekte sind auch in "Oberst Chabert" spürbar, wo der Held symbolisch für die verlorenen Ideale seiner Zeit steht. Das Buch bietet nicht nur einen faszinierenden Einblick in das Leben eines Mannes, der zwischen zwei Welten gefangen ist, sondern regt auch zur Reflexion über Identität, Liebe und die Unbarmherzigkeit der gesellschaftlichen Konventionen an. Leser, die an tiefgründigen Charakterstudien und sozialkritischen Betrachtungen interessiert sind, werden in diesem Werk fesselnde Perspektiven und reichhaltige Emotionen finden.
Kundinnen und Kunden meinen
4.5/5.0
2 Bewertungen
5 Sterne
(1)
4 Sterne
(1)
3 Sterne
(0)
2 Sterne
(0)
1 Sterne
(0)
Von Ehefrauen und Gerichten
Polar aus Aachen am 11.03.2021
Bewertungsnummer: 580126
Bewertet: Buch (Taschenbuch)
Ein Kriegsheld, verarmt, von der Justiz verspottet, wendet sich an einen Anwalt, der Mitleid mit ihm hat, sich überzeugen läßt, dass er wirklich jener berühmte Oberst Chabert ist, der unter Napoleon gedient hat und angeblich gefallen ist. Seine Ehefrau hat längst wieder geheiratet. Darauf bedacht, dass einmal Gewonnene nicht wieder zu verlieren, hat sie den Oberst um sein ganzes Vermögen gebracht, während er sich in der eigenen Scham windet, so tief gesunken zu sein, und auf Rehabilitierung hofft. Balzac entwirft in ihm nicht nur das faszinierende Bild eines alten Militärs, er zeigt auch die Mühlen damaliger Justiz, in die man einmal geraten, seinen Namen zermahlen sieht. Dass der Anwalt sich seiner annimmt, eine List ersinnt, mit der er der infamen Ehefrau beizukommen trachtet, ist Glück und Unglück zugleich. Glück, weil sich endlich ein Ende der Leidenzeit abzuzeichnen beginnt, und Unglück, weil es zu einer Widerbegegnung mit seiner Ehefrau führt, bei der der Oberst ein weiteres Mal einer List unterliegt. Nun ist auch der Anwalt um sein Honorar betrogen. Doch Balzac spinnt seine menschliche Komödie soweit, dass am Ende der Zufall zumindest die beiden aussöhnt, und der Oberst unter Beweis stellen darf, dass er sein Wort stets gehalten hat, auch wenn er seinen Namen nicht mehr führt. Eine höchst amüsante, unterhaltsame Geschichte, die ihren bitteren Beigeschmack nicht herunterschluckt und Balzacs Kunst, Masken so grell zu schminken, dass sie als solche kenntlich werden, einmal mehr unter Beweis stellt.
Eine alte Geschichte, die mit Themen wie Machtspielen, Korruption und Geld immer noch scharfe Kritik an die heutige Zeit ausübt
blerta am 05.03.2022
Bewertungsnummer: 1669477
Bewertet: Buch (Taschenbuch)
Oberst Chabert, der nach der Schlacht in Eylau als tot gilt, taucht eines Tages plötzlich in einem Anwaltsbüro auf. Mit dem Wunsch, sein Eigentum zurückzuerlangen, das nach seinem vermeintlichen Tod in die Hände seiner Frau gefallen ist.
Es ist eine kurze Geschichte, aber trotzdem unglaublich detailliert geschildert. Damit meine ich nicht, dass ich elendig lange Beschreibungen lesen musste, sondern gezielt gepickte Ausführungen, die dazu beitrugen, eine Atmosphäre im Buch zu schaffen. Ich fühlte mich so, als wäre ich dort – in Frankreich, im 19. Jahrhundert.
Spannend dabei ist, dass man als Leser:in Chabert vor allem aus anderen Augen sieht. Beispielsweise kommen wir als erstes in Kontakt mit ihm, als er spontan im Anwaltsbüro auftaucht. Jedoch lernt man ihn immer besser kennen und erblickt auch die Komplexität, die hinter dem Charakter steckt. Auch kommt während des Lesens ordentlich Spannung auf. Vor allem gegen Schluss, wo man unbedingt wissen will, ob Chabert gegen die gesellschaftlichen Verhältnisse ankämpfen kann oder dagegen verliert.
Obwohl das Buch fast 200 Jahre alt ist, spürt man das fast nicht während des Lesens. Ich kam gut durch die Seiten, alles war verständlich und flüssig geschrieben.
Balzac kritisiert in diesem Buch die gesellschaftlichen Verhältnisse Frankreichs zu dieser Zeit. Man erlangte lediglich sozialen Status, wenn man Geld besass und rücksichtslos war. Ein Mann wie Chabert, dem das Wohl seiner Mitmenschen nicht egal war, hatte zu kämpfen – und er wurde schamlos ausgenutzt.
Diese Auffassung lässt einen auch an die heutigen Tage denken, wo man immer wieder von Korruption und Machtspielen hört. Balzacs Kritik an die Gesellschaft ist auch im 21. Jahrhundert noch aktuell.
Fazit
Eine Kritik an die gesellschaftlichen Verhältnisse Frankreichs im 19. Jahrhundert, wo der soziale Status nur von Geld und Macht abhing. Auch wenn das Buch 200 Jahre alt ist, liest es sich sehr flüssig und weist eine gute Atmosphäre und Spannung auf. Die Geschichte mag alt sein, aber die Kritik ist noch hochaktuell.
Kurze Frage zu unserer Seite
Vielen Dank für Ihr Feedback
Wir nutzen Ihr Feedback, um unsere Produktseiten zu verbessern. Bitte haben Sie Verständnis, dass wir Ihnen keine Rückmeldung geben können. Falls Sie Kontakt mit uns aufnehmen möchten, können Sie sich aber gerne an unseren Kund*innenservice wenden.