Marie Antoinette war nicht nur die letzte Königin Frankreichs, sondern auch die einzige, die in Versailles wirklich regiert hat. Früher als viele ihrer Untertanen begriff sie die Chancen der Aufklärung.
Was junge, royale Frauen heute mit großem Erfolg vormachen, war für sie bereits Tagesgeschäft: schöne Kleider tragen, winken, lächeln. Sie strahlte inmitten einer jugendlichen, privaten Freund:innen-Clique ¿ und nahm sich ungeniert einen Geliebten.
Eine wahre Flut an Fake News schlug über dem Kopf der »Ausländerin« zusammen. Die Habsburgerin wollte Herrin ihres eigenen Lebens sein. Dies vor allem wurde ihr zum Verhängnis. Und kostete sie den Kopf.
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Endlich!
Petra von Straks am 17.10.2023
Bewertungsnummer: 2045564
Bewertet: Buch (Gebundene Ausgabe)
Fast auf den Tag genau 230 Jahre ist es jetzt her, dass Königin Marie Antoinette von Frankreich (oder die "Witwe Capet", wie sie damals offiziell hieß) in Paris die Guillotine besteigen musste. 91 Jahre ist es wiederum her, dass die bekannteste und derzeit einzige deutschsprachige Monographie über die Königin auf Deutsch erschienen ist: Stefan Zweigs "Marie Antoinette: Bildnis eines mittleren Charakters". (Was die ganze Sache in vier Worten zusammenfasst ...)
Höchste Zeit also, eine neue Biografie der Königin vorzulegen. Michaela Lindinger und dem Molden Verlag ist es zu verdanken, dass man sich heute ebenso frisch wie fundiert mit dem Leben der Tochter Kaiserin Maria Theresias befassen kann.
Es war höchste Zeit, denn inzwischen haben mehrere Filmemacher Werke über die Königin vorgelegt, die dringend einer sachlichen Darstellung des Themas bedürfen. Nun ist es in der Geschichtsschreibung so, dass immer neue Quellen auftauchen, die bewertet werden müssen. Briefe, Akten, Memoiren etc. Wenn nun nahezu hundert Jahre vergehen, bevor sich jemand wieder mit dem Leben einer historischen Persönlichkeit befasst, bedeutet dies, dass falsche Behauptungen stehen bleiben. Dass Fabeln weitergetragen, sprich: abgeschrieben werden.
Wenn dann solch alten Zöpfe abgeschnitten werden und das Bettzeug ausgeschüttelt wird, freue ich mich ganz ungemein.
Ein Beispiel: Bei Zweig wird noch jene Geschichte kolportiert, dass Marie Antoinette, als sie an den französischen Hof übergeben wurde (das geschah auf einer Insel vor Straßburg, im Niemandsland sozusagen), nackt ausgezogen worden sei (vor den versammelten Höflingen), eine Linie habe überschreiten müssen, um dann französische Kleidung angelegt zu bekommen.
Eine ebenso rührende wie falsche Geschichte, die Generationen von LeserInnen mit Mitleid für das gedemütigte junge Mädchen erfüllt hat.
Es gab nichts dergleichen. Nicht eine zeitgenössische Quelle berichtet von dieser Entkleidung. Tatsächlich bekam sie zwar französische Kleider, aber so wie man das normalerweise tut: hinter verschlossenen Türen.
Es ist Michaela Lindinger vorbehalten gewesen, mit dieser Mär aufzuräumen.
Lindinger gebührt ebenfalls ein großes Lob dafür, dass sie das Thema an sich in die Gegenwart transportiert hat. Was früher Lügen und Propaganda hieß, sind heute Fake News.
So befasst die Autorin sich nicht nur mit dem Schicksal Marie Antoinettes in dieser Zeit, sondern mit dem Schicksal der Frauen im revolutionären Frankreich insgesamt.
Eindrucksvoll schildert sie das Schicksal der wenigen in der Revolution an der Spitze mitkämpfender Frauen. Überraschung! Sie wurden sehr schnell von den Männern vertrieben. Und zwar entweder auf die Guillotine, oder an den Herd, denn dort war - aus der Sicht des Revolutionärs - der einzig richtige Platz für eine Frau. Dort sollte sie viele, viele kleine Revolutionäre gebären und großziehen.
FAZIT:
Michaela Lindinger gelingt es mit ihrer Biografie, die Schwierigkeiten, in denen sich Marie Antoinette befand, in die Gegenwart zu übertragen. Man begreift sehr schnell, dass die politische Situation des Ancien Régime und der Revolution auch noch heute nachvollziehbare Ursachen hatten. Ja, Marie Antoinettes Schicksal wird zum beinahe exemplarischen Frauenschicksal in Zeiten massiver Veränderungen.
Es ist eine eigentlich zeitlose Geschichte, die hier vorgestellt wird.
Unterhaltsam und spannend geschrieben, kann sie sicherlich auch jüngere Leser für das Thema interessieren. Wobei es - wohlgemerkt - natürlich kein Jugendbuch ist.
Das verwendete Bildmaterial wurde nicht in einem Mittelblock zusammengefasst, sondern an der jeweils passenden Stelle eingefügt, wo es das zuvor Gelesene illustriert und auf den Punkt bringt. Das gefällt mir sehr gut, denn so wird vermieden, einfach ein Sammelsurium an netten Fotos zu präsentieren.
Wem würde ich das Buch empfehlen? Im Prinzip jedem, der sich zum einen für das französische Königtum interessiert und zum anderen für die individuellen Lebensgeschichte(n). Außerdem ist es ein wichtiger Beitrag zur Geschichte der Frauen.
Marie Antoinette
Sikal am 26.09.2023
Bewertungsnummer: 2030382
Bewertet: Buch (Gebundene Ausgabe)
Die Geschichte rund um die letzte Königin Frankreichs ist bereits oftmals beleuchtet worden. Viele Bücher und auch Filme gibt es, braucht es da wirklich noch diese Biografie von Michaela Lindinger? Ganz klar: Ja! Denn während in vielen anderen Biografien die politischen Aspekte im Vordergrund stehen, der phlegmatische Ludwig XVI. hervorgehoben wird und historische Begebenheiten detailliert ausgeschmückt werden, hat die Autorin bei dieser Biografie einen anderen Weg gewählt. Sie legt den Fokus auf eine Königin, die selbstbewusst auftritt und so manchen vor den Kopf stößt, feministische Themen werden angesprochen. Natürlich werden historische Fakten nicht beiseite gestellt sondern werden eingeflochten, aber eben nicht vordergründig.
Marie Antoinette (1755 – 1793) wurde als Heiratsgut nach Frankreich verschachert. Ihrer Mutter Maria Theresia war nur wichtig, zu beeindrucken und diplomatische Verbindungen auszuschmücken. „Bella gerant alii, tu felix Austria nube."
Doch bald zeigt sich, dass Marie Antoinette nicht lächelnd im Hintergrund bleiben will sondern aufmüpfig wird und zeigt, wie sie sich ihr Leben vorstellt. Damit hatten die Franzosen natürlich nicht gerechnet, dass eine „Ausländerin“ eine moderne Frau verkörpern möchte, die über ihr Leben selbst bestimmt. Natürlich stößt sie so alteingesessene Höflinge vor den Kopf und bietet ein potenzielles Ziel für Intrigen und Fake News. Ob sie sich in Luxusgewänder hüllt oder ganz schlichte Kleidung wählt – immer finden sich Angriffspunkte, die ihre Gegner ausschlachten.
Die Autorin Michaela Lindinger hat hier spannende Themen zusammengefasst und diese in folgende Kapitel gegliedert:
Zähne zeigen – im Land des Lächelns
Teenage Angst – ein Kind an zwei Höfen
Die Königin, ihr Mann, ihre Freundinnen und ihr Liebhaber – les liaisons très dangereuses
Fake News damals – die Frau in der Revolte
Heroine – Bild und Image einer „Killer-Queen“
Ich habe diese Biografie sehr gerne gelesen, oft geschmunzelt oder den Kopf geschüttelt. Nicht ganz vergessen darf man die Tatsache, dass es leider heute nicht anders ist und über Persönlichkeiten, die in der Öffentlichkeit stehen (Royals, Stars, Politiker, …) genauso gerichtet wird oder Peinlichkeiten (ob wahr oder unwahr) verbreitet werden. Von mir gibt es auf jeden Fall 5 Sterne für diese lesenswerte Biografie.
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