Koller ist nicht nur ein Name, sondern auch ein Zustand. Und der wird fast zum Dauerzustand, als Chris und Koller aufeinanderprallen: Koller will immer mit dem Kopf durch die Wand und denkt sowieso, alles sei ganz einfach. Chris denkt zu viel nach und spricht zu wenig aus. Chris weiß noch nicht einmal, wie Koller mit richtigem Namen heißt, da sitzen sie schon nebeneinander in einem klapprigen Polo II und fahren los. Was ein Kurztrip an die Ostsee werden soll, wächst sich zu einem Roadtrip aus, der sich gewaschen hat: über Ludwigsburg, das überflutete Ahrtal, das sagenumwobene Hannahhausen, den Acker eines blutrünstigen Treckerfahrers - bis die beiden schließlich das Kaff am Meer erreichen, das Kollers Refugium ist, und wo das Vorhaben, einen Fischteich neu anzulegen, gleichermaßen Scheitern und Erlösung verspricht.
Koller ist keine Liebesgeschichte, aber eine Geschichte über Liebe. Über die Suche nach Zugehörigkeit, Freiheit und Selbstbestimmung. Rasant und mit entwaffnender Direktheit erzählt Annika Büsing von Menschen, die herausfinden müssen, was sie wirklich vom Leben wollen und warum sie den Erwartungen anderer entkommen müssen, um es zu erreichen.
Kundinnen und Kunden meinen
4.8/5.0
11 Bewertungen
5 Sterne
4 Sterne
3 Sterne
(0)
2 Sterne
(0)
1 Sterne
(0)
Ein Roadtrip, der viele…
Milienne aus Essen am 03.07.2023
Bewertungsnummer: 2826033
Bewertet: eBook (ePUB)
Ein Roadtrip, der viele Fragen aufwirft Chris lernt Koller kennen und noch bevor er sich sicher ist, ob Koller sein richtiger Name ist, erleben die beiden innerhalb einer Woche mehr zusammen als andere in jahrelangen Beziehungen. Ursprünglich war der Plan, an die Ostsee zu fahren, Koller erwähnt beiläufig seine Verbindung zu dem Ort. Dass der Ausflug einen Einblick in seine Kindheit bietet und noch weitere private Details enthüllen wird, ahnen beide nicht. Schnell wird Chris klar, warum Koller so ist, wie er eben ist. Während Chris aufgrund seiner distanzierten Mutter eher rational handelt, macht Koller seinem Namen alle Ehre und zeigt offen seine Emotionen. Obwohl zwei verschiedene Welten aufeinander treffen, passt es irgendwie, wenn auch vielleicht nicht für immer, zumindest für diesen ausgedehnten Roadtrip. Als Leser*in kann man sich genauso wenig der mitreißenden Art von Koller entziehen wie Chris. Obwohl man spürt, dass ein Leben mit ihm alles andere als stressfrei sein kann, bleibt man gefesselt. Was als unscheinbare Begegnung beginnt, entfaltet sich wie der Schmetterlingseffekt zu etwas Großem und wirft viele Fragen über das Leben auf. Besonders gelungen ist, dass diese Fragen nicht nur aus der Perspektive einer einzelnen Generation gestellt werden, sondern auch andere Altersgruppen einbezogen werden. Ungewöhnlicherweise wird der Fokus an einer Stelle auf die Geschichte von Kollers verstorbener Großmutter gelegt, obwohl sie in der erzählten Gegenwart nicht mehr lebt. Auch Chris eigene Vergangenheit kommt nicht zu kurz und wir erfahren, wie seine wissenschaftlich engagierte Mutter überhaupt zu einem Kind gekommen ist. Während wir als Leser viele Einblicke erhalten, scheinen Koller und Chris kaum ernsthafte Gespräche zu führen, die nicht ausarten. Das macht ihre Beziehung, sofern man sie als solche bezeichnen kann, nicht unbedingt plausibel. Dennoch ist die Dynamik zwischen den beiden Hauptfiguren für den Roadtrip entscheidend und treibt einen zum Weiterlesen. Spannend ist auch die Einbeziehung der Hochwasserkatastrophe von 2021, die sich zu den vielen persönlichen Katastrophen im Leben der beiden dazu gesellt. Der direkte Stil passt wunderbar zu den beiden und man schließt diese Gegenpole doch sehr ins Herz.
Jahrelang dümpelst Du durch…
ins_lebenlesen aus Schleswig-Holstein am 16.07.2023
Bewertungsnummer: 2891409
Bewertet: Buch (Gebundene Ausgabe)
Jahrelang dümpelst Du durch Deinen Teich mit all Deinen Grenzen, Glaubenssätzen und Schutzmauern und plötzlich – in diesem Fall in einem Park in Leipzig – tritt jemand in Deinen Weg und alles ist anders. Du lässt alles stehen und liegen und tust das Mutigste, was Du je getan hast. Es sind die Zufälle, das Unbeabsichtigte, sagen wir einfach DAS LEBEN, das die tiefsten Spuren hinterlässt. Koller platzt mit seiner ganzen Präsenz, mit seiner behinderten Schwester, mit einer Ex-Freundin, die aber doch noch irgendwie seine Freundin ist, mit seiner ganzen brachialen Unbefangenheit und Unmittelbarkeit in das eher introvertierte Leben von Chris. Doch dass auch so einer mit überwältigenden Gefühlen und Unaussprechlichem zu tun hat, drückt sich in einer Flut von Tränen aus, die Kollers Gesicht in jedem stillen Moment überschwemmt. Von Chris, dessen Perspektive wir einnehmen, erfahren wir nicht viel. Er ist verschlossen, nachdenklich, voller Skepsis und Selbstzweifeln und VERLIEBT. Gegensätze ziehen sich bekanntlich an und schwupp, sitzen die beiden in einem alten VW Polo und wollen eigentlich ans Meer. Doch da im Leben selten das passiert, was der Plan ist, beginnt ein wilder Roadtrip auf den Spuren von Kollers Leben durch Deutschland ohne Navi, Karte und Kompass. Wow! Annika Büsing hat mich schon mit ihrem Debüt NORDSTADT überzeugt. Hier packt sie noch einen drauf. Sie übertrifft sich an Leichtigkeit, mit der sie spielerisch in Nebensätzen große Worte unterbringt. Während die Story scheinbar mühelos und mit viel Humor an Fahrt und Dynamik aufnimmt, gewinnen die Protagonisten mit jeder Seite an Tiefe. Wir driften von einer unerwarteten Wendung zur nächsten, teilweise wird es etwas absurd, aber das passt zu dem Trip. Gleichzeitig erzählt sie aber auch voller Wärme und Tiefe mit zarten Untertönen von Familie, Freundschaft, Geschwisterliebe, Homosexualität, Fragen von Schuld und Reue und von der langsam keimenden Liebe zwischen Chris und Koller. Wer NORDSTADT geliebt hat, wird KOLLER lieben, vielleicht sogar mehr. Wer beide nicht kennt: das müsst Ihr ändern!
Kurze Frage zu unserer Seite
Vielen Dank für Ihr Feedback
Wir nutzen Ihr Feedback, um unsere Produktseiten zu verbessern. Bitte haben Sie Verständnis, dass wir Ihnen keine Rückmeldung geben können. Falls Sie Kontakt mit uns aufnehmen möchten, können Sie sich aber gerne an unseren Kund*innenservice wenden.