"Ich denke an alle Lieder, die ich gespielt habe. Alles, was ich gelernt habe, verlernt, verloren. Alles, was dazu geführt hat, dass ich jetzt hier sitze, allein vor Hunderttausend, die Sensation des Abends für sie, der Abschied für mich. Ein letztes Mal bin ich Teil von etwas. Ein letztes Mal werde ich spielen. Wenn die Musik verklungen ist, trete ich durch das Tor und ..."
Eine Novelle über Kunst und ihre Grenzen, über Hoffnung und Hilflosigkeit, über das Zuhören und das Finden der eigenen Melodie.
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bittersüße, poetische Novelle
Bewertung aus Hamburg am 22.06.2024
Bewertungsnummer: 2228447
Bewertet: eBook (ePUB)
Eine bittersüße, poetische Novelle, die episodenhaft angelegt ist. Ich versuche mich mal an einer Interpretation. Nicht im Sinne von „Was möchte die Autorin uns damit sagen“, sondern wie diese Geschichte auf mich persönlich gewirkt hat. Die Hauptfigur Qui (deren Gender völlig offen bleibt und nicht benannt wird, auch nicht indirekt mit Pronomen) verschlägt es aufgrund ihrer Musik und durch mysteriöse Portale an ganz unterschiedliche Orte und Planeten. Qui liebt es zu musizieren, es ist ein wichtiger, essenzieller Teil dieser Figur. Unterwegs trifft Qui andere Leute, geht Beziehungen ein, wird erfolgreich mit der Musik, doch Qui erlebt auf der anderen Seite auch Verlust und Trauer, bis hin zu Depressionen und suizidalen Gedanken.
Einige der Reisestationen sind dystopisch, andere eher utopisch und für mich schwingt da zwischen den Zeilen auch immer Kritik an realen Verhältnissen mit: am Kapitalismus, an der Umweltzerstörung, an der Gesellschaft. Auf der anderen Seite gibt es auch Hoffnungsvolles und Solidarität verschiedener Figuren.
Ich deute das so, dass Quis Reise im Grunde symbolisch für das Leben steht: mit all seiner Freude, der Begegnung mit Menschen, die man mag oder liebt, aber auch mit vielen Problemen, Konflikten, die man nicht aus eigener Kraft lösen kann und mit all den Dingen, die man lernen oder verlernen muss.
Und schließlich geht es auch darum, sich selbst zu finden und das, was einem im Leben besonders wichtig ist. Die Novelle liest sich auch ein bisschen wie eine Liebeserklärung an die Musik oder allgemein an die Kunst, die für viele Künstler*innen fast so wichtig ist wie die Luft zum Atmen.
Jedem Kapitel sind übrigens Content Notes vorangestellt, das fand ich sehr gut.
An einigen Stellen musste ich ein bisschen aus Rührung oder Traurigkeit weinen und das passiert mir nur sehr selten bei Büchern.
Der Weltenbau steckt voller interessanter Details, die ganz nebenbei eingebaut sind, ohne störende Info-Dumps. Diese Novelle ist für mich in diesem Jahr ein Lesehighlight.
Traurig, emotional & wundervoll
Bewertung am 05.03.2023
Bewertungsnummer: 1893523
Bewertet: eBook (ePUB)
Noch nie ist es mir so schwergefallen, eine Rezension zu schreiben. Dies ist auch weniger eine klassische Rezension, es sind mehr Gedanken, der wohl eher schlechte Versuch zu erklären, was die Novelle Dies ist mein letztes Lied emotional leistet.
Qui wollte eigentlich immer raus aus dem gewöhnlichen, einengenden Trott aus Arbeit, den immer gleichen freizeitlichen Aktivitäten & schlafen in einer kleinen Wohnung. Doch wie so vielen anderen ist dieser Absprung nicht gelungen. Doch die Möglichkeit bietet sich unerwartet, als eine Tür vor Qui erscheint, eine Tür, ein magisches Portal. Fortan reist Qui von einem Planeten zum nächsten, jeder ist anders, jeder hat seine speziellen Eigenschaften. Nicht alles ist gut, nicht alles ist schlecht. Und auf jedem stellt sich Qui anderen Ereignissen & durchlebt andere Emotionen.
„Für Fans von…“ oder „Wenn dir … gefällt, dann…“ liest man oft. Und ich habe schon viele Bücher gelesen. Auch viele, bei denen ich mich an der ein oder anderen Stelle an andere Werke erinnert habe. Bei Lena Richters Fantasy-Story gelingt mir dies aber nicht. Es ist eine Geschichte wie keine andere. Sie ist ruhig, auch traurig, gleichzeitig wunderschön. Dieses Stück lässt nachdenken, über die Welt, die Natur, die Gesellschaft, das eigene Leben, das eigene Ich. Viel Gesellschaftskritisches taucht auf, aber man spürt auch extrem viel Liebe. Vor allem zu Diversität, zu gesellschaftlicher, emotionaler & sexueller Vielfältigkeit. Es ist ein Paradebeispiel für ein Gendern in Textform, das nicht aufdringlich & zugleich flüssig zu lesen ist. Damit ist nicht nur die bloße Geschichte, die diese Novelle vermittelt, am Ende doch sehr hoffnungsvoll, sondern auch die Wortwahl, die Hoffnung auf eine Gesellschaft, die eines Tages jedes Individuum so akzeptiert, wie es selbst sein möchte.
Wie zu Beginn gesagt: Die Emotionen, welche dieses Buch hervorruft, kann man kaum in Worte fassen. Darum sollte es jede*r unbedingt selbst lesen!
Und bevor ich es vergesse: Habt ihr dieses supercoole Cover gesehen? :)
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