Luisa L'Audace wächst als einziges behindertes Kind in ihrem Heimatdorf auf. Warum sie im Sportunterricht immer als Letzte gewählt wird, in der Pause nicht mitspielen soll und ihre Freundinnen plötzlich nicht mehr neben ihr sitzen wollen, versteht sie lange Zeit nicht. Während andere Kinder Freizeitbeschäftigungen nachgehen, verbringt Luisa viel Zeit in Krankenhäusern, bei Therapien und Spezialist*innen. Als sie mit 14 einen Rollstuhl bekommt, fühlt sie sich zum ersten Mal in ihrem Leben frei. Doch mit der neu gewonnenen Mobilität nehmen auch die Anfeindungen zu. Die Ursache dafür kann sie erst viele Jahre später klar benennen: Ableismus, also die strukturelle Diskriminierung behinderter und chronisch kranker Menschen.
Kundinnen und Kunden meinen
4.9/5.0
Bewertung
Thalia Book Circle Community
5/5
30.08.2025
Buch (Taschenbuch)
Gegen Ableismus: Sehr persönliches und wichtiges Buch
Luisa L’Audace wächst in ihrem kleinen Heimatdorf als einziges behindertes Kind auf. Lange Zeit verstand sie nicht, warum sie ausgegrenzt wurde und viele Dinge nicht machen konnte, die für Gleichaltrige selbstverständlich waren.
“Als ich noch klein war, dauerte es eine ganze Weile, bis ich verstand, dass ich mich durch gewisse Dinge von den Kindern in meinem Umfeld abhob. Und noch viel länger dauerte es, bis ich verstand, dass ich wieder Einfluss auf diese Umstände hatte noch, dass sie meinen Wert als Menschen ausmachten.”
Als Kind verbrachte sie viel Zeit in Krankenhäusern, bei Spezialist*innen und der Therapie. Als sie mit 14 Jahren einen Rollstuhl bekommt, fühlt sie sich zum ersten Mal im Leben freier. Aber mit ihrer neu gewonnenen Mobilität nehmen leider auch die Anfeindungen zu. Es dauert lange, bis sie die Ursache dafür klar benennen kann: Ableismus, also die strukturelle Diskriminierung behinderter und chronisch kranker Menschen.
“Eine dadurch resultierende Grundsatzdiskussion, die ich regelmäßig mit nicht-behinderten Menschen führe, ist beispielsweise, warum ich mich entschieden gegen die Behauptung wäre, behinderte Menschen hätten ‘besondere Bedürfnisse’. In Wahrheit unterscheiden sich unsere Bedürfnisse nämlich nicht im Geringsten von den Bedürfnissen nicht-behinderter Menschen. Lediglich die Voraussetzungen, die für uns erfüllt sein müssen, um diesen Bedürfnissen nachzukommen, sind unterschiedlich.”
Das Buch ist sehr eindringlich, persönlich und verständlich geschrieben. Es ist sehr gut als Einstieg in dieses Thema geeignet; aber auch wenn man sich schon damit befasst hat, ist es meiner Meinung nach ein sehr wertvolles Buch.
Luisa L’Audace zeigt auf, warum Ableismus uns alle angeht und wie wir ihn aktiv „verlernen“ können, um eine inkulsivere Gesellschaft möglich zu machen.
“Niemand fragt: Warum kann dieses Individuum nicht an unserer Gesellschaft teilhaben? Was hindert es daran? Was braucht es dafür? Was können wir tun um seine Teilhabe zu ermöglichen?”
Das Buch hat mich beim Lesen oft aufgewühlt, betroffen und wütend gemacht. Die Autorin stellt viele gute Fragen und bietet jede Menge Stoff zum Nachdenken.
„Behindert und stolz“ ist ein Buch, das für alle nicht-behinderten Menschen Pflichtlektüre werden sollte. Denn wir alle müssen mithelfen, Barrieren zu überwinden und eine Teilhabe für alle möglich zu machen.
“Die bloße Existenz behinderter Menschen in der heutigen Zeit ist nichts anderes als Widerstand in einem Land, dass uns vor gerade mal achtzig Jahren tot sehen wollte und alles daransetzte, uns auszulöschen. Doch wir sind immer noch hier - und wir bleiben hier.”
Eine ganz klare Leseempfehlung von mir!
nessabo
5/5
11.04.2025
Buch (Taschenbuch)
Leicht verständlich und eindringlich - absolute Pflichtlektüre!
Luisa L’Audace ist mir als Aktivistin bereits bekannt und ich durfte schon viel von ihr lernen. Daher war ihr Buch in vielen Bereichen eine Auffrischung bereits vorhandenen Wissens, ich konnte aber auch noch einmal neue Zusammenhänge verstehen.
Die Autorin hat einen tollen Schreibstil, der eindringlich und zugleich sehr verständlich ist. Gleichermaßen empfehlen kann ich außerdem das von ihr selbst hervorragend eingesprochene Hörbuch. L’Audace webt in grundlegendes Wissen rund um Ableismus immer wieder persönliche Geschichten ein, was den Text unglaublich nahbar macht. Manchmal hätte das Private für mich strukturell zwar noch klarer vom Faktischen abgegrenzt sein können, aber das hat mich insgesamt nicht nennenswert gestört.
Das Werk ist wirklich ein absolutes Muss, gerade weil es so wenig Sichtbarkeit für Ableismus und die unter ihm leidenden Menschen gibt. Es enttarnt die zugrundeliegenden Denkmuster und verflicht diese Diskriminierungsform mit anderen. So konnte ich noch einmal neu verstehen, wie stark immer auch Kapitalismuskritik mit Anti-Ableismus einhergehen muss. Denn das Denken, Menschen seien aufgrund unterschiedlicher Leistung unterschiedlich wertvoll, ist untrennbar mit dem kapitalistischen System verbunden. Besonders die geschichtlichen Hintergründe rund um Eugenik allgemein und die NS-Zeit ganz konkret haben mich extrem berührt - ebenso wie die Erinnerung an gegenwärtige Opfer ableistischer Gewalt.
„Behindert und stolz“ kann ich als Einstiegswerk gar nicht deutlich genug empfehlen. Es macht so betroffen wie wütend und schafft es, trotz aller Frustration noch kämpferisch zu bleiben. Alle nicht-behinderten Menschen sollten es lesen, aktiv gegen Barrieren sowie fehlende Teilhabe angehen und lernen, dass Behinderung ein willkürlich geschaffenes Konstrukt ist, das ebenso wieder abgeschafft werden kann (und muss).
nessabo
5/5
11.04.2025
Buch (Taschenbuch)
Leicht verständlich und…
Leicht verständlich und eindringlich - absolute Pflichtlektüre! Luisa L’Audace ist mir als Aktivistin bereits bekannt und ich durfte schon viel von ihr lernen. Daher war ihr Buch in vielen Bereichen eine Auffrischung bereits vorhandenen Wissens, ich konnte aber auch noch einmal neue Zusammenhänge verstehen. Die Autorin hat einen tollen Schreibstil, der eindringlich und zugleich sehr verständlich ist. Gleichermaßen empfehlen kann ich außerdem das von ihr selbst hervorragend eingesprochene Hörbuch. L’Audace webt in grundlegendes Wissen rund um Ableismus immer wieder persönliche Geschichten ein, was den Text unglaublich nahbar macht. Manchmal hätte das Private für mich strukturell zwar noch klarer vom Faktischen abgegrenzt sein können, aber das hat mich insgesamt nicht nennenswert gestört. Das Werk ist wirklich ein absolutes Muss, gerade weil es so wenig Sichtbarkeit für Ableismus und die unter ihm leidenden Menschen gibt. Es enttarnt die zugrundeliegenden Denkmuster und verflicht diese Diskriminierungsform mit anderen. So konnte ich noch einmal neu verstehen, wie stark immer auch Kapitalismuskritik mit Anti-Ableismus einhergehen muss. Denn das Denken, Menschen seien aufgrund unterschiedlicher Leistung unterschiedlich wertvoll, ist untrennbar mit dem kapitalistischen System verbunden. Besonders die geschichtlichen Hintergründe rund um Eugenik allgemein und die NS-Zeit ganz konkret haben mich extrem berührt - ebenso wie die Erinnerung an gegenwärtige Opfer ableistischer Gewalt. „Behindert und stolz“ kann ich als Einstiegswerk gar nicht deutlich genug empfehlen. Es macht so betroffen wie wütend und schafft es, trotz aller Frustration noch kämpferisch zu bleiben. Alle nicht-behinderten Menschen sollten es lesen, aktiv gegen Barrieren sowie fehlende Teilhabe angehen und lernen, dass Behinderung ein willkürlich geschaffenes Konstrukt ist, das ebenso wieder abgeschafft werden kann (und muss).
SternchenBlau
5/5
27.11.2024
Buch (Taschenbuch)
Zeigt vielschichtig die unterschiedlichen Dimensionen von Diskriminierung
Zum Thema Ableismus gibt es leider noch recht wenige Bücher aus dem deutschen Sprachraum. Nach Andrea Schöne („Behinderung und Ableismus“) hilft nun auch Luisa L’Audace mit „Behindert und Stolz“, diese klaffende Lücke zu schließen. Durch eigene chronische Erkrankungen und die Behinderung meiner Eltern habe ich mich in den letzten Jahren immer mal wieder mit dem Thema beschäftigt.
L’Audace bietet sowohl einen sehr guten Einstieg für Leute, die sich noch wenig mit Ableismus beschäftigt haben, als auch eine sehr stimmige Zusammenfassung über die wichtigsten Themen und Aspekte. L’Audace hat sich entschieden, in das Buch ihrer persönlichen Erfahrungen einfließen zu lassen. Sie schildert ihre Erlebnisse präzise und eindringlich, so dass die strukturellen, institutionellen und sozialen Aspekte der Diskriminierung nochmal besonders deutlich werden. Einzig eine klarere Abtrennung von persönlichem Erleben und allgemeiner Analyse hätte ich mir manchmal gewünscht, weil sich sonst beim Nachlesen Aspekte schneller auffinden lassen.
Die Autorin stellt immer wieder deutlich heraus, dass ihre Erfahrung nur eine von vielen ist, sie selbst als weiße Frau, die meist heterosexuell gelesen wird, über einige Privilegien verfügt, die andere behinderte Menschen nicht haben. Das Buch wird so auch zu einem Lehrstück, was Intersektionalität bedeutet. Viele Themen sind besonders schmerzhaft, wie die Tatsache, dass FLINTA*s mit Behinderung deutlich häufiger von sexualisierter Gewalt betroffen sind und ihnen dann oft auch noch seltener geglaubt wird, als nicht-behinderten Frauen schon. Oder dass bei Morden an Menschen mit Behinderung auch immer noch fälschlicherweise das Täter*innen-Narrativ von einer „Erlösung“ benannt wird. Aber es fängt schon bei kleineren Narrativen an: L’Audace schreibt eindringlich, wie sehr sie das Bild des Rollstuhl als „unfrei“ oder „faul“ sie jahrelang davon abhielt, selbst einen zu nutzen – und ihr dieses Hilfsmittel nun genau mehr Freiheit gibt.
Narrative sind mächtig und daher ist es umso wichtiger, dass dieses Buch einen wichtigen Baustein schafft, um alte Narrative aufzubrechen und neue Narrative zu schaffen: „Behindert und stolz“ schafft das im Titel genauso wie im Buch.
Bewertung
5/5
28.07.2024
eBook (ePUB)
Pflichtlektüre in der Antidiskriminierungsarbeit
Ich setze mich selbst schon seit ein paar Jahren mit Ableismus auseinander und bin nun endlich dazu gekommen Luisas Buch zu lesen. Ich empfehle jeder nicht-behinderten Person das Selbe zu tun. Es ist unheimlich gut geschrieben und erweitert den Blick für die eigenen Priviligien und die Probleme, Ängste und Bedürfnisse behinderter Menschen in unserer Leistungsgesellschaft. Als Einstieg in die Thematik meiner Meinung nach perfekt geeignet.
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