Dass Liebe durch den Magen geht, ist bekannt. Wenn erstere schwindet, kann sie schwer darin liegen oder ihn herumdrehen. Verkehrt sie sich ins Gegenteil, ist Vorsicht geboten bei der Nahrungsaufnahme. Als berühmtestes Beispiel gilt der griechische Philosoph Sokrates, der 399 vor Christus nach dem Genuss eines Schierlingsbechers den Löffel abgab. In Regina Schlehecks „Letalen Lösungen“ nimmt der Tod nicht immer den Weg durch den Verdauungskanal. Die Protagonist:innen sind auch selten kaltblütig mordend unterwegs. Oft ist der Ausgang einer Verkettung von Zufällen geschuldet und nicht zwingend unmittelbar tödlich. Aber in jeder ihrer hier zusammengetragenen, vielfach ausgezeichneten 37 Kurzkrimis spielen Speisen und Getränke eine wichtige Rolle und lotet die Autorin – komisch, zu Herzen gehend oder rabenschwarz – zwischenmenschliche Untiefen aus.
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5.0/5.0
Bewertung
aus Rösrath
5/5
10.04.2023
Buch (Taschenbuch)
Die Kunst der Kürze
Warum heißt es im Zusammenhang mit Kurzgeschichten bzw. Kurzkrimis eigentlich immer, sie seien 'was Nettes für Zwischendurch'? Und steckt in einer derartigen Genrebeschreibung nicht eine implizite Abwertung dieser Kunstform? Genau um letzteres handelt es sich nämlich bei Regina Schlehecks neuen Kurzkrimis, kleine Kunstwerke, die auf dreihundertundsiebzehn Seiten in einem schönen Paperback intelligent-überraschend-humorig-rabenschwarz-sprachgewandt daherkommen. Und wer jetzt glaubt, er habe nicht nur 'was Nettes für Zwischendurch' sondern 'auch was richtig Gutes' in Händen der irrt ein weiteres Mal: Die Kurzkrimis sind nämlich nicht nur richtig gut, man kann auch nicht mehr aufhören mit ihnen, so dass ich ungelogen mindestens sieben Termine verpasst habe... wollte ich mir doch eigentlich nur schnell mal zwischendurch einen Kurzkrimi gönnen, bin dann aber ab den ersten Zeilen des Textes unversehens in einem wunderbaren Flow-Zustand gelandet, der einen ja bekanntlich die Zeit aus den Augen verlieren lässt. Den durch die sieben verpassten Termine bei sieben lieben Mitmenschen entstandenen Ärger habe ich inzwischen durch meine offensichtlich sehr überzeugende Empfehlung von "Letale Lösungen" mehr als ausgleichen können... was ich daran merke, dass sich genau diese sieben lieben Mitmenschen in den letzten Tagen bei mir für ihre auffällige Unpünktlichkeit damit entschuldigen, sie hätten Regina Schlehecks "Letale Lösungen" einfach nicht aus der Hand legen können, wegen dem Suchtfaktor. Und ja - Sucht kann tödlich enden... oder auch einfach wunderbar sein!
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