Langsam sank die Sonne hinter die grünen Hügel von Fäsulä und vergoldete die Säulen vor dem schlichten Landhaus, in welchem Rauthgundis als Herrin schaltete. Die gotischen Knechte und die römischen Sklaven waren beschäftigt, die Arbeit des Tages zu beschließen. Der Mariskalk brachte die jungen Rosse von der Weide ein. Zwei andere Knechte leiteten den Zug stattlicher Rinder von dem Anger auf dem Hügel nach den Ställen, indes der Ziegenbub mit römischen Scheltworten seine Schutzbefohlnen vorwärts trieb, die genäschig hier und da an dem salzigen Steinbrech nagten, der auf dem zerbröckelten Mauerwerk am Wege grünte. Andre germanische Knechte räumten das Ackergerät im Hofraum auf: und ein römischer Freigelassener, gar ein gelehrter und vornehmer Herr, der Obergärtner selbst, verließ mit einem zufriedenen Blick die Stätte seiner blühenden und duftenden Wissenschaft. Da kam aus dem Roßstall unser kleiner Freund Athalwin im Kranze seiner hellgelben Locken. »Vergiß mir ja nicht, Kakus, einen rostigen Nagel in den Trinkkübel zu werfen. Wachis hat¿s noch besonders aufgetragen! Daß er dich nicht wieder schlagen muß, wenn er heimkommt.« Und er warf die Thür zu. »Ewiger Verdruß mit diesen welschen Knechten!« sprach der kleine Hausherr mit wichtigem Stolz. »Seit der Vater fort ist und Wachis ihm ins Lager gefolgt, liegt alles auf mir: denn die Mutter, lieber Gott, ist wohl gut für die Mägde, aber die Knechte brauchen den Mann.« Und mit großem Ernst schritt das Büblein über den Hof. »Und sie haben vor mir gar nicht den rechten Respekt,« sprach er und warf die kirschroten Lippen auf und krauste die weiße Stirn. »Woher soll er auch kommen? Mit nächster Sunnwend bin ich volle neun Jahr: und sie lassen mich noch immer herumgehn mit einem Ding wie ein Kochlöffel.« Und verächtlich riß er an dem kleinen Schwert von Holz in seinem Gurt. »Sie dürften mir keck ein Weidmesser geben, ein rechtes Gewaffen. So kann ich nichts ausrichten und sehe nichts gleich.«
Kundinnen und Kunden meinen
5.0/5.0
Bewertung
5/5
13.12.2025
Hörbuch-Download
Auch als Hörbuch toll
Der epische Roman, den ich in meiner Jugend verschlungen habe, ist in dieser Hörbuch Umsetzung sehr gut gelungen. Gabor ist ein toller Sprecher, der die verschachtelte Sprache natürlich klingen lässt, und auch die manchmal ins melodramtisch abrutschenden Liebespassagen trocken genug hält. Als Hörbuch voll zu empfehlen.
Bewertung
aus Chur
5/5
08.04.2023
eBook (ePUB)
Absolut episch
Ich muss zugeben mein erster Eindruck diese Buches war nicht allzu positiv. Schon nach wenigen Seiten dachte ich mir: "Oh Mann, diese alte Sprache halte ich keine 50 Seiten aus."
Das stellte sich schon sehr schnell als Irrtum raus. Das Buch hat mich in seinen Bann gezogen und ich konnte es kaum mehr aus der Hand legen.
Die genaue Beschreibung der antiken Zeit, die Charaktere, die ganzen Detaills. Alles Klasse.
An die alt tönende Sprache gewöhntman sich sehr schnell, ja sie passt einfach zur Geschichte.
Historisch hochinteressant. Ab ca. 200 Seiten vor Schluss war ich echt entäuscht dass das Buch bald zu Ende ist. Das kannte ich bis jetzt nur anderst rum bei schlechten Büchern.
Historisch interessierte Leute müssen dieses Buch einfach lesen. Es ist brilliant.
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