In "Das Lied von Bernadette" entführt uns Franz Werfel in die Welt von Lourdes, wo die junge Bernadette Soubirous Visionen der Jungfrau Maria erlebt. Das Buch verbindet fiktionale Erzählung mit tiefen religiösen Fragen und thematisiert den Glauben, das Wunderbare und die Herausforderungen der Rationalität. Werfels literarischer Stil ist geprägt von eindringlicher Bildsprache und poetischer Sprache, wodurch er den Leser einlädt, die mystischen Erfahrungen Bernadettes nicht nur zu verstehen, sondern auch emotional nachzuvollziehen. In diesem Kontext wird die Auseinandersetzung mit dem Glauben und der Wissenschaft relevant, da der Autor darauf abzielt, die Spannungen zwischen diesen beiden Sphären zu beleuchten. Franz Werfel, ein bedeutender Schriftsteller der modernen Literatur, war nicht nur durch seine jüdische Herkunft, sondern auch durch seine tief humanistischen Überzeugungen geprägt. Geboren 1890 in Prag, erlebte er die Absurditäten und Tragödien des Ersten Weltkriegs und des aufkommenden Nationalsozialismus. Diese Erfahrungen führten ihn dazu, die Suche nach Sinn und spiritueller Wahrheit in seinen Werken zu thematisieren, was sich auch in "Das Lied von Bernadette" widerspiegelt. Dieses Buch ist eine Einladung an alle, die sich für die Schnittstellen von Glaube, Mystik und menschlichem Streben nach Wahrheit interessieren. Werfel schafft es, die Leser in eine Zeit und an einen Ort zu versetzen, wo das Außergewöhnliche alltäglich wird. "Das Lied von Bernadette" ist ein berührender und nachdenklicher Roman, der sowohl gläubige als auch skeptische Leser auf eine inspirierende Reise mitnimmt.
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Denkwürdig Der erfolgreichste…
Bories vom Berg aus München am 16.02.2021
Bewertungsnummer: 2738504
Bewertet: Buch (Taschenbuch)
Denkwürdig Der erfolgreichste Roman von Franz Werfel, «Das Lied von Bernadette», entstand aufgrund eines Gelübdes, das der österreichische Schriftstellers auf der Flucht vor den Nazis im Juni 1940, während seines kurzen Zwischen-Aufenthalts im Wallfahrtsort Lourdes, in großer Bedrängnis abgelegt hatte: Er würde einen Roman über das Wunder von Lourdes schreiben, wenn er das rettende Amerika erreicht. «Ich habe es gewagt, das Lied von Bernadette zu singen, obwohl ich kein Katholik bin, sondern Jude» hat er ein Jahr später beim Erscheinen seines Romans in Los Angeles angemerkt, wo er glücklich Zuflucht gefunden hatte. Die 1933 von Pius XI heiliggesprochene Bernadette Soubirous hatte als 14jähriges Mädchen zwischen 11. Februar und 16. Juli 1858 insgesamt 18 Visionen, die von Wissenschaft, Politik und Kirche zunächst argwöhnisch bezweifelt, später dann aber als Marien-Erscheinung gedeutet wurden. Beim Holzsuchen erscheint Bernadette in der Grotte von Massabielle nahe dem Fluss Grave plötzlich eine wunderschöne Dame im weißen Kleid mit einem blauen Gürtel. Sie ist barfüßig, auf beiden Füßen befindet sich eine goldene Rose, sie lächelt freundlich, spricht aber kaum. Als Bernadette am nächsten Tag mit einigen Freundinnen wieder zur Grotte geht, gibt ihr die Dame zu verstehen, sie möge zwei Wochen lang täglich wiederkommen. Während der Begegnung mit der Dame bemerken die Freundinnen, die die Dame selbst nicht sehen können, eine wundersame Verklärung in Bernadettes Gesicht, sie ist in ihrer Ekstase der Umgebung völlig entrückt. Bei einem dieser Treffen flüstert die unnahbare Dame immer wieder nur «Buße, Buße, Buße». Schließlich fordert sie Bernadette auf, sie möge in der Grotte die Quelle suchen, aus ihr trinken und sich darin waschen. Und tatsächlich findet das Mädchen eine bisher unbekannte feuchte Stelle im Sand, von der niemand etwas wusste. Sie wird von den Bewohnern sogleich als überraschend ergiebige Wasserquelle gefasst. Kurz darauf ereignet sich an dem schwerkranken Nachbarkind die erste spontane Wunderheilung, nachdem die verzweifelte Mutter ihren kleinen Sohn in den Quelltopf getaucht hatte. Franz Werfel erklärt im Vorwort: «All jene denkwürdigen Begebenheiten, die den Inhalt dieses Buches bilden, haben sich in Wirklichkeit ereignet». Und er ergänzt: «… ihre Wahrheit ist von Freund und Feind und von kühlen Beobachtern in getreuen Zeugnissen erhärtet». Mit einem stattlichen Figuren-Ensemble von mehr als 60 Personen aus Familie, Nachbarschaft und Amtsträgern von Staat und Kirche erzählt er neben der Geschichte seiner Seherin von den weitreichenden Auswirkungen ihrer mysteriösen Erscheinungen. In diesem fiktiven Teil seines Romans erweist er sich als begnadeter Erzähler, der besonders seine Figuren sehr lebensnah als Charaktere schildert, die viele Typen des Menschen-Geschlechts glaubwürdig verkörpern. Er nutzt vor allem die gelehrten Dialoge der verschiedenen Honoratioren und des Klerus für kontemplative Betrachtungen des Geschehens aus unterschiedlichsten Perspektiven, behält als Autor aber stets die nötige Distanz. Auch wer als Atheist dem katholischen Mummenschanz ablehnend gegenüber steht, wird hier in Vorgänge und Usancen einer Weltreligion eingeweiht, die in Rom den Statthalter Christi auf Erden als unfehlbare Instanz etabliert hat. En passant erfährt man dabei faszinierende Details aus dem Klosterleben und von der pompösen Zeremonie einer Heiligsprechung. Besonders vergnüglich zu lesen sind die Ränkespiele zwischen Politik und Kirche, die an ein Schwarzer-Peter-Spiel erinnern, aus dem sich sogar Napoleon III tunlichst herauszuhalten versucht. Erstaunlich ist, dass es dem Autor trotz der weitgehend bekannten Fakten gelingt, einen Spannungsbogen aufzubauen, der bis zum Ende anhält. Bei der Heiligsprechung ist der als Erster durch Wunderheilung genesene Nachbarjunge als alter Mann unter den Besuchern im Petersdom, damit schließt sich äußerst elegant der Handlungsbogen einer denkwürdigen Geschichte.
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