Was macht uns zu den Menschen, die wir sind? Und wie können wir uns verändern? Christian Dittloff verbindet eigene Erfahrungen, Reflexionen über persönliche Vorbilder und Popkultur sowie philosophische Betrachtungen zu einem literarischen Spiel der Selbsterkundung. In einer inneren Archäologie untersucht er seine Kindheit und Jugend auf patriarchale Bruchstücke und versucht, diese aufzulösen. Der Text ist ein innerer Denkmalsturz gewaltvoller Vorbilder - vom Klassenbully über den Rockstar bis zum genialen Künstler - und zugleich ein kraftvolles Manifest, sich ein Leben lang verändern zu wollen.
Kundinnen und Kunden meinen
2.4/5.0
Bewertung
3/5
16.04.2023
Buch (Gebundene Ausgabe)
Anregung für cis Männerfreundeskreise
Prägung. Nachdenken über Männlichkeit von Christian Dittloff regt im cis Männerfreundeskreis sicherlich zum Diskurs an. Mich hat das Buch aber unschlüssig züruck gelassen. Der Autor geht der Frage nach, was ihn geprägt hat und wie seine Jugend und die patriarchale Gesellschaft seine Definition von Männlichkeit geformt haben.
Viele seiner Erfahrungen habe ich auch erlebt, nur eben von der anderen Seite. Ich finde es gut, dass der Autor sich der Thematik widmet und wenn das Buch ein männliches Publikum erreicht, wäre das wirklich sehr toll. Denn ich denke, dass das Buch wirklich sehr gut geeignet ist, um in einem cis Männerfreundeskreis den Diskurs zu kommen. Aber als Frau kann man doch leider nur wenig daraus mitnehmen.
Isa.Literature.Love
aus Hamburg
3/5
20.03.2023
Buch (Gebundene Ausgabe)
Brauchen wir wirklich noch mehr Bücher von männlichen weißen cis-Autoren über Männlichkeit und Feminismus?
In seinem auto-fiktionalen Roman »Prägung. Nachdenken über Männlichkeit« schreibt der Autor Christian Dittloff aus seiner männlichen, weißen und cis-Personensicht zum zeitgenössischen Diskurs über (toxische) Männlichkeit und Feminismus. In diesem Kontext analysiert er seine Kindheit, Jugend, Familie und Prägung und nimmt Lesende somit auf seine literarische Selbsterkundung mit.
»All dies muss als etwas betrachtet werden, was von einer ROMAN Figur gesagt wird.« (S.5) Dies wurde um den Buchhinweis »ROMAN« ergänzt und impliziert, dass der Inhalt des Buches nicht ausschließlich auto-biografisch ist und stellt sicherlich auch einen gewissen Schutz für alle Personen dar. Bei einigen Stellen (z. B. beim Quälen von Tieren oder anderen Menschen) hoffe ich sehr, dass dies zur Reflexion über toxische Männlichkeit fiktionalisiert und überzogen worden ist. Nichtsdestotrotz ist es ein sehr persönliches, mutiges und intimes Buch, das Christian Dittloff hier geschrieben hat und dessen lyrisches ICH sehr stark mit dem Autor übereinstimmt (bspw. anhand von recherchierbaren und im Roman genannten Fakten). Die einzelnen Kapitel beginnen mit Buchstaben-Spielen des Wortes ‚STEINBRUCH’s, da der Autor wie im Steinbruch seine patricharle Prägung aufspalten will (vgl. bspw. S.204).
Ausgiebig analysiert und reflektiert er literarisch sein Aufwachsen und Erwachsen werden, mit dem Ziel Männlichkeit im zeitgenössischen Kontext zu hinterfragen und die Prägungen aufzuzeigen. Er reflektiert den erlebten und gelebten Sexismus der 90er und 2000er Jahre und für mich liest es sich oftmals wie eben auch eine Rechtfertigung. Es werden Zitate aus anderen Büchern eingebettet und deren Einflüsse beschrieben, hier hätte ich mir zum einen direkte Fußnoten zu den Zitaten gewünscht (und zudem ein sinnvoll strukturiertes Quellverzeichnis! #ehrewemehregebührt und bin überzeugt, dass die Roman-Form mensch nicht von Zitierrichtlinien befreit …) und zum anderen mehr Reflexion und Zusammenführung der Rückblicke mit diesen Literaturquellen in einem Kontext mit einer zeitgenössischen Erweiterung der Gedanken. Die literarischen Einschübe von bspw. bell hooks oder Nicole Seifert finde ich sehr wichtig und relevant, aber die Einbettung finde ich absolut nicht gelungen. Die Kritik von Seifert zum Literaturkanon wird zwar aufgezeigt, aber danach direkt gerechtfertigt, warum die ‚klassischen‘ AutorEN wie Frisch, Hesse, Mann, etc. ihre Berechtigung haben. Für mich scheitert spätestens damit das Kritische in diesem Buch.
Der Autor schreibt zudem über Feedback, dass er im Rahmen seines Schreibprozesses erhalten hat, aber dieses wird nicht genutzt mit der Rechtfertigung, dass er eben nur seine Sicht auf die Dinge habe. So viel also als Ergänzung zur Einordnung als ‚Roman‘ und zur kritischen Auseinandersetzung mit Männlichkeit, wie das nachfolgende Beispiel veranschaulicht:
»Ich gebe diesen Text zwei befreundeten feministischen Aktivist:innen zu lesen. Sie weisen mich darauf hin, dass an dieser Stelle die weibliche Perspektive fehlt. Wie hat sich die von dieser Form der Gewalt getroffene Person gefühlt, fragen sie mich, was sagt sie heute zu diesem Erlebnis? Ich erkläre die ausgesparte Perspektive mit der Begrenztheit der erzähltechnischen Mittel, die mit meiner Entscheidung zusammenhängt, aus der Ich-Perspektive zu schreiben.« (S.72)
Ich persönlich hatte große Erwartungen an dieses Buch. Der Diskurs, der es hätte sein können, ist für mich nicht gegeben. Ja, Christian Dittloff denkt über SEINE Männlichkeit nach, die extrem stark auf einer (aus meiner Sicht längst überholten,) binären Einteilung von Geschlechtern basiert. Von mir gibt es keine Leseempfehlung, auch wenn ich es grundsätzlich sehr begrüße, wenn sich cis-Männer mit Männlichkeit und Feminismus auseinandersetzen.
Desiree Buchwald
aus Wanne-Eickel
3/5
19.03.2023
Buch (Gebundene Ausgabe)
Männliche Sicht auf Männlichkeit
Ein Mann, der selbstkritisch und, ja ich sage es einfach, feministisch über Männlichkeit und Patriarchat nachdenkt, geht das überhaupt? Für „Prägung“ von Christian Dittloff lautet mein Antwort: Jein.
Vorausschickend muss ich sagen, dass ich das Buch im Rahmen einer Leserunde gelesen habe und mich mit vielen tollen Frauen austauschen durfte, die mir ganz neue Denkansätze geboten und mich kritischer haben werden lassen.
Dittloff steigt zurück in die Vergangenheit. Als studierter Autor macht er das rein fachlich gut, aber ich hadere noch mit der Gattung dieses Werks. Es ist kein Sachbuch und auf der dem Text vorgesetzten Seite steht eingerahmt „Roman“, aber das ist es auch nicht, denn ich als Leserin identifiziere den Autor direkt mit dem lyrisch Ich. Vielleicht eine zusammenhängende Essaysammlung?
Jedenfalls kehrt er zurück in Kindheit und Jugend, die meiner nicht unähnlich war, aufgewachsen in den 90 und 2000 kann ich mich noch gut an den vorherrschende Sexismus erinnern, der mir heute die Galle die Speiseröhre hinauftreibt. Er beschreibt, wie er dazugehören wollte, aber dann auch wieder nicht. Er versucht zu reflektieren, was aber oft in einer Rechtfertigung endet, die er eigentlich vermeiden wollte. Er legt eine Pick-Me-Mentalität an den Tag, die wir von Frauen (leider) gewohnt sind und muss sich eingestehen, dass er gleich doppelt vom Patriarchat profitiert, einerseits direkt, andererseits, weil er sich davon abgrenzt.
Brauchen wir tatsächlich eine männliche Sicht auf „Smash the Patriarchy“, die eigentlich nur reproduziert, was viele intelligente Frauen predigen? Anscheinend schon, denn es besteht die Möglichkeit, dass Dittloff allein aufgrund seines Geschlechts gerade die erreicht, die sich singend und feixend die Ohren zuhalten, wenn Frauen davon sprechen. Vielleicht werden diese Männer dann mal selbst nachdenken und etwas verändern.
Isa.Literature.Love
aus Hamburg
2/5
20.03.2023
Buch (Gebundene Ausgabe)
Brauchen wir wirklich noch…
Brauchen wir wirklich noch mehr Bücher von männlichen weißen cis-Autoren über Männlichkeit und Feminismus? In seinem auto-fiktionalen Roman »Prägung. Nachdenken über Männlichkeit« schreibt der Autor Christian Dittloff aus seiner männlichen, weißen und cis-Personensicht zum zeitgenössischen Diskurs über (toxische) Männlichkeit und Feminismus. In diesem Kontext analysiert er seine Kindheit, Jugend, Familie und Prägung und nimmt Lesende somit auf seine literarische Selbsterkundung mit. »All dies muss als etwas betrachtet werden, was von einer ROMAN Figur gesagt wird.« (S.5) Dies wurde um den Buchhinweis »ROMAN« ergänzt und impliziert, dass der Inhalt des Buches nicht ausschließlich auto-biografisch ist und stellt sicherlich auch einen gewissen Schutz für alle Personen dar. Bei einigen Stellen (z. B. beim Quälen von Tieren oder anderen Menschen) hoffe ich sehr, dass dies zur Reflexion über toxische Männlichkeit fiktionalisiert und überzogen worden ist. Nichtsdestotrotz ist es ein sehr persönliches, mutiges und intimes Buch, das Christian Dittloff hier geschrieben hat und dessen lyrisches ICH sehr stark mit dem Autor übereinstimmt (bspw. anhand von recherchierbaren und im Roman genannten Fakten). Die einzelnen Kapitel beginnen mit Buchstaben-Spielen des Wortes ‚STEINBRUCH’s, da der Autor wie im Steinbruch seine patricharle Prägung aufspalten will (vgl. bspw. S.204). Ausgiebig analysiert und reflektiert er literarisch sein Aufwachsen und Erwachsen werden, mit dem Ziel Männlichkeit im zeitgenössischen Kontext zu hinterfragen und die Prägungen aufzuzeigen. Er reflektiert den erlebten und gelebten Sexismus der 90er und 2000er Jahre und für mich liest es sich oftmals wie eben auch eine Rechtfertigung. Es werden Zitate aus anderen Büchern eingebettet und deren Einflüsse beschrieben, hier hätte ich mir zum einen direkte Fußnoten zu den Zitaten gewünscht (und zudem ein sinnvoll strukturiertes Quellverzeichnis! #ehrewemehregebührt und bin überzeugt, dass die Roman-Form mensch nicht von Zitierrichtlinien befreit …) und zum anderen mehr Reflexion und Zusammenführung der Rückblicke mit diesen Literaturquellen in einem Kontext mit einer zeitgenössischen Erweiterung der Gedanken. Die literarischen Einschübe von bspw. bell hooks oder Nicole Seifert finde ich sehr wichtig und relevant, aber die Einbettung finde ich absolut nicht gelungen. Die Kritik von Seifert zum Literaturkanon wird zwar aufgezeigt, aber danach direkt gerechtfertigt, warum die ‚klassischen‘ AutorEN wie Frisch, Hesse, Mann, etc. ihre Berechtigung haben. Für mich scheitert spätestens damit das Kritische in diesem Buch. Der Autor schreibt zudem über Feedback, dass er im Rahmen seines Schreibprozesses erhalten hat, aber dieses wird nicht genutzt mit der Rechtfertigung, dass er eben nur seine Sicht auf die Dinge habe. So viel also als Ergänzung zur Einordnung als ‚Roman‘ und zur kritischen Auseinandersetzung mit Männlichkeit, wie das nachfolgende Beispiel veranschaulicht: »Ich gebe diesen Text zwei befreundeten feministischen Aktivist:innen zu lesen. Sie weisen mich darauf hin, dass an dieser Stelle die weibliche Perspektive fehlt. Wie hat sich die von dieser Form der Gewalt getroffene Person gefühlt, fragen sie mich, was sagt sie heute zu diesem Erlebnis? Ich erkläre die ausgesparte Perspektive mit der Begrenztheit der erzähltechnischen Mittel, die mit meiner Entscheidung zusammenhängt, aus der Ich-Perspektive zu schreiben.« (S.72) Ich persönlich hatte große Erwartungen an dieses Buch. Der Diskurs, der es hätte sein können, ist für mich nicht gegeben. Ja, Christian Dittloff denkt über SEINE Männlichkeit nach, die extrem stark auf einer (aus meiner Sicht längst überholten,) binären Einteilung von Geschlechtern basiert. Von mir gibt es keine Leseempfehlung, auch wenn ich es grundsätzlich sehr begrüße, wenn sich cis-Männer mit Männlichkeit und Feminismus auseinandersetzen.
Bewertung
1/5
04.06.2024
Buch (Gebundene Ausgabe)
Wenig Nachdenken, viel Anbiederung
Ich habe mich durch die Seiten von Dittlofs Prägung förmlich gequält, und immer war mir die Fremdscham ständige Begleiterin. Ich wurde den Eindruck nicht los, dass sich hier einer an den neuen Zeitgeist anbiedern will, ohne wirklich etwas zur Debatte beizutragen zu haben. Die Lektüre hätte ich mir besser gespart.
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