Vom Balkan nach Berlin Bulgarien in den 1970er-Jahren. Mitten im Sozialismus führen die Finzis das Leben der Bohème: Da ist der elegante Großvater, der seine Hüte noch aus den Zeiten des Zaren retten konnte. Die zähe Großmutter Mathilda, die die stalinistische Psychiatrie samt Elektroschocks und Eiswasser überlebte. Die Mutter, die es versteht, aus einer Scheibe Parmaschinken die ganze Leichtigkeit des Dolce Vita zu ziehen. Und der Vater, der seinem Sohn auf einer Reise in den Westen das Tor zur Freiheit aufstößt: Diese bunte, vielgestaltige Welt erkundet der junge Samuel und ahnt schon bald, dass das Glück jenseits der engen Grenzen der Heimat wartet. In treffsicheren Anekdoten, mit furiosem Witz und großer Wärme erzählt Samuel Finzi vom Paradies der Kindheit und der Revolte der Jugend, verwebt Vergangenes und Gegenwärtiges und schreibt ganz nebenbei über das gelingende Leben im falschen System.
Kundinnen und Kunden meinen
4.3/5.0
99 Bewertungen
5 Sterne
4 Sterne
3 Sterne
2 Sterne
(0)
1 Sterne
So lebte Herr Finzi im sozialistischen Bulgarien
beagline am 10.05.2023
Bewertungsnummer: 1939208
Bewertet: Hörbuch-Download
Wenn ich das Wort Autobiografie lese, denke ich automatisch an staubtrockene, langweilige Buchwälzer. Doch schon das Cover zeigt mir, dass ich hier wohl mit etwas anderem konfrontiert werde. Wer positioniert sich schon mit einem Kopfstand zwischen jungen Menschen und dreht das Bild verkehrt herum auf dem Cover? Meine Neugier war spätestens da geweckt. Und ich bin nicht enttäuscht worden. Das Hörbuch hat Samuel Finzi selbst gesprochen, ich habe beinahe das Gefühl, ich sitze neben ihm im Café und er erzählt mir aus seinem Leben. Ein herrliches, aber auch bewegendes Gefühl. Da ich selbst in den 70er und 80er Jahren meine Kind- und Jugendzeit hatte und oft in dieser Zeit hinter dem eisernen Vorhang mit meinen Eltern den Urlaub verbrachte, kann ich mich gut an die Zeit erinnern. Sie ist mir nicht so fremd, wie vielleicht manch anderem.
Danke für eine Auffrischung der Erinnerungen.
Bulgarische Vergangenheit
Bewertung aus Quickborn am 07.04.2023
Bewertungsnummer: 1917124
Bewertet: Hörbuch-Download
Samuel Finzi ist mir als Schauspieler schon seit den 1990er Jahren bekannt, aber dass er gebürtiger Bulgare und Jude ist und erst 1989 deutsch lernte, das alles war mir völlig unbekannt. Umso interessanter ist es, diesem Mann zuzuhören, der seine Kindheits- und Jugenderlebnisse aus einer Zeit berichtet, in der ich selbst in der DDR lebte und von Bulgarien nur erfuhr, dass es ein sozialistisches Brudervolk sei und am Schwarzen Meer liegt. Die deutschen Urlauber, von denen Finzi im Laufe der Geschichte berichtet, waren wahrscheinlich mehrheitlich BRD-Bürger, für DDR-Bürger gab es einige Hürden, um eine Reise dorthin zu buchen, vom Preis einmal abgesehen.
Samuel wird 1966 in Plowdiw als Sohn eines Schauspielers und einer Pianistin geboren, im sogenannten „real existierenden Sozialismus“, der auch in Bulgarien propagiert wurde, ist seine Kindheit und Jugend auch von den Privilegien dieser Künstlerfamilie geprägt. Obwohl der Vater ständig Erfindungen macht, die die Lebensqualität steigern sollen, erkennt man aus Finzis Erzählungen, dass es ihm nicht schlecht ging im sozialistischen Bulgarien. Hinzu kommt eine gewisse Freizügigkeit, welches bulgarische Kind konnte damals schon in Paris Ferien machen? Ansonsten sind seine Erlebnisse denen anderer Kinder sicher sehr ähnlich, die Begeisterung für „Westmusik“ und „Westfilme“ war in den 1970er und 1980er Jahren in Bulgarien ebenso heftig, wie ich es aus der DDR kenne, mit dem Unterschied, dass man in der DDR ein ganzes Stück näher am Westen war.
Finzi geht auf drei verschiedene Schulen, macht sein Abitur, möchte in die Schauspielbranche, aber landet zuerst bei der Bulgarischen Volksarmee. Dieser brutale und menschenfeindliche Wehrdienst ist es dann wohl auch, der ihm den letzten Dolchstoß versetzt, Bulgarien wird nicht sein Land bleiben, er will nur noch weg. Dass ihm das nicht leicht wird, liegt in der Natur der Sache, immer den Gedanken im Hinterkopf, dass die Eltern unter einer Flucht zu leiden hätten. Da kommt ihm die Weltgeschichte ein gutes Stück entgegen, die Berliner Mauer fällt und Todor Schiwkow, der bulgarische Staatschef tritt einen Tag später zurück. So kann Finzi seinen Weg nach Deutschland legal und ohne Drangsalierungen gehen. Hier endet Samuels Buch, schade, ich hätte gerne gehört, wie er sich in Deutschland eingelebt und durchgesetzt hat.
Nachdem ich mich an seine Stimme und den scharfen Akzent gewöhnt hatte, gefiel mir das Hörbuch nämlich wirklich gut. Nur manchmal sind mit Finzi die Pferde durchgegangen und er galoppierte wie ein Wilder durch seinen eigenen Text. Offenbar bemerkte er das aber auch, die Geschwindigkeit ging bald wieder auf Normal.
Von mir fünf Sterne und eine Hör- bzw. Leseempfehlung.
Meinung aus der Buchhandlung
Es ist ein Problem aufgetreten. Bitte laden Sie die Seite neu und versuchen es noch einmal.
Der Schauspieler Samuel Finzi erzählt über seine Familie und die Kindheit in Bulgarien mit vielen Einschränkungen und ständigen Bemühungen, eine große Karriere im Ausland zu machen.
Sehr viel Wissenswertes über sein Heimatland in den 70er-Jahren und viele schräge Situationen aus dem Alltag. Dies ist eine interessante und gleichzeitig auch die lustigste Autobiografie, die ich jemals gelesen habe.
Kurze Frage zu unserer Seite
Vielen Dank für Ihr Feedback
Wir nutzen Ihr Feedback, um unsere Produktseiten zu verbessern. Bitte haben Sie Verständnis, dass wir Ihnen keine Rückmeldung geben können. Falls Sie Kontakt mit uns aufnehmen möchten, können Sie sich aber gerne an unseren Kund*innenservice wenden.