Nominiert für den Schweizer Buchpreis 2023Pools, Plastikpalmen, Polarsonne: Léon Portmann durchquert auf einem Kreuzfahrtschiff die ganzjährig eisfreie Nordostpassage. Klimakatastrophentourismus mit Schlagerprogramm und Analogfisch auf der Speisekarte inklusive.Eigentlich wollte seine Freundin Kathrin die Reise allein machen, doch er hat sich ungefragt angehängt. Dabei sind die Risse zwischen den beiden offenkundig. Als Kathrin spurlos verschwindet, macht Léon sich auf die Suche nach ihr. Er taucht immer tiefer in den Schiffsbauch ab und gerät unter Verdacht, ein blinder Passagier zu sein. Weder Kathrin noch er stehen auf der Bordliste. Nach der Beziehung erhält auch die Wirklichkeit Risse: Gibt es Kathrin überhaupt? Und was haben ein neuseeländischer Philosoph, obskure Internetforen und ein 15 Jahre altes Videospiel damit zu tun?«Glitsch» ist der Trennungsroman zum Ende der Menschheit. Ein abgründiger Abgesang auf die Welt, wie wir sie zu kennen glauben, packend und klug in Szene gesetzt.Mit einem Nachwort von Philipp Theisohn
Kundinnen und Kunden meinen
3.7/5.0
Bewertung
aus Wertingen
5/5
01.01.2024
Buch (Gebundene Ausgabe)
Glitsch
Was soll ich sagen? Ich habe schon ewig nicht ein so in die tiefe gehendes Buch gelesen, das die Abgründe der menschlichen Psyche offenlegt. Ist es Dystopie, etwas, was uns in unmittelbarer Zukunft betrifft? Sind es die Auswirkungen eines unter Drogen stehenden Gehirns, ist es ein perfider Plan der Reederei? Und dann gibt es ja auch keinen Fisch mehr, sondern einen Ersatz, genauso mit dem Fleisch. Endzeitstimmung!?!? Es stehen uns sämtliche Möglichkeiten offen, da ja das Buch ein offenes Ende hat. Ich war jedoch vollauf begeistert und konnte nicht mehr aufhören zu lesen. Leon und seine Freundin Kathrin machen eine Kreuzfahrt von Hamburg aus nach Japan. Kathrin verhält sich Leon gegenüber oft unmöglich und dann verschwindet sie eben so auf dem Kreuzfahrtschiff. Und Leon hat da so seine Theorien, hat er doch gemeint, nachts die Sekte der Salarius zu erkennen, die zurück zum Ursprung, das Leben im Meer gehen wollen. Kathrin mit kahl rasiertem Schädel war mitten unter ihnen. Dann muß er NOH feststellen, dass weder Kathrin noch er als Passgiere auf dem Schiff eingetragen. sind. Er wird in eine Bedienstetenkammer mit einem Sänger einquartiert und plötzlich ist alles voller Algen? Der Schiffsdetektiv beobachtet ihn. Was ist hier los? Leon weiß nicht mehr, was er glauben soll. Er verrennt sich immer mehr in seinen Feststellungen und kann plötzlich nicht mehr sagen, ist es Halluzination oder Wirklichkeit. Der Autor versteht es, den Leser gekonnt in die Gedanken der Protagonisten einzubinden, man weiß oft selbst nicht mehr, was wirkliches Geschehen und was Utopie ist, zumal die Mitreisenden und auch die Angestellten auf dem Schiff alle eigene Spezies sind. Beim Lesen dieses Buches kann man sich schon einmal Gedanken machen, wie die Welt unserer Enkel bzw. Urenkel aussehen wird. Leon wird als psychotischer Typ dargestellt, ich würde sagen, er war ein feinfühliger Mensch. Der Autor hat hiermit wirklich ein Genre aufgetan, das nicht ganz ungefährlich ist. Das Cover ist schlicht gestaltet, zeigt es einen gefliesten Raum, in dem zentimeterhoch klares Wasser steht,
Bewertung
aus Rösrath
5/5
11.12.2023
Buch (Gebundene Ausgabe)
Ein außergewöhnlicher Roman
Wäre 'Glitsch' eine Netflix-Serie, hätte sie nur wenige Follower bekommen... aber die wären Fans! 'Glitsch' ist nach meiner Auffassung keine Heldengeschichte, kein Welterklärungsbuch, beantwortet keine einzige Sinnfrage und weist auch keinen Weg in eine bessere Zukunft; 'Glitsch' stellt in Frage und hält der Welt und ihren Bewohnern mit all ihren Absurditäten den Spiegel vor. Und ich finde die Geschichte tatsächlich ziemlich kafkaesk...meine dies aber eindeutig als Kompliment.
Dabei ist die Geschichte eigentlich recht einfach: Nahe Zukunft, in den Niederlanden sind die Dämme gebrochen, das Eis schmilzt, und Léon macht mit seiner Partnerin Kathrin eine Kreuzfahrt über das Polarmeer, das eigentlich gar kein richtiges Polarmeer mehr ist, nach Japan. Kathrin verschwindet, es scheint kein Kontakt mehr möglich und für Léon beginnt eine lange Suche, bei der er vom Oberdeck in immer tiefer gelegene Gefilde des Kreuzfahrtriesen gerät, immer verwirrendere Erklärungen für das Geschehen findet, bis hin zu einer Weltuntergangserzählung, die die Auflösung der Menschheit zum Kern hat. Das Schiff verrottet mit der Dauer der Fahrt und Léons Erleben und Verhalten mutet zunehmend psychotisch an. Eine wahrhafte Dystopie auf der Makroebene des Geschichte - der Untergang des Weltenschiffs; die wahnhafte/psychotische Entwicklung des Protagonisten Léon auf der Mikroebene der Geschichte... Die anderen Passagiere auf dem Oberdeck als gelangweilte Individuen, mit Scheuklappen ausgestattet, die untergehende Welt ignorierend, unterwegs auf einem bescheuerten Kreuzfahrtschiff ("Wir amüsieren und zu Tode") - auf dem Unterdeck die Bediensteten in quasi-Sklavenhaltung.
Deutungsversuch: Ist es nicht so, dass der Mensch an sich in eine Welt hineingeworfen wird, die keinen Sinn hat, und dass es eine Lebensaufgabe darstellt, sich einen (subjektiven) Sinn zu konstruieren? Und diese Sinnkonstruktion gelingt Léon nicht (mehr); dabei ist das Verschwinden von Kathrin nur das auslösende Ereignis, das Kreuzfahrtschiff der zufällige Ort für den Zusammenbruch von Léons bisheriger Sinnkonstruktion. Auf Beziehung ist kein Verlass mehr und auf die Welt schon gar nicht. In seiner psychotischen Krise versucht Léon, sich ein neues Konstrukt zu erarbeiten, welches aber wahnhaft ist. So machen für uns als Betrachter des Geschehens viele Dinge die Léons Verhalten und Erleben betreffen wenig Sinn, sind nicht schlüssig und auch nicht logisch, münden eher in eine Welt absurder Vorstellungen und Glaubenssysteme - im Rahmen von Léons Wahn ergeben sie aber Sinn. Und - ist nicht 'Verrücktheit' die konsequente Reaktion auf das wahnsinnige Weltgeschehen? Sind nicht eigentlich diejenigen die Bekloppten, die Normalität spielen auf einem Kreuzfahrtschiff, während die Polkappen schmelzen?
Wer sich einlassen kann, wird eine wahnsinnig (!) gute Geschichte vorfinden!!!
Bewertung
4/5
31.12.2023
Buch (Gebundene Ausgabe)
Eine glitschige Reise in die Skurrilität
Der Autor, Adam Schwarz, schafft es mit dem Roman „Glitsch“, die Leser:in in eine Welt zu beamen, die so skurril und utopisch ist, dass man oft das Gefühl hat, sich in einer Simulation zu befinden. Traumhafte Sequenzen und dann wieder sehr realitätsbezogene Situationen schaffen ein besonderes Lesegefühl und -empfinden. Adam Schwarz hat ein Talent, mit Sprache umzugehen und spielt mit der Realität und surrealen Elementen. Die Beziehung zwischen Leon und Kathrin ist von Beginn an sehr mystisch und oft glaubt man, dass Kathrin nur eine Einbildung sei. Am Schiff trennen sie sich und Leon geht auf die Suche nach seiner Freundin. Im Schiffsbauch erlebt und lernt Leon teilweise sehr skurrile Persönlichkeiten kennen. Wenn man eine überhöhte Vorstellungskraft hat und auf skurrile Geschichten steht, dann ist dieses Buch sehr zu empfehlen.
ElliP
aus Hessen
4/5
31.12.2023
Buch (Gebundene Ausgabe)
Glit(s)ch: Ausrutschen - Ein…
Glit(s)ch: Ausrutschen - Ein Fehler, eine Lücke im Programm, wodurch etwas ermöglicht wird, was eigentlich nicht sein sollte, ein Fehler im Computerspiel! Das passt auf die Realität von Leon, dem Antihelden des Romans, der sich in einer fremden Welt wiederfindet, immer wieder Wege nicht gehen, sich im Spiel nicht bewegen kann – wie in einem Alptraum, bei dem der Träumer die Regeln nicht bestimmt und sie nicht unter Kontrolle hat. Ausgangslage ist die Fahrt auf einem Kreuzschiff mit der Liebsten in der Nobel-Suite – ihre finanziellen Verhältnisse machen es möglich, denn Leon – der erfolglose Schriftseller - kann mit seinem kärglichen Einkommen nichts dazusteuern. Aber dann passiert das Unerwartete, die Trennung, das Verschwinden seiner Freundin Kathrin und er macht sich auf die Suche, die zu einer existenziellen Suche nach dem eigenen Ich ausufert. Ein kafkaesk anmutendes Vexierspiel, eine Reise ins Ungewisse, alles spielt sich auf dem Schiff ab, das unergründlich, riesig und unüberschaubar eine Gegenwelt darstellt. Auf nichts ist Verlass, Regeln werden außer Kraft gesetzt. Leon wird mit seinem Selbst, seinen Problemen, Fragen, Erfahrungen, Bedürfnissen und Wünschen konfrontiert und es geht eher um die eigene Existenz als um die Liebesbeziehung zur Freundin. Jeder bleibt sich fremd, es geht um die Angst, sich und den Verstand zu verlieren. Sprachlich eine Wucht! Adam Schwarz schafft es, den Leser in einen Sog zu ziehen, unkonventionelle Bilder betören, verstören und ein anregendes Lesevergnügen wird geboten - ich fühle mich bis zur Mitte großartig unterhalten, danach schippert das Boot leider etwas ziellos umher, deshalb einen Stern Abzug.
Bewertung
4/5
31.12.2023
Buch (Gebundene Ausgabe)
Die Suche nach der verlorenen Welt
Glit(s)ch: Ausrutschen - Ein Fehler, eine Lücke im Programm, wodurch etwas ermöglicht wird, was eigentlich nicht sein sollte, ein Fehler im Computerspiel! Das passt auf die Realität von Leon, dem Antihelden des Romans, der sich in einer fremden Welt wiederfindet, immer wieder Wege nicht gehen, sich im Spiel nicht bewegen kann – wie in einem Alptraum, bei dem der Träumer die Regeln nicht bestimmt und sie nicht unter Kontrolle hat.
Ausgangslage ist die Fahrt auf einem Kreuzschiff mit der Liebsten in der Nobel-Suite – ihre finanziellen Verhältnisse machen es möglich, denn Leon – der erfolglose Schriftseller - kann mit seinem kärglichen Einkommen nichts dazusteuern. Aber dann passiert das Unerwartete, die Trennung, das Verschwinden seiner Freundin Kathrin und er macht sich auf die Suche, die zu einer existenziellen Suche nach dem eigenen Ich ausufert.
Ein kafkaesk anmutendes Vexierspiel, eine Reise ins Ungewisse, alles spielt sich auf dem Schiff ab, das unergründlich, riesig und unüberschaubar eine Gegenwelt darstellt. Auf nichts ist Verlass, Regeln werden außer Kraft gesetzt. Leon wird mit seinem Selbst, seinen Problemen, Fragen, Erfahrungen, Bedürfnissen und Wünschen konfrontiert und es geht eher um die eigene Existenz als um die Liebesbeziehung zur Freundin. Jeder bleibt sich fremd, es geht um die Angst, sich und den Verstand zu verlieren.
Sprachlich eine Wucht! Adam Schwarz schafft es, den Leser in einen Sog zu ziehen, unkonventionelle Bilder betören, verstören und ein anregendes Lesevergnügen wird geboten - ich fühle mich bis zur Mitte großartig unterhalten, danach schippert das Boot leider etwas ziellos umher, deshalb einen Stern Abzug.
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