Englische Literatur in Reclams Roter Reihe: das ist der englische Originaltext – mit Worterklärungen am Fuß jeder Seite, Nachwort und Literaturhinweisen.
Bei 451 Grad Fahrenheit fängt das meiste Papier Feuer, auch das Papier in den Büchern, von denen sich Bradburys Zukunftsstaat bedroht fühlt. Feuerwehrmann Guy Montag hat mit seinen Kollegen die Aufgabe, Bücher aufzuspüren und zu verbrennen. Als er Clarisse kennen lernt, die ihn davon überzeugt, dass Literatur fürs Leben nötig ist, ändert er seine Ansichten – und wird zum Rebellen.
Englische Lektüre: Niveau B2 (GER)
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Wichtiger Klassiker
SternchenBlau am 27.11.2024
Bewertungsnummer: 2351197
Bewertet: Hörbuch (CD)
„Fahrenheit 451“ las ich bereits in der Schule, aber das ist wohl bald 30 Jahre her. Schon länger nehme ich mir einen Re-Read vor. Und als ich in der Bibliothek gesehen habe, dass Rufus Beck der Sprecher des Diogenes-Hörbuchs ist, habe ich mich für dieses entschieden.
Ein Hinweis vorneweg zum Hörbuch und unterschiedlichen Übersetzungen:
Rufus Beck liest hier ungekürzt die Übersetzung von Fritz Güttinger. Ich habe allerdings erst, als ich schon mitten im Hören war, bemerkt, dass es eine neuere Übersetzung gibt. (Ich wollte da ein Zitat nachlesen). 2020 ist auch eine neue Buchfassung bei Diogenes erschienen, übersetzt von Peter Torberg, der sich den Text komplett neu vorgenommen hat. Beim Blog kaffeehaussitzer.de findet ihr ein Interview mit Torberg. Was ich in der Neuübersetzung schon mal sehr gelungen finde, ist, dass „Firemen“ nicht mit Feuerwehrmänner, sondern mit Feuermänner übersetzt wird. Da ich die Lesung von Rufus Beck aber so gelungen fand, bin ich dann bei der Hörfassung geblieben. Vielleicht nehme ich mir das Buch aber irgendwann einmal noch im Original vor.
Generell ist der Roman oft poetisch, in der Schilderung von Gewalt recht nüchtern. Dennoch finde ich eine Content Note wichtig, weil einiges doch vielleicht selbst in einer Dystopie überraschend kommen könnte.
Content Note:
Su*zid, Su*zidversuch, Mord, Gewalt Feuer, Brandstiftung, Hetzjagd, Hunde, Injektionsnadel, Überwachung, Krieg, Autounfall
Ich hatte nur noch einige Eckpunkte der Handlung im Kopf und war überrascht, wie schnell alles für den Protagonisten und Feuer(wehr)mann Montag brisant wird. Montag erbte den Beruf von seinem Vater und seinem Großvater – die Feuerwehr ist nicht mehr dazu da Feuer zu löschen, sondern Bücher zu verbrennen. Montag weiß noch nicht einmal, dass unter diesem Namen früher die ganz gegenteilige Aufgabe durchgeführt wurde. Am Anfang hinterfragt er diese Arbeit überhaupt nicht. Doch dann stellt das Nachbarsmädchen Clarisse Fragen, die Montags Weltsicht erschüttern. Nun beginnt er selbst Fragen zu stellen und durch seine Fragen werden sein Vorgesetzter Beatty und seine Frau Mildred misstrauisch. Aber er lernt auch den früheren Universitätsprofessor Faber kennen.
Die Welt ist dystopisch, Bücher sind verboten, Schulen sind Verfahr- und Bespaßungsanstalten, Universitäten gibt es nicht mehr. Die Welt steht vor einem erneuten großen Krieg, aber es gibt keinen Diskurs darüber, weil die Menschen durch Medien, schnelle Autos und Gewalt sediert werden. Vieles davon – die wandgroßen Fernsehbildschirme, die ständige Unterhaltung durch Stöpsel im Ohr – scheint heute fast Alltag zu sein.
Über eine Stelle bin ich erst gestolpert, weil sie den Zustand dieser Welt vermeintlich den Minderheiten zuschreibt. Deren Bedürfnis, dass dieses oder jenes nicht mehr gesagt werden solle, sei der Grund, warum Bücher immer stärker eingedampf und schließlich verboten worden sein sollen. Das scheint das Geunke der globalisierten Rechten wegen „Political Correctness“ oder „Wokeness“ versteckt, aber dann fiel mir auf: Es ist Beatty, der das behauptet. Wie Faber später mehrfach betont, ist Beatty schlau, hat durchaus Bücher gelesen – und nutzt sie nun, um als Demagoge den verunsicherten Montag wieder zurück auf den rechen Pfad zu bringen.
Montag geht in seinem neuentdeckten Bewusstsein nicht subtil vor, da hätte ich ihm manchmal zurufen wollen: „Das kannst du doch so nicht machen!“, aber mit Fabers Blick wird die Wut dann wieder verständlicher, auch, wenn wir wissen, dass das so nicht viel bringen wird. Und dann bleibt auch immer die Bewunderung, dass durch solche Wut auch Hoffnung möglich ist.
»Die Welt war voll von Verbrennung aller Art. Nun galt es schleunigst, die Zunft der Teflonweber ins Leben zu rufen.«
Das Buch ist in den 1950ern geschrieben, meine einzige wirkliche Kritik ist also also zeitabhängig. Die Frauenfiguren fand ich alle recht klischiert. Gut, außer Montag, Beatty und Faber bekommen die wenigsten Männer auch kaum eine wirkliche Zeichnung, aber dennoch sind es in der Geschichte viel mehr Männer und auch mit mehr Aktion. Clarisse ist zwar komplett positiv gezeichnet, aber eher wie eine jugendliche Beatrice für Dante. Und bei der Ehefrau Mildred und ihren Nachbarinnen kann ich mich des Gefühls nicht erwehren, dass da schon einige misogyne Klischees zusammenkommen. Aber gut, das ist die Zeit, sollte man beim Lesen aber nicht ganz außer Acht lassen. Und darum vergebe ich auch 4,5 statt 5 Sternen.
Wichtiger Klassiker, der auch heute nichts von seiner Aktualität eingebüßt hat.
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