Die großen Krisen der Neuzeit, Viruspandemien, Klimaerwärmung, Kriege und Energiemangel, lösen in Deutschland transgenerational bedingte Urängste aus. Angesichts immer neuer Bedrohungsszenarien und übermächtig erscheinender Probleme fühlen sich viele Menschen ohnmächtig und wie gelähmt. Im Schatten der bürgerlichen Überforderung ist die ehemalige Debattenkultur westdeutscher Nachkriegspolitik einer technokratischen Experten- und Lobbypolitik gewichen, die politische Handlungsoptionen als „alterativlos“ ausgibt. Die Rechtfertigung dieser neuen Top-down-Politik fußt auf der Behauptung, die globalen Probleme seien zu komplex, als dass sich Lösungen im Konsens nationaler, demokratischer Meinungsbildung finden lassen. Spätestens im Rahmen der Coronakrise mutierten große Teile der Gesellschaft zu unmündigen Kindern, denen gesagt werden muss, was zu tun ist.
Den Wandel vom infantilen Untertan zum mündigen Bürger beschreibt der Mythos der Heldenreise. Das Abenteuer des Helden, der sich trotz seiner Angst zu einer Odyssee aufmacht, in der er schwere Prüfungen bestehen muss, erzählt in Wirklichkeit von inneren, psychischen Wandlungs- und Wachstumsprozessen, die zu jedem Menschsein gehören.
Auf dem Gipfel politischer Krisen lädt der Autor seine Leser in Die Heldenreise des mündigen Bürgers ein, sich rechtzeitig auf das Abenteuer der persönlichen Individuation einzulassen. Nur eine erwachsene Position, die die inhärenten Zielkonflikte allen politischen Handelns mitdenken kann, bietet Schutz vor kopflosem Ausagieren, in dem nur neue und größere Probleme entstehen. Wer politisch sinnvoll wirken möchte, sollte zunächst mit seinen persönlichen „Drachen“ unter dem eigenen Bett gekämpft und Frieden geschlossen haben.
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Hervorragendes Buch
Bewertung aus Karlsruhe am 15.06.2023
Bewertungsnummer: 1961315
Bewertet: Buch (Gebundene Ausgabe)
2021 veröffentlichte Raymond Unger sein bahnbrechendes Werk "Vom Verlust der Freiheit". Dort ging er gesellschaftlichen und psychologischen Ursachen der vielen Krisen in den letzten Jahren nach. In seinem neuen Buch "Die Heldenreise des Bürgers" legt er nun den Fokus auf die Herausforderungen und Etappen des Individuations-Weges (und beschreibt diesen Weg als Mythos der archetypischen Heldenreise). Dieser Weg beinhaltet die Hinwendung zu einem authentischen Leben in Freiheit und Selbstverantwortung. Das Buch enthält eine Fülle von praktischen Ratschlägen hierzu. Es beschreibt auch sehr präzise die häufigen (sowohl äußeren als auch inneren) Hindernisse auf diesem Weg. Das Buch ist sehr authentisch und klar geschrieben und zeugt von detailliertem psychologischen Wissen. Man merkt, daß der Autor diesen Prozess selber durchlaufen hat und weiß, wovon er spricht. Zusammenfassend kann man sagen, dass "Vom Verlust der Freiheit" eine präzise Analyse der Vergangenheit ist (die in der Krise 2020-2022 vorläufig gipfelte), während sich das neue Heldenreise-Buch 2023 mit der Frage beschäftigt, was denn das Individuum nun konkret tun kann, um trotz (oder wegen !) äußerer Krisen und Herausforderungen (Stichwort normopathische Gesellschaft) seinen persönlichen Reifungs- und Sinngebungsprozess zu beginnen und zu durchlaufen. Für diese zentrale menschliche Thema ist das Buch eine hervorragende Unterstüzung !
Frei, selbstbestimmt und unbestechlich
Bewertung am 23.05.2023
Bewertungsnummer: 1947613
Bewertet: Buch (Gebundene Ausgabe)
Wir Menschen sind komplexe Wesen. Und noch komplexer ist die Zeit, in der wir leben. Viele Irrwege wurden in den letzten Jahren beschritten; und es ist gar nicht so leicht, sich das einzugestehen, weder kollektiv noch individuell.
Raymond Unger versucht in seinem neuen Buch „Die Heldenreise des Bürgers“ gesellschaftlichen Entwicklungen auf den Grund zu gehen, tiefer liegende Ursachen herauszuarbeiten. Zwei Krisen beleuchtet er genauer: die Corona- und die Ukrainekrise. In beiden Fällen plädiert er dafür, sich ein eigenes Bild zu machen, Politik und Medien nicht blind zu folgen.
Was es braucht, um sich nicht zu verrennen, ist ein differenzierter, erwachsener Blick, der auch Zwischentöne in der Wahrnehmung zulässt, nicht nur schwarz und weiß sieht. Wie schwierig das zuweilen ist, zeigt er auf, indem er unsere infantilen psychischen Muster freilegt: Wessen Psyche nicht erwachsen ist, wird sich auch nicht erwachsen verhalten können. Unsere kindlichen Strukturen sehnen sich danach, sich an Autoritäten festhalten zu können, von ihnen Klarheit zu erhalten, was gut und was böse ist, was rettend und was gefährlich. Das nimmt uns die Angst und erleichtert uns.
Was aber, wenn sich die Autoritäten irren, wenn die Welt komplexer ist, als uns lieb ist? Dann kann es kritisch werden. Die Folgen können verheerend sein, heute mehr denn je. Und so gilt es genau hinzuschauen, ob das, was uns als das Rettende verkauft wird, nicht oft die eigentliche Gefahr ist. Wessen Wahrnehmung allerdings von infantiler Angst und moralischer Selbstüberschätzung getrübt ist, wird derart kritische Nachfragen selbst als Gefahr sehen und jene, die sie aufwerfen, aus dem Diskurs ausschließen wollen.
Wie kommt man da heraus? Als Therapeut und Künstler geht Raymond Unger den Weg nach innen. Nur in der individuellen Konfrontation mit unserer eigenen Psyche kann der Bürger jene Souveränität erreichen, die es braucht, um den Durchblick zu behalten und sich nicht von den vorherrschenden gesellschaftlichen Kräften manipulieren zu lassen. Wer zum Gestalter seines eigenen Lebens wird, ganz so, wie es seiner echten Identität entspricht, wird frei, selbstbestimmt und unbestechlich. Darum geht es in der sogenannten Heldenreise, die Unger anhand von elf Stationen beschreibt.
Letztlich geht es Unger darum, aufzuzeigen, dass der Mensch mehr ist als eine programmierbare Maschine, dass wir alle eine Seele haben, die es nach Sinnerfüllung dürstet. Auch wenn Unger anhand zahlreicher Beispiele den Finger in die Wunde legt, so ist er doch optimistisch, dass der Mensch in der Lage und willens ist, das, was ihn in Ungers Augen ausmacht, wiederzuentdecken: seine empathische Erkenntnisfähigkeit und sinnliche Schöpferkraft.
Man muss Unger nicht in allen Punkten seiner gesellschaftlichen Analyse zustimmen, um ihn für sein zukunftsweisendes Bild eines wirklich mündigen Menschen zu feiern. Als Therapeut mit kreativem Hintergrund nehme ich genau das aus der Lektüre seines Buches mit und lasse mich davon in meiner therapeutischen Begleitung leiten. Der Weg dorthin, den Unger als Heldenreise bezeichnet, ist ein Weg der Selbstbegegnung. Und die Fragen, welche diese Reise zwangsläufig aufwirft, sind nur individuell zu beantworten.
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