In "Verlorene Illusionen" entführt Honoré de Balzac die Leser in die komplexe Welt der französischen Literatur und des Pariser Lebens im frühen 19. Jahrhundert. Durch die fesselnde Erzählung des jungen Poeten Lucien Chardon, der in die trügerische Welt des Journalismus und der Literatur eintritt, untersucht Balzac die Probleme von Ambition, Verrat und den Missbrauch kreativer Ideale. Der literarische Stil ist geprägt von detailreichen Beschreibungen und scharfer Sozialkritik, welche die Verlogenheit der Gesellschaft und die Kämpfe der Künstler ans Licht bringt. Vor dem Hintergrund des politischen und sozialen Umbruchs dieser Zeit wird der Leser Zeuge der Zerbrechlichkeit von Träumen und der oft brutalen Realität des Lebens im Rampenlicht. Honoré de Balzac, ein bedeutender Vertreter des realistischen Romans, formte mit seinem umfangreichen Werk, das die "Les Rougon-Macquart"-Serie inspirierte, die Entwicklung des modernen Romans. Sein eigenes Leben, geprägt von finanziellen Schwierigkeiten und oft gescheiterten Unternehmungen, ließ ihn die innere Zerrissenheit seiner Charaktere authentisch darstellen. Balzacs tiefes Verständnis für die sozialen Strukturen und menschlichen Motivationen seiner Zeit erlaubt es ihm, zeitlose Themen zu behandeln, die noch heute relevant sind. "Verlorene Illusionen" ist ein unverzichtbares Werk für jeden Literaturinteressierten und bietet tiefgreifende Einblicke in die Menschlichkeit und die Komplexität des künstlerischen Schaffens. Der Leser wird nicht nur einprägsame Charaktere und spannende Konflikte erleben, sondern auch an einer scharfsinnigen Analyse der menschlichen Ambitionen und der unvermeidlichen Desillusionierung teilnehmen. Dieses Meisterwerk ist eine Aufforderung, die Illusionen zu hinterfragen, die unser Leben prägen.
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Bewertung am 19.11.2023
Bewertungsnummer: 2071576
Bewertet: eBook (ePUB)
Balzac hat in diesem Buch einige schlechte menschliche Charaktereigenschaften, wie z.b. Geltungssucht, Eitelkeit und Gier in einer amüsant bis spannenden Geschichte verarbeitet.
Er hält uns Menschen gekonnt den Spiegel vor. Das Buch ist natürlich in dem zu Balzac´s Zeiten üblichen Sprachgebrauch geschrieben. Aber wenn man einmal in dieser schönen Geschichte drin ist, liest es sich ziemlich flüssig. Das Buch hat mir beim Lesen richtig Spaß gemacht,
daher kann ich das Buch nur wärmstens empfehlen.
Vom Scheitern In dem gewaltige…
Bories vom Berg aus München am 14.01.2015
Bewertungsnummer: 2708378
Bewertet: Buch (Gebundene Ausgabe)
Vom Scheitern In dem gewaltigen Zyklus «Die menschliche Komödie» von Honoré de Balzac, der von den geplanten 137 Romanen und Erzählungen «nur» 91 Werke fertig stellen konnte, ist der 1843 erstmals in einem Band herausgegebene, dreiteilige Roman «Verlorene Illusionen» das umfangreichste und wohl auch schönste Werk. Die vorliegende Neuübersetzung von Melanie Walz macht die Lektüre dieses im Stil des literarischen Realismus erzählten, grandiosen Gesellschaftsromans sprachlich zu einem Leseerlebnis besonderer Art, ist es ihr doch gelungen, den vor etwa 180 Jahren geschriebenen, anspruchsvollen altfranzösischen Text in ein flüssig zu lesendes, modernes Deutsch zu transferieren. Gleichwohl wird dem Leser volle Aufmerksamkeit abverlangt in diesem großangelegten Sittengemälde, sowohl was die gewaltige Zahl an Figuren anbelangt als auch das adäquate Milieu, der uns Heutigen unbekannte Erfahrungshintergrund der damaligen Epoche, insbesondere in Hinblick auf die politischen, sozialen, wirtschaftlichen und künstlerischen Gegebenheiten im Frankreich der ersten Hälfte des 19ten Jahrhunderts. Hilfreich dabei sind die Vorworte aus Balzacs Feder zu den ursprünglich drei einzelnen Bänden sowie insbesondere ein umfangreicher Anhang, in dem neben einem kenntnisreichen Nachwort der Übersetzerin vor allem deren umfangreiche Anmerkungen zum Text mir unabdingbar erscheinen zum tieferen Verständnis des Geschehens. Julien Chardon, ein auffallend schöner junger Mann, der sich für einen großen Dichter hält, wird von Madame de Bargeton protegiert, unumstrittene Grande Dame der Salons in der Provinzstadt Angoulême. Als sie mit ihm nach Paris geht, schämt sie sich dort plötzlich seiner Armut und Provinzialität wegen und überlässt ihn einfach sich selbst. Es gelingt Julien, sich in der Boheme der französischen Metropole als Journalist nach oben zu arbeiten, in die Gesellschaft eingeführt zu werden. Eine schöne Schauspielerin wird seine Mätresse, er lebt in Saus und Braus, bekommt aber schon bald Missgunst und Neid zu spüren und gelangt in einen finanziellen Abwärtsstrudel, dem er auch durch Glücksspiel und, als letzte Rettung, das Fälschen dreier Wechsel auf seinen Freund Daniel Séchard nicht entkommt. Er flüchtet aus Paris und kehrt nach Angoulême zurück. Daniel, der Juliens Schwester geheiratet hat, arbeitet dort verbissen an einer Erfindung zur Papierherstellung und vernachlässigt sträflich seine Druckerei, er bringt sich damit letztendlich in den Ruin. Die bei Fälligkeit präsentierten Wechsel kann er nicht einlösen und landet schließlich im Gefängnis. Julien als Schuldiger an diesem Unglück will sich daraufhin das Leben nehmen, trifft aber auf der Landstraße einen geheimnisvollen spanischen Abbé, der ihn von seinem Vorhaben abbringt. Er gibt ihm sogar das Geld für Daniel, mit dem der sich von allen seinen Schulden befreien kann, und macht ihn zu seinem Sekretär unter der Bedingung, dass er ihm blind gehorchen müsse, wofür er ihm in Paris eine glänzende Karriere ermöglichen werde. Es sind in der Tat viele Illusionen, die Balzac als auktorialer Erzähler in seinem Roman platzen lässt. Er führt seine vielen überaus lebensvollen Figuren zielstrebig durch eine weit ausholende Handlung, immer mit dem Ziel, die Usancen und Hintergründe der vornehmen Gesellschaft und des korrupten Literaturbetriebs sowie der Theaterwelt seiner Zeit detailliert und so realistisch wie möglich darzustellen. Insoweit handelt es sich bei seinem Werk auch um ein wichtiges Dokument der Zeitgeschichte. Dünkel und Hochmut, Missgunst, Neid und Hass sind Auslöser absolut skrupelloser Ränkespiele und korrupter Machenschaften in dieser Erzählung, dem Sieg des Bösen stehen nur wenige ins Positive weisende Lebenslinien gegenüber, ein fürwahr pessimistisches Menschenbild, das Balzac da entworfen hat. Wer sich die Zeit nimmt, genüsslich in diesen Kosmos einzutauchen, dem stehen viele anregende Lesestunden bevor mit einem Klassiker der Weltliteratur.
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