Paris in den 1920er-Jahren: Die einstige Kunststudentin Eileen Gray avanciert zur Interieurkünstlerin, die mit außergewöhnlichem Gespür die Formensprache der Zeit zu interpretieren vermag. Inspiration sind ihr die selbstbewussten Frauen der Left Bank, die literarischen Salons von Natalie Barney und Gertrude Stein, verwegene Nächte an der Seite ihrer Amour fou, der Chansonnière Damia. Als sie dem fünfzehn Jahre jüngeren Jean Badovici begegnet, nimmt das Leben der Visionärin eine jähe Wendung. Rasch erfasst der Architekturkritiker das Talent Eileens. Mit Kalkül lehrt er sie Wissen über neuartige Bewegungen wie dem Bauhaus und De Stijl. Sie verliert ihr Herz an Jean, Widrigkeiten zum Trotz, und errichtet dem Geliebten ab 1926 an der Küste nahe Monaco die Villa E.1027, ein schmaler, langgestreckter Bau zwischen Zitronenbäumen, darunter das azurblaue Meer. Das Gesamtkunstwerk der Autodidaktin erregt Aufsehen. Ihre Kreativität erstaunt noch Le Corbusier, den Meister der Moderne. E.1027 gerät zur Kulisse, wird Schauplatz von Neid und Selbstsucht, von Enttäuschung und Verrat.
Kundinnen und Kunden meinen
4.5/5.0
Bewertung
5/5
30.07.2023
Buch (Gebundene Ausgabe)
Ein fulminantes Werk!
Und Joséphine Nicolas hat es wieder getan: nach ihrem brillanten Erstling „Tage mit Gatsby“ über Zelda Fitzgerald geht es im „Haus am Meeresufer“ nun um die lang in Vergessenheit geratene Nonkonformistin Eileen Gray, die erste Architektin der Moderne, und ihr in den 1920er Jahren erbautes wunderbares Haus E.1027 in Roquebrune-Cap Martin unweit von Monaco an der Côte d‘Azur, um die besondere Liebe zu Ihrem Gefährten Jean Badovici und um die Widerstände, die einer Frau, die sich erhob und aufbegehrte, seitens der männerdominierten Architekturwelt entgegenschlugen. Wieder hervorragend recherchiert und subtil fiktionalisiert bringt uns dies Werk Eileen Grays tiefgründige Gedankenwelt in solch persönlichster sprachlicher Umsetzung nahe, dass man das Buch nicht zur Seite legen mag. Auf einen Roman über Eileen Gray habe ich schon lange gewartet und nun gibt es ihn so, wie er nicht besser sein kann. Eine unbedingte Empfehlung für Kunst- und Architektur- Enthusiasten —- und für alle, die es noch werden können.
Bewertung
aus Berlin
5/5
19.07.2023
Buch (Gebundene Ausgabe)
Das ist literarischer Genuss
Die Autorin Joséphine Nicolas, erzählt in ihrem sehr beeindruckenden neuen Roman „Das Haus am Meeresufer“, nicht nur ein belletristisches Werk über die irische Architektin und Designerin Eileen Gray, sondern auch ein Porträt der künstlerischen Szene im Paris der zwanziger Jahre.
Inhalt:
Paris in den 1920er-Jahren: Die einstige Kunststudentin Eileen Gray avanciert zur Interieurkünstlerin, die mit außergewöhnlichem Gespür die Formensprache der Zeit zu interpretieren vermag. Inspiration sind ihr die selbstbewussten Frauen der Left Bank, die literarischen Salons von Natalie Barney und Gertrude Stein, verwegene Nächte an der Seite ihrer Amour fou, der Chansonnière Damia. Als sie dem fünfzehn Jahre jüngeren Jean Badovici begegnet, nimmt das Leben der Visionärin eine jähe Wendung. Rasch erfasst der Architekturkritiker das Talent Eileens. Mit Kalkül lehrt er sie Wissen über neuartige Bewegungen wie dem Bauhaus und De Stijl. Sie verliert ihr Herz an Jean, Widrigkeiten zum Trotz, und errichtet dem Geliebten ab 1926 an der Küste nahe Monaco die Villa E.1027, ein schmaler, langgestreckter Bau zwischen Zitronenbäumen, darunter das azurblaue Meer. Das Gesamtkunstwerk der Autodidaktin erregt Aufsehen. Ihre Kreativität erstaunt noch Le Corbusier, den Meister der Moderne.
E.1027 gerät zur Kulisse, wird Schauplatz von Neid und Selbstsucht, von Enttäuschung und Verrat.
Meine Meinung:
Der Autorin gelingt es grandios, die gesamte Handlung zusammen mit der damit verbundenen Gefühlswelt der irischen Architektin und Designerin Eileen Gray, sehr glaubhaft und authentisch zu vermitteln.
Eileen Gray kommt aus einer betuchten Familie, in deren Gesellschaft eine Frau heiraten muss, doch Eileen sieht das anders. Sie nimmt ihr Kunststudium sehr ernst und geht schließlich nach Paris. Hier ist sie unabhängig und kann ihr Leben frei gestalten. Sie lebt ein freies Leben im Stil der 20er-Jahre und avanciert zur Interieurkünstlerin, die mit außergewöhnlichem Gespür die Formensprache der Zeit zu interpretieren vermag. Männer sind nach wie vor für sie nicht von Interesse bis sie dem fünfzehn Jahre jüngeren Architekturkritiker Jean Badovici begegnet. Von ihm inspiriert wendet sich Eileen der Architektur zu.
Eileen, die Zweifelnde verliert ihr Herz an Jean und errichtet ihrem Geliebten ab 1926 an der Küste nahe Monaco die Villa E.1027, ein schmaler, langgestreckter Bau zwischen Zitronenbäumen, darunter das azurblaue Meer. Herzzerreißende Szenen und Handlungen zwischen den beiden Liebenden, sind zum Greifen nahe. Besonders deutlich wird der Neid und Selbstsucht Eileen gegenüber, als ihre perfekte Vollendung der Villa in Sicht kommt. Plötzlich versuchen sich Jean und Le Corbusier, in den Vordergrund zu stellen. Voller Enttäuschung und Verrat im Herzen, wendet sich Eileen von Jean ab und verlässt mit ihrer Haushälterin, die Villa.
Fazit:
Mit ihrem belletristischen Werk hat Joséphine Nicolas einen wunderbaren Roman geschrieben, der von Anfang bis zum Ende mitreißt und in dessen Geschichte Realität und Fiktion ideal miteinander verwoben sind. Sprachlich, informativ und emotional ist die Darstellung diverser Protagonisten entlang ihrer zeitgenössischen Werke hier hervorragend in Szene gesetzt. Das Buch hat alles, was für mich eine lesenswerte Geschichte ausmacht und die ich gerne gelesen habe.
Von mir 5 Sterne und eine absolute Leseempfehlung!
Bewertung
5/5
14.07.2023
Buch (Gebundene Ausgabe)
Großartige Sommerlektüre
Das Haus am Meeresufer ist ein rundum tolles Buch. Zuerst hat mich die Illustration auf dem Titel eingefangen, dann der Inhalt auf dem Klappentext und beim ersten Lesen war ich sofort gefesselt von der Erzählart. Mich haben einige Stellen direkt an Oscar Wilde erinnert, ich lasse eine Passage aus dem Buch für sich selbst sprechen (S. 51):
"Einige Räume des Appartements wurden von einem Schimmer des Gartens durchflutet, als wohnte das Außen im Inneren. Ich schritt allein durch die abgestandene Luft des Erdgeschosses. Sah die beiden geometrisch gewebten Wollteppiche an der Wand hängen, die Natalie vor Jahren bei mir gekauft hatte; erste abstrakte Versuche, Anklänge des Kubismus in einem subtilen Spiel von Linien und Flächen wiederzugeben. Fremdlinge zwischen Dutzenden blinden Spiegeln, orientalisch gemusterten Samtkissen wie auch einem Piano, das sich entlang der Schrägkante warf und von Vergangenem kündete, der verlorenen Zeit. Im Esszimmer ließ ich mir von einem livrierten Butler ein Glas Chablis einschenken, trank einen großen Schluck, ihn kühl die Kehle hinunterringen zu spüren tat gut. Auf dem Tisch in der Mitte des Raumes fraß eine mit Strass besetzte Schildkröte inmitten von Bergen glasierten Schokoladenkuchens an einem Gurkensandwich. Gedankenverloren beobachtete ich den ledrigen Kiefer, das stete Auf und Ab vor dreieckig Geschnittenem. Hörte Dolly Wilde, die Nichte Oscars, mit gerümpfter Nase monologisieren: ... "
Ich musste wirklich schmunzeln, als der Name fiel, der mir bei diesen grafischen Szenenbeschreibungen direkt ins Gedächtnis sprang. So ist das gesamte Buch ein Geschmackserlebnis, man wird eingefangen und taucht mit den Buchfiguren ab in eine Welt voller Design und Ästhetik. Ich liebe es!
MaliM
aus Rastatt
5/5
12.07.2023
Buch (Gebundene Ausgabe)
Empfehlung
Kurzmeinung: ''Möbel sind keine Zugabe zur Architektur, sie sind Architektur''
Kult- Villa. Sommerhaus. Liebe zur Architektur. Poesie. Ein Roman, der alles vereint.
Das Haus am Meeresufer: Eileen Grays Entwurf eines Sommerhauses aus dem Jahr 1929 ist großes Architekturkino. Alles beginnt (und endet ) in Paris. Der Roman beginnt genau dort, in den 1920er-Jahren etabliert sich die junge Designerin in Paris. Bekannt wird sie erstmals durch ihre aufwendigen und neuartigen Lackarbeiten, die sie gerne für ihre Paravents nutzt, aber auch zu Entwürfen ihrer Möbel. Grays erste Arbeiten wirken poetisch, genau das greift die Autorin durch ihre Sprache auf. Es ist die Hinhabe zu den Farben und Formen, zum Material und zum Ausdruck.
Das Buch schafft einen intimen Einblick in die Gefühlswelt und die Beziehungen der Designerin. Sie liebte Frauen und Männer. Sie war befreundet mit Le Corbusier und Rivalin zugleich.
Neben dem verstellbaren Tisch E 1027 ist wohl der größte Coup die Kult- Villa E-1027 gewesen. Im Roman tauchen wir ein in dieses einzigartige Haus, das regelrecht ikonisch wurde für seinen unkonventionellen Bau und den freien Blick aufs Meer. In jenem Haus an der französischen Riviera schuf die Designerin ein Domizil für sich und ihren jungen Lebensgefährten Jean Badovici.
''Möbel sind keine Zugabe zur Architektur, sie sind Architektur'' - mit ihren modernen Entwürfen, die zeitgleich einen Bruch mit dem Altbekannten bedeuteten, wurde Gray zu einer Pionierin der Moderne. Das Buch spiegelt auch sehr gut die Aufbruchsstimmung der 20er Jahre wieder. Es waren junge Frauen wie Eileen Gray, die diese Epoche prägten. Eileen Gray gehörte zu jenen mutigen Frauen, die ein besonders gutes Gespür den Wandel und das Fortschrittsdenken hatten.
Das besondere an diesem Roman ist die Sprache der Autorin, die hier sehr nuanciert und poetisch eingesetzt wird. Die Autorin beschreibt Gray hier als klug und feinfühlig. Mit der Sprache malt die Autorin regelrecht Landschafts- und Stimmungsbilder, die schöner nicht sein könnten.
Es macht eine Freude sich in die Geschichte hineinfallen zu lassen, so wie es Eileen Gray wohl auch mit ihrer Kunst tat. Besonders die Dialoge zwischen den Personen wirken authentisch - dies ist sehr hilfreich, um sich in die Charaktere hineinfühlen zu können.
Eileen Gray hatte mit ihrem Entwurf zu ihrem Haus eine klare Vorstellung - sie wollte mit ihrer eigenen Vorstellung von Architektur eine Wirkung erzielen - als ein begehbares Kunstobjekt, welches man mit allen Sinnen erleben kann. Genau so ist es mit dem Lesen des Buchs. Die Autorin zeigt dem Leser durch die Gedanken und Zitate von Eileen Gray einen Weg auf, der sich zu einem Gesamtkonzept zusammenfügt, welches Wirkung zeigt und funktioniert. Das Buch bietet eine gekonnte Mischung zwischen Intuition und Konzept. Die Architektur zu jener Zeit wird dadurch lebendig.
Es ist ein Buch, das zum Nachdenken anregt und zeitgleich inspiriert. Es ist ein Buch voller Hingabe und Ausdruck. Poetisch und stilvoll.
Lesenswert!
Bewertung
5/5
10.07.2023
Buch (Gebundene Ausgabe)
Absolutes Lesehighlight
Nicolas' Schreibstil ist einfach wunderbar. Ihre Beschreibungen der Meereslandschaft sind so lebendig und malerisch, dass man glaubt das Salz auf der Haut zu spüren und den Klang der Wellen zu hören. Die emotionale Intensität der Geschichte wird durch den einfühlsamen Schreibstil verstärkt und hat mich tief berührt.
Mein Fazit: Die fesselnde Handlung, die lebendigen Charaktere und der wunderbare Schreibstil machen dieses Buch zu einem wahren Juwel in der Welt der Romane.
Egal, ob man nach Entspannung, Inspiration oder einfach nur einem unvergesslichen Leseerlebnis sucht, dieses Buch bietet all das und noch viel mehr.
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