Ein ruhiger Kriminalroman, der mich begeistert hat
Bewertung aus Issum am 10.06.2023
Bewertungsnummer: 1958151
Bewertet: Buch (Taschenbuch)
Buchmeinung zu Ann Cleeves – Die Nacht der Raben
Die Nacht der Raben ist ein Kriminalroman von Ann Cleeves, der 2007 bei Rowohlt Taschenbuch in der Übersetzung von Tanja Handels erschienen ist. Der Titel der englischen Originalausgabe lautet Raven Black und ist 2006 erschienen.
Zum Autor:
Ann Cleeves lebt mit ihrer Familie in West Yorkshire und ist Mitglied des «Murder Squad», eines illustren Krimi-Zirkels. Für ihren Kriminalroman «Die Nacht der Raben» erhielt sie den «Duncan Lawrie Dagger Award», die weltweit wichtigste Auszeichnung der Kriminalliteratur. 2017 wurde sie für ihr exzellentes Lebenswerk mit dem «Diamond Dagger» ausgezeichnet. Sowohl die «Vera Stanhope»-Reihe, als auch Cleeves zweite Serie um das Shetland-Quartett, sind verfilmt worden.
Zum Inhalt:
Es ist Winter auf den Shetland-Inseln und im Schnee liegt die Leiche einer Sechzehnjährigen, die von Raben umgeben ist. Der einheimische Kommissar Jimmy Perez erhält Unterstützung vom Festland und bald steht der Sonderling Magnus Tait unter Verdacht. Doch Jimmy Perez hegt noch Zweifel.
Meine Meinung:
Dieses Buch ist nicht nur ein spannender ruhiger Kriminalroman sondern auch eine Milieustudie der Inselbewohner. Meist folgen wir der Perspektive und den Gedanken von Jimmy Perez, der fast sein gesamtes bisheriges Leben auf den Shetlands verbracht hat. Er geht bedacht vor und will alle Möglichkeiten prüfen und sich nicht zu früh festlegen. Ich mag diese Figur sehr, zumal auch private Dinge eine Rolle spielen. Es gibt die Möglichkeit auf seiner Geburtsinsel einen Bauernhof zu übernehmen und damit auf die Insel seiner Eltern zu ziehen. Beruflich redet Jimmy Perez viel mit den Menschen und sein Eindruck von den Betroffenen ist für ihn wichtig. Aber die Geschichte wird auch aus anderen Perspektiven erzählt. So erkennt man bald, dass die Einwohner diverse Geheimnisse hüten und viele Menschen mit Problemen zu kämpfen haben. Die Figuren sind durch die Bank komplex mit Ecken und Kanten gezeichnet und bieten Raum für Überraschungen. Manche Figuren sind wenig sympathisch, haben aber Einfluss. Jimmy Perez bleibt hartnäckig und deckt so manches Geheimnis auf. Zum Ende hin erhöhen sich Erzähltempo und Spannung deutlich. Die glaubhafte Auflösung ist tragisch und unerwartet.
Fazit:
Im Mittelpunkt der Geschichte steht der sympathische Kommissar Jimmy Perez, der verstehen will, warum etwas geschehen ist. Der Plot ist komplex und gibt dem Kommissar viele Angriffspunkte. Die dunkle Grundstimmung passt sehr gut zur Erzählung. Mit hat der Titel begeistert und deshalb vergebe ich gerne fünf von fünf Sternen (90 von 100 Punkten) und spreche eine Leseempfehlung aus.
Ein richtiger englischer…
Christiane aus Ulm am 27.02.2023
Bewertungsnummer: 2795412
Bewertet: Buch (Taschenbuch)
Ein richtiger englischer Krimi, mit allem was dazugehört Anne Cleeves lebt selbst nicht auf den Shetland-Inseln – da ist es natürlich eine Herausforderung (wie sie selbst sagt), eine Geschichte in so einem ebenso übersichtlichen wie abgelegenen Teil unserer Welt anzusiedeln – aber auch eine Chance, denn so lässt sich der örtliche Rahmen gut eingrenzen, mit seinen mitunter überraschenden Örtlichkeiten und Gepflogenheiten: Ein vielversprechende Setting für die Geschichte. Diese hier spielt im Winter, in Eis und Schnee und dem kalten Wind, der über die Inseln fegt. Da ist Magnus, ein einsamer und etwas zurückgebliebener alter Mann, der die Raben beobachtet, wie sie am Himmel kreisen und miteinander Fangen spielen. Der den Menschen zuschaut, die an seinem Haus vorbeikommen und meist vergeblich auf einen Besuch hofft. Die Künstlerin Fran ist mit ihrer aufgeweckten Tochter aus England hierhergezogen; ihr geschiedener Mann stammt von dieser Insel und lebt ebenfalls dort. Die beiden Freundinnen Catherine und Sally verbindet ihr Außenseitertum in der Schule miteinander. Es ist Fran, die Catherine eines Morgens findet. Das Mädchen liegt tot im Schnee. Die Raben lassen sich kaum vertreiben; sie haben ihr bereits ein Auge ausgehackt. Für den Fall zuständig ist Inspektor Perez, schwarzhaarig und mit markanter Hakennase. Er klopft an die Scheibe des Autos, in dem Fran auf die Ankunft der Polizei wartet. „Ein Ausländer, dachte sie, noch sehr viel ausländischer als ich“ – seine Sprache aber weist auf eine shetländische Herkunft. Es gibt in diesem Buch eine Reihe solch kleiner Rätsel, die irgendwann wie selbstverständlich gelöst werden und viel dazu beitragen, eine stete, aber nicht zu drängende Spannung zu halten. Immer wieder wechselt Cleeves die Erzählperspektive: Mal schildert sie die Geschehnisse aus der Sicht von Magnus oder Fran, dann aus derjenigen von Sally oder ihrer Mutter. Bruchstückhaft erfahren wir etwas über die Personen, ihre Ängste, Hoffnungen und innerste Gedanken, lernen die eine oder andere Seite von ihnen kennen, ohne sie ganz erfassen zu können. Das ist – abgesehen davon, dass der Plot in sich stimmig ist – die größte Stärke dieses und auch der weiteren Bücher von Anne Cleeves: Sie zeigt uns ihre Personen in einer Vielschichtigkeit, die erahnen lässt, dass wir sie nie ganz erfassen, nie ganz kennenlernen werden. Dass sie sich ihrer selbst auch nicht immer sicher sind und des Bildes, das sie sich voneinander machen. Stück für Stück fügen sich die Persönlichkeiten, fügt sich die Geschichte in unserer Vorstellung zusammen, wirft in überraschenden Wendungen immer wieder neue Perspektiven auf, bis zu der verblüffenden Lösung am Schluss. (Die ist wirklich verblüffend, und ich bin nicht sicher, ob ich sie wirklich ganz schlüssig finde – doch das tut dem Lesevergnügen keinen Abbruch. Dies hier ist schließlich nicht die Wirklichkeit, sondern ein Krimi. Und ein richtig gut geschriebener dazu.) Worüber ich mich geärgert hat, ist der „Über das Buch“-Text. Es darf einfach nicht sein, dass darin Dinge beschrieben werden, die erst im letzten Viertel des Romans zum Tragen kommen. Aber das ist eine Sache des Verlags. Hier würde ich mir mehr Sorgfalt bei der Vermarktung wünschen.
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