Als ein Witwer von seinem Arzt die Nachricht erhält, dass er nicht mehr lange zu leben hat, stellt sich ihm die Frage, wer sich um seinen erwachsenen Sohn kümmern soll – einen Jungen mit Down-Syndrom, den er über alles liebt. Ohne einen Ausweg zu wissen und mit dem Wunsch, auf einer letzten Reise das Land zu sehen, meldet sich der Mann als Volkszähler bei einer mysteriösen Regierungsbehörde und verlässt mit seinem Sohn die Stadt. Auf ihrer Reise durch Städte, die nur nach aufsteigenden Buchstaben des Alphabets benannt sind, begegnen der Mann und sein Sohn einer großen Bandbreite menschlicher Erfahrungen. Während einige Leute sie in ihren Häusern willkommen heißen, bleiben andere misstrauisch. Als sie an den Rand der Zivilisation vordringen, wird die Landschaft wilder, die Orte liegen weiter auseinander und sind vom industriellen Verfall gezeichnet. Als sie sich „Z“ nähern, muss sich der Mann eine Reihe von Fragen stellen: Was ist der Zweck der Volkszählung? Ist er mitschuldig an ihrer Mission? Und wie wird er lernen, sich von seinem Sohn zu verabschieden? Zensus ist ein mysteriöser und aufrüttelnder Roman über den freien Willen, die Trauer, die Macht der Erinnerung und die Wildheit der elterlichen Liebe.
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5.0/5.0
Ralph
5/5
01.05.2023
Buch (Gebundene Ausgabe)
Unglaublich bewegend
Wie fühlt es sich an, nicht zu wissen, was dein Gegenüber denkt? Ist es unausstehlich, nervig oder gar schmerzhaft?
Der Mensch möchte die Kontrolle behalten, Bescheid wissen und sich diesem Komfort nicht entziehen oder missen. Doch es gibt Fälle, da ein Gegenüber ein Mysterium bleibt, anscheinend in einer völlig anderen Welt lebt und deshalb für Argwohn sorgt und gar Hass auf sich zieht.
Jesse Balls Bruder kam mit dem Down Syndrom zur Welt. Bis zum heutigen Tage gibt es Hardliner, welche dem Leben eines solchen Menschen jegliches Recht zum Atmen verwehren wollen.
Im Zensus, einem Roman, der das Leben Balls Bruders in fiktiver Form einspannt, wird in unregelmäßigen Abständen deutlich, wie dieser gewisser Schlag Mensch tickt und womit sich die Kinder, Eltern und Angehörige teils tagtäglich rumschlagen müssen.
Jesse Ball beschreibt in der kurzen Einleitung die Gefühlslage, die er empfand und wie er sich als Bruder in einer Vaterrolle sah, die er nur allzu gerne annahm.
In den darauffolgenden fiktiven Kapiteln reist ein Vater, der einst als erfolgreicher Chirurg sich seine Sporen verdiente, mit seinem Sohn durch den Norden der USA, um dem Zensus zu dienen. Ausschlaggebend für diese rabiate Entscheidung war eine Diagnose, die ihm offenbarte, dass der Tod schon auf ihn warte und er nur noch wenig Zeit habe, um seinem Sohn beiseite zustehen, dem Sohn, der durch das Down Syndrom stets die Unterstützung seiner Eltern benötigte.
Auf dieser letzten Reise, die von Stadt zu Stadt, von Haus zu Haus führt, erleben Vater und Sohn Momente, dessen Sinn Außenstehende wohl nicht verstehen würden, für den Vater jedoch von besonderer Dringlichkeit sind. Wie sehr dies seinen Sohn beeinflusst, oder was er gar von mitnimmt, bleibt ihm dabei ein Rätsel, das er gar nicht erst zu entschlüsseln versucht.
Menschen mit Down Syndrom haben bestimmte Bedürfnisse. Manche benötigen dabei mehr Hilfe als andere, weshalb bestimmte Personen ihre Meinung stets hinausposaunen müssen. Was jedoch alle Beteiligten bezeugen können, bei all der Schwere, dem inneren Zwist, der manchmal aufkommt, ist folgendes: Sie würden es sich nicht verzeihen, diesen einen Gedanken zu hegen, der weit, sehr weit verbreitet ist.
Auch Jesse Balls Bruder hinterließ Spuren in den Herzen der Menschen, was der Zensus in dieser hochphilosophischen Metapher unterstreicht und sehr gelungen durchscheinen lässt.
Am Ende sind es all die Erfahrungen, die Erkenntnisse und die bedingungslose Liebe eines Vaters/Bruders zum Sohn/Bruder, die mich tief bewegen und den Zensus zu einem All-time Highlight werden lassen.
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4/5
03.12.2023
Buch (Gebundene Ausgabe)
Von A bis Z
Als ein Vater von seiner schweren Erkrankung erfährt, bricht er mit seinem an Down Syndrom erkrankten Sohn auf um seiner Aufgabe als Volkszähler nachzugehen.
Wir begleiten die beiden quer durchs Land und bekommen ihre Eindrücke Tagebuchartig geschildert, wobei es immer wieder zu philosophischen betrachtungen über das Mensch sein kommt. Die Frage ob der Mensch als einzelner von Wert ist oder nur in der Gruppe rückt immer wieder in der Vordergrund.
Ein aufrüttelnder Roman in dem eine wahnsinnig beklemmende Stimmung herrscht, da er immer wieder aufzeigt, wie schwer es sein kann, wenn man nicht ins System passt.
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