Dieses Buch wäre ein mittelmäßiger Agententhriller, hätte nicht eine einarmige Revolverheldin zusammen mit ihren Verbündeten den Autor entführt und das Narrativ an sich gerissen. Was wiederum dazu führt, dass die Geschichte völlig außer Kontrolle gerät, auch wenn der Untergrund alles daran setzt, dies zu verhindern, und dafür sogar die innere Mechanik des Romans zu manipulieren versucht. Während die Kapitelgrenzen von bewaffneten Söldnern gesichert werden, der Protagonist verschleppt und durch einen Statisten und eine Lektorin ersetzt wird, geht es plötzlich weniger um Agenten als vielmehr um Dantes Höllenkreise, Fußnotenluken und die Rache unveröffentlichter Figuren. Dabei ist die Wahrscheinlichkeit, dass das Ganze gut ausgeht, ziemlich gering Zumal einigen Charakteren daran gelegen ist, dass dieses Buch von niemandem bis zum Ende gelesen wird ...Ein verwegener Erzähltrip, der vorbei an allerlei Klischees und Unmöglichkeiten an Worte heranführt, die noch nie ein Mensch zuvor gelesen hat.
"Christian von Aster ist der Bohemien der deutschen Phantastik" (Bernhard Hennen).
"Anarchisch, zynisch, klug – und auf irritierende Weise liebevoll" (Germaine Paulus).
"Ein einzigartiges Buch, das schon seiner Originalität wegen einen Satirepreis verdient hätte" (MDR Kultur).
Kundinnen und Kunden meinen
4.8/5.0
Bewertung
5/5
07.11.2022
Buch (Gebundene Ausgabe)
Beste Empfehlung für Menschen, die gern mehrere Handlungsebenen in verschiedenen Kombinationen lieben
Hm, „Bromley – (k)ein Agentenroman“ …. .
Nichtvorhandenen Kinnbart streichend denke ich mir: Was zum Teufel habe ich da gerade eigentlich gelesen?
Es fängt an wie ein billiger Agentenroman, entwickelt dann plötzlich völlig andere Figuren, der Autor wird mit einem Sack über dem Kopf nach hinten ins Buch entführt und zwischen den Zeilen gefangen gehalten, kann aber dank einer Shift-Taste noch Verbindung zum Leser aufnehmen, der wiederum von den neuen Handlungsträgern unbedingt abgeschreckt werden soll, um den neuen Figuren bei ihren Machenschaften nicht zu nahe zu kommen, denn das könnte durch den Untergrund gefährlich werden, der … usw… .
Wenn Sie solche Satzumgetüme mögen, sind Sie bei Christian von Aster genau richtig!
Hakenhand Hogan würde seine Walbeinpfeife aus dem Mund nehmen und sagen: „Tjo, des is man starker Tobak, nech?“ und T-Ragk, der Barbar, würde heftig dazu nicken. Damit wären schon mal zwei der handelnden, sprich entführenden Figuren „zu Wort“ gekommen, die man hier so nicht erwartet.
Aber wenn mann oder frau oder divers sich darauf einlässt, eine fast autobiografisch anmutende Handlung in mehreren Ebenen wie bei einem gut gemachten Film zu verfolgen, auch sonst undenkbare Gegebenheiten einfach anzunehmen , ist das Buch ein Genuss, in dem auch beim zweiten oder dritten Lesen dann erst die vielen feinen Details zutage treten.
So, nun habe ich auch wieder so ein Satzmonster geschaffen, aber wenn Sie wissen wollen, was es mit der notfußnotenbodenlukenöffnungsgadgethalsbandtragenden einäugigen Katze auf sich hat, sollten Sie sich das neue Werk des Meisters der Schachtelsätze unbedingt zulegen.
PS:
Wissen Sie eigentlich, was sich nachts zwischen zwei und vier Uhr in Ihrem Bücherregal abspielt, wenn die Personen in den Büchern ihren eigenen Interessen nachgehen? Sie wollen es bestimmt nicht wissen, ansonsten ist Ihre Nachtruhe vorbei und Geschichte. „Bromley“ ist da nur ein Beispiel…
Agentenromanimitationswürfelparadoxon „Bromley – kein Agentenroman“
Der im Oktober 2022 erschiene Roman Bromley, der ursprünglich ein Agentenroman werden sollte und letztendlich etwas ganz anderes, behauptungsweise weit besseres, geworden ist, nämlich eine Geschichte, die sich aus sich selbst herausschrieb, mit übrigens einigen ähnlich verzweigten Sätzen wie diesem hier, konnte demzufolge zur Veröffentlichung nur als Kein Agentenroman herausgegeben werden. Weshalb es theoretisch auch vermessen wäre, tatsächlich einen Autorennamen auf dem Cover zu nennen. Daher ließ der Zweitausendeins-Verlag zwar die Buchstaben Christian von Aster auf das Buch drucken, aber den Namen im Anschluss mehrmals mit rot wieder durchstreichen. Allein dieses Cover verrät, welch gewagter Irrsinn einen in diesem wahrhaft besonderen Buch erwartet.
„Bromley ist ein Agent wie er im Buche steht. Auch in diesem. Allerdings nicht so wie geplant.“
Auf 319 Seiten schafft es die Geschichte, nicht nur den Autor, sondern auch die Leser an sich zu fesseln. Erstgenannten sogar wortwörtlich. Realität und Fiktion vermischen sich vor den eigenen Augen in einer Intensität und Authentizität, dass man das leibhaftige Gefühl erfährt, live bei der Übernahme des ursprünglichen Agententhriller-Narrativs durch eine einarmige Revolverheldin und ihrer auf Rache gesinnten Verbündeten zuzusehen und nichts dagegen unternehmen zu können, außer: weiterzulesen. Denn es sind die Leser, die die Infiltrantin loswerden muss, um ihren teuflischen Plan vollenden zu können und die Kontrolle über den Roman und alle darin befindlichen, inzwischen frei von ihrem Autor agierenden, Figuren zu erlangen. Doch genau das wird ihr, trotz ausgiebiger Klischeenutzung - aufgrund liebevoll und detailreich durchdachter Clous, Wendepunkte und einem wahrlich bunt, offen und fein gezeichneten Figurenarsenal … nicht nur aus dem ursprünglichen Roman des vermeintlichen Autors …, dem Witz, der Intelligenz und Dynamik der neu entstehenden Narrativkampfmischerzählung - überaus erschwert. Und während der Protagonist Bromley verschleppt und durch eine Lektorin und einen Liftboy-Statisten ersetzt wird, welcher sich erstaunlich entwickelt und letztendlich mindestens einen Namen verdient hat, inspirieren sich die Antagonisten gegenseitig zu immer raffinierteren und mutigeren Lebens- und Liebeswegen. Zusammen bringen sie nicht nur die Strukturen des alten, sondern auch des neuen Narrativs gefährlich ins Wanken. Diese 'Vendetta'-Geschichte spielt auf so vielen verschiedenen Ebenen, dass einzig die, und ich möchte betonen wie absolut nicht selbstverständlich eine derart umfangreiche Umsetzung durch einen Verlag ist, optische Ebenentrenn-Gestaltungsmeisterleistung des Buches, den Leser durch die immense Komplexität rettet. Und ich wage zu behaupten, dass dieses Werk nicht nur für Buchstabenjunkies, Metaebenenliebhaber/innen und Multifantasietheoriejongleure ein wahres Leckerli ist.
Fazit: Ich liebe das Buch und kann unverblümt dekuvrieren, dass Herrn von Aster ein Meisterwerk gelungen ist, wie es keines in dieser Art je zuvor gegeben hat. Ich empfehle den Lesegenuss ausdrücklich, auch wenn dieses Buch ganz sicher nicht für den leichte-Kost-/ Gelegenheitsleser geschaffen ist – aber das ist diese Rezension ja auch nicht.
A.J.
5/5
19.10.2022
Buch (Gebundene Ausgabe)
Agentenromanimitationswürfelpa…
Agentenromanimitationswürfelparadoxon „Bromley – kein Agentenroman“ Der im Oktober 2022 erschiene Roman Bromley, der ursprünglich ein Agentenroman werden sollte und letztendlich etwas ganz anderes, behauptungsweise weit besseres, geworden ist, nämlich eine Geschichte, die sich aus sich selbst herausschrieb, mit übrigens einigen ähnlich verzweigten Sätzen wie diesem hier, konnte demzufolge zur Veröffentlichung nur als Kein Agentenroman herausgegeben werden. Weshalb es theoretisch auch vermessen wäre, tatsächlich einen Autorennamen auf dem Cover zu nennen. Daher ließ der Zweitausendeins-Verlag zwar die Buchstaben Christian von Aster auf das Buch drucken, aber den Namen im Anschluss mehrmals mit rot wieder durchstreichen. Allein dieses Cover verrät, welch gewagter Irrsinn einen in diesem wahrhaft besonderen Buch erwartet. „Bromley ist ein Agent wie er im Buche steht. Auch in diesem. Allerdings nicht so wie geplant.“ Auf 319 Seiten schafft es die Geschichte, nicht nur den Autor, sondern auch die Leser an sich zu fesseln. Erstgenannten sogar wortwörtlich. Realität und Fiktion vermischen sich vor den eigenen Augen in einer Intensität und Authentizität, dass man das leibhaftige Gefühl erfährt, live bei der Übernahme des ursprünglichen Agententhriller-Narrativs durch eine einarmige Revolverheldin und ihrer auf Rache gesinnten Verbündeten zuzusehen und nichts dagegen unternehmen zu können, außer: weiterzulesen. Denn es sind die Leser, die die Infiltrantin loswerden muss, um ihren teuflischen Plan vollenden zu können und die Kontrolle über den Roman und alle darin befindlichen, inzwischen frei von ihrem Autor agierenden, Figuren zu erlangen. Doch genau das wird ihr, trotz ausgiebiger Klischeenutzung - aufgrund liebevoll und detailreich durchdachter Clous, Wendepunkte und einem wahrlich bunt, offen und fein gezeichneten Figurenarsenal … nicht nur aus dem ursprünglichen Roman des vermeintlichen Autors …, dem Witz, der Intelligenz und Dynamik der neu entstehenden Narrativkampfmischerzählung - überaus erschwert. Und während der Protagonist Bromley verschleppt und durch eine Lektorin und einen Liftboy-Statisten ersetzt wird, welcher sich erstaunlich entwickelt und letztendlich mindestens einen Namen verdient hat, inspirieren sich die Antagonisten gegenseitig zu immer raffinierteren und mutigeren Lebens- und Liebeswegen. Zusammen bringen sie nicht nur die Strukturen des alten, sondern auch des neuen Narrativs gefährlich ins Wanken. Diese 'Vendetta'-Geschichte spielt auf so vielen verschiedenen Ebenen, dass einzig die, und ich möchte betonen wie absolut nicht selbstverständlich eine derart umfangreiche Umsetzung durch einen Verlag ist, optische Ebenentrenn-Gestaltungsmeisterleistung des Buches, den Leser durch die immense Komplexität rettet. Und ich wage zu behaupten, dass dieses Werk nicht nur für Buchstabenjunkies, Metaebenenliebhaber/innen und Multifantasietheoriejongleure ein wahres Leckerli ist. Fazit: Ich liebe das Buch und kann unverblümt dekuvrieren, dass Herrn von Aster ein Meisterwerk gelungen ist, wie es keines in dieser Art je zuvor gegeben hat. Ich empfehle den Lesegenuss ausdrücklich, auch wenn dieses Buch ganz sicher nicht für den leichte-Kost-/ Gelegenheitsleser geschaffen ist – aber das ist diese Rezension ja auch nicht.
Bewertung
aus Eisenach
4/5
12.02.2023
Buch (Gebundene Ausgabe)
Der Liftboy im Flüchtigkeitsfehlerdepot
In einem für derartige Zusammenkünfte einschlägigen Hotel wartet Agent Bromley auf ein konspiratives Treffen. Doch dann läuft alles aus dem Ruder. Eine Revolverheldin übernimmt die Kontrolle über das Hotel. Dabei wird sie von einem halbnackten Wilden und einem Piratenkapitän unterstützt. Und Bromley wird aus dem Verkehr gezogen. Das kann doch gar nicht sein! Immerhin ist das sein Roman, dessen Titelheld er ist. Und der spielt im 21. Jahrhundert und nicht in der Vorzeit, der Ära der Piraten oder der Zeit des Wilden Westens. Was läuft hier?
Was passiert, wenn ein Autor in seinen eigenen Roman hinein entführt wird? Und wie kommen nie veröffentlichte Figuren seiner frühen Gehversuche als Schriftsteller in diese Geschichte hinein? Und die wichtigste Frage: Was muss Christian von Aster geraucht haben, um auf solche völlig absurden Einfälle zu kommen? Auch wenn man als Leser durch die Gestaltung des Covers und den Klappentext natürlich schon darauf vorbereitet ist, dass man es hier garantiert mit keinem richtigen Agentenroman zu tun hat, fragt man sich nach ein paar Seiten, woran man mit diesem Buch eigentlich ist. Beim Weiterlesen erschließt sich erst langsam der ganze – natürlich beabsichtigte – Wahnsinn dieser Geschichte. Wenn man doch den Mut aufbringt weiterzulesen, offenbart sich langsam, dass dieses Buch doch eine Geschichte erzählt, die am Ende sogar irgendeinen Sinn ergibt. Wenn man sich darauf einlässt, macht es sogar wirklich Spaß.
Als besonders schwierig erweist es sich, diesen „Agentenroman“ einem Genre zuzuordnen. Eindeutig klar ist eigentlich nur, dass es kein Agentenroman ist. Humor passt schon besser. Unterm Strich würde ich das Buch wegen diverser Handlungselemente unter Fantasy einstufen, obwohl es kein einziges der eigentlich üblichen Elemente dieses Genres enthält. Allerdings ist selbst dieser Einordnungsversuch wahrscheinlich erst zu verstehen, wenn man das Buch selbst gelesen hat.
Fazit:
Dieses Buch ist mit keinem, das ich kenne, auch nur halbwegs vergleichbar. Entweder findet man es genial – oder Mülltonne.
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