Eine Geschichte von Liebe, Mord und kollektiver Schuld.
Der Sommer im portugiesischen Küstenort Carrasqueira ist perfekt, bis eines Nachts ein Toter in der einsamen Korkeiche hängt - dreißig Jahre nachdem dort ein Fischer angeblich Selbstmord beging. Dessen Sohn glaubte jedoch nie an Suizid. Als ihm nun unterstellt wird, seinen Vater gerächt zu haben, bittet er seine Jugendfreundin Dora Monteiro um Hilfe. Die ehemalige Inspetora zögert nicht und stürzt sich in verdeckte Ermittlungen. Doch auf dem Dorf lastet eine alte Schuld, und Dora muss alles daransetzen, das Schweigen der Bewohner endlich zu brechen.
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Lucy B. Kamp
5/5
02.09.2022
Buch (Taschenbuch)
Neues von Dora Monteiro
Rache im Alentejo von Catrin Ponciano
Nachdem uns die Autorin mit Ihrem preisgekrönten Krimi „Leiser Tod in Lissabon“ in die Atmosphäre der Stadt Lissabon gezogen, ihre Figur Dora Monteiro vorgestellt und eine spannende interessante Geschichte erzählt hat, nimmt Catrin Ponciano nun ihre Lesegemeinde mit in den Alentejo. Der Alentejo ist eine dünn besiedelte Landschaft Portugals mit Korkeichenwälder und einer alten Fischerkultur. Doch auch in der schönsten Gegend lauert Gefahr, lebt das Böse, herrscht Ungerechtigkeit. Ihren Posten als Senhora Inspetora-Chefe hat Dora Monteiro an den Nagel gehangen. Diese Frau, die im Debütroman der Autorin ihre Leser und Leserinnen mit ihrer intuitiven Art an Fälle heranzugehen, sich treu zu bleiben und der Wahrheit zu dienen begeistert hat, diese Frau findet und geht einen eigenen neuen Weg. Zwei Jahre nachdem sie ihren Job bei der Kriminalpolizei in Lissabon aufgegeben hat, ereilt sie ein Hilferuf aus dem Alentejo. Ein Hilferuf, dem sie folgt und der ihr Leben gehörig aufrütteln wird. „A indomável – die Unbeugsame“, wie sie genannt wurde wird diesem ihr verliehenen Namen wieder gerecht. In Dora steckt eine Ermittlerin, eine Gerechtigkeitskämpferin, eine Sympathieträgerin. Und auch von ihrem Raben Afonso-Henrique gibt es Neuigkeiten.
Catrin Ponciano zeigt in diesem Kriminalroman „Rache im Alentejo“ einen weiteren Aspekt der Lebensart vor der Nelkenrevolution und deren Auswirkungen bis heute. Nicht immer hat Gerechtigkeit gesiegt. Die Autorin nimmt uns mit in einen Ort an der Küste – Carrasqueira. Meer, langer Strand und im Hinterland Korkeichenwälder. Das klingt idyllisch, riecht nach Urlaub, aber was, wenn an einer Korkeiche eine Leiche hängt? Und das zum zweiten Mal. An derselben Korkeiche. Selbstmord oder Mord lautet beide Male die Frage? 30 Jahre liegen zwischen den beiden Toten. Ein Zusammenhang? Nun, Tomás Maia, der Sohn des ersten Erhängten, einem Fischer, wird beschuldigt seinen Vater gerächt zu haben. Ist er der tatsächlich der Mörder der zweiten Leiche? Er verneint und wendet sich hilfesuchend an seine Jugendfreundin Dora Monteiro. Obwohl Dora sehr lange nichts von Tomás gehörte hatte, obwohl sie keine Inspetora mehr ist, folgt sie Tomás Ruf und so ist sie gezwungen verdeckte Ermittlungen zu führen. Einmal mehr helfen ihr ihre Intuition und ihre natürliche Gabe der Wahrheit dienen zu wollen. Unerschrocken, menschlich, voller Gefühl erleben wir eine Dora um die wir bangen, die wir bewundern und die wir zunehmend mögen. Dora deckt alte, längst vergrabene Geschichten auf. Sie befreit, findet Wahrheit und ihren eignen Weg in die Zukunft. Die Polizei vor Ort heißt Dora nicht unbedingt willkommen und zeigt es ihr zunehmend deutlich. Ihr ehemaliger Kollege Cardoso aus Lissabon leitet die Ermittlungen. Günstig für Dora oder eher nicht? Am Ende wird sich beweisen müssen, ob beide in Freundschaft zueinanderstehen.
Alles beginnt mit einem Essen. Am Tisch sitzen Américo Carvalho, ein Gutsbesitzer, sein Sohn Gustavo und dessen Sohn Carlos. Doch in der Nacht kommt Gustavo ums Leben, hängt an der besagten Korkeiche. Was nur verbirgt sich hinter diesem Mord oder Selbstmord? Catrin Ponciano entfächert einen Krimi mit einem Luftzug und lässt Dora in einen Sturm ziehen, in das Auge eines Orkans blicken und schenkt ihr keine Ruhe bis der Sturm sich wahrhaftig gelegt hat und vorbei ist. Am Ende sensationell, überraschend und menschlich. In diesen Wirbel an Ereignissen streut die Autorin eine Prise Liebe, das Salz in der undurchsichtigen Suppe der verdeckten Wahrheiten. Doras quittierter Dienstposten, ihr künstlerisches Dasein, ihr Ermittlungstalent und die Begegnung mit dem Gefühl der Wertschätzung durch einen anderen Menschen fordern Dora eine Menge auf ihrem Weg der Wahrheitsfindung ab.
Catrin Ponciano erzählt dicht atmosphärisch, sinnlich und seelenvoll. Sie versteht Spannung zu erzeugen, Gaumengelüste zu wecken und Portugals Geschichte nahe zu bringen. Wie ein roter Faden zieht sich kulinarischer Genuss ebenso durch die „Rache im Alentejo“ wie viel geschichtlich Interessantes. Drei Kochrezepte befinden sich im Buch, um der Kulinarik am Ende nachspüren zu können. Es ist wie nach einem guten Urlaub. So ganz loslassen mag man noch nicht. Vielleicht während des Lesens ein Glas portugiesischer Wein aus dem Alentejo oder eine Tasse Bella-Luisa. Dazu im Hintergrund leise Töne von Cesária Evora. Lesen zelebrieren. Sich der Spannung hingeben. Dazu eignet sich dieses Buch hervorragend.
Catrin Ponciano hat das Buch „den Fischern im Land ohne Grund“ gewidmet. Das Marschland rund um Carrasqueira bis zur Mündung des Sado. Wieder lenkt sie das Augenmerk auf Missstände, bewegt sich dabei nahe an der menschlichen Seele. In ihren bisher zwei erschienen Kriminalromanen geschieht zwar Schreckliches und Dora Monteiro ihre Romanfigur muss aufklären, doch ebenso lesen sich beide Romanhandlungen am Rande wie eine Liebeserklärung an Portugal. Ihr gelingt es sowohl Lissabon wie auch den Alentejo lebendig zu schildern. Ihre Kriminalgeschichte ist eingebettet in Informationen, in Politik und das Leben der Menschen dieses Landes. Dieser Roman geht in die Tiefe. Es ist ein Vergnügen „Rache im Alentejo“ zu lesen. Und allen, die am Ende dieses Buches eine Menge aus der Landschaft des Alentejo aufgenommen haben und neugierig geworden sind, denen sei die Information spendiert, dass es folgendes Buch von Catrin Ponciano gibt. „111 Orte im Alentejo, die man gesehen haben muss“. Eine gute Gelegenheit über den Alentejo zu lesen, während man auf den nächsten Kriminalroman mit Dora Monteiro von Catrin Ponciano warten muss. Alle vorgenannten Bücher sind im Emons Verlag erschienen.
Ich bin begeistert von „Rache im Alentejo“
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