Der junge Priester Paulo muss an einem einzigen Wochenende seine Entscheidung für oder gegen das Zölibat treffen, denn als Priester darf er solche Grenzen nicht überschreiten. Die Ansprüche von „La Madre“ (so der Originaltitel des 1920 erschienenen Buchs) scheinen ihn zu zerreißen. Auch für die Mutter steht alles auf dem Spiel. Schlimmstenfalls verliert sie ihren über alles geliebten Sohn.
Einige Jahre hat der junge Priester Paulo seelsorgerisch in einem kleinen italienischen Dorf gewirkt. Seine Mutter, für die ihr Sohn den einzigen Lebensinhalt darstellt, unterstützt ihn und bekommt viel Anerkennung aus der Dorfgemeinschaft. Paulo verliebt sich in eine junge Witwe und ist nun sowohl ihren als auch den Ansprüchen seiner Mutter ausgesetzt, vor allem aber seinem priesterlichen Gelübde. Die Spannung um seinen Gewissenskonflikt steigt ins Unermessliche.
Ein großartiges Buch, 1920 vorgelegt von Grazia Deledda, neu übersetzt von Ulrike Lemke.
Dass Grazia Deledda für ihr Gesamtwerk den höchsten Literaturpreis verliehen bekam, kann nach Lektüre des Buchs niemanden verwundern.
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Eine wiederentdeckte Perle -…
Circlestonesbooks.blog am 16.05.2023
Bewertungsnummer: 2801918
Bewertet: Buch (Gebundene Ausgabe)
Eine wiederentdeckte Perle - sprachlich und auch optisch „Alles sprach zu ihm: der Wind draußen, der ihn an die lange Einsamkeit seiner Jugend erinnerte, und drinnen die traurige Gestalt der Mutter, das Knarren seiner Schritte, sein eigener Schatten.“ (Zitat Seite 49) Inhalt Viele Jahre lang hat sie als Dienstmagd gearbeitet, sich nie etwas gegönnt, nur für ihren Sohn Paulo und dessen Ausbildung zum Priester gelebt. Vor sieben Jahren war Paulo dann als neuer Pfarrer in die kleine Gemeinde Aar auf Sardinien gekommen und seine Mutter mit ihm. Seit sieben Jahren lebt sie hier nun glücklich und zufrieden mit Paulo, sorgt für ihn. Doch nun könnten alle ihre Opfer umsonst gewesen sein, denn Paulo hat sich in die junge Witwe Agnes verliebt, ist dabei, sein Gelübde als katholischer Priester zu brechen und sich auch dem Einfluss seiner Mutter zu entziehen. Agnes ist allein, reich und unabhängig und will Paulo überreden, mit ihr zusammen heimlich das Dorf zu verlassen und irgendwo als Mann und Frau zu leben. Noch kam nur seine Mutter hinter sein Geheimnis, doch es ist eine sehr kleine Dorfgemeinschaft und so muss Paulo sich rasch entscheiden. Thema und Genre La Madre wurde 1920 veröffentlicht und handelt von dem Leben in einem abgeschiedenen, kleinen Dorf auf Sardinien, von den Menschen und ihren Problemen. Im Mittelpunkt jedoch steht der schwere Gewissenskonflikt eines jungen Priesters zwischen Liebe und Zölibat. Charaktere Die beiden Hauptfiguren sind die Mutter, die für ihren Sohn lebt, fürsorglich bis zur emotionalen Umklammerung, durch ihn wird sie als Mutter des Pfarrers endlich in diesem Dorf anerkannt. Paulo will aus genau dieser Enge des Dorflebens fliehen, fühlt sich jedoch seiner Mutter gegenüber wegen ihrer Opfer zur Dankbarkeit verpflichtet. Vor allem jedoch steht er vor einem möglichen Wendepunkt in seinem Leben, er muss sich zwischen der Frau, die er liebt, und seinem Priesteramt mit dem damit untrennbar verbundenen Zölibat entscheiden. Handlung und Schreibstil Die Geschichte wird auf nur 174 Seiten erzählt, doch es ist gerade diese Dichte, die diese Ereignisse von nur wenigen Tagen mit Intensität füllt. Die Schriftstellerin beschreibt lebhaft das Dorfleben der damaligen Zeit. Es sind die Menschen, über die sie schreibt, ihre Gedanken, Gefühlte, ihren tiefen Glauben, aber auch den ebenso präsenten Aberglauben. Daraus ergibt sich der tiefe Konflikt, den ihre Hauptfigur, der junge Priester Paulo, durchlebt. „Er litt, weil der natürliche Zweck des Lebens darin besteht, das Leben fortzusetzen, und er daran gehindert wurde; und diese Verhinderung verstärkte noch den Drang seines Bedürfnisses.“ (Zitat Seite 67) Am Beginn des Buches steht ein Vorwort der Übersetzerin, am Buchende ein bibliophiler Rückblick mit Fotos auf die Ausgabe aus dem Jahr 1928, auf welcher diese Neuübersetzung basiert. Fazit Ralf Plenz hat in seinem Input-Verlag diese Neuübersetzung des alten Textes als Band 19 der „Perlen der Literatur“ des 19. und 20. Jahrhunderts wiederveröffentlicht. Eine sehr schön gestaltete und gebundene Neuausgabe, deren optisches und haptisches Vergnügen das Lesevergnügen der Sprache und der eindrücklichen Geschichte perfekt ergänzt.
Furioser Schicksalsroman
Bewertung am 04.03.2023
Bewertungsnummer: 1893124
Bewertet: Buch (Gebundene Ausgabe)
Grazia Deledda erhielt 1926 als zweite Frau den Nobelpreis für Literatur und ist in Italien bis heute (wieder) viel gelesen. In ihren späten Jahren neigte sich die größte Tochter Sardiniens leider dem Diktator Benito Mussolini zu und ließ sich und ihrem Ruhm vereinnahmen, bevor sie 1936 im Alter von 64 Jahren verstarb.
Wir kannten noch keines ihrer Bücher und durften ihr Werk daher mit ihrem zentralen Roman La Madre (Die Mutter) erstmals entdecken.
Die Mutter ist ein dramatischer Kurzroman, der an einem Wochenende in einem kleinen italienischen Dorf handelt und dabei die Geschichte eines Priesters erzählt, der zwischen seiner Liebe für eine Witwe und dem Zölibat zerrieben zu werden droht. Die titelgebende Mutter ist dabei Dreh- und Angelpunkt der Handlung, redet sie doch ihrem Sohn, dem Priester Paulo, ihrem ganzen Stolz, ins Gewissen, die Affäre zu beenden. Damit werden Ereignisse in Gang gesetzt, die in einem furiosen Finale kulminieren.
Eindrücklich erzählt Deledda von dem Gewissenskonflikt Paulos und dem Leben und (Aber-)Glauben der Dorfgemeinschaft.
Deleddas Schicksalsroman ist auch sprachlich ein großes Vergnügen und eine klare Leseempfehlung.
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