Produktbild: Das Wolfsmädchen

Das Wolfsmädchen Das ostpreußische Armageddon und die Flucht ins gelobte Litauen 1945–1948 — Flucht aus der Königsberger Hungerhölle 1946

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Beschreibung

Produktdetails

Einband

Gebundene Ausgabe

Erscheinungsdatum

29.09.2022

Abbildungen

mit zahlreichen Fotos und Abbildungen

Verlag

Europa Verlage

Seitenzahl

272

Maße (L/B/H)

21,7/14,1/2,8 cm

Gewicht

476 g

Farbe

Anthrazit / Seidengrau

Auflage

1. Auflage

Sprache

Deutsch

ISBN

978-3-95890-402-6

Beschreibung

Produktdetails

Einband

Gebundene Ausgabe

Erscheinungsdatum

29.09.2022

Abbildungen

mit zahlreichen Fotos und Abbildungen

Verlag

Europa Verlage

Seitenzahl

272

Maße (L/B/H)

21,7/14,1/2,8 cm

Gewicht

476 g

Farbe

Anthrazit / Seidengrau

Auflage

1. Auflage

Sprache

Deutsch

ISBN

978-3-95890-402-6

Herstelleradresse

Europa Verlag GmbH
Johannisplatz 15
81667 München
DE

Email: sp@europa-verlag.com

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  • Bewertung

    5/5

    14.12.2025

    Buch (Gebundene Ausgabe)

    Sehr emotional

    Mein Fazit: Eines der berührendsten Bücher, das ich bisher über den Krieg gelesen habe. Mir kamen die Tränen beim Lesen und das Herz wurde schwer. Was diese „Wolkinder“ erleiden mussten, ist unbeschreiblich. Sie lebten in Wäldern aus Angst vor Entdeckung , aßen Reste ,Kadaver, Müll was auf die Straße geworfen wurde, wurden geschlagen wenn sie beim Betteln oder Klauen erwischt wurden, vergewaltigt oder grausam gequält... Die Geschichte von Ursula Dorn geht unter die Haut. Man ist einfach nur entsetzt und emotional am Ende. Ich werde einige Zeit brauchen, um das Gelesene zu verarbeiten. An Emotionalität kaum zu überbieten und mit so viel Sensibilität und Feingefühl niedergeschrieben. Man kann den Autor nur bewundern, wie er die Geschichte von Ursula dem Leser präsentiert. Es ist schwer, dies in Worte zu fassen, denn ich finde die Tatsachen noch schlimmer als die vom Holocaust. Abgemagerte Frauen, die bis zu 100 Vergewaltigungen über sich ergehen lassen mussten, wobei die Russen mit heruntergelassener Hose Schlange standen, viele wählten den Freitod, Hunde und Katzen, die vor Hunger geschlachtet wurden, Frauen die aufgeschlitzt und ihre Babys getötet wurden … Wo ist in diesem Krieg die Menschlichkeit geblieben? Warum haben die Deutschen diesen armen Kindern nicht geholfen? Zitat: " Am Morgen des 5. Januar 1946 findet Leni ihre kleinste Schwester Leni tot in ihrem Kinderbettchen. Ihr Bruder Hansi leidet so sehr Hunger, dass er seinen Vater anbettelt: " Papachen, schlag mich doch bitte tot." 20 Tage nach seiner Tochter stirbt auch sein Sohn an Schwäche. Der Vater verkraftet den Tod seiner Liebsten nicht und wählt den Freitod … Meine Familie sind auch Heimatvertriebene aus Schlesien. Aber niemals haben sie über ihre Erlebnisse gesprochen. Zu schmerzlich und welcher Schaden die Seele genommen hat, kann man nie wieder gutmachen. Man kann nur versuchen, aufzuklären und das Geschehene zu verarbeiten. Ein Buch, das polarisiert, was aufklären soll und für ein gegenseitiges Verständnis und Verzeihen stehen sollte. Nichts für Leser mit schwachen Nerven.

  • Lesegern

    5/5

    03.11.2022

    Buch (Gebundene Ausgabe)

    Vieles wissen wir nicht, denn…

    Vieles wissen wir nicht, denn wir haben es nicht erlebt. Manche fühlen es dennoch. Das Cover des Buches zeigt ein Schwarz-weiß-Foto eines Mädchens, das Reisig-Äste trägt. Das Mädchen sieht wacker in die Kamera, obwohl ein heftiger Wind von Westen bläst. Ihre Haare und Kleidung wehen zur Seite, sie kneift ein Auge zu. Nur mit einem Kleid und einem Mantel bekleidet, ohne Mütze, Schal oder Handschuhe könnte man meinen, sie zwingt sich zu einem verfrorenen Lächeln. Der Titel „Das Wolfmädchen“ könnte nicht besser dargestellt werden. Der kaum erträgliche Erfahrungsbericht der Ursula Dorn, geborene Buttgereit, über die Zeit im Jahr 1945 und danach, findet feinfühlige Beachtung in Christian Hardinghaus Buch "Das Wolfsmädchen", stellvertretend für alle ebenfalls betroffenen Menschen. Frau Dorn hat viele Jahrzehnte lang, wie so viele Gleichgesinnte, über die bestialischen Erfahrungen während des Einzugs der Russen in ihre Heimatstadt Königsberg in Ostpreußen nicht sprechen können. Die seelischen und körperlichen Verletzungen sollten so ihre Ruhe finden. Welche Worte könnten denn auch das barbarische Treiben der mordenden, vergewaltigenden und quälenden Soldaten wiedergeben? Wie berichtet man, dass man vor Hunger zu allem bereit war? Wie kann man verstehen, dass die eigene Mutter die Kinder im Stich lässt? Im hohen Alter wagt Ursula Dorn die Geschehnisse von damals Christian Hardinghaus anzuvertrauen. Die heutige Generation hat so die Gelegenheit das zu lesen, was unvorstellbar ist. Der Autor gibt Frau Dorns Geschichte so wieder, wie sie geschehen ist, ohne Beschönigung, dennoch mit der richtigen Wortwahl. Diese Geschichte sollte von jedem gelesen werden, damit sie nicht vergessen wird, als sei sie nie geschehen. Denn sie ist geschehen und geschieht weiter in den Gefühlen und Gedanken der Betroffenen und deren Kinder und Kindeskinder. PS: Und weiter geht es in dieser Welt mit Gräueltaten, als ob es nicht längst genug sei…

  • Bewertung

    5/5

    03.11.2022

    Buch (Gebundene Ausgabe)

    Vieles wissen wir nicht, denn wir haben es nicht erlebt. Manche fühlen es dennoch.

    Das Cover des Buches zeigt ein Schwarz-weiß-Foto eines Mädchens, das Reisig-Äste trägt. Das Mädchen sieht wacker in die Kamera, obwohl ein heftiger Wind von Westen bläst. Ihre Haare und Kleidung wehen zur Seite, sie kneift ein Auge zu. Nur mit einem Kleid und einem Mantel bekleidet, ohne Mütze, Schal oder Handschuhe könnte man meinen, sie zwingt sich zu einem verfrorenen Lächeln. Der Titel „Das Wolfmädchen“ könnte nicht besser dargestellt werden. Der kaum erträgliche Erfahrungsbericht der Ursula Dorn, geborene Buttgereit, über die Zeit im Jahr 1945 und danach, findet feinfühlige Beachtung in Christian Hardinghaus Buch "Das Wolfsmädchen", stellvertretend für alle ebenfalls betroffenen Menschen. Frau Dorn hat viele Jahrzehnte lang, wie so viele Gleichgesinnte, über die bestialischen Erfahrungen während des Einzugs der Russen in ihre Heimatstadt Königsberg in Ostpreußen nicht sprechen können. Die seelischen und körperlichen Verletzungen sollten so ihre Ruhe finden. Welche Worte könnten denn auch das barbarische Treiben der mordenden, vergewaltigenden und quälenden Soldaten wiedergeben? Wie berichtet man, dass man vor Hunger zu allem bereit war? Wie kann man verstehen, dass die eigene Mutter die Kinder im Stich lässt? Im hohen Alter wagt Ursula Dorn die Geschehnisse von damals Christian Hardinghaus anzuvertrauen. Die heutige Generation hat so die Gelegenheit das zu lesen, was unvorstellbar ist. Der Autor gibt Frau Dorns Geschichte so wieder, wie sie geschehen ist, ohne Beschönigung, dennoch mit der richtigen Wortwahl. Diese Geschichte sollte von jedem gelesen werden, damit sie nicht vergessen wird, als sei sie nie geschehen. Denn sie ist geschehen und geschieht weiter in den Gefühlen und Gedanken der Betroffenen und deren Kinder und Kindeskinder. PS: Und weiter geht es in dieser Welt mit Gräueltaten, als ob es nicht längst genug sei…

  • Sagota

    aus Saarbrücken

    5/5

    01.11.2022

    Buch (Gebundene Ausgabe)

    Bewegende Biografie eines Wolfskindes

    Bewegende Biografie eines Wolfskindes die mich auch erschüttert hat: Dank dem Historiker und Autor Christian Hardinghaus und im Besonderen des Wolfsmädchens Ursula Dorn wird hier authentisches und biografisches Licht in ein eher im Trüben liegendes Kapitel deutscher Geschichte gebracht , wofür ich dem Autor und Ursula Dorn; heute 88jährig, sehr danke! "Wolfskinder" nannte man die verlassenen, aus Ostpreußen, im Besonderen aus Königsberg, vor dem sicheren Hungertod geflüchteten Kinder, die nach Ende des 2. Weltkrieges unter Lebensgefahr dennoch den weiten Weg nach Litauen antraten, wo sie in der Regel wohlgesonnene Einwohner und "immer einen Krug Milch und ein Kanten Brot" erhielten, womit diese Menschen das Leben vieler Wolfskinder retteten. Mir war dieser Begriff wohl bekannt, nicht aber der exakte Lebens- und Leidensweg dieser Kinder, von denen höchstens die Hälfte aller überlebt haben dürfte. Wie man im Buch erfährt, wurden einige auch adoptiert von litauischen Familien, die zu Beginn durchaus ein Herz für "die kleinen Deutschen" hatten; im Gegensatz zu den russischen Besatzern, die sich in Königsberg nach Kriegsende einfanden und die Stadt besetzten. Die verbliebenen 120000 Deutschen waren in dieser Zeit meist dem Hungertod geweiht, da sie absolut rechtlos waren und auch keine Verpflegung erhielten. Nach heutigem Ermessen würde durchaus das Wort Genozid zutreffen, denn die sowjetischen Soldaten gingen gnadenlos vor, auch gegen etwaige Unterstützer, die die Kinder in Litauen fanden: Den Litauern war es untersagt, deutsche Kinder bei sich aufzunehmen und viele wurden von den Patrouillen nach Sibirien verschleppt. Dieses Schicksal drohte auch denjenigen, die sich (zu den Mutigen zählend, wie Ursula Dorn) ins Nachbarland durchgeschlagen hatten und auf eine russische Patrouille trafen.... Mit Entsetzen begleitet man den Weg des intelligenten Mädchens, dessen Familie vor dem Hungertod steht; der Vater ist im Feld, das sich mutig auf den Weg begibt, um selbst nicht zu verhungern. Ursula sollte es gelingen, mit einem Rucksack voller Lebensmittel zurück nach Königsberg zu kommen und wiederum mit ihrer Mutter aufzubrechen: Eine Nachbarin wollte sich um die jüngeren Geschwister kümmern, bis beide mit Nahrungsmitteln zurückkehren würden. Doch die Zeiten (wir sprechen von 1946/47 und 1948) wurden immer schwieriger, da sich litauische Partisanen ("die Waldbrüder") mit sowjetischen Soldaten Gefechte lieferten. Dadurch wurde es auch für die sich noch am Leben befindenden Wolfskinder schwieriger, etwas Essbares zu finden oder die Kälte des Winters zu überstehen. Ursula, die bereits in Königsberg zu den durchsetzungsfähigsten und intelligentesten, klügsten Kindern (sie war zu dieser Zeit erst 12 Jahre alt) zählte, schlägt sich mit ihrer Mutter Martha durch diese grauenhaften Zeiten - und überlebt. Grausam und unmenschlich empfand ich die erschütternde Lebensreise von Ursula Dorn besonders nach Einsetzen der Hungersnot (wobei Königsberg, heute Kaliningrad bis 1944 von Bomben verschont blieb) im Kindesalter; auch war mir bis zum Lesen dieses autobiografischen Buches nicht klar, dass viele Deutsche in Königsberg festsaßen und die meisten ihr Leben ließen: Der Krieg am 8. Mai 1945 für Erwachsene und Kinder in Ostpreußen noch länger nicht zu Ende sein sollte! Schon lange jedoch empfinde ich tiefstes Bedauern mit all' den Menschen (und deren Hinterbliebenen bzw. noch lebenden Nachfahren), die im 2. Weltkrieg "bis zuletzt" in Ostpreußen ausharren mussten und viel zu spät flüchten konnten: Von der roten Armee "überrannt" , überflogen und unter vielen Opfern überrollt wurden (de facto mit russischen Panzern, die keinerlei Bedauern mit den Flüchtlingen hatten, wie mir ein Zeitzeuge einmal erzählte. Der Weg von Ursula Dorn war auch weiter steinig: Er führte über die frühere DDR in den Westen und wie sich herausstellte, sorgte eher die Tochter für die (stark depressive) Mutter als es umgekehrt hätte der Fall sein sollen; doch auch daran ist Ursula Dorn nicht zerbrochen und ließ ihre Mutter niemals im Stich (zwei Geschwister überlebten nicht; ein Bruder wurde später in Berlin via Suchdienst des DRK ausfindig gemacht). Allerdings ist es der Familie nicht mehr gelungen (trotz Ursulas Versuchen), wieder zusammen zukommen. Positiv fand ich, dass Ursula Dorn ihre Geschichte in hohem Alter mitteilte; ja das Schreiben für sie eine Art von Selbsttherapie gewesen ist und sie auch aktiv im Leben blieb: So fuhr sie 2020 noch einmal nach Kaliningrad und hatte verständlicherweise mehr als schwer an den Erinnerungen zu tragen: Im Verein Edelweiß, der sich in den 90er Jahren gründete und der 20 frühere Wolfskinder als Mitglieder hat, gibt es einen Unterstützer, der selbst ein Buch über dieses Thema geschrieben hat: Baron Wolfgang von Stetten. Dieser sorgt auch dafür, dass die in Litauen verbliebenen (unter anderer Identität lebender) Wolfskinder zumindest eine geringe Rente erhalten: Mit Ärger erfüllt es mich, wie sehr der deutsche Staat bis heute etwaige Reparationen ablehnt - und die Thematik dieser verlassenen, vertriebenen und vom Hunger- und Kältetod bedrohten, traumatisierten Kinder aus Ostpreußen totschweigt! Christian Hardinghaus hat die Aussagen von Ursula Dorn mit exakten historischen Daten und politischen Hintergründen verwoben, da ich hier ebenfalls "Leerstellen" hatte und jetzt ein umfassenderes Bild, danke ich hierfür besonders! "Das Wolfsmädchen" ist keine leichte Kost - aber umso wichtiger finde ich, dass es von vielen Menschen gelesen wird, die sich für die Aufarbeitung einer solch' verdrängten Thematik gerne auseinandersetzen, vielleicht auch Nachfahren ehemaliger Wolfskinder sind oder geschichtliches Interesse mitbringen. Gerade jetzt, im aktuellen Ukrainekrieg, der für viele Menschen aus den baltischen Staaten - aber auch für solche wie Ursula Dorn, eine reale Bedrohung darstellen und sie eine Warnung ausgibt, die ich sehr ernst nehme; die Schicksale der weiteren Wolfskinder, die ihre Stimme ebenfalls hier anschließen und Ursulas Beschreibungen ergänzen, sollten nicht länger überhört werden! Für einen - wenn auch mehr als bewegenden Eindruck, der anfangs eher erschüttert - in das leidgeprägte Leben eines Wolfskindes, hier Ursula Dorn, danke ich ganz herzlich und empfehle es absolut weiter! 5*

  • Sagota

    aus Saarbrücken

    5/5

    01.11.2022

    Buch (Gebundene Ausgabe)

    "Wolfskinder" nannte man die…

    "Wolfskinder" nannte man die verlassenen, aus Ostpreußen, im Besonderen aus Königsberg, vor dem sicheren Hungertod geflüchteten Kinder, die nach Ende des 2. Weltkrieges unter Lebensgefahr dennoch den weiten Weg nach Litauen antraten, wo sie in der Regel wohlgesonnene Einwohner und "immer einen Krug Milch und ein Kanten Brot" erhielten, womit diese Menschen das Leben vieler Wolfskinder retteten. Mir war dieser Begriff wohl bekannt, nicht aber der exakte Lebens- und Leidensweg dieser Kinder, von denen höchstens die Hälfte aller überlebt haben dürfte. Wie man im Buch erfährt, wurden einige auch adoptiert von litauischen Familien, die zu Beginn durchaus ein Herz für "die kleinen Deutschen" hatten; im Gegensatz zu den russischen Besatzern, die sich in Königsberg nach Kriegsende einfanden und die Stadt besetzten. Die verbliebenen 120000 Deutschen waren in dieser Zeit meist dem Hungertod geweiht, da sie absolut rechtlos waren und auch keine Verpflegung erhielten. Nach heutigem Ermessen würde durchaus das Wort Genozid zutreffen, denn die sowjetischen Soldaten gingen gnadenlos vor, auch gegen etwaige Unterstützer, die die Kinder in Litauen fanden: Den Litauern war es untersagt, deutsche Kinder bei sich aufzunehmen und viele wurden von den Patrouillen nach Sibirien verschleppt. Dieses Schicksal drohte auch denjenigen, die sich (zu den Mutigen zählend, wie Ursula Dorn) ins Nachbarland durchgeschlagen hatten und auf eine russische Patrouille trafen.... Mit Entsetzen begleitet man den Weg des intelligenten Mädchens, dessen Familie vor dem Hungertod steht; der Vater ist im Feld, das sich mutig auf den Weg begibt, um selbst nicht zu verhungern. Ursula sollte es gelingen, mit einem Rucksack voller Lebensmittel zurück nach Königsberg zu kommen und wiederum mit ihrer Mutter aufzubrechen: Eine Nachbarin wollte sich um die jüngeren Geschwister kümmern, bis beide mit Nahrungsmitteln zurückkehren würden. Doch die Zeiten (wir sprechen von 1946/47 und 1948) wurden immer schwieriger, da sich litauische Partisanen ("die Waldbrüder") mit sowjetischen Soldaten Gefechte lieferten. Dadurch wurde es auch für die sich noch am Leben befindenden Wolfskinder schwieriger, etwas Essbares zu finden oder die Kälte des Winters zu überstehen. Ursula, die bereits in Königsberg zu den durchsetzungsfähigsten und intelligentesten, klügsten Kindern (sie war zu dieser Zeit erst 12 Jahre alt) zählte, schlägt sich mit ihrer Mutter Martha durch diese grauenhaften Zeiten - und überlebt. Grausam und unmenschlich empfand ich die erschütternde Lebensreise von Ursula Dorn besonders nach Einsetzen der Hungersnot (wobei Königsberg, heute Kaliningrad bis 1944 von Bomben verschont blieb) im Kindesalter; auch war mir bis zum Lesen dieses autobiografischen Buches nicht klar, dass viele Deutsche in Königsberg festsaßen und die meisten ihr Leben ließen: Der Krieg am 8. Mai 1945 für Erwachsene und Kinder in Ostpreußen noch länger nicht zu Ende sein sollte. Positiv fand ich, dass Ursula Dorn ihre Geschichte in hohem Alter mitteilte; ja das Schreiben für sie eine Art von Selbsttherapie gewesen ist und sie auch aktiv im Leben blieb: So fuhr sie 2020 noch einmal nach Kaliningrad und hatte verständlicherweise mehr als schwer an den Erinnerungen zu tragen: Im Verein Edelweiß, der sich in den 90er Jahren gründete und der 20 frühere Wolfskinder als Mitglieder hat, gibt es einen Unterstützer, der selbst ein Buch über dieses Thema geschrieben hat: Baron Wolfgang von Stetten. Dieser sorgt auch dafür, dass die in Litauen verbliebenen (unter anderer Identität lebender) Wolfskinder zumindest eine geringe Rente erhalten: Mit Ärger erfüllt es mich, wie sehr der deutsche Staat bis heute etwaige Reparationen ablehnt - und die Thematik dieser verlassenen, vertriebenen und vom Hunger- und Kältetod bedrohten, traumatisierten Kinder aus Ostpreußen totschweigt! Christian Hardinghaus hat die Aussagen von Ursula Dorn mit exakten historischen Daten und politischen Hintergründen verwoben, da ich hier ebenfalls "Leerstellen" hatte und jetzt ein umfassenderes Bild, danke ich hierfür besonders! "Das Wolfsmädchen" ist keine leichte Kost - aber umso wichtiger finde ich, dass es von vielen Menschen gelesen wird, die sich für die Aufarbeitung einer solch' verdrängten Thematik gerne auseinandersetzen, vielleicht auch Nachfahren ehemaliger Wolfskinder sind oder geschichtliches Interesse mitbringen. Gerade jetzt, im aktuellen Ukrainekrieg, der für viele Menschen aus den baltischen Staaten - aber auch für solche wie Ursula Dorn, eine reale Bedrohung darstellen und sie eine Warnung ausgibt, die ich sehr ernst nehme; die Schicksale der weiteren Wolfskinder, die ihre Stimme ebenfalls hier anschließen und Ursulas Beschreibungen ergänzen, sollten nicht länger überhört werden! Für einen - wenn auch mehr als bewegenden Eindruck, der anfangs eher erschüttert - in das leidgeprägte Leben eines Wolfskindes, hier Ursula Dorn, danke ich ganz herzlich und empfehle es absolut weiter! 5*

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