Ein bildmächtiger Roman über das einfache Leben einer eigensinnigen Bergbäuerin - so kraftvoll und authentisch wie »Herbstmilch«
Als König Ludwig II. 1886 im Starnberger See ums Leben kommt, sind die Menschen im Werdenfelser Land schockiert. Dass ihr Ehemann in einer eiskalten Nacht erfriert, empfindet Vroni Grasegger dagegen als großes Glück: Endlich ist sie nicht mehr seinen Misshandlungen ausgeliefert. Optimistisch übernimmt sie das Sagen auf dem einsamen, gegenüber dem Karwendel gelegenen Bergbauernhof und die Sorge für die behinderte Stieftochter Rosl. Harte Arbeit bei der Heumahd und Missernten bringen Vroni an ihre Grenzen, ebenso wie der Druck aus dem Dorf, dass sie wieder heiraten soll. Da begegnet sie dem Maler Wilhelm Leibl, den eine Schaffenskrise in die Berge führt – und auf Vronis Hof. Zwischen dem homosexuellen Künstler und der jungen Bäuerin entwickelt sich eine ungewöhnliche Freundschaft. Als Leibl dann noch einen englischen Arzt und Alpinisten mitbringt, verbreitet sich in dem kurzen Bergsommer eine ungekannte Leichtigkeit. Und Vroni schöpft vielfältige Hoffnungen …
Ein bildmächtiger Roman über eine inspirierende Freundschaft und das einfache Leben einer Bergbäuerin – so kraftvoll und authentisch wie »Herbstmilch«
Kundinnen und Kunden meinen
4.4/5.0
Isabel (engi)
aus Bietigheim-Bissingen
5/5
28.11.2024
Buch (Gebundene Ausgabe)
Wenn man die junge Bäuerin…
Wenn man die junge Bäuerin Vroni Grasegger durch den Roman „Heumahd“ begleitet, wird einem schnell bewusst, wie beschwerlich die Arbeit und das Leben schlechthin vor weit über hundert Jahren auf einem kleinen Bergbauernhof gewesen sein muss. Auch Vroni wird bald klar, dass sie zwar nicht mehr den Gewalttätigkeiten ihres Mannes ausgeliefert ist, die Arbeit aber ohne seine Arbeitskraft nun auch nur noch auf drei Schultern verteilt werden kann. Dazu kommt noch die Betreuung der kleinen Rosl, die der Grasegger Bauer mit in die Ehe gebracht hatte und die an Downsyndrom leidet. Doch Vroni ist ehrgeizig und fleißig und versucht gemeinsam mit dem Knecht Korbinian und der Magd Josepha den Alltag zu meistern. Da taucht auf einmal ein Kunstmaler auf dem abgelegenen Hof auf, der schließlich noch einen jungen Arzt im Schlepptau hat, welcher Vroni ganz schön aus Gleichgewicht bringt. Während dies die Leute im Dorf misstrauisch beäugen und die Bergbäuerin geradezu nötigen wieder zu heiraten, hat Vroni ganz andere Gedanken im Kopf. Doch was für eine Zukunft wird ihr und dem kleinen Rosl beschert sein? Dürfen die Zwei auf ein wenig Glück hoffen? Schon lange habe ich keinen Roman mehr gelesen, der eine derartige Bild- und Sprachgewalt aufweist wie dieser hier aus der Feder der Autorin und Hörfunkredakteurin Susanne Betz. Als Leserin fühlte ich mich auf wunderbare Weise in eine vergangene Bergwelt katapultiert und sah direkt das liebe Gesicht von Rosl, den in sich gekehrten Knecht und die brummige Magd Josepha vor mir. Ich schnitt und wendete Heu mit der Bäuerin und litt mit ihr, als sie es mit Tränen in den Augen verschimmeln sah. Ich fühlte mich allen Charakteren auf die ein oder andere Weise ungewöhnlich nah und war fast ein wenig traurig, als das Buch gelesen war. Von mir gibt es auf jeden Fall eine dicke, fette Empfehlung gepaart mit fünf „bergigen“ Sternen. Liebe Susanne, ich habe mich wirklich sehr gut unterhalten gefühlt, vielen Dank dafür!
Lia48
5/5
11.10.2022
Buch (Gebundene Ausgabe)
Harte Arbeit auf dem Bergbauernhof, mit starker Frauenfigur
CN: v. a. Ableismus; Erwähnung von häuslicher/ sexueller Gewalt
INHALT:
Werdenfelser Land, 1886: Vroni Grasegger ist erleichtert, als ihr Ehemann Ludwig unter der Erde liegt. Im tiefsten Winter ist er im Suff gestürzt und erfroren.
„Wie konnte ein Mensch, der so laut und mächtig war wie der Bauer, plötzlich tot sein?“
Sie kann ihr Glück kaum glauben. Endlich ist sie seinen Misshandlungen nicht mehr ausgesetzt.
Doch die Narben und Wunden erinnern noch an die vergangene Zeit ...
Auf dem Friedhof in Loisbichl stehen die Leute im Matsch und kondolieren der Bäuerin: „Du musst jetzt dein Zeug zusammenhalten, Bäuerin, und stark sein“, rät man ihr. „Ich sag dir, wenn du es gescheit anstellst, bringst du es noch zu was. Mit deinem Hof und deinem Gesicht. Aber gescheit musst du es anstellen, gescheit.“
Doch das ist einfacher gesagt als getan. Denn von nun an muss die 23-jährige Vroni den Bergbauernhof auf dem Geißschädel allein mit dem Knecht und der Magd bewirtschaften. Die Arbeit ist schwer und anstrengend. Außerdem fehlt es ihr an Fachwissen: Wie soll der Wald bewirtschaftet werden? Welchen Preis kann sie für die Kälber verlangen? Wann muss mit der Heumahd begonnen werden?
Und dann ist da noch das Rosl, ihre 7-jährige Stieftochter, die ihr sehr ans Herz gewachsen ist. Doch das Kind, das von anderen stets „Idiotenkind“ genannt wird, ist anders als andere Kinder in seinem Alter und benötigt mehr Unterstützung im Alltag. Ebenso der ältere Onkel, der auch mit auf dem Hof lebt.
„Jetzt hatte sie die alleinige Verantwortung für dieses Kind, den Onkel und das Vieh. Heimliches Glück und Sorge lagen auf einmal so dicht beieinander wie die bemoosten Steinbrocken auf den Schindeldächern.“
Nach dem Trauerjahr sind sich alle Dörfler und Bauern einig, dass die Graseggerin schleunigst einen neuen Mann braucht. Doch die denkt gar nicht daran, sich auf schnellstem Wege wieder zu binden – jetzt, da sie ihre Freiheit wieder hat!
Bis der Kunstmaler Wilhelm Leibl im Dorf auftaucht. Ein Städter, auf der Suche nach neuer Inspiration …
MEINUNG:
Die letzten Jahre habe ich ruhigere, beschauliche Romane, die auf dem Land spielen, lieben gelernt.
Daher war auch „Heumahd“ ein guter Griff ins Bücherregal. Mich hat es thematisch sehr an „Bergland“ von Jarka Kubsova erinnert. Wenn ihr eines der Bücher mochtet, schaut euch unbedingt auch das jeweils andere an!
Anfangs war ich verwundert, dass die Bäuerin so erleichtert über den Tod ihres Mannes ist. Doch je mehr man von den Misshandlungen und der schrecklichen Zeit vorher erfährt, desto mehr kann man die Graseggerin verstehen. Ich habe mit ihr mitgefiebert und sie für ihre Entschlossenheit und ihre Stärke bewundert. So habe ich sie, ebenso wie ihre Stieftochter, schnell ins Herz geschlossen.
Das Roserl scheint den Beschreibungen nach, das Downsyndrom zu haben. Es hat mich sehr wütend gemacht, wenn sie von anderen als weniger wert betrachtet, geärgert oder verletzt wurde.
Ganz schlimm fand ich, dass sie so oft als „Idiotenkind“ bezeichnet wird. Selbst von der Graseggerin, die die Entwicklung des Kindes und dessen Fähigkeiten und bedingungslose Liebe zu schätzen weiß. Mir ist bekannt, dass Menschen mit Behinderung es früher noch viel schwerer hatten. Aber da hätte ich mir wenigstens von der Bäuerin gewünscht, dass sie in ihren Gedanken das Roserl öfter beim Namen nennt, statt dem diskriminierenden Begriff. Auch eine Erklärung zur Verwendung des Wortes hätte ich am Buchanfang bevorzugt.
Die Entwicklung des Kindes habe ich mit großem Interesse verfolgt.
Insgesamt geht es handlungstechnisch eher beschaulich zu, der Fokus liegt auf der landwirtschaftlichen Arbeit auf dem Hof und den Feldern. Die Atmosphäre dort wird lebendig wiedergegeben und lässt Bilder vor den Augen entstehen.
Ich habe mich jedes Mal gefreut, wenn ich weiterlesen und damit zum Schauplatz zurückkehren konnte, weil ich ihn sehr mochte.
Die Arbeit ist hart, die Winter sind kalt und die Bauern sind den jeweiligen Wetterverhältnissen ausgesetzt.
Und spätestens, wenn der Regenschirm als Luxusgegenstand betrachtet wird und sich der Kuhstall, wegen der abgebenden Wärme, direkt neben dem Schlafzimmer befindet, merkt man, dass das noch ganz andere Zeiten waren.
Ein paar für mich neue Begriffe aus der Landwirtschaft, konnte ich auch entdecken.
Toll finde ich außerdem, dass sich die Autorin bei diesem Roman nicht nur von der Region in Bayern, sondern auch von einem Gemälde hat inspirieren lassen: „Bauernmädchen mit weißem Kopftuch“ von Wilhelm Leibl. Sowohl der Maler als auch das Bild kommen im Buch vor.
FAZIT: Die Szenerie bleibt noch lange im Kopf. Wer ländliche Romane, die Arbeit auf einem Bergbauernhof und starke Frauenfiguren in Büchern mag, sollte sich „Heumahd“ mal anschauen! 4,5/5 Sterne!
Bewertung
5/5
18.09.2022
Buch (Gebundene Ausgabe)
Allein gegen das Dorf
Als die Veronika in jungen Jahren Witwe wird, ist die zunächst nur erleichtert: Ihr Ehemann war gewalttätig und grob, ihn los zu sein, stößt die Tür zu einem neuen Leben auf. Erst nach und nach wird Vroni, die auch Stiefmutter für ein behindertes Kind aus erster Ehe ihres Mannes ist, wirklich klar, was da auf sie zukommt, allein in den Bergen, fast ohne Bedienstete, mit dem Vieh, der Ernte… Das nächstgelegene Dorf jedenfalls ist der festen Überzeugung, dass eine Frau allein auf dem Hof nicht funktioniert. 1886 hat jemand wie die Vroni nach Ablauf des Trauerjahres gefälligst wieder zu heiraten. Das sagt nämlich auch der Pfarrer…
Das Buch ist sehr gut geschrieben, wirkt ausgesprochen authentisch und gibt einen spannenden Einblick in das Leben der Bergbauern vor einhundertfünfzig Jahren. Sehr zu empfehlen!
J. Kaiser
5/5
11.09.2022
Buch (Gebundene Ausgabe)
Wunderbare Geschichte mit Hintergrund
Diese Geschichte ist wie ein Bild zu lesen. Die Protagonisten sind sehr gut beschrieben und gut erkennbar. Vroni Grasegger ist noch jung als ihr gewalttätiger Mann stirbt. Sie ist erleichtert, muss sie nicht mehr seine Misshandlungen aushalten. Sie übernimmt das Sagen auf dem Hof und auch die Fürsorge für ihre Stieftochter Rosl. Viele Sorgen und Ereignisse bringen sie an ihre Grenzen. Der Druck aus dem Dorf auf sie nimmt auch zu, sie soll wieder heiraten. Sie lernt den homosexuellen Maler Wilhelm Leibl kennen. Die beiden verbindet eine ungewöhnliche Freundschaft. Leibl bringt einen englischen Arzt und Alpinisten mit auf den Hof. Wenn man dieses Buch liest, so wird man in eine Dorfgemeinschaft hineinkatapultiert. Zuerst erscheint vieles düster und nach und nach wird es heller. Dass so viel Kraft in der jungen Bäuerin steckt, wird grossartig erzählt und ist spannend zu Lesen. Je länger ich in dem Buch las, desto mehr wurde ich in den Bann gezogen. Das Buch kann ich sehr empfehlen.
Bewertung
5/5
03.09.2022
Buch (Gebundene Ausgabe)
Heumahd
Susanne Betz nimmt uns mit in die Geschichte von Bäuerin Vroni Grassegger auf einen Bergbauernhof im Werdenfelser Land, 1886. Als der Bauer stirbt, ist ihre Erleichterung groß, Gewalt und Brutalität haben ein Ende und sie hat jetzt auch genug zu essen.
Mit Korbinian und Josefa führt sie jetzt den Hof allein, dazu werden noch die behinderte Tochter Rosl und ein Onkel betreut.
Die harte Arbeit und der Druck aus dem Dorf, dass sie wieder heiraten soll, bringen Vroni immer wieder an ihre Grenzen.
Erst durch die Begegnung mit dem Maler Wilhelm Leibl und seinem Freund, einem englischen Arzt und Alpinisten, schöpft Vroni wieder vielfältige Hoffnungen.
Ein ganz wunderbares Buch !
Kurze Frage zu unserer Seite
Vielen Dank für Ihr Feedback
Wir nutzen Ihr Feedback, um unsere Produktseiten zu verbessern. Bitte haben Sie Verständnis, dass wir Ihnen keine Rückmeldung geben können. Falls Sie Kontakt mit uns aufnehmen möchten, können Sie sich aber gerne an unseren Kund*innenservice wenden.