Symbiosen in der Natur: das verborgene Zusammenleben in unserer heimischen Tier- und Pflanzenwelt. Eine bebilderte "Wanderung" durch Lebensräume Mitteleuropas. Ein bezauberndes Buch: reich illustriiert, mit spannenden Texten.
«Miteinander» ist eine bebilderte Wanderung durch ausgewählte Biotope Mitteleuropas. Es führt durch die verschiedenen Lebensräume - Äcker und Feldgehölze, Trocken- und Feuchtwiesen, Moore, Wälder und alpine Lebensräume - und stellt ihre wichtigsten Merkmale, ihre Verbreitung und Gefährdung sowie ausgewählte Pflanzen und Tiere vor. Es öffnet die Augen für die kleinen und unbekannten Dinge, macht neugierig, zeigt verborgene Zusammenhänge auf und erzählt Unbekanntes über Arten, von denen jeder meint, sie zu kennen. Der mehrfach ausgezeichnete Künstler Johann Brandstetter führt uns mit seinen außergewöhnlichen Illustrationen die Schönheit und Vielfalt unserer Lebensräume und ihrer Bewohner vor Augen. Die Biologin Elke Zippel gibt mit sachkundigen Texten einen Einblick in die Wechselbeziehungen von Pflanzen und Tieren - in die Nahrungsketten oder die Ausbreitungsbiologie der Samenpflanzen. Ein besonderer Schwerpunkt liegt bei der Beziehung von heimischen Orchideen und ihren Bestäubern.
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5.0/5.0
Bewertung
5/5
24.03.2023
Buch (Gebundene Ausgabe)
Ein fantastisch geschriebenes und illustriertes Sachbuch zur Ökologie und Lebewelt unserer Lebensräume
Es ist nach dem 2019 bereits in 2. Auflage erschienenen Buch „Wie Schmetterlinge leben“ das zweite gemeinsam Buch der beiden Autoren, in denen Elke Zippel wieder den Text und Johann Brandstetter die Illustration übernommen hat. Und es kann gleich am Anfang vorweggenommen werden, dass dieses mindestens genauso gut gelungen ist. Und wenn sonst beim Haupt Verlag auffällt, das kaum ein Buch in Format, Layout, Papier und Schriftsatz dem anderen gleicht, was bitte nicht als Kritik aufzufassen ist, ist dieses hier sozusagen die Fortsetzung einer Reihe (hoffentlich?) mit nahezu gleicher Aufmachung.
Das Buch kommt wie auch das erste der Autoren völlig ohne Hochglanzfotografien aus, sondern lebt von den ausgezeichneten farbigen Illustrationen des mehrfach ausgezeichneten Illustrators J. Brandstetter. Die handschriftlichen Beschriftungen sind wohltuend und fast ebenfalls künstlerisch, auch wenn manche längere Texte auf den Grafiktafeln durchaus nicht ganz leicht entzifferbar sind. Die Texte kennzeichnen die Textautorin wiederum als hervorragende Kennerin unserer heimischen Natur und ihrer Tier- und Pflanzenwelt, einschließlich zahlreicher ökologischer Zusammenhänge. Aber auch die sehr gute Beobachtungsgabe der Autoren merkt man den beiden in Bild und Text an.
Das Buch ist gegliedert in fünf Kapitel zu verschiedenen Lebensraumkomplexen. Das erste Kapitel widmet sich unserer Agrarlandschaft und einigen ihrer Bewohner, Lebensräume und Strukturen. Dabei werden einige Arten vorgestellt, die vor allem weniger intensiv genutzte Agrarlebensräume benötigen und in dauerhaft „vergifteten“ Industrieäckern keinen Platz mehr haben. Mit dem Acker-Stiefmütterchen und dem Kleinen Perlmutterfalter sind es Arten, die eng miteinander in ihrem Lebenszyklus verbunden sind – Miteinander, der Titel des Buches, der sich wie ein roter Faden durch das ganze Buch zieht. Und natürlich gehört neben der Vorstellung heimischer Arten und ihrer Lebenszyklen auch ein Exkurs zu Neubürgern unter den Pflanzen in unserer Kulturlandschaft, die diese teilweise auch schon seit Jahrhunderten mit prägen.
Das zweite Kapitel ist den „Hotspots unserer Kulturlandschaft“, unseren heimischen Trockenrasen und artenreicher Feuchtwiesen gewidmet. Kein anderer Lebensraum Mitteleuropas erreicht eine solche Vielfalt an Tier- und Pflanzenarten. Und dazu gehören nicht wenige, zunehmend im Bestand bedrohte Arten und solche, für deren Erhaltung gerade Deutschland eine besondere Verantwortung trägt. Auch hier gibt es wieder interessante Ausflüge ins „Miteinander“, z.B. des Ölkäfers mit Erdhummeln oder Bienen, die mit Pollen und Nektar die Nahrungsgrundlage für die Ölkäferlarven liefern, in dem Fall eher kein Miteinander, denn die Hummeln oder Bienen haben nichts von diesem „Zusammenleben“. Danach werden einige Beispiele der „Co-Evolution“ von Pflanzen und Tieren wissenschaftlich fundiert und dennoch unterhaltsam dargestellt. Ein weiterer Ausflug in das Reich der klassischen „Täuschblumen“, den Orchideen, ist ebenfalls ausgezeichnet gelungen. Blüten, die Insekten vortäuschen wie bei den Ragwurz-Arten oder solche, die durch einen betörenden Duft oder einfach nur einen verführerisch langen Sporn Insekten in der Hoffnung auf Nektar anlocken, allerdings diesbezüglich nichts zu bieten haben, aber dennoch die Insekten als Bestäuber durch diesen Trick nutzen. Auch die wiesenbrütenden Vogelarten, von den nicht wenige bei uns vor dem Aussterben stehen, und die Schmetterlinge bekommen ihren Platz in Text und Bild.
Ein weiteres Kapitel stellt uns die Lebewelt der Gewässer und der sie begleitenden Feuchtwälder mit Blicken unter und über die Wasserfläche vor. Fantastische Bildstudien von Kranichen, dem Pirol beim Nestbau oder der Jagd des Eisvogels zeigen einmal mehr J. Brandstetters meisterliches Können und die Texte sind wie dafür geschaffen, dies noch zu unterstreichen. Filigrane Schönheiten der Moore wie Sonnentau oder das Sumpfglanzkraut und die extrem seltene Sumpf-Weichwurz als fast zwergenhafte Orchideen oder die aus Nordamerika eingeschleppte, an etablierten Standorten invasive Kannenpflanze finden ebenso Platz wie die Unterwasserwelt der Fische, Libellen, Wasserkäfer und Krebse.
Sehr schön ist auch das folgende Kapitel über den Wald gelungen, mit tollen Illustrationen zu den Pilzen des Waldes unter dem Titel „Weder Tier noch Pflanze“ und natürlich den herrlichen Abbildungen und textlichen Ausführungen zu den mit den Pilzen „verbundenen“ saprophytischen Pflanzen des Waldes, aber auch den parasitisch lebenden Arten. Schön, dass immer wieder auch den Orchideenarten reichlich Raum gegeben wird. Auch das abschließende Kapitel zu den Hochgebirgen fasziniert in Bild und Text. Herrliche Biotopzeichnungen mit den darin lebenden Pflanzen erinnern mich an das tolle, leider längst vergriffene Buch von H. Reisigl & R. Keller „Alpenpflanzen im Lebensraum“, dort mit Schwarz-Weiß-Zeichnungen und Farbfotos in Kombination dargestellt.
Ein rundum gelungenes Sachbuch mit unterhaltsam vermitteltem, exaktem Fachwissen, welches ohne Einschränkungen zu empfehlen ist und seinen Preis unbedingt wert ist. Ich wünsche den Autoren und dem Haupt Verlag noch weiter schöne und gute Ideen!
Dr. Frank Zimmermann
Pflanzenfreund
aus Rehfelde
5/5
24.03.2023
Buch (Gebundene Ausgabe)
Es ist das zweite gemeinsam…
Es ist das zweite gemeinsam Buch der beiden Autoren, in denen Elke Zippel wieder den Text und Johann Brandstetter die Illustration übernommen hat. Und es kann gleich am Anfang vorweggenommen werden, dass dieses mindestens genauso gut gelungen ist. Und wenn sonst beim Haupt Verlag auffällt, das kaum ein Buch in Format, Layout, Papier und Schriftsatz dem anderen gleicht, was bitte nicht als Kritik aufzufassen ist, ist dieses hier sozusagen die Fortsetzung einer Reihe (hoffentlich?) mit nahezu gleicher Aufmachung. Das Buch kommt wie auch das erste der Autoren völlig ohne Hochglanzfotografien aus, sondern lebt von den ausgezeichneten farbigen Illustrationen des mehrfach ausgezeichneten Illustrators J. Brandstetter. Die handschriftlichen Beschriftungen sind wohltuend und fast ebenfalls künstlerisch, auch wenn manche längere Texte auf den Grafiktafeln durchaus nicht ganz leicht entzifferbar sind. Die Texte kennzeichnen die Textautorin wiederum als hervorragende Kennerin unserer heimischen Natur und ihrer Tier- und Pflanzenwelt, einschließlich zahlreicher ökologischer Zusammenhänge. Aber auch die sehr gute Beobachtungsgabe der Autoren merkt man den beiden in Bild und Text an. Das Buch ist gegliedert in fünf Kapitel zu verschiedenen Lebensraumkomplexen. Das erste Kapitel widmet sich unserer Agrarlandschaft und einigen ihrer Bewohner, Lebensräume und Strukturen. Dabei werden einige Arten vorgestellt, die vor allem weniger intensiv genutzte Agrarlebensräume benötigen und in dauerhaft „vergifteten“ Industrieäckern keinen Platz mehr haben. Mit dem Acker-Stiefmütterchen und dem Kleinen Perlmutterfalter sind es Arten, die eng miteinander in ihrem Lebenszyklus verbunden sind – Miteinander, der Titel des Buches, der sich wie ein roter Faden durch das ganze Buch zieht. Und natürlich gehört neben der Vorstellung heimischer Arten und ihrer Lebenszyklen auch ein Exkurs zu Neubürgern unter den Pflanzen in unserer Kulturlandschaft, die diese teilweise auch schon seit Jahrhunderten mit prägen. Das zweite Kapitel ist den „Hotspots unserer Kulturlandschaft“, unseren heimischen Trockenrasen und artenreicher Feuchtwiesen gewidmet. Auch hier gibt es wieder interessante Ausflüge ins „Miteinander“, z.B. des Ölkäfers mit Erdhummeln oder Bienen, die mit Pollen und Nektar die Nahrungsgrundlage für die Ölkäferlarven liefern, in dem Fall eher kein Miteinander, denn die Hummeln oder Bienen haben nichts von diesem „Zusammenleben“. Danach werden einige Beispiele der „Co-Evolution“ von Pflanzen und Tieren wissenschaftlich fundiert und dennoch unterhaltsam dargestellt. Ein weiterer Ausflug in das Reich der klassischen „Täuschblumen“, den Orchideen, ist ebenfalls ausgezeichnet gelungen. Blüten, die Insekten vortäuschen wie bei den Ragwurz-Arten oder solche, die durch einen betörenden Duft oder einfach nur einen verführerisch langen Sporn Insekten in der Hoffnung auf Nektar anlocken, allerdings diesbezüglich nichts zu bieten haben, aber dennoch die Insekten als Bestäuber durch diesen Trick nutzen. Auch die wiesenbrütenden Vogelarten, von den nicht wenige bei uns vor dem Aussterben stehen, und die Schmetterlinge bekommen ihren Platz in Text und Bild. Ein weiteres Kapitel stellt uns die Lebewelt der Gewässer und der sie begleitenden Feuchtwälder mit Blicken unter und über die Wasserfläche vor. Fantastische Bildstudien von Kranichen, dem Pirol beim Nestbau oder der Jagd des Eisvogels zeigen einmal mehr J. Brandstetters meisterliches Können und die Texte sind wie dafür geschaffen, dies noch zu unterstreichen. Filigrane Schönheiten der Moore wie Sonnentau oder das Sumpfglanzkraut und die extrem seltene Sumpf-Weichwurz als fast zwergenhafte Orchideen oder die aus Nordamerika eingeschleppte, an etablierten Standorten invasive Kannenpflanze finden ebenso Platz wie die Unterwasserwelt der Fische, Libellen, Wasserkäfer und Krebse. Sehr schön ist auch das folgende Kapitel über den Wald gelungen, mit tollen Illustrationen zu den Pilzen des Waldes unter dem Titel „Weder Tier noch Pflanze“ und natürlich den herrlichen Abbildungen und textlichen Ausführungen zu den mit den Pilzen „verbundenen“ saprophytischen Pflanzen des Waldes, aber auch den parasitisch lebenden Arten. Schön, dass immer wieder auch den Orchideenarten reichlich Raum gegeben wird. Auch das abschließende Kapitel zu den Hochgebirgen fasziniert in Bild und Text. Herrliche Biotopzeichnungen mit den darin lebenden Pflanzen erinnern mich an das tolle, leider längst vergriffene Buch von H. Reisigl & R. Keller „Alpenpflanzen im Lebensraum“, dort mit Schwarz-Weiß-Zeichnungen und Farbfotos in Kombination dargestellt. Ein rundum gelungenes Sachbuch mit unterhaltsam vermitteltem, exaktem Fachwissen, welches ohne Einschränkungen zu empfehlen ist und seinen Preis unbedingt wert ist. Dr. Frank Zimmermann
Kristall86
aus an der Nordseeküste
5/5
11.12.2022
Buch (Gebundene Ausgabe)
Es geht nur miteinander!
Klappentext:
„Symbiosen in der Natur: das verborgene Zusammenleben in unserer heimischen Tier- und Pflanzenwelt. Eine bebilderte "Wanderung" durch Lebensräume Mitteleuropas. Ein bezauberndes Buch: reich illustriiert, mit spannenden Texten. «Miteinander» ist eine bebilderte Wanderung durch ausgewählte Biotope Mitteleuropas. Es führt durch die verschiedenen Lebensräume - Äcker und Feldgehölze, Trocken- und Feuchtwiesen, Moore, Wälder und alpine Lebensräume - und stellt ihre wichtigsten Merkmale, ihre Verbreitung und Gefährdung sowie ausgewählte Pflanzen und Tiere vor. Es öffnet die Augen für die kleinen und unbekannten Dinge, macht neugierig, zeigt verborgene Zusammenhänge auf und erzählt Unbekanntes über Arten, von denen jeder meint, sie zu kennen. Der mehrfach ausgezeichnete Künstler Johann Brandstetter führt uns mit seinen außergewöhnlichen Illustrationen die Schönheit und Vielfalt unserer Lebensräume und ihrer Bewohner vor Augen. Die Biologin Elke Zippel gibt mit sachkundigen Texten einen Einblick in die Wechselbeziehungen von Pflanzen und Tieren - in die Nahrungsketten oder die Ausbreitungsbiologie der Samenpflanzen. Ein besonderer Schwerpunkt liegt bei der Beziehung von heimischen Orchideen und ihren Bestäubern.“
Ein Wort macht alles das deutlich was wahrlich von Bedeutung ist - Miteinander. Egal ob unter den Menschen selbst oder eben in der Natur - ein Miteinander ist lebenswichtig, lebensnotwendig und eben eine Symbiose der Verbundenheit. Sie denken jetzt ich philosophiere? Bedingt, denn in diesem Buch zeigt uns die Biologin Elke Zippel genauestens auf wie das so ist mit dem Miteinander in der Natur und was wir davon haben. Denjenigen die ein wenig in Biologie aufgepasst haben, fällt zumeist die Symbiose zwischen Pilzen und Bäumen ein. Das ist eines von vielen Miteinander-Verbindungen! Zippel erklärt hier wunderbar lehrreich, sachlich aber auch anschaulich wie die Natur miteinander lebt und wie sie sich gegenseitig braucht. Abgerundet werden die Texte mit wunderschönen Zeichnungen des bekannten Malers Johann Brandstetter. Die Beiden erläutern auf sehr gekonntem Weg die verschiedensten Lebensräume und eben die Verbindungen zwischen Pilzen, Bäumen, Flechten, Tieren. Der Eichelhäher ist mit seinem „Hobby“ Eicheln zu verstecken da auch ein gewisser bekannter Kandidat aber es gibt noch so viele weitere!
In diesem optisch sowie haptisch äußerst hochwertig aufgemachten Buch darf sich der Leser gern dem Lesesog hingeben. Viele Geschichten lesen sich fast wie kleine Thriller und scheinen oft unglaublich, andere kennt man vielleicht aber fest steht - dieses Buch ist eine Bereicherung! Und weil hier alles so perfekt zusammen passt vergebe ich gern 5 Sterne und spreche eine Leseempfehlung aus!
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