Nach dem Bestseller «Sie kam aus Mariupol» ein Frauenschicksal über Herkunft, Heimatlosigkeit, über Freundschaft, Geborgenheit und Liebe.
Als Natascha Wodin 1992 nach Berlin kommt, sucht sie jemanden, der ihr beim Putzen hilft. Am Ende fällt die Wahl auf eine Frau aus der Ukraine – dem Herkunftsland ihrer Mutter, die im Zweiten Weltkrieg als Zwangsarbeiterin nach Deutschland verschleppt wurde. Für Natascha Wodin ist es, als würde sie von ihrem Schicksal erneut eingeholt. Im Heimweh dieser Ukrainerin, mit der sie mehr und mehr eine Freundschaft verbindet, erkennt sie das Heimweh ihrer Mutter wieder, die daran früh zerbrochen ist. Jetzt, Jahre später, zeichnet sie mit verhaltener, tief anrührender Poesie das Porträt von Nastja, einer kämpferischen Frau.
Kundinnen und Kunden meinen
4.2/5.0
literaturbine (ehemalige Buchhändlerin Osiander)
aus Speyer
5/5
15.03.2022
Hörbuch (Audio)
Für das Hörbuch 6 Sterne!
Natascha Wohin ist für mich die Autorin, die mir einen Teil der Menschen aus den Ländern der ehemaligen Sowjetunion nahe bringt und verstehen lernt. In diesem Buch geht es um eine junge Frau aus der Ukraine, die aus der Not heraus ihre Familie verlässt und nach Deutschland geht. Sie putzt, geht in die Illegalität, wird Ehefrau und kommt doch nie in Deutschland an, ist erfüllt von Heimweh und Sehnsucht. Fast dokumentarisch erzählt die Autorin diese Lebensgeschichte und gibt damit dem Leser die Möglichkeit Abstand vor der großen Traurigkeit zu halten. Andererseits berühren die sanften, schönen Momente und genau das schafft Martina Gedeck mit ihrer Stimme zu vermitteln, kleine Nuancen der Zartheit und Empathie. Man hört hin und genießt.
Bewertung
5/5
18.02.2022
Buch (Gebundene Ausgabe)
Ein zutiefst berührender Roman...
Ein zutiefst berührender Roman über das Schicksal einer Putzfrau aus der Ukraine, das mit vielen Frauen aus dem Osten vergleichbar ist.Die Sorgen um das finanzielle Überleben der Famile treibt viele nach Deutschland, aber das Heimweh nach zuhause ist kaum zu ertragen. Grossartig.
literaturbine (ehemalige Buchhändlerin Osiander)
aus Speyer
5/5
27.01.2022
Buch (Gebundene Ausgabe)
Für das Hörbuch 6 Sterne!
Natascha Wodin ist für mich die Autorin, die mir die Menschen aus den Ländern der ehemaligen Sowjetunion nahe bringt und verstehen lernt.
In diesem Buch geht es um eine junge Frau aus der Ukraine, die aus der Not heraus ihre Familie verlässt und nach Deutschland geht. Sie putzt, geht in die Illegalität, wird Ehefrau und kommt doch nie in Deutschland an sondern verdient Geld für ihre Verwandten und ist erfüllt von Einsamkeit und Sehsucht.
Fast dokumentarisch erzählt die Autorin diese Lebensgeschichte und gibt damit dem Leser die Möglichkeit, Abstand zu wahren, Abstand von dieser unendlichen Traurigkeit. Andererseits berührt einen dann die Tiefe des allumfassenden Glücks der kleinen, schönen Momente.
Und genau das schafft Martina Gedeck wenn sie diesen Roman vorliest. Sachliche Distanz und doch in kleinen Nuancen Tonveränderungen der Zartheit und Empathie. Man hört genau hin und genießt. Selten passt eine Stimme so perfekt zu dem Geschriebenen.
umgeBUCHt Blog
aus Weeze
5/5
26.08.2021
Buch (Gebundene Ausgabe)
Eine berührende und aufwühlende Geschichte
Aufmerksam wurde ich auf Natascha Wodin durch ihr Buch „Sie kam aus Mariupol“ für das sie mit dem Buchpreis der Leipziger Buchmesse ausgezeichnet wurde und in dem sie die Lebensgeschichte ihrer Mutter rekonstruierte, die von den Nazis als Zwangsarbeiterin aus der Sowjetunion deportiert wurde und sich 1956 in der Bundesrepublik Deutschland das Leben nahm. Natascha Wodin selbst wurde 1945 in einem Lager für Displaced Persons in Fürth geboren und erzählt von ihrer Jugend und ihrem Vater in „Nirgendwo in diesem Dunkel“. Und auch in ihrem neuen Roman „Nastjas Tränen“ verarbeitet sie wiederum eigene Erlebnisse literarisch.
Im Mittelpunkt steht Nastja, eine 1942 im Westen der Ukraine geborene Tiefbauingenieurin, die nach dem Zusammenbruch der Sowjetunion im wirtschaftlichen Chaos der sich rasant entwickelnden Oligarchie in der ehemaligen Teilrepublik der UdSSR nicht mehr genug zum überleben hat. Ihr letztes Gehalt bekommt sie in Form eines Säckchens Reis ausgezahlt – zu wenig, um sie und ihren Enkelsohn zu ernähren. Sie kratzt das Geld für ein Touristenvisum und eine Zugfahrt nach Berlin zusammen, schlüpft bei ihrer Schwester unter, verdient sich fortan ihren kleinen sparsamen Lebensunterhalt als Putzfrau und unterstützt mit dem übrigen Geld ihre Familie in der Ukraine.
Als Natascha Wodin 1992 aus der Südpfalz nach Berlin zieht, sucht sie jemanden, der ihr beim Putzen hilft. Sie gibt eine Annonce auf, und am Ende fällt die Wahl auf Nastja aus der Ukraine, dem Land, aus dem Natascha Wodins Eltern stammten, die im Zweiten Weltkrieg als Zwangsarbeiter nach Deutschland verschleppt wurden.
„Die Treppe herauf kam eine sehr schmale, schüchtern wirkende Frau, die etwa fünfzig Jahre alt sein mochte, aber aussah wie ein Mädchen. Sie trug Jeans und einen Rucksack auf den Schultern, auf den ersten Blick hätte man sie für eine typische Erscheinung der Prenzlauer-Berg-Szene halten können, doch bei näherem Hinsehen verrieten das altmodische, verwaschene Blüschen und die manierliche Haarspange die Herkunft aus einem anderen Teil der Welt.“ (S. 9)
Doch kaum ist Nastjas Visum abgelaufen, schlittert sie in das Leben einer Illegalen, wird Teil der riesigen Dunkelziffer an Untergetauchten im Dickicht der neuen, noch wildwüchsigen deutschen Hauptstadt. Für Natascha Wodin ist es, als würde sie von ihrem Schicksal erneut eingeholt. Im Heimweh dieser Ukrainerin, mit der sie mehr und mehr eine Freundschaft verbindet, erkennt sie das Heimweh ihrer Mutter wieder, die daran früh zerbrochen ist. Sie fühlt sich der Frau verbunden und versucht ihr dabei zu helfen, in Deutschland Fuß zu fassen. Doch ein Teil ihrer Hilfsaktionen führt zu grotesken Situationen und absurden Wendungen in Nastjas Leben. Zwar bekommt sie die deutsche Staatsangehörigkeit, aber nur über eine üble Heirat und muss dafür auch ihren ukrainischen Pass abgeben. Doch es ist nicht jedem möglich in der östlichen und westlichen Welt gleichzeitig zu leben und als Nastja dann irgendwann doch in die Ukraine zurückkehren will, muss sie feststellen, dass ihr jetzt nur noch ein befristetes Touristenvisum für ihre Heimat zusteht.
Eine sehr berührende Geschichte, auch aufgrund ihres authentischen Charakters. Denn Nastja ist keine rein fiktive Romanfigur, sondern hat ein reales Vorbild, das einen gleichzeitig den Schrecken von stalinistischen Terror, nationalsozialistische Verbrechen, sowjetische Diktatur und den Zusammenbruch des Sozialismus erahnen lässt. Das macht jedoch auch das Verhalten und die Ängste Nastjas begreifbar und nachvollziehbar, ihre Zerrissenheit und ihr ausgeliefert und ergeben Sein in Situationen und Begebenheiten, die eigentlich kaum zu ertragen sind.
Natascha Wodins Sprache ist dabei eher nüchtern und doch gelingt es ihr, bei der Geschichte einen Sog zu entwickeln, der nicht mehr los lässt. Es ist ein wenig so, als nähme man gegenüber der Autorin Platz und ließe sich von ihr in aller Ruhe diese besondere Geschichte rund um ihre Putzfrau erzählen. Eine Geschichte von Unsicherheiten, Ungerechtigkeiten, aber auch von dem leisen Kampf ums Überleben, von Heimat, dem Verlust derselben und den doch immer bleibenden Wurzeln. Empfehlenswert!
Bewertung
3/5
17.01.2025
Hörbuch-Download
Zu viel Gewinsel
Die Geschichte ist bewegend und interessant. Was mich extrem gestört hat, ist der ewige Zeigefinger auf die vermeintlichen Übeltäter. Natürlich sind die dargestellten Umstände gruselig aber man/frau hat auch immer Möglichkeiten selber Entscheidungen zu treffen bzw andere Wege zu gehen. Es ist zu einfach immer andere Umstände für die eigene Misslage verantwortlich zu machen. Das stört mich sehr an dem Buch.
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