Joni wächst in der provinziellen Enge der Nachkriegsjahre auf. Als junge Diplomatengattin beschreitet sie das politische Parkett Ostberlins. Zu ihren Kindern, die beim Vater leben, hält sie engen Kontakt, während sie als Regierungsberaterin um die Welt jettet. Und während Joni versucht, den Erwartungen als Frau und Mutter zu genügen, wird ihr unangepasstes Leben plötzlich öffentlich debattiert. Sie muss erkennen: Auch ein noch so unabhängiges Frauenleben bleibt fragil.
Beatrix Kramlovsky erzählt die mitreißende Geschichte einer willensstarken, unkonventionellen Frau, die stets auf dem Drahtseil zwischen Unabhängigkeit und Eingebundensein balanciert.
Kundinnen und Kunden meinen
3.8/5.0
strickmagie_liest
aus Frankfurt am Main
5/5
26.10.2022
Buch (Gebundene Ausgabe)
Eine Frau im Wellengang des Lebens
Joni wächst in den 60er Jahren als Kind unkonventioneller Eltern in Österreich auf. Halt findet sie bei ihrer Tante und ihrer besten Freundin. Früh verliebt sie sich, wird schwanger und heiratet den Diplomaten Georg Laube. Mit ihm zieht sie nach Ostberlin. Nach dem Mauerfall verlässt sie ihren Mann, dieser geht zu seinen Eltern nach Wien zurück. Die gemeinsame Tochter bleibt in seiner Obhut. Joni macht Karriere, reist durch die Welt, führt ein Nomadenleben. Sie hat viele Bekannte und Zufluchtsorte, aber kein richtiges Zuhause. Kurzzeitig kehrt sie zu Georg zurück, wird erneut schwanger und bekommt einen Sohn. Nach Manuels Geburt zerbricht die Ehe endgültig. Sie nimmt ihr unstetes Leben wieder auf, Georg heiratet erneut, die Kinder leben bei ihm und seiner neuen Frau. Obwohl Joni ihre Kinder sehr wichtig sind, sieht sie die beiden nur selten. Mittlerweile arbeitet sie als Regierungsberaterin. Sie hat sich einen Namen gemacht, ihr Privatleben hält sie aus der Öffentlichkeit heraus. Sie lernt Sam, einen Farbigen, kennen und lieben. In Kanada findet sie endlich einen Ort, an dem sie bleiben möchte. Sie lädt Manuel ein, den Sommer bei ihr in ihrem neuen Haus zu verbringen. Dieser macht während des Aufenthaltes Schnappschüsse von ihr und ihrem neuen Freund. Als Manuel wieder zu Hause ist, gerät er erneut unter den Einfluss falscher Freunde, die die Fotos ins Internet stellen. Daraufhin beginnt eine wahre Hetzjagd auf Joni…..
Fazit:
Mir hat das Buch „Frau in den Wellen“ außerordentlich gut gefallen. Es ist ein Buch mit Tiefgang, wie man es selten erlebt. Der Schreibstil versetzt einen perfekt in die Handlung hinein. Die eingefügten Protokollaufzeichnungen erzeugen ein großes Maß an Spannung.
Glückliche
aus Sachsen
5/5
26.10.2022
Buch (Gebundene Ausgabe)
Das Leben einer unkonventionellen, starken Frau im Spagat zwischen Beruf und Familie
Die Heldin dieses Romans, Joni, geb. 1966, gedeiht trotz Erziehungsdefiziten mit einem hohen Grad an Selbstbestimmung. Ihre Eltern geben ihr viel Freiraum. Sie studiert, heiratet, wird schwanger und verbringt einige Jahre als Diplomatengattin in Ostberlin.
Da ich selbst in der DDR aufgewachsen bin, war der Blick von der anderen Seite in unseren Staat schon mal recht interessant. Joni verlässt ihren Mann und treibt ihre Entwicklung voran. Die Tochter bleibt beim Ehemann. Joni promoviert, kehrt Jahre später zu ihrem Mann zurück, bekommt noch einen Sohn. Dann wird die Ehe geschieden.
Ohne mehr zum Inhalt zu verraten, kann ich konstatieren, dass sich Joni zu einer Koryphäe auf ihrem Gebiet entwickelt, die den ganzen Erdball bereist, überall und nirgends zu Hause ist sowie ein großes Netzwerk diverser Freundinnen und Freunde besitzt. Diese Freundschaften pflegt sie mit Hingabe. Sie ist zerrissen von dem Versuch, Beruf und Familie in Einklang zu bringen. Die Rolle der Geschlechter ist hier umgekehrt. Der Mann, der zwischenzeitlich wieder geheiratet hat, betreut die Kinder und Joni nutzt jede Möglichkeit, ihren Kindern nah zu sei. Sie hat es gut, hat geerbt und gut investiert, Geld spielt bei ihr und für sie keine Rolle und sie ist sich dessen bewusst.
Mir hat das Buch sehr gut gefallen. Es führte mich in eine Welt, die mir fremd und exotisch vorkommt und die mich genau deswegen fasziniert.
Joni, ihre Arbeit, ihr Lebensstil, ihre Begeisterung und ihre große Liebe zu ihren Kindern haben mich schwer beeindruckt. Dennoch würde ich niemals mit ihr tauschen wollen. Das wäre mir alles viel zu anstrengend und zu stressig.
Aber mal in ein solches Leben einzutauchen, es aus der Nähe zu betrachten, war sehr reizvoll und hat mir neue Sichten eröffnet. Ich freue mich wirklich, Joni kennengelernt zu haben.
Glückliche
aus Sachsen
5/5
26.10.2022
Buch (Gebundene Ausgabe)
Die Heldin dieses Romans,…
Die Heldin dieses Romans, Joni, geb. 1966, gedeiht trotz Erziehungsdefiziten mit einem hohen Grad an Selbstbestimmung. Ihre Eltern geben ihr viel Freiraum. Sie studiert, heiratet, wird schwanger und verbringt einige Jahre als Diplomatengattin in Ostberlin. Da ich selbst in der DDR aufgewachsen bin, war der Blick von der anderen Seite in unseren Staat schon mal recht interessant. Joni verlässt ihren Mann und treibt ihre Entwicklung voran. Die Tochter bleibt beim Ehemann. Joni promoviert, kehrt Jahre später zu ihrem Mann zurück, bekommt noch einen Sohn. Dann wird die Ehe geschieden. Ohne mehr zum Inhalt zu verraten, kann ich konstatieren, dass sich Joni zu einer Koryphäe auf ihrem Gebiet entwickelt, die den ganzen Erdball bereist, überall und nirgends zu Hause ist sowie ein großes Netzwerk diverser Freundinnen und Freunde besitzt. Diese Freundschaften pflegt sie mit Hingabe. Sie ist zerrissen von dem Versuch, Beruf und Familie in Einklang zu bringen. Die Rolle der Geschlechter ist hier umgekehrt. Der Mann, der zwischenzeitlich wieder geheiratet hat, betreut die Kinder und Joni nutzt jede Möglichkeit, ihren Kindern nah zu sei. Sie hat es gut, hat geerbt und gut investiert, Geld spielt bei ihr und für sie keine Rolle und sie ist sich dessen bewusst. Mir hat das Buch sehr gut gefallen. Es führte mich in eine Welt, die mir fremd und exotisch vorkommt und die mich genau deswegen fasziniert. Joni, ihre Arbeit, ihr Lebensstil, ihre Begeisterung und ihre große Liebe zu ihren Kindern haben mich schwer beeindruckt. Dennoch würde ich niemals mit ihr tauschen wollen. Das wäre mir alles viel zu anstrengend und zu stressig. Aber mal in ein solches Leben einzutauchen, es aus der Nähe zu betrachten, war sehr reizvoll und hat mir neue Sichten eröffnet. Ich freue mich wirklich, Joni kennengelernt zu haben.
TochterAlice
aus Köln
4/5
17.11.2022
Buch (Gebundene Ausgabe)
Eigen war Joni schon immer:…
Eigen war Joni schon immer: allein durch ihren Vornamen aus der Zeit gefallen, sie war nämlich von ihren Hippie-Eltern, die sich eher umeinander als um sie kümmerten, nach Joni Mitchell, deren Idol benannt worden. Und das in Westdeutschland Mitte der 1960er Jahre, wo so etwas eher ungewöhnlich war. Sie heiratete früh und wurde Mutter, begann dann erst so richtig mit ihrer beruflichen Karriere, die das Zentrum ihres Daseins wurde. Jedenfalls der Punkt, um den sie den Rest ihres Lebens ansiedelte - Kinder, Mann bzw. inzwischen der Ex mit neuer Partnerin und ihre Männer - eine zunächst verwirrende Masse für mich. Bis mir klar wurde, das Joni ihr gesamtes kleines Imperium mit absolut klarer Hand und Respekt gegenüber anderen regiert, sich Gedanken macht und auf ihre ureigenste Weise sowohl ein großes Guthaben als auch eine ganz besondere Art von Familie erschuf. Bis diese Erkenntnis allerdings in mir reifte, brauchte es einige Zeit, wobei es am Ende zu einer riesigen Krise kommt, die nur durch Jonis ganz besondere Art gemeistert werden konnte. Ein Roman, für den ich einen extrem langen Atem brauchte, der für mich am Ende aber doch ausgesprochen rund und schlüssig erschien, trotz etlicher Stolpersteine auf dem Weg dahin. Beatrix Kramlovsky ist eine sehr ungewöhnliche deutschsprachige Autorin. Sie macht es mir als Leserin nicht leicht, dennoch empfinde ich die Auseinandersetzung mit ihrem Werk als durchaus bereichernd.
Sharon Baker
aus Mönchengladbach
4/5
25.10.2022
Buch (Gebundene Ausgabe)
Aktuell, klug und beeindruckend ...
Dr. Joni Lanka lebt ein unkonventionelles Leben und das schon von Kindesbeinen an. Sie ist stark, kämpft für ihre Ansichten und ist auch bereit, Opfer zu bringen. Für ihren Beruf reist sie um die Welt, lässt sich von Männern nicht klein bekommen, nein, behauptet sich sogar. Aber es ist kein leichter Weg und so ist der Drahtseilakt zwischen Familie, Kindern und Karriere nicht immer einfach zu begehen. Erst recht, wenn die Balance aus dem Ruder läuft, wenn ihr eigenes Leben durch eine Dummheit ans Licht der Öffentlichkeit gerät und von dieser zerrissen wird. Joni muss wieder fest stellen, dass die Welt für so eine Frau noch nicht bereit ist und das es wichtiger den je ist, für ihre Unabhängigkeit zu kämpfen. Wie funktioniert das Leben von Joni? Welche Opfer kostet es sie? Und was ist passiert, das alles aus den Fugen geraten lässt?
Für mich ist es das zweite Buch von der Autorin, was ich lese. Mit „Fanny oder Das weiße Land“ hatte mich Beatrix Kramlovsky unglaublich beeindruckt. Diese Geschichte oder besser noch die Reise von Kriegsgefangenen, die in ihre Heimat zurückkehren, hat mich mitgenommen, sprachlich angetan und tief berührt. Und nun kommt sie mit so einer ganz anderen Geschichte, das hatte mich so überrascht und doch auch fasziniert, was wird sie hier erzählen, wie wird sie die Geschichte aufbauen und kann es mich genauso ergreifen? Das war die große Frage und die Antwort liefere ich euch jetzt.
Diesmal war der Einstieg für mich in die Geschichte nicht ganz einfach. Ich wusste nicht so recht, was Joni mir erzählen wollte, worauf wir hinarbeiten, und ich konnte Joni auch nicht zu erst greifen. Aber als dann die Verhöre ins Spiel kamen, wurde es interessant, machte neugierig und man wollte mehr über diese Frau wissen und was vorgefallen ist.
Jedes Kapitel ist einem Mann aus ihrem Leben gewidmet und erzählt nicht nur im Einstieg, wie es ihr jetzt geht, sondern schweift auch in die Vergangenheit, wo sich die Wege kreuzen und erklärt, wie Joni zu der Frau wird, die sie heute ist. So lernen wir von Joni, dass sie im Hier und Jetzt, eine Frau ist, die sich in einer Männerwelt behauptet. Sie spielt ganz oben mit, ist eine Art Analytikerin und arbeitet für Regierungen und bleibt so gern im Hintergrund. Aufgewachsen ist sie mehr bei ihrer Tante, da ihre Eltern irgendwie mehr Hippies waren und sich gern ein Stück Freiheit gönnten. Tante Federspiel war da ganz anders und sie ebnete Jonis Lebensweg. Als junge Frau macht sie eine Weltreise und begegnet dabei ihren Mann Georg, das Resultat zwei Kinder und das Leben als Botschaftsfrau. Doch sie will mehr, sie möchte sich beruflich verwirklichen und geht dazu einen unkonventionellen Weg. Sie studiert, lässt die Tochter bei den Schwiegereltern und versucht den Spagat als Mutter und Karrierefrau zu meistern. In ihrem Leben tauchen so viele Personen auf, aber nur eine Handvoll sind ihre engsten Vertrauten und dann findet sie einen Ort, denn sie Heimat nennen könnte und einen Mann, der zu ihren Leben passt. Doch die Zeit, wo man im Verborgenen leben konnte, sind vorbei und so gerät Joni‘s Leben an die Öffentlichkeit und wird zum Zerrbild der Gesellschaft.
Diese Geschichte hat so viele Themen, das man gar nicht weiß, wo man ansetzen soll. Und man muss lange darüber nachdenken, in sich gehen und es sacken lassen. Das eine große Thema ist mit Gewissheit die Emanzipation. Joni lebt ein Männerleben, ist viel unterwegs und lässt die Kinder bei ihren Mann, was in der Männerwelt völlig normal ist, zerreißt man bei einer Frau. Rabenmutter! Karrierefrau! Männerweib! Und das kann man endlos weiter ausführen. Warum kann man nicht beides? Sind wir nicht in einem Zeitalter, wo wir solches Denken abgelegt haben? Und habe nur ich das Gefühl, oder treten wir immer mehr erkämpfte Rechte wieder ab. Die Entwicklung schaudert mich und dabei lebe ich doch in einem Land mit Frauenrechten und bin privilegiert. Unterschwellig spielen hier auch Rassismus, eine große Rolle, nationalsozialistische Politik und anonymes Mobbing. Mobbing im Netz und seine Auswirkungen. Wie niedrig die Hemmschwelle ist, wie abartig feindlich die Mitmenschen ihre Meinung kundtun und wie schnell alles zu einem großen Hassmob werden kann. Und was noch mehr schockiert, das man sich nicht wirklich wehren kann. Ein großes Problem unserer Zeit und hier wirklich anschaulich und sehr eindringlich beschrieben.
Beatrix Kramlovsky hat mit ihrer Protagonisten ein wunderbares Abbild unserer Gesellschaft beschrieben. Wie gern präsentieren wir uns als Freidenkenden, tolerant, vorurteilsfrei und weltmännisch, sind es aber nicht. Wie oft lässt man sich mitreißen, ohne nachzudenken und vergisst dabei, sich selbst zu informieren. Und gerade die anonyme Socialwelt ist ein Molch an Hass und Anfeindungen. Eine wirklich tolle Geschichte, ein großes Statement, obwohl es wirklich zu viele Eckpunkte gab, um diese zu verarbeiten. Lasst uns bitte für unsere Werte einstehen, kämpfen und solche Bücher sind dazu sehr wichtig.
Frau in den Wellen ist ein gesellschaftlicher Roman, der aufzeigt, das wir noch viel für unser Recht machen müssen und das wir uns Mobbing viel mehr stellen müssen. Aktuell, klug und beeindruckend.
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