Seinslogik und Kapital Kritik der Ontologisierung der Marxschen Kritik der politischen Ökonomie
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Beschreibung
Produktdetails
Einband
Taschenbuch
Erscheinungsdatum
21.09.2026
Herausgeber
David Hellbrück + weitereVerlag
Ça-ira-VerlagSeitenzahl
238
Maße (L/B)
20,8/14 cm
Gewicht
450 g
Auflage
1
Sprache
Deutsch
ISBN
978-3-86259-169-5
Die Frage allerdings, wie ein solches überindividuelles »automatisches Subjekt« sich überhaupt konstituieren kann, wurde weitestgehend unter den Teppich gekehrt. Denn mit der hegelschen Philosophie an Marx heranzutreten, zog beinahe zeitgleich zur sich abzeichnenden Krise der Revolutionstheorie und dem Umsichgreifen der Postmoderne, eine schleichende Logifizierung der Marx-Lektüre nach sich, die sich zwar richtig gegen die bloß historische Lesart des Kapitals im Sinne von Friedrich Engels »einfacher Warenproduktion« richtete, im endlich denkenden Subjekt, das seine Subjektivität und Verantwortung in ein Überindividuelles verschiebt und dieses als solches dadurch überhaupt erst hervorbringt, aber ebenso wenig wie diese etwas Konstitutives erblicken wollte.
Gegen die Neue Marx-Lektüre und ihre Verabsolutierung der »dialektischen Logik« gewandt, besteht Dahlmann jedoch erkenntniskritisch darauf, dass die Reproduktion der Wirklichkeit im Denken nicht voraussetzungslos zu haben ist und dass es insbesondere dort, wo es um die Darstellung der objektiven Logik des Kapitals geht, unzulässig ist, davon zu abstrahieren, dass die »Waren nicht allein zu Markte gehen können« (Marx). Widersprüche – auch dialektische – bewegen aus sich selbst heraus gar nichts; dies setzt immer ein individuiertes Subjekt voraus, das die Reproduktion des Ganzen »will« (oder bei Strafe des Untergangs und aus nackter Existenzangst: wollen muss) und zu seiner Sache macht.
Vom Hegelmarxismus der Neuen Marx-Lektüre war es nurmehr ein kleiner Schritt bis zur rückhaltlosen Logifizierung und Reinigung der marxschen Kritik. Mit Manfred Dahlmann kann pars pro toto hierfür Frank Engsters seinslogische Interpretationen des Geldes als »Maß, Mittel und Methode« stehen. Zunächst isoliert Engster die Logik aus dem Hegelschen System unter Abspaltung der gesamten Realphilosophie, um parallel dazu von der marxschen Kritik der hegelschen Philosophie, der deutschen Ideologie und des Staates abzusehen und die Kritik der politischen Ökonomie auf die reine Logik der Wertformanalyse zu reduzieren. Das aber nur, um anstelle des von Marx lediglich ironisierend und in polemischer Absicht so genannten »automatischen Subjekts« Kapital, sodann ein spirituelles Geld-Subjekt zu erzeugen, das, einem schwarzen Loch gleich, mit dem Subjekt, der Geschichte und der Natur, alles Sichtbare, Lebendige und einzelne verschlingt und so die »zeitlose Zeit« des reinen Seins der Logik konstituieren soll, von der Heidegger in Sein und Zeit nur träumen konnte. Die notwendige, gewissermaßen transzendentallogische Voraussetzung der Kritik, dass das empirische Subjekt für jede Bewegung der gesellschaftlichen Formen konstitutiv ist, wird durch die so gestaltete All-Einheit des Geldes, von dem und für den sich der Prozess einzig und allein bestimmt, zunichte gemacht. Als Pointe ließe sich der Kritik Dahlmanns noch anfügen, dass die deutsche Seinsphilosophie auf diesem Wege vom nationalsozialistischen Ausnahmezustand, in dem der Wert sich nicht mehr verwertet, in die Nachwelt des Postnazismus und die Normalität eines prosperierenden Weltmarkts auf der Höhe der chinesischen »Anwendung des Wertgesetzes« überführt wird.
Das unbezweifelbare Verdienst von Engster besteht demnach darin, die vorliegende Kritik provoziert zu haben, die es Manfred Dahlmann ermöglichte, seine Überlegungen zur Kritik der Neuen Marx-Lektüre aus Freiheit und Souveränität (2013), zur Kritik der Postmoderne aus Das Rätsel der Macht (2018) und zur Kritik des Autarkiewahns aus Das Rätsel des Kapitals (2020) engzuführen.
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