Die, die 1972 dabei waren, bekommen noch heute glänzende Augen, wenn sie von den Olympischen Spielen und der einmaligen Atmosphäre von damals erzählen. Leichtigkeit und Lebensfreude wichen aber jäh einem abgrundtiefen Entsetzen angesichts des Attentats auf die israelische Mannschaft. Unvergesslich sind diese Spiele bis heute geblieben.
Während nach den Spielen der Olympiapark mit seinem atemberaubenden Dach schnell zu einem Wahrzeichen der Stadt wurde, fiel das Dorf in der Öffentlichkeit für Jahre in einen Dornröschenschlaf. Erst in den letzten Jahren ist das Interesse an dieser eigenen kleinen Welt wieder gestiegen, nicht zuletzt durch Stadtführungen, die hier regelmäßig stattfinden.
19 Superlative und 72 Geheimnisse rund um die Olympischen Spiele in München vereint Cornelia Ziegler in ihrem Buch. Sie erzählt von Waldi, dem ersten Olympia-Maskottchen der Geschichte, vom Dackellauf durch die Fußgängerzone, von der Straße der Symbole im Olympischen Dorf oder dem japanischen Garten mit aufgehender Sonne, der zwar an prominenter Stelle liegt, aber doch meist übersehen wird.
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23.06.2022
Buch (Paperback)
Olymp der Freude - ein zeitloser Beitrag zu Münchner Gschichtn
Gerade denjenigen, die meinten, München in und auswendig zu kennen, lege ich dieses Buch ans Herz. Vielleicht auch als Einstieg in ein neues «Hinschauen». Wer nur 10 der 72 von der Autorin dort in launischer Spaziergängerstimmung fast nebensächlich gelüfteten Geheimnisse in dieser «Olympiastadt für die Westentasche» schon kannte, der kann sich wirklich als Kenner seiner Heimat fühlen. Die Autorin, Cornelia Ziegler, eine scheinbar passionierte Stadtentdeckerin hat akribisch Details und Hintergründe zusammengetragen, die mir in Buchform – noch dazu in einem Einsteck- und Mitnehmformat - noch nirgendwo in dieser gut lesbaren Art untergekommen sind, selbst nicht in den Stadtteilbüchern des Süddeutschen Verlages.
Es geht ihr scheinbar nicht um Fakten allein, sondern um eine Sichtweise, eine Schule der erweiterten Wahrnehmung des «Phänomens Olympia 72». Wer die Quellen geflissentlich prüfen wollte, wird feststellen, dass vieles als Teil der Zeitgeschichte heute schon Geschichte und nur überliefert aber nirgendwo veröffentlicht oder niedergeschrieben wurde. Es wurde vielleicht nebenbei in Festvorträgen, Biografien und Zeitungsartikeln erwähnt, die sich dem Normalbürgertum der Stadt allein aufgrund der fehlenden Stunden entziehen, die es nicht in die Literatur- und Geschichtsrecherche stecken kann. Genau das hat die Autorin anscheinend nicht nur zum Hobby, sondern zu ihrer Arbeit erkoren: anderen die Augen für Details und Aspekte zu öffnen, die man sonst einfach übersehen würde. Ob sich damit Geld verdienen lässt? Solange sie solche Bücher daraus schreibt, die unter jedem Christbaum derer, die schon alles zu haben scheinen, noch eine Krönung darstellen, mach ich mir um sie keine Sorgen.
Gut, der handlichen Grösse sei es geschuldet, für weitsichtige Augen ist der Lesearm je nach Tagesform und -licht fast zu kurz und das Schriftbild dürfte der Verlag ein wenig kontrastreicher drucken. Vielleicht gehört es aber auch zum Kult der Eingeweihten, die an diesen Geheimnissen teilhaben dürfen, dass nicht ein zufällig nebenstehender Nachbar in der U-Bahn durch alleiniges Über-die-Schulter-Schauen schon den Inhalt selbst erfassen können soll.
Wer seine Welt intensiver anschauen und entdecken will, kann als Münchner Gewächs im Umfeld der U- und S-Bahn damit anfangen und mit Hilfe dieser Fibel im Olympiagelände den Humus zum wirklichen Wurzel schlagen finden. Es bleibt zu wünschen, dass es für die unzähligen internationalen Freunde unserer Residenzstadt München auch in anderen Sprachen, zuallererst auch in italienischer, englischer, japanischer und chinesischer Sprache erscheint.
Aufgrund seiner Aufmachung kann man es jederzeit auch nur für Minuten der Pause zur Hand nehmen, ein Geheimnis überdenken und wieder weglegen. Seit fünfzig Jahren ist es nicht altmodisch geworden, warum sollte es nicht noch im nächsten Jahrhundert aktuell sein. Meines Erachtens war die dem Geburtsjahr des Anlasses geschuldete Beschränkung des Umfangs eine Einschränkung der Erzählfreude dieses leidenschaftlichen Bekenntnisses für diese Stadt in der Stadt. Es gibt bestimmt noch etwas, das sie uns noch nicht verraten hat, die Geheimniskrämerin Cornelia Ziegler. Deshalb freue ich mich auf noch weitere Inhalte und Beiträge derer, die München von Alters wegen schon intim erkannten und deren Einsendungen an den Verlag vielleicht noch weitere Neuauflagen dieses ansonsten jetzt schon zeitlos wertvollen Beitrags zu Bücherschrank und Gabentisch rechtfertigen würden. Denn der 60. Geburtstag dieses typisch münchnerischen «Olymps der Freude» kann damit gut vorbereitet werden.
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