Der Seefahrer Edmond Dantes fällt kurz vor seiner Hochzeit einer Intrige zum Opfer und wird zu lebenslanger Haft verurteilt. Nach 14 Jahren gelingt ihm die Flucht aus dem Gefängnis. Auf der Insel Monte Christo hebt er einen Schatz, von dem ihm ein Mitgefangener erzählt hat. Als wohlhabender Graf kehrt Dantes nach Paris zurück, um sich an den Feinden von damals auf raffinierte Weise zu rächen ... Die ergreifende Verfilmung des Klassikers von Alexandre Dumas mit Richard Chamberlain in der Hauptrolle. Richard Chamberlain betört als stilvoller Rächer - in weiteren Rollen Trevor Howard, Louis Jourdan und Tony Curtis. Presse:- "Sorgfältige Neuverfilmung des bekannten Abenteuerromans von Alexandre Dumas über einen unschuldig eingekerkerten Seemann, der sich nach seiner Flucht auf raffinierte Weise rächt. Spannende Unterhaltung im 'alten Stil' mit wunderschönen Bildern, sorgfältiger Ausstattung und guten Darstellern." (Lexikon des internationalen Films)
Kundinnen und Kunden meinen
3.0/5.0
Bewertung
aus Hamburg
3/5
02.03.2023
BluRay (Blu-ray)
„Darf denn ein Racheengel um Verzeihung bitten?“
In den siebziger Jahren war Hauptdarsteller Richard Chamberlain geradezu abonniert auf Verfilmungen der Werke von Alexandre Dumas. So glänzte er zweimal als Musketier Aramis und spielte eine Doppelrolle in „Der Mann mit der Eisernen Maske“. In „Der Graf von Monte Christo“ verschlägt es ihn erneut nach Frankreich, diesmal jedoch ins frühe 19. Jahrhundert, kurz nach der Verbannung von Kaiser Napoleon.
Die 1975 gedrehte Verfilmung der vielfach adaptierten Rachegeschichte gilt überwiegend als gelungen, traf damals aber nicht den Zeitgeist: Trotz Starbesetzung lief sie in den USA nicht einmal im Kino.
Freunden der Romanvorlage gefällt zumeist, dass die Umsetzung trotz ihrer kompakten Länge recht werkgetreu bleibt. Allerdings kann man einwenden, dass hier letztlich doch zu viel Stoff in die kurze Laufzeit gepresst wurde. Nebenfiguren wie Noirtier oder Valentine de Villefort haben nurmehr kurze Gastauftritte und tragen kaum etwas zur Handlung bei. Dumas’ Vorlage setzte eher auf melodramatische Wendungen und Mystery als auf krachende Action, doch wie in den meisten Verfilmungen gibt es auch hier am Ende ein Fechtduell des Grafen gegen den Fiesling Mondego. Diese letzte große Abrechnung war im Script sicherlich als Höhepunkt gedacht, doch gerät die Choreographie seltsam statisch. Die flehentliche Bitte von Umstehenden, die Duellanten mögen bitte aufhören, wirkt da fast wie ein ungewollter Kommentar zur betulichen Inszenierung.
Bei der Besetzung der Hauptrollen gibt es eine seltsame Schieflage: Drei der vier Verschwörer – Mondego (Tony Curtis), Danglars (Donald Pleasance) und de Villefort (Louis Jourdan) – sind mit Schauspielern besetzt, die deutlich älter wirken als ihr Gegenüber Chamberlain, und das, obwohl die Figuren auch hier zur annähernd gleichen Generation gehören sollen. Vor allem Curtis, in Hollywood ehedem auf die Rolle des schönen Helden abonniert, wirkt fehlbesetzt, wenn er hüftsteif Dantès‘ schneidigen Rivalen mimt und sich an dessen Verlobte Mercédès heranmacht.
Dagegen gelingt Chamberlain in der Hauptrolle nicht nur dank der Maskenbildner mühelos die Verwandlung vom lebensfrohen jungen Mann zum abgestumpften Kerkerinsassen und schließlich zum beherrschten und unnahbaren Oligarchen und Rächer. Neben ihm trägt insbesondere Kate Nelligan den Film. Obwohl die Darstellerin der Mercédès nicht gerade viele Szenen hat, entwickelt sie darin reichlich charakterliche Facetten: Die um ihre Jugendliebe betrogene und innerlich verwundete Frau zeigt sich hier angesichts der Bedrohung ihrer Familie auch als kraftvolle Kämpferin, die sich dem Grafen entgegenstellt und dessen vermeintliche moralische Überlegenheit niederreißt.
Die von Filmjuwelen vorgelegte Blu-ray entspricht mit 103 Minuten Lauflänge der Uralt-DVD, die Eurovideo 2002 veröffentlichte. Das ist jedoch enttäuschend, denn eine im britischen TV ausgestrahlte, rund 15 Minuten längere Schnittfassung, enthielt zusätzliche Szenen, die auch unsynchronisiert willkommen gewesen wären. Die deutsche Tonspur nervt ohnehin, wann immer die Hauptfigur beim Namen genannt wird, denn aus unerfindlichen Gründen wird dieser nicht französisch ausgesprochen sondern gnadenlos eingedeutscht.
Beim Blick auf die Bildqualität der Blu-ray stellt sich während des Titelvorspanns zunächst Ernüchterung ein: Deutlich zeichnen sich vor fahlem Himmelshintergrund Artefakte, Verschmutzungen und Altersspuren des Filmmaterials ab: Restauriert wurde hier nicht. Danach bessert sich das Bild, bleibt jedoch etwas wechselhaft. Hell ausgeleuchtete Innenaufnahmen und Naheinstellungen auf Gesichter wirken meist detailreich, Zoomschwenks fallen mitunter deutlich ab. Gegenüber der vormaligen DVD gibt es generell einen Zugewinn an Schärfe, ansonsten zeigt sich ein Mehrwert auch an den Bildrändern, wo der Scan etwas mehr vom ursprünglichen 35-mm-Filmformat erfasst hat.
Nennenswertes Bonusmaterial enthält der Silberling nicht, doch hat man sich beim Label Filmjuwelen um Ausgleich bemüht und ganz altmodisch ein 28-seitiges Booklet mit vielen Hintergrundinformationen beigelegt. Hier erfährt der Käufer also ein kleines Happy End, und das ist mehr als den Filmfiguren im tieftraurigen Finale vergönnt ist.
Kurze Frage zu unserer Seite
Vielen Dank für Ihr Feedback
Wir nutzen Ihr Feedback, um unsere Produktseiten zu verbessern. Bitte haben Sie Verständnis, dass wir Ihnen keine Rückmeldung geben können. Falls Sie Kontakt mit uns aufnehmen möchten, können Sie sich aber gerne an unseren Kund*innenservice wenden.