Eine unerwiderte Liebe, die seit 20 Jahren besteht! Milli ist, seit sie denken kann, heimlich in ihren Freund, Paul verliebt. Als Pauls Frau verstirbt, würde Milli am liebsten für ihn da sein, doch Paul zieht sich zurück. Um trotzdem eine Unterstützung für Paul zu sein, schreibt Milli ihm ein Jahr lang jeden Tag einen Brief, der ihn trösten soll. Wird Milli es mit ihren Worten schaffen, ihm näher zu kommen?-
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Balsam für die Seele
Bewertung am 03.11.2017
Bewertungsnummer: 403592
Bewertet: Buch (Taschenbuch)
Dieses wunderschöne, zarte Buch muss schon seit 2014 auf meinem e-reader seinen Dornröschenschlaf gehalten haben, denn damals habe ich es vom Verlag zugeschickt bekommen. Dass ich dieses Buch noch nicht gelesen habe, zeigt einmal mehr auf, wie wichtig Cover und Klappentexte sind. Dieses Buch hat zwischen dem Paperback und dem Taschenbuch sogar noch sein Cover gewechselt, aber wirklich angesprochen haben mich beide nicht. Das Cover des Paperbacks ist mir persönlich zu nichtssagend und für den Inhalt des Buches zu kräftig bunt gestaltet, das Cover des Taschenbuchs trifft es schon eher, kam mir aber trotzdem zu kitschig rüber. Und dann der erste Satz des Klappentextes: „Seit 20 Jahren ist die Heilpraktikerin Milli Gruber heimlich in den Arzt Paul verliebt, mit dem sie eine tiefe Freundschaft verbindet.“Danach habe ich gedacht, dass der Roman ein schrecklich kitschiger Liebesroman mit vorhersehbarem Ende sei. Hätte ich mal damals schon den Klappentext des Hörbuches gelesen, denn der trifft das, was das Buch ausmacht, viel genauer. Doch zum Glück hat mich eine Blogger-Freundin dazu angeregt ihrem Beispiel zu folgen und wenigstens einmal im Monat ein Buch zu lesen, was schon lange auf seinen Einsatz wartet. Und da ich in diesem Jahr bereits das neue Buch der Autorin Julia Fischer „Die Galerie der Düfte“ verschlungen habe, hat dieses Buch jetzt endlich seine Chance bekommen.
Millicent Gruber ist eine eigenwillige Frau. Sie hat die Gabe zu heilen. Und sie hat das Glück, dass sie von ihrer Familie eine wunderschöne Jugendstilvilla geerbt hat, die in einem verwunschenen Garten in Gräfelfink bei München liegt. Dort lebt sie zufrieden mit ihren beiden Katzen. Als Heilpraktikerin ist sie sehr erfolgreich, doch sie versucht ihre Gabe nicht zu sehr an die große Glocke zu hängen. Trotzdem ist der Arzt Paul Ebner auf sie aufmerksam geworden. Und so verabreden die beiden sich, um sich fachlich auszutauschen. Daraus ist eine tiefe Freundschaft entstanden, und die beiden treffen sich regelmäßig mittwochs im Café auf eine Sachertorte. Doch dann kommt Pauls Ehefrau Emma bei einem grauenvollen Verkehrsunfall ums Leben und Paul zieht sich komplett in seine Trauer zurück. Milli, die selber vor knapp 30 Jahren ebenfalls durch einen furchtbaren Unfall einen schrecklichen Verlust erlitten hat, weiß wie schlimm sich die Trauerphase gestaltet. Sie will ihrem Freund helfen, aber nicht aufdringlich sein. Und so schreibt sie ihm in dem ersten Jahr nach dem Unfall jeden Tag einen Brief auf blauem Papier.
Julia Fischer hat eine Gabe, wunderbar mit Worten umgehen zu können. Ihr Roman ist Balsam für die Seele. Kapitel für Kapitel lernen wir Milli und Paul immer näher kennen. Wir verfolgen die beiden nicht nur in diesem Trauerjahr, sondern gehen auch in der Geschichte zurück. So lernen wir Millis Familie und ihr tragisches Schicksal ebenso kennen, wie Pauls schwierige Beziehung zu seinem strengen Vater. Und es gibt auch noch einige Nebenpersonen, die für die Handlung wichtig sind. Es ist ein ruhiger Roman, in den die Autorin ganz viel Weisheit über die Phasen des Trauerns, wie auch über Naturheilkunde und den Umgang mit alten Menschen, die sich immer weiter in Demenz verlieren, verpackt. Obwohl diese Geschichte einige sehr traurige Aspekte des Lebens beinhaltet, ist das Buch nicht traurig, sondern es macht Mut, sich den Widrigkeiten zu stellen. Besonders gut gefällt mir an dieser Geschichte dann auch noch, dass Milli bereits Ende Vierzig und Paul sogar schon Ende Fünfzig sind. Und beide sind nicht unbedingt die super attraktiven Hingucker, sondern ganz normale Menschen, die uns vielleicht gar nicht auffallen würden, wenn wir ihnen im wirklichen Leben begegnen würde. So eine Frau wie Milli hätte ich gerne als Freundin.
Ein wunderbarer Roman über Trauer und die Weisheit, die hinter der Trauer steckt. Ein weises und Mut machendes Buch in einer wunderbaren Sprache.
Sehnsucht auf blauem Papier (Hörbuchversion)
orfe1975 am 20.11.2015
Bewertungsnummer: 898114
Bewertet: Buch (Taschenbuch)
Cover:
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Das Cover zeigt gefaltete Origami-Kraniche auf blauem (Brief)Papier, das eine zentrale Rolle in diesem Roman einnimmt. Dies wirkt liebevoll und ein bisschen altmodisch und passt damit hervorragend zu dieser Geschichte.
Inhalt:
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Millicent, auch Milli genannt, ist Heilpraktikerin, wohnt mit ihren zwei Katzen und praktiziert in einer alten Villa in München. Sie ist ganz anders als andere: sie sieht Menschen in Farben (Energien), spricht mit ihrem Haus, spürt der Energie der Natur nach und kümmert sich gerne um andere Menschen. Paul ist ein Freund von ihr, er ist Arzt und praktiziert in ihrer Nähe. Als Pauls Frau plötzlich stirbt und dieser in tiefe Trauer fällt, schreibt Milli ihm regelmäßig Briefe auf blauem Papier, um so auf ihre Art für ihn da zu sein.
Mein Eindruck:
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Ich rezensiere das Hörbuch, somit ist ganz klar, dass die Stimme des Vorlesers auch sehr wichtig ist. Gelesen wird das Buch von der Autorin Julia Fischer selbst. Mir war ihre Stimme von Anfang an sehr angenehm aufgefallen. Sie schafft es, dass man gleich in Millis Welt eintaucht und daraus nie mehr auftauchen möchte. Ich habe extra versucht, mir die 5 CDs nicht am Stück anzuhören, um länger etwas von allem zu haben.
Das Fesselnde ist neben der Stimme aber natürlich auch die wunderschöne Geschichte. Das Besondere an ihr ist, dass es zwar eine Handlung gibt, wichtiger aber sind die vielen Gedanken, Gefühle von Milli und Paul sowie die kleinen Gespräche, die mit anderen Menschen geführt werden. So kümmert sich Milli beispielsweise rührend um Marie "Rehlein", ein Mädchen, dessen Mutter viel arbeiten muss und kaum Zeit hat. Marie und Milli lesen viel gemeinsam und führen zuweilen sehr philosophische Gespräche über das Leben.
Dann ist hier der Aspekt der Trauerbewältigung sehr gefühlvoll aufbereitet. Milli hat als junges Mädchen ihre Eltern verloren, sie weiß daher, wie sich so ein schwerer Verlust anfühlt und wie man es schaffen kann, trotzdem weiterzumachen. Diese Erfahrung lässt sie in die Briefe mit Paul geschickt einfließen, ohne ihr eigenes Schicksal dabei zu erwähnen. Es geht mehr um Verständnis, Gedanken, wie Paul weiter vorgehen könnte, ohne dabei belehrend zu sein oder ihm Ratschläge erteilen zu wollen. Sie ist in ihren Briefen einfach für ihn da. Anfangs liest Paul die Briefe nicht, sondern sammelt sie, später liest er sie, beantwortet sie aber nicht. Viel zu gefangen ist er in seiner Trauer. Erst später soll er um ihre Bedeutung merken. Die Briefe haben einen nicht unbedeutenden Anteil an der Weiterentwicklung, die Paul vollzieht.
Neben der Trauer um seine Frau muss Paul sich auch um seinen dementen Vater kümmern, der ihn zeitweise nicht erkennt. Aber Paul merkt auch, dass er dadurch noch einmal die Chance erhält, seinem Vater erstmals wirklich nahezukommen.
Milli bedeutet Paul sehr viel. Es ist eine Art von Liebe, die man nicht so richtig greifen kann. Greifbar ist dagegen der viel zu gut aussehende Markus, der plötzlich in ihr Leben tritt und ihr den Kopf verdreht. Milli ist hin und weg. Aber wie wird es enden?
Dies ist eine besondere Art von Liebesgeschichte, die schwer ist, eindeutig zu beschreiben, da sie so vielschichtig ist. Es werden so viele Aspekte des Lebens beleuchtet, die schwer alle genannt werden können. Für jeden ist etwas dabei: Trauerbewältigung, Liebe, Zuneigung, Demenz, alternative Heilmethoden gepaart mit einem Hauch Esoterik, Philosophie und schließlich eine sehr feine, subtile Art von Humor, die diesem Hörvergnügen das Sahnehäubchen aufsetzt.
Fazit:
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Vielschichtige Liebes- und Lebensgeschichte, wunderschön und nachvollziehbar erzählt, wirkt noch lange in einem nach.
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