Ein flirrender Sommerroman an der englischen Küste von der großen Erzählerin Jane Gardam Es ist Sommer, und Margaret ist acht und schwer genervt: Der frischgeborene Bruder ist hässlich und schreit, die Mutter hat sich in ein träge stillendes Wesen verwandelt, der Vater predigt gegen die Verderbtheit der Welt. Einmal in der Woche kann Margaret der Langeweile zu Hause entfliehen: Mittwoch ist Ausflugstag mit Lydia, dem neuen Hausmädchen, die mit ihrer selbstbewussten Körperlichkeit und handfesten Sprache in diese Familie platzt und als einzige Erwachsene wirklich zu wissen scheint, was sie will − Spaß. Ihre Anwesenheit eröffnet nicht nur Margaret eine neue Welt, sie bringt das bigotte familiäre System aus dem Gleichgewicht, und am Ende dieses Sommers wird nichts mehr so sein, wie es schien. Brillant und unterhaltsam gelesen von Schauspielerin Leslie Malton.
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Leise, treffend und ein großer Spaß
Sursulapitschi am 02.05.2022
Bewertungsnummer: 1705363
Bewertet: Hörbuch-Download
Dieses Buch ist hinterhältig. Es schleicht sich an und gibt vor, lustig zu sein, lullt den Leser ein, der dann kaum bemerkt, dass das dicke Ende ein dickes Ende war. Ich habe den letzten Teil zweimal gehört, bis ich glauben konnte, was ich da hörte.
Auf den ersten Blick ist es ein großer Spaß. Wir sind in England, wild romantisch an der Küste, man geht zum Strand und legt das Korsett ab, wenn keiner guckt. Lydia meinte, das große Los gezogen zu haben, als sie die Anstellung als Mädchen im respektablen Haushalt der Familie March bekam.
„Er und seine Frau gehörten den Primal Saints an und sie verbrachten den Großteil ihrer freien Zeit in der Primal Hall in der Turner Street, einer wirklich unangenehmen Straße in Pflaume, Sandstein und Stille.“
Was köstliche Formulierung, denkt man, aber die Autorin hat gerade erst Luft geholt.
„Zweimal am Sonntag und an einem Abend in der Woche erhob March sein vorsichtiges kleines Gesicht zu seinem Gott und die unwahrscheinliche Lautstärke seiner Gebete erstickte jedes Geräusch, das vom Imbiss oder der Kneipe um die Ecke kam. Keine leere Pommestüte wage es, sich durch die Turner Street entlangwehen zu lassen, wenn March für diejenigen betete, die lieber Pommes essend am Geländer lehnten, als über die Ewigkeit nachzudenken.“
Da kann man doch nur noch vor Ehrfurcht erschauern.
Mit sanfter Ironie und nur ein klein wenig despektierlich seziert Jane Gardam eine Gesellschaft, malt ein treffendes Sittenbild, kreiert Typen, die originell und trotzdem so typisch sind. Es geht um Standesdünkel, Bigotterie, die englische Gesellschaft, die geheiligte Teatime und die Ignoranz von Erwachsenen, die so mit ihren Angelegenheiten beschäftigt sind, dass sie vergessen, nach den Kindern zu sehen.
Dieses Buch ist große Kunst ohne Wortakrobatik, ohne Pomp, ohne Kitsch, schlicht, elegant, ein klein wenig böse und dabei durch und durch liebevoll.
Das Hörbuch wird von Leslie Malton engagiert gelesen, man sollte nur das Tempo ein klein wenig anziehen. Es dauert 6 Stunden, 15 Minuten.
Sommerbuch
Tany Bee am 08.06.2022
Bewertungsnummer: 1726357
Bewertet: Hörbuch-Download
Sommer in England, zwischen den Weltkriegen. Die 8-jährige Margaret wächst mit einem streng religiösen Vater auf und jetzt hat sie auch noch einen kleinen Bruder bekommen, der die Mutter in Beschlag nimmt. Doch durch einen Zufall bekommt die Familie ein Hausmädchen, Lydia, die so gar nicht zu den Werten der Familie passt. Margaret darf jeden Mittwoch einen Ausflug mit ihr machen und ohne es zu wissen wirbelt sie dabei einige Familiengeheimnisse auf.
Jane Gardam schreibt einfach so schöne Geschichten mit herrlichen Figuren. Man kann eintauchen in diese kleine Welt und gerade wenn man gedacht hat, man glaubt die Personen zu kennen, überraschen sie einen doch wieder. Außerdem liebe ich den feinen Humor der Autorin. Es ist kein Humor zum laut lachen, sondern eher einer, der einem ein Lächeln auf das Gesicht zaubert.
Das Buch ist im Original 1978 erschienen und trotzdem ist es kein bisschen angestaubt oder altmodisch. Es hat einen gewissen altmodischen Charme, aber die Botschaft der Geschichte ist doch sehr modern.
Zur Hörbuch-Fassung: Leslie Malton liest im Allgemeinen sehr schön und angenehm. Aber sie verleiht einigen Personen eine Stimme, die sie unangenehmer erscheinen lässt, als es beim Lesen des Buches der Fall gewesen wäre. Vor allem Lydia, das Hausmädchen ist mir da aufgefallen. Ich glaube, ich hätte sie beim Lesen mehr gemocht. Das ist aber nur ein kleiner Wermutstropfen. Ansonsten ist das Buch aber wie dafür gemacht, als Hörbuch gehört zu werden. Es hat mir sehr vergnügliche Stunden bereitet.
Egal ob als Buch oder Hörbuch: Mädchen auf den Felsen ist ein kurzweiliges Lesevergnügen. Ein schönes Buch für den Urlaub, wenn man auf der Suche nach einer leichten (aber nicht seichten) Geschichte ist.
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