Anders als der Titel vermuten lässt, ist der einzige Rat, den Virginia Woolf hier gibt, der, keine Ratschläge zu geben. Ihr Essay über das Lesen ist heute noch so aktuell wie bei seinem Erscheinen vor knapp hundert Jahren. Die Autorin bietet keine Anleitung, sondern lädt dazu ein, das »Chaos« im eigenen Bücherregal, in Bibliotheken und Buchhandlungen neugierig zu erkunden. Wie gelingt es, in dieser Büchermenge nicht zu versinken? Wieso lässt man sich besser keine Lektüre vorschreiben? Und warum sollten Lesende sich zu Komplizen der Schreibenden machen, wenn sie ein Buch zur Hand nehmen? Virginia Woolfs Leser verschlingen Klassiker oder Vergessenes, Lyrik oder Dramen, vor allem aber: Sie lesen eigenständig und widerständig. Ihr Essay ist ein leidenschaftliches Plädoyer für die Kraft des geschriebenen und gelesenen Wortes, Vor- und Nachwort von Sheila Heti unterstreichen seine Aktualität.»Gott, der in seinem Himmel festsitzt, beneidet die menschlichen Leser - denn während sein Himmel ein Ort ist, führen Bücher an unzählige Orte. Den Lesern wird es nicht langweilig wie Gott.« Sheila Heti
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Lesen, lesen, lesen!
Endlose Seiten am 15.07.2023
Bewertungsnummer: 1980554
Bewertet: Buch (Taschenbuch)
Das Kampa-Pocket »Wie sollte man ein Buch lesen?« enthält sowohl den gleichnamigen Essay als auch »Die Literatur ist für alle da« von Virginia Woolf. Das Vor- und Nachwort stammen von der kanadischen Schriftstellerin Sheila Heti, die eine Brücke zwischen Woolf und der heutigen Zeit schlägt. Ich wollte dieses Buch lesen, weil ich mich für Virginia Woolf interessiere und weil ich alles, was ich bisher von oder über sie gelesen habe, sehr spannend fand.
»Eine Schattenform« – Vorwort von Sheila Heti:
In ihrem Vorwort schreibt Heti, dass das Buch zu den Lesenden als „Schattenform“ zurückkommt. Diesen Aspekt fand ich faszinierend, denn Heti gibt damit den Gedanken, die ich schon mal so ähnlich hatte, einen Namen. Heti erklärt verständlich, was sie mit der Form meint, wie sie entsteht und welchen Einfluss sie hat. Das Vorwort liefert einen gelungenen Einstieg in das Thema Lesen und bereitet auf die nachfolgenden Seiten von Virginia Woolf vor.
»Wie sollte man ein Buch lesen?« von Virginia Woolf:
Meiner Meinung nach ist diese Frage, die als Titel dient, genial, denn Woolf schreibt uns nicht vor, wie wir lesen sollen, sondern gibt Ratschläge und Empfehlungen, wie gelesen werden kann. Die wichtigste Lehre, die gezogen werden kann ist, dass man sich von niemandem sowohl beim Lesen als auch beim Schreiben etwas aufzwingen sollte. Darüber hinaus sollte man beim Lesen offen sein und versuchen, sich in die Person, die das Buch geschrieben hat, hineinzuversetzen. Besonders aufregend fand ich dabei, dass man beim Lesen sowohl die Momente des Lebens der Person, die das Buch verfasst hat, als auch seine eigenen, erlebt. Diese Erkenntnis hat mir irgendwie die Augen geöffnet und mich zum Grübeln gebracht.
»Die Literatur ist für alle da« von Virginia Woolf:
Genau wie der Titel davor ist auch dieser Titel extrem aussagekräftig. Wenn man dann den Abschnitt liest, merkt man, dass der Titel etwas kontrovers ist, denn Literatur sollte zwar für alle da sein, aber sie ist es nicht. Woolf bleibt zwar bei Frauen und Männern bzw. sie bezieht ihre Beispiele auf sie, aber man könnte diese Diskussion auch ausweiten. Diese Flexibilität verleiht dem Text große Bedeutung und macht ihn hochaktuell.
»Andere Leser*innen« – Nachwort von Sheila Heti:
Das Nachwort von Sheila Hati bildet das Schlusslicht und sorgt für einen runden Abschluss dieses Kampa-Pockets. Hier geht es darum, wie wichtig das Feedback für Personen ist, die ein Buch verfassen. Dabei geht Heti auf drei „Gruppen“ ein: (1) Freunde, Familie, Bekannte – also Personen, die einem nahestehen; (2) Lesende, die das Buch tatsächlich lesen und (3) Kritiker. In diesem Abschnitt merkt man deutlich, dass Hetis Meinung viele Schnittpunkte mit der von Virginia Woolf hat.
Fazit: Ich bin absolut begeistert und empfehle »Wie sollte man ein Buch lesen?« einfach allen, die gern lesen. Das Buch hat trotz der 112 Seiten, eine sehr große Aussagekraft und regt zum Nachdenken an. Lesen, lesen, lesen!
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