Nur wenige Stunden nach seiner Abfahrt entgleist der Zug, in dem Wild Bill Hickok gerade das Weite sucht. Die anderen Überlebenden ahnen nicht, dass die größte Gefahr der Eiswüste, in der sie gestrandet sind, nicht Indianer, Wölfe oder der Frost sind. Es ist die Kavallerie der Vereinigten Staaten, angeführt vom größten Mistkerl, den der Westen je gesehen hat. Denn der hat sich geschworen, zurückzuholen, was Wild Bill gestohlen hat – und er ist bereit, dafür über Leichen zu gehen. Jean-Luc Istin, das Mastermind hinter Genre-Bestsellern wie »Elfen« und »Conquest«, lädt für seine neue Konzeptserie die besten Szenaristen und Zeichner Frankreichs ein, ihren Versionen der größten Legenden des Wilden Westens Leben einzuhauchen. Denn hinter jeder Legende steht ein Mensch. Und jeder Mensch hat eine Geschichte. Abgeschlossener Einzelband
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14.05.2023
Buch (Gebundene Ausgabe)
Wieder ein toller Band aus der »Western Legenden«-Reihe
In dem fünften Band der »Western Legenden«-Reihe vom Splitter Verlag geht es um Wild Bill Hickok (*27.05.1837; † 02.08.1876). Das kreative Trio, das an dem Comic gearbeitet hat, bestand aus Nicolas Jarry (Szenario), Laci (Zeichnungen) und J. Nanjan (Farben). Da ich bereits die ersten vier Bände aus der »Western Legenden«-Reihe gelesen habe und mein Interesse an ihr noch nicht abgeklungen ist, konnte ich mir den Comic über Wild Bill nicht entgehen lassen.
Cover
Was mir unter anderem an der »Western Legenden«-Reihe gefällt, ist die Covergestaltung, weil sie mit der Story verknüpft ist. Auf dem Cover ist Wild Bill zu sehen, der in der rechten Hand die Zügel seines Pferdes und in der linken ein Gewähr hält. Hinter ihm ist ein herannahender Zug zu sehen. Die vom Frost durchzogene Zugbrücke und der Schnee lassen unmissverständlich erkennen, dass die Geschichte im Winter spielt.
Wild Bill Hickok
Bevor ich näher auf den Comic eingehe, will ich einige Zeilen der realen Person Wild Bill widmen. Zunächst sollte man wissen, dass „Wild Bill“ ein Spitzname war und unser Revolverheld eigentlich James Butler Hickok hieß. Über die Entstehung des Spitznamens kursieren viele Legenden. Aber über eines ist man sich definitiv sicher, dass „Wild Bill“ seinen Spitznamen auch aufgrund seiner Schießfertigkeiten, die er bereits als Jugendlicher erworben hat, bekam. Hickoks Leben war sehr abwechslungsreich. Als er mit 18 Jahren sein Elternhaus verließ, kam er viel herum. Wild Bill wechselte oft nicht nur seine Wohnorte, sondern auch seine Jobs.
Interessant fand ich, dass Wild Bill eine Zeit lang mit Buffalo Bill zu tun hatte, um den es übrigens im vorigen Band dieser Comic-Reihe geht. Erwähnenswert ist noch, dass Wild Bill ein passionierter Pokerspieler war. Dies wurde ihm aber zum Verhängnis, denn er wurde in einer Siedlung namens Deadwood (South Dakota, USA) während eines Spiels erschossen. Das Blatt, dass er in diesem Moment in der Hand hielt, wird seitdem „Dead Man’s Hand“ genannt. Dies kommt in dem vorliegenden Comic zwar nicht vor, aber ich finde, das sollte man über Wild Bill wissen, wenn man schon ein Comic über ihn liest.
Story
Der Comic spielt im Jahr 1869, als der Zug, in dem Wild Bill Passagier ist, entgleist. Während der vier Kapitel, die der Comic beinhaltet, begleiten wir nicht nur Wild Bill und andere Überlebende des Zugunglücks, sondern werden Zeugen einer Verfolgungsjagd, die (wie in einem Western-Comic nicht anders zu erwarten) in eine spektakuläre Schießerei mündet.
Zu dem Zeitpunkt, an dem die Story spielt, eilt Wild Bills Ruf ihm voraus und hat Auswirkungen darauf, wie Menschen auf Wild Bill reagieren: Entweder sie begegnen ihm mit Respekt und halten Abstand oder sie sind hinter ihm her und wollen ihn tot sehen. Abgesehen davon, dass Wild Bill die Geschehnisse aus dem Off kommentiert, wird er als ein wortkarger Mann dargestellt. Er spricht immer nur das Nötigste bzw. er lässt oft seine Taten für sich sprechen.
Am unterhaltsamsten fand ich die Szene zwischen Wild Bill und dem Vertreter eines berühmten Waffenherstellers auf Seite 11. Es geht darum, dass der Vertreter Wild Bill eine Waffe schenken will. Im Gegenzug möchte er „ein schlichtes Foto und einen kurzen Artikel mit ein paar lobenden Worten [...]“ (S. 11). Wenn man die Situation im heutigen Kontext betrachtet, dann könnte man sagen, Wild Bill war einer der ersten Influencer :-D
Artwork
Die Zeichnungen von Laci (Sherlock Holmes, Magier) haben mir sehr gefallen. Vor allem die Szenen, in denen die winterliche Landschaft zu sehen ist, haben es mir angetan. Lacis Illustrationen ist es definitiv gelungen, eine bedrohliche Atmosphäre und Spannung zu erzeugen. Koloriert wurde das Ganze von J. Nanjan, der übrigens bereits an den beiden Bänden »Billy the Kid« und »Wyatt Earp« aus der »Western Legenden«-Reihe mitgearbeitet hat.
Fazit: Insgesamt hat mir »Western Legenden: Wild Bill Hickok« von Jarry, Laci & Nanjan sehr gefallen. Mein Haupt-Kritikpunkt betrifft eigentlich die ganze Reihe: In jedem Band geht es um einen männlichen Revolverhelden und ich finde es schade, dass berühmte Frauen aus dem Wilden Westen (z. B.: Calamity Jane, Sacajawea, Belle Starr) bis jetzt keinen eigenen Band bekommen haben.
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