Bestsellerautor und Friedenspreisträger Navid Kermani über Religion und den Sinn des Lebens – die Essenz seines Denkens und ein Aufruf zum Miteinander"Als er im Krankenhaus lag, sollte ich Opa versprechen, dich den Islam zu lehren, wenn er nicht mehr da ist, unseren Islam, den Islam, mit dem ich aufgewachsen bin." So beginnt ein Vater Abend für Abend seiner Tochter zu erzählen – nicht nur von seiner eigenen Religion, sondern von dem, was alle Gläubigen eint, von Gott und dem Tod, von der Liebe und der Unendlichkeit um uns herum. Dieses sehr persönliche Buch ist nicht nur Verzauberung und literarisches Meisterstück, sondern ein wahrer Erkenntnisgewinn, gerade weil Navid Kermani auch ins Dunkle zu schreiben wagt und damit seiner, unserer Ratlosigkeit einen Ausdruck gibt. Und weil seine Sprache, seine Offenheit, sein Wissen aus zwei Kulturen einzigartig sind, so hell und so tief.
Kundinnen und Kunden meinen
4.4/5.0
Bewertung
Book Circle Community
5/5
25.01.2026
Buch (Gebundene Ausgabe)
Fragen nach Gott
Dieser Untertitel beschreibt ziemlich genau den Inhalt dieses Buches, bei dem sich alles um Gott dreht. Zwar wird sehr viel vom Islam ausgehend betrachtet, aber schlussendlich ist es eine Reise durch Sprache, Tradition, Quantenphysik und letztendlich alle Religionen der Welt. Und alles gibt einen Anhaltspunkt dafür, was Gott sein kann. Für mich ein Buch, das man immer wieder lesen kann, weil es so viel zu entdecken gibt.
Das Buch ist als “Jugendbuch” kategorisiert. Dies mag daher kommen, dass Navid Kermani hier versucht, seiner 12-jährigen Tochter den Islam näher zu bringen. Dies war der Wunsch des verstorbenen Grossvaters. Oft stellt die Tochter etwas in Frage, das wieder beantwortet werden will. Und so - mögen manche behaupten - verliert sich das Buch etwas, aber genau das ist es, was ich daran mag: Es hat so viele Anhaltspunkte, Erklärungsversuche und Ideen, dass jedes erneute Lesen lohnt, weil man wieder etwas neues findet, über das man nachdenken kann.
Für all diejenigen, die ihren Horizont erweitern möchten, sich für Religionen, insbesondere den Islam, interessieren und die von da, wo sie sind, eben einen Schritt näher kommen möchten. (:
Bewertung
5/5
22.04.2023
Buch (Gebundene Ausgabe)
Neues Buch vom Träger des Friedenspreises des Dten. Buchhandels
Kermanis neues Buch ist schön, poetisch und sehr persönlich.
Ähnlich wie Jostein Gaarder in "Sophies Welt" ein Mädchen in der Philosophie unterweist, entfaltet Kermani im Dialog mit seiner 12-jährien Tochter die Facetten seines persönlichen Glaubens, seines Islam.
Der habilitierte Orientalist fügt dieser persönlichen auch eine religionswissenschaftliche Ebene hinzu und leitet kenntnisreich aus den aufgezeigen Gemeinsamkeiten der Weltreligionen seinen Appell zum Dialog ab.
Am beeindruckendsten bleiben für mich jedoch die persönlichen Einsichten und Lebensweisheiten, die Kermani aus seiner Beziehung zu Gott gewinnt. Doch überlässt er es seinen Lesern, ihm in dieser Frage zu folgen und der bildende Mehrwert des Buches bleibt davon unberührt.
Daniela Heinen
aus Sankt Augustin
5/5
27.06.2022
Buch (Gebundene Ausgabe)
Ein sehr interessantes Buch zum Thema Glauben
Dieses Buch finde ich so interessant, dass ich bereits zweimal gelesen und auch als Hörbuch gehört habe.
Ein Vater, Ich-Erzähler dieses Buches, erzählt jeden Abend seiner Tochter vom Islam, aber auch allgemein von Glauben, Spiritualität, Gott, dem Tod, der Unendlichkeit usw. Er klammert dabei nichts aus und seine Gedanken zu diesen Themen finde ich wirklich sehr spannend und auch berührend.
Besonders gut gefällt mir, dass er zwar hauptsächlich versucht, den Lesern und seiner Tochter den Islam näher zu bringen, dabei aber die anderen Religionen nicht ausblendet bzw. immer wieder deutlich macht, was uns alle eint, egal an welchen Gott wir glauben oder welche Religion wir ausüben.
Er macht schon mit seinem Titel klar, dass es völlig egal ist, an wen oder was wir glauben, sondern dass es einfach wichtig ist, aufeinander zuzugehen und einander einfach zu akzeptieren. Diese Botschaft gefällt mir sehr gut.
Ich mag den Schreibstil des Autors sehr. Er ist nicht irgendwie hochtrabend oder rein sachlich, sondern eher einfach gehalten, so dass es nicht schwer fällt, ihm zu folgen. Dazu passt gut, dass es schon ab 14 Jahre empfohlen ist. Durch seinen Stil hat man auch nie das Gefühl, ein zu theoretisches Sachbuch zu lesen.
Die Rahmenhandlung - also dass er alles eigentlich seiner Tochter erzählt - ist eher unwichtig. Sie hilft aber, um die richtige Basis für die Erzählweise des Autors zu schaffen.
Es ist ein Buch, dass mich abgeholt und mich zum Nachdenken angeregt hat. Und auch das Hörbuch dazu ist wirklich klasse und gut zu hören.
Bewertung
5/5
09.05.2022
Buch (Gebundene Ausgabe)
Ist es ein Buch, das den Islam...
Ist es ein Buch, das den Islam erklärt? Auf den ersten Blick- ja. Aber es ist auch die Suche nach dem Göttlichen, dem wundervollen Funken, der auf unterschiedliche Art und Weise in jeder Religion und auch dem wissenschaftlichen Denken zu finden ist. Inspirierend
Juti
aus HD
5/5
26.04.2022
Buch (Gebundene Ausgabe)
Einführung in die Theologie…
Einführung in die Theologie Was wie ein Sachbuch klingt, wird dank der Kunst des Autors zu großen Literatur. Kermani erklärt seiner Tochter seine Religion mit sehr viel Witz. Er weist aber auf den Irrtum hin, dass die Theologie nur die Erklärung, nicht die Religion sei (vgl.66). Zunächst behandelt er unterschiedliche Gottesbilder, sei es die große Unendlichkeit im Weltall oder die kleine in der Quantenphysik, sei es sein Wirken in der Natur, bis hin zur Vorsicht mancher Sufis keine Ameise zu zertreten, sei es der Atem der uns lebendig macht. „ ‚Geist‘ oder ‚Atem‘ wäre[..] eine Umschreibung von Gott“ (19). In anderen Sprachen wird nämlich zwischen Geist und Atem nicht getrennt. Kermani erklärt den Islam, der anstatt vom Bekenntnis lieber vom Zeugnis spricht und auf fünf Säulen beruht: die Einheit Gottes, das Prophetentum, die Vernunft, die Gerechtigkeit und dem Auferstehungsglauben. Glaube sei Dankbarkeit (192). Er würzt seine Erklärungen mit zahlreichen Anekdoten, die titelgebende ist oft zitiert. Ich erinnere daher an den Rabbi, zu dem zwei streitende Männern zur Schlichtung kamen. Er gab beiden Männern recht. Da rief seine Ehefrau aus einem Nebenraum, er können nicht beiden recht geben. Nach langem Überlegen gab der Rabbi auch ihr recht (35). Fundamentalismus lehnt der Kölner klar ab. Er zitiert einen Gelehrten, der Koran sei nur eine Schrift zwischen zwei Deckeln, erst die Menschen bringen ihn zum Sprechen (38). Nach etwa 80 Seiten beginnt die inhaltliche Diskussion, vor allem im Vergleich zum Christentum. Der Mensch werde im Islam nicht als Ebenbild, sondern als Stellvertreter oder Nachfolger Gottes geschaffen. Gott nur als Barmherzigen zu sehen, verengt das Gottesbild, wenngleich religiöse Opfer kritisch zu sehen sind. Sein Christentum ist aus Kölner Sicht katholisch. So bezeichnet er das Christentum als Religion der Bilder, vergisst also die Calvinisten, und bezeichnet den Islam sinngemäß als Religion des Wortes. Kermani schreibt, dass er vom Theologen Graf beraten wurde, aber die christliche Erbsünde (172) hätte ich ihm besser erklären können. Sie ist eher eine Erblast als eine Sünde. Er spricht sich gegen eine Änderung der Texte in eine geschlechtergerechte Sprache aus (167), vor allem, weil man nicht wisse, was man in Zukunft alles ändern müsse, wenn man einmal damit anfinge. Und er lobt Goethe für seine Marienbader Elegie und seinen Diwan für sein Islamverständnis und interpretiert seine „Talismane“. Der Autor wundert sich, dass wir von Kalifin sprechen müsste, weil das Wort im Arbabischen seltsamerweise weiblich ist. Die Mystekerin Rabia wird zitiert: „Ich will die Hölle löschen und das Paradies verbrennen, damit Gott nur noch für seine ewige Schönheit geliebt wird.“ (207) und ich schließe mit Carl Friedrich von Weizsäcker, der über die Bibel sagte, was auch für den Koran gilt: „Du kannst den Koran entweder ernst nehmen oder wörtlich.“ (210) Obwohl ich gerade die christliche Religion einige Unklarheiten enthält – ich möchte das Wort Fehler nicht in den Mund nehmen – habe ich über den Islam so viel gelernt, dass ich an 5 Sternen nicht vorbei komme.
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