Der große Abschluss der atmosphärischen und packenden Brauhaus-Familiensaga um München, die Brauereikunst und das Oktoberfest: die letzten Kriegsmonate und Wiederaufbau.
Die achtzehnjährige Lotte, deren Eltern vor den Nationalsozialisten fliehen mussten, arbeitet Ende 1944 für eine Schweizer Hilfsorganisation. Nach einem Flugzeugabsturz im Grenzgebiet zu Deutschland schlägt sie sich bis München durch. Dort halten ihre Großeltern allen Wirren zum Trotz ihr Brauhaus am Laufen. Die Firma durch den Krieg zu retten bietet Lotte die Herausforderung, nach der sie sich immer gesehnt hat. Doch hier gilt sie als Halbjüdin. Mitten in diesen letzten Kriegsmonaten verliebt sie sich in den einfühlsamen Wissenschaftler Gero, der an einem brisanten Projekt arbeitet. Und ausgerechnet der langersehnte Friede bringt das Brucknerbräu an den Rand des Abgrunds.
Kundinnen und Kunden meinen
4.7/5.0
Eliza
5/5
08.08.2021
Buch (Taschenbuch)
Ein Prosit auf ein neues Leben
Der Abschluss einer sehr gelungenen Saga um die Brucknerbräu Dynastie. Mir hat die Fortentwicklung der Geschichte erneut sehr gut gefallen. Das Cover ist bunt gestaltet. Man erkennt eine junge Frau, welche etwas nachdenklich zur Seite blickt. Im Hintergrund erkennen die Leser die teilweise zerstörte Münchner Frauenkirche. Der Klappentext beschreibt den wesentlichen Handlungsstrang ausführlich und gibt so wichtige Details bereits preis, ohne zu viel Spannung vorwegzunehmen. Im Mittelpunkt der Geschichte steht die 18-jährige Lotte, das Kind von Clara Bruckner und René Kurowsky, welche ursprünglich in die USA vor den Nationalsozialisten geflohen ist. Nach einem Flugzeugabsturz, welchen sie glücklicherweise überlebt hat, kommt Lotte in ein Deutschland zurück, welches kurz vor der Niederlage im zweiten Weltkrieg steht.
Lotte ist eine selbstbewusste Frau, die weiß was sie will. Sie wird herzlich von ihren Großeltern Antonia und Melchior Bruckner in München aufgenommen. Dabei erlebt sie trotz des Familienzusammenhaltes die schrecklichen Vorgänge am Ende des Krieges 1944. Als bedeutsame Nebenfiguren treten Gero von Stetten ein Physikdoktorand, welcher Clara in ihren Bann zieht, sowie der bereits in den Vorgängerbänden beliebte Ferdinand Schwabinger und Hermine Schulte eine Mitarbeiterin des Brucknerbräus in Erscheinung. Vor allem Gero von Stetten ist eine sehr interessante Persönlichkeit. Obwohl er nüchterner Physiker ist, zeigt er doch in vielen Situationen sehr viel Humor und Empathie. Er muss eine schwere Entscheidung treffen und zeigt dabei viel Mut und Selbstdisziplin. Er hat sich dabei als meine Lieblingsfigur herauskristallisiert.
Der Aufbau der Geschichte ist stringent und es sind bis auf am Ende der Geschichte keine Zeitsprünge zu erkennen. Der Schreibstil der Autorin ist leicht, gut lesbar und immer wieder mit Dialekten (bayerisch oder berlinerisch) unterlegt. Dies hat mir bereits in den vorherigen „Brauhausbüchern“ sehr gut gefallen. Als Besonderheit sind neben einem Personenverzeichnis, ein Überblick über die verschiedenen Redewendungen sowie im Buchdeckel eine Stadtkarte von München abgebildet. Das Fazit des Romans ist sehr gut. Die Autorin hat das schwierige Thema zweiter Weltkrieg sehr gut aufgearbeitet. Vor allem die verschiedenen Stimmungen und Gefühlslagen schafft die Autorin dem Leser sehr gut rüberzubringen. Ich kann allen Fans von Brauhauskultur, aber auch von historischen Romanen guten Gewissens eine klare Leseempfehlung geben.
9/10P.
hasirasi2
aus Dresden
5/5
21.07.2021
Buch (Taschenbuch)
Die nächste Generation
Lotte ist vor 11 Jahren mit ihren Eltern nach Amerika emigriert, weil ihr Vater Jude ist. Doch nach Ausbruch des 2. Weltkrieges kann sie nicht still dessen Ende abwarten, sondern arbeitet für eine Schweizer Hilfsorganisation. „Sie brauchte eine Aufgabe, keine Abhängigkeit.“ (S. 19) Bei einem Einsatz stürzt sie mit dem Flugzeug ab und kann sich nach München zu ihren Großeltern Antonia und Melchior retten, die das Brücknerbräu betreiben. Die Wiedersehensfreude ist groß, aber das Erschrecken und die Angst noch größer. Auf einmal ist sie keine Zuschauerin mehr, sondern mittendrin, bibbert bei jedem Fliegeralarm und erlebt die Zerstörung hautnah. „Es fühlte sich sonderbar an, dem Krieg auf einmal so nahe zu sein, den sie bisher nur aus den Kinonachrichten gekannt hatte.“ (S. 41) Ihre Großeltern machen ihr klar, dass sie als Halbjüdin in doppelter Gefahr schwebt. Neue Kleider müssen her, ein neuer Ausweis, eine neue Biografie …
„Das Vermächtnis“ ist der dritte Teil der Brauhaussage von Julia Freidank und für mich der bisher beste Band der Reihe, ein absolutes Lesehighlight. Von Beginn an fiebere ich mit Lotte mit, die nicht nur überleben, sondern auch das Brauhaus führen will. Ihre Großeltern haben einen Generaldirektor eingesetzt, der sich auch dank Parteimitgliedschaft schon als deren Nachfolger wähnte und Lotte schnell wieder loswerden will. Auch dem Blockwart ist sie mit ihrer freien, unangepassten Art ein Dorn im Auge – so benimmt sich kein deutsches Mädel! Sie ist sehr mutig und engagiert, manchmal zu voreilig. „Das Mundwerk hast du von deiner Mutter und den Leichtsinn von deinem Vater. Am liebsten würde ich dich auf dem Dachboden verstecken, bis der Krieg vorbei ist.“ (S. 42) Und sie findet immer wieder Schlupfwinkel, wenn ihnen das Brauen aufgrund einer Verordnung verboten wird.
Ihre beste Freundin wird Hermine, die Tochter eines befreundeten Molkereibesitzers aus Berlin, die auch bei den Bruckners untergekommen ist. Sie hat genauso viele Flausen im Kopf wie Lotte und ihre Berliner Schnauze hat mich köstlich amüsiert. Die beiden jungen Frauen sind ein tolles Gespann und müssen in dieser Zeit schnell erwachsen werden.
Dann verliebt sich Lotte in den Physikstudent Gero von Stetten, der für ein geheimes Projekt arbeitet, von dem nicht mal er alles weiß. Haben sie wirklich eine Chance? „Wenn Du wüsstest, wer ich wirklich bin, würdest du mich hassen.“ (S. 204)
Obwohl ich schon einige Bücher über München in der damaligen Zeit gelesene habe, konnte Julia Freidank mir noch neues Wissen vermitteln. Dabei zeichnet sie ein sehr lebendiges Bild und schreibt extrem mitreißend. Durch die vielen historischen Details wie die Judenverfolgung, den Lebensborn e.V., den Volkssturm und die Besatzungszeit inkl. GIs, das Fraternisierungsverbot und die Rassengesetze in den USA bleibt die Handlung bis zum Schluss extrem spannend und abwechslungsreich.
Und natürlich erfährt man wieder viel übers Bierbrauen …
Sabine
aus Köln
4/5
03.08.2021
Buch (Taschenbuch)
Das Brauhaus an der Isar - Das Vermächtnis
Dies ist der letzte Teil der Brauhaus-Saga - man kann das Buch aber auch ohne Kenntnis der Vorbände gut lesen, da es nicht nahtlos an den Vorgänger anschließt und auch den Fokus auf ein neues Familienmitglied setzt. Als Trilogie ist die Geschichte natürlich runder, weil man dann viel mehr Gespür dafür bekommt, dass auch Brauereien unter der Naziherrschaft zu leiden hatten und was sie für viele Unternehmer aus diesem Bereich bedeutet hat.
Diesmal steht Lotte im Mittelpunkt des Geschehens – ihre Großeltern haben damals Brucknerbräu aufgebaut, sie selber ist bisher in den USA aufgewachsen, da ihre Eltern fliehen mussten. Lotte verschlägt es eher zufällig nach Deutschland, sie überlebt einen Flugzeugabsturz nur knapp, als sie für eine Hilfsorganisation gefälschte Pässe transportieren soll und landet so bei ihren Großeltern in München. Die Brauerei kämpft weiter unter den Wirren der letzten Kriegstage – und hier sieht Lotte ihre Herausforderung: sie entschließt sich, in Deutschland zu bleiben. Natürlich spielen bei dieser Entscheidung auch die Gefühle zu einem jungen Mann eine Rolle – doch Gero umgibt ein Geheimnis, dass sie gerne lüften möchte.
Der Einstieg in die Geschichte ist spannend, und so recht weiß man am Anfang noch nicht, wohin die Geschichte laufen wird. Da hat die Autorin sich aber einige interessante Erzählstränge überlegt – zum einen geht es natürlich um das Überleben der Brauerei in den letzten Kriegstagen und dann auch in der Zeit der amerikanischen Übernahme, zum andern aber bekommt man auch Einblicke in die Forschung der Atomphysik.
Gelungen ist die Darstellung des Überlebenskampfs, den die Menschen auch nach der Machtübernahme noch zu führen hatten – es mangelte einfach an allem und nur durch den Schwarzmarkt konnte man irgendwie überleben; wenn man denn auch Ware zum Tauschen hatte. Lotte ist eine sympathische Protagonistin, die ihren eigenen Kopf hat und damit auch schon mal gegen Wände rennt, die aber auch ein Ziel hat, das sie unbedingt erreichen will. So ganz verstanden habe ich ihre Entscheidung nicht, in Deutschland zu bleiben, denn als Halbjüdin ist es für sie sehr gefährlich, wie sie dann aber ihren Weg geht und sich durchkämpft, ist schon beeindruckend. Ich habe sie gerne begleitet und neue Einblicke in diese schwierige Zeit des Wiederaufbaus erhalten. Auch Gero, der junge Wissenschaftler, den seine Leidenschaft vor der Kriegsfront rettet, ist eine sympathische Figur, vor allem seine Zerrissenheit wurde sehr gut dargestellt. Den Erzählstrang um die Atomphysik fand ich persönlich nicht so gelungen, weil ich ihn irgendwie als sehr gewollt empfunden habe – bestimmt hat die Autorin da gut recherchiert, aber gepackt hat mich dieser Part leider nicht.
Der Schreibstil ist angenehm zu lesen und fand ich ihn auch zur dargestellten Zeit passend – gerade die Atmosphäre hat die Autorin sehr gut einfangen können, insbesondere die Szenen, in denen München nochmal angegriffen wurde und in denen die Not der Menschen wirklich sehr plastisch beschrieben war.
Nach dem spannenden Einstieg plätscherte dann die Geschichte leider länger vor sich hin – und irgendwie hatte ich das Gefühl, die Autorin konnte sich nicht entscheiden, ob es mehr ums Brauhaus oder doch um die Physik gehen soll. Im letzten Drittel gibt es dann doch noch ein paar spannende Szenen, aber diese werden sehr schnell aufgelöst, so dass für mein Empfunden die Spannung nie lange gehalten werden konnte.
Es ist eine unterhaltsame Geschichte, die gute Einblicke in das Nachkriegsmünchen liefert – trotzdem hat sie mich nicht durchweg packen können, so dass ich 3,5 von 5 Sternen vergebe.
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