Ein eigenwilliges junges Mädchen im Norwegen des 14. Jahrhunderts, der strahlende Liebling ihres Vaters und von diesem versprochen an den Sohn eines benachbarten Bauern. Ein Leben wie im Buche, bis sich der Tod ins Leben der jungen Kristin Lavranstochter schleicht und ein brutaler Mord ihr ihre Jugendliebe entreißt. Sie flüchtet ins Kloster - und verliebt sich Hals über Kopf in den schönen Erlend von Husaby, dem ein übler Ruf vorauseilt. Gegen alle Widerstände und obwohl sie damit ihren geliebten Vater fast umbringt, entscheidet sie sich dafür, diese Liebe zu leben.
Sigrid Undsets ganz große Stärke ist die Charakterzeichnung, und so lachen und weinen, leiden und lieben wir mit der liebreizenden Kristin, einer starken Frau, die es mit der norwegischen Männergesellschaft des 14. Jahrhunderts aufnimmt und aufnehmen kann. Dass Undset für die Trilogie mit dem Literaturnobelpreis ausgezeichnet wurde, ist nur konsequent.
Gabriele Haefs hat Kristin Lavranstochter vollständig neu übersetzt. So kommen nun endlich auch deutsche Leser in den vollen Genuss von Undsets außergewöhnlicher sprachlicher Ausdruckskraft. Den Anfang macht Band 1, Der Kranz, Band 2 und 3, Die Frau und Das Kreuz, folgen jeweils in halbjährlichem Abstand.
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Existenz im Horizont des Glaubens: Zur bleibenden Bedeutung von Kristin Lavransdatter
taiyo. Ki am 24.01.2026
Bewertungsnummer: 3023799
Bewertet: Buch (Gebundene Ausgabe)
Mit Kristin Lavransdatter hat Sigrid Undset einen der großen europäischen Romane des 20. Jahrhunderts geschaffen: eine monumentale, zugleich intime Familiensaga, die historische Authentizität, psychologische Tiefe und religiös-existenzielle Ernsthaftigkeit in seltener Geschlossenheit verbindet. Die Trilogie ist kein historischer Roman im herkömmlichen Sinne, sondern ein umfassendes Lebensbuch, das Geburt, Reife, Schuld, Verantwortung und Tod in einer durchgehend glaubhaften Weltordnung entfaltet.
Im Zentrum steht Kristin, deren Lebensweg von früher Leidenschaft über Ehe, Mutterschaft und Verlust bis hin zu geistiger Reifung verfolgt wird. Undset verzichtet bewusst auf moderne psychologische Erklärmuster. Ihre Figuren werden nicht analysiert, sondern gezeigt – in ihren Entscheidungen, Verfehlungen und Konsequenzen. Gerade dadurch entsteht eine außergewöhnliche emotionale Tiefe: Die Entwicklung der Protagonistin vollzieht sich nicht als innerer Monolog, sondern als gelebte Existenz unter Bedingungen, die moralisch wie sozial bindend sind.
Besonders hervorzuheben ist die Rolle der christlichen Spiritualität. Glaube ist in diesem Roman kein atmosphärischer Hintergrund, sondern ein strukturierendes Prinzip des Denkens, Fühlens und Handelns. Kristins Religiosität ist weder sentimental noch tröstlich; sie ist fordernd, oft schmerzhaft und stets ernst gemeint. Schuld wird nicht relativiert, Vergebung nicht leichtfertig gewährt. Undsets Christentum ist weder dekorativ noch didaktisch, sondern existenziell. Glaube ist bei Kristin somit eine fordernde Realität, die Schuld vertieft, Verantwortung verschärft und Versöhnung teuer macht. Gerade diese kompromisslose Einbindung des Christentums verleiht dem Roman seine innere Schwere und Reife – und unterscheidet ihn grundlegend von vielen modernen Familien- und Entwicklungsromanen.
Auch als Familiensaga überzeugt Kristin Lavransdatter auf höchstem Niveau. Generationenfolge, Eltern-Kind-Beziehungen, Ehe, Erbe und Verantwortung werden nicht schematisch erzählt, sondern organisch aus dem historischen Kontext entwickelt. Das mittelalterliche Norwegen erscheint nicht als exotische Kulisse, sondern als in sich schlüssige Lebenswelt, deren soziale, rechtliche und religiöse Strukturen das individuelle Handeln prägen.
Die deutsche Neuübersetzung des Kröner Verlags erweist sich dabei als große Stärke: Sie bewahrt die sprachliche Würde und Klarheit des Originals, ohne in Archaismus oder Pathetik zu verfallen, und ermöglicht eine dichte, konzentrierte Lektüre über alle drei Bände hinweg.
Insgesamt ist Kristin Lavransdatter ein Roman von seltener Geschlossenheit und Ernsthaftigkeit. Er richtet sich an Leserinnen und Leser, die epische Weite, moralische Tiefe und existenzielle Fragen nicht scheuen. Wer eine große, glaubhaft erzählte Familiensaga sucht, die emotionale Reife mit spiritueller Durchdringung verbindet, findet hier ein Werk von bleibender Bedeutung.
Was für eine Geschichte, was für eine Autorin
Karin Braun aus Kiel am 14.06.2021
Bewertungsnummer: 1507046
Bewertet: Buch (Gebundene Ausgabe)
Es ist das 14. Jahrhundert in Norwegen. Kristin wächst auf dem Hof ihrer Eltern Ragnfried und Lavrans auf, geliebt, gehätschelt und verwöhnt. Doch es herrscht nicht nur eitel Sonnenschein. Ihre Mutter neigt zur Schwermut, ihre drei Brüder haben das Säuglingsalter nicht überlebt und als Kristin vierzehn ist, entdeckt sie, mittlerweile mit dem Sohn eines Nachbarn verlobt, dass sie Arne, ihren früheren Spielkameraden liebt. Als dieser getötet wird, beschließen die Eltern sie nach Oslo in einen Konvent zu geben, damit sie aus ihrer Schwermut kommt und andere Menschen trifft, bevor sie Simon heiratet. Dort begegnet ihr Erlend, der zwar von edler Geburt und sehr anziehend ist, doch auch ein ziemlicher Bruder Leichtfuss. Sie löst die Verlobung mit Simon und trotz ihren Eltern schließlich die Erlaubnis ab Erlend zu heiraten, was ihren Vater fast umbringt, da dieser den bisherigen Lebenswandel des zukünftigen Schwiegersohn nicht billigen kann und seinen Versprechungen sich zu bessern nicht glaubt. Mit der Hochzeit endet dieser Teil. Zwei weitere folgen. Der Kröner Verlag hat sich entschieden die drei Teile von Kristina Lavranstochter nicht, wie frühere Übersetzungen als Gesamtausgabe, herauszubringen, sondern, wie die norwegische Erstveröffentlichung, in drei Büchern. Band 2 „Die Frau“ wird im Herbst erscheinen.
Gabriele Haefs hat alle drei Teile komplett neu übersetzt und dabei festgestellt, dass die frühere Übersetzung wahrscheinlich aus dem Dänischen gemacht wurde, da Ortsnamen und Titel dänisch benannt wurden, so dass nun vielleicht, es lässt sich ja nicht beweisen, die erste Übersetzung aus dem Norwegischen vorliegt.
Die erste deutsche Ausgabe habe ich vor fast 50 Jahren gelesen und schon damals war ich tief beeindruckt von der Erzählkraft Sigird Undsets. Doch wie wundervoll diese Schriftstellerin Kristins Welt vor ihren Leser!nnen entfaltet, wurde mir erst jetzt bewusst, denn diese Übersetzung entfaltet die Sogwirkung die man sich beim Lesen wünscht, und so geht man auf Zeitreise in Kristins Welt. Schön auch, dass es Anmerkungen zu Namen und Orten gibt und eine kurze historische Erklärung der politischen Umstände zur Zeit in der die Geschichte spielt.
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