Die MONADOLOGIE ist einer der faszinierendsten philosophischen Texte, die ich inzwischen kenne. Streng, abweisend, verspielt und märchenhaft zugleich. Die Behauptung, dass unsere Welt das Produkt unsichtbarer, mutwilliger Geister ist, die sich nicht sehen können, hat mich immer empört - und neugierig gemacht. Endlich habe ich mich mit der Monadologie auseinandergesetzt. Der Text beziehungsweise sein Autor ist endeinfallsreich und liefert eine überraschende, überzeugende Erklärung für - ja, im Grunde für alles, was gibt und jemals geben wird. Mit einem unheimlich glücklichen Ende! Was kann man mehr von einer Philosophie verlangen.
Dieses Buch stellt dem interessierten Einsteiger meine Neuübersetzung zur Verfügung zusammen mit dem französischen Original sowie ausführlichen Erklärungen zu jedem der 90 Paragrafen. Auch alle Parallelstellen aus der THEODIZEE stehen (in der Rechtschreibung der Originalausgabe) immer dort in dem Buch, wo die Monadologie sie erwähnt.
Das Buch eignet sich eher für neugierige Anfänger, die wie ich viele Sachen erst erklärt bekommen müssen, um voll einsteigen zu können. Es eignet sich auch für alle, die glauben, dass es in Wirklichkeit doch einen heimlichen Sinn des Lebens gibt, den wir nur zu verpeilt sind zu erkennen.
Kundinnen und Kunden meinen
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Zitronenblau
3/5
07.01.2011
Buch (Taschenbuch)
Über die einfache Substanz
Logisch-positivistisch gesehen können wir schon im ersten Satz der Leibnizschen Monadologie die Metaphysik und die damit einhergehende Irrationalität erkennen. Monaden als "fensterlose" Substanzen ohne Teile können weder analytisch noch bislang synthetisch in Sätzen propositional als wahr oder falsch zum Ausdruck gebracht werden, da die Sätze metaphysisch und damit un-sinnig sind. Auf spekulativen Boden uns befindend und diesen abenteuerlich begehend, können wir nun getrost auf die Architektur des Monadenwerkes eingehen. Die erste Frage, die sich uns aufdrängt, lautet, was denn Monaden von Atomen (Elementarteilchen) unterscheide? Da die monadische Substanz und ihre Akzidenzen fensterlos sind, kann sie keine Materie sein und doch muss sie über Qualitäten verfügen, die sie von anderen Monaden unterscheidet. Wir können also sagen, Monaden sind "geistige Atome". Da ein äußeres Prinzip weder Gehalt noch Gestalt der Substanz, anders die Akzidenzen verändern kann, müssen solcherlei Änderungen durch ein innern Prinzip der Mannigfaltigkeit in der Einheit hervorgerufen werden, wiewohl der Zustand von Leibniz als Perzeption bezeichnet wird, die Tätigkeit zur Änderung als Appetition oder "Appetit". Für Leibniz ist zwingend "die Seele eine einfache Substanz" (16), d.h. Monaden, "deren Perzeption deutlicher und von Gedächtnis begleitet ist" (19). Die immanente Bestimmung zwischen Zustand und Streben nach Änderung kann nach Leibniz nur in der Entelechie liegen. Leibniz versucht nun aber die Trennung zwischen Tier und Mensch herauszuarbeiten, worin er nur die Vernunft sieht (26). Er sieht sich gezwungen seine Metaphysik logisch zu begründen (das dies infolge der unzureichenden Begründung nicht geht, haben wir ja o. bereits gesagt). Der Philosoph kann den zureichenden Grund also wieder nur in einem Metaphysicum suchen: "So muss der letzte Grund der Dinge in einer notwendigen Substanz liegen, [...] und dies nennen wir Gott" (38). Er geht sogar soweit zu sagen: "Und so wie nichts die Möglichkeit dessen hindern kann, was keinerlei Grenzen, Negation und folglich keinen Wiederspruch einschließt, so reicht dies hin, um die Existenz Gottes a priori zu erkennen" (45). Somit müssen wir folgerecht alle durch Gott verbunden sein, da Gott Ursubstanz der Monaden ist. Die Monaden sind also die Spiegel des Göttlichen und "jeder organische Körper eines Lebewesens eine Art göttliche Maschine" (64). Leiden entsteht, so Leibniz, "insofern diese verworren sind" (49). Da durch Gott keine Willkür herrscht, spricht Leibniz aus, was Voltaire in die Lächerlichkeit zog in seinem Candide: "Und eben dies ist Ursache der Existenz des Besten" (55). Da Leib und Seele in einen gewissen Einklang leben, obschon die Seele unsterblich und unzerstörbar ist, muss diese Konkordanz kraft "prästabilierter Harmonie" (78) erklärt werden. Die vernunftbegabten Seelen (also Geister) müssen aus der Ursubstanz hervorgetreten in sich schon die Prädisposition zur Vereinigung zum Gottesstaat = universelle Monarchie ausmachen (85, 86). Und das Hinstreben ist Urtugend und Sinn des Guten...
Die Monadologie fand nach Leibniz kaum noch relevanten Anklang. Wir erkennen nicht nur eine induktive Logik im Leibnizschen System vom Besonderen der Monade auf das Allgemeine des Göttlichen, sondern einen ganz klaren Idealismus, d.h. im Grunde die Kraft und Bewegung in Unendlichkeit von Raum und Zeit durch Gott als erste Wirkursache und damit alles folgende bestimmend...
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