Das erste Hörbuch der Bachmann-Preisträgerin Sharon Dodua Otoo: "Adas Raum" verwebt die Lebensgeschichten vieler Frauen zu einer Reise durch die Jahrhunderte und über Kontinente. Ein überraschender Roman, der davon erzählt, was es bedeutet, Frau zu sein. Ada erlebt die Ankunft der Portugiesen an der Goldküste des Landes, das einmal Ghana werden wird. Jahrhunderte später wird sie für sich und ihr Baby eine Wohnung in Berlin suchen. In einem Ausstellungskatalog fällt ihr Blick auf ein goldenes Armband, das sie durch die Zeiten und Wandlungen begleitet hat. Ada ist viele Frauen, sie lebt viele Leben. Sie erlebt das Elend, aber auch das Glück, Frau zu sein, sie ist Opfer, leistet Widerstand und kämpft für ihre Unabhängigkeit. Sharon Dodua Otoos Mut und ihre Lust zu erzählen, ihre Neugier, die Vergangenheit und die Gegenwart zu verstehen, machen atemlos.
Kundinnen und Kunden meinen
4.5/5.0
Fantast
aus Erfurt
5/5
13.09.2025
Buch (Gebundene Ausgabe)
Ich habe dieses Buch für…
Ich habe dieses Buch für meine Masterarbeit, die noch ansteht, vor einem Monat etwa mir als Hörbuch angehört und entsprechend auch als Buch gekauft. Zwar bisher nur als Hörbuch angehört hat mir diese Geschichte wirklich außerordentlich gut gefallen. Gerade für mich im Masterstudium Literaturwissenschaften war dieser Roman wirklich sehr faszinierend. Gelesen als fantastische Literatur (cf. Tzvetan Todorov und Uwe Durst (explizit hier nur nach der Erweiterung durch Letztgenannten)) ist dieser Roman wirklich sehr ergiebig und bringt auch noch unzählige weitere Ansätze mit ein, sodass ich ihn wahrscheinlich noch mehrmals lesen muss, um die verschiedenen Ebenen zu durchdringen. Ja, das Buch ist nicht 08/15 wie andere Bücher. Aber das, was das Buch vermeintlich möchte, schafft es für mein Empfinden wirklich sehr gut.
Bewertung
aus Saas-Fee
5/5
31.01.2022
Buch (Gebundene Ausgabe)
SchreibArt mal anders
Fantasievoll und eigen. Ein spannendes Patchwork, welches trotz der düsteren Schicksale ein wunderbares Lesevergnügen ist.
Bewertung
5/5
25.09.2021
Buch (Gebundene Ausgabe)
Ein gekonnte dichtes poetisches Debüt
"Jedes Mal, wenn Ada ihren Körper von sich selbst trennte, war es desaströs. Jedes Mal. Und nicht nur für sie... Und ihre Zersplitterung sprengte ein Loch in die Würde all ihrer Folterer"
Meine Begeisterung für die poetische und klare Sprache, die wechselnden Erzählinstanzen und den Aufbau kann ich kaum in Worte fassen. Der Roman ist dicht, voll, komplex, so dass es schwer ist, sich zu begrenzen und ihm gerecht zu werden. Ich wünsche diesem Text eine tiefgreifende Rezeption, lohnt es sich doch sehr.
Vieles ist nicht auserzählt. Wir als Leser:innen sind aufgefordert, die Verbindungen zu suchen, die Auslassungen zu füllen, die Geschichten und uns selbst in unserer Rezeption der Geschichte(n) zu reflektieren.
Adas Raum wird zusammengehalten durch Schleifen, Schleifen der Überzeitlichkeit, der Unendlichkeit und ja, auch durch Gott. Der Weltgeist, der unterschiedliche Gestalten annimmt und ein Fruchtbarkeitsarmband, das von einer Person zur anderen wandert, halten die vier Adas zusammen.
Die ersten drei Adas werden begleitet und beschützt vom Weltgeist in Gestalt eines Besens, eines Türklopfers und eines Raumes. Doch alle drei Adas sterben vorzeitig, gewaltvoll durch die Hand von Weißen Männern. Ada eins lebt im 15. Jahrhundert in Westafrika, dem Teil, den wir heute Ghana nennen. Sie trauert um ihr Baby, wird von portugiesischen Kolonialisatoren gefangengenommen und stirbt. Die Londoner Mathematikerin Ada Lovelace ist Ada zwei. Sie lebt eigenständig, hat Liebhaber und lebt trotzdem gefangen. Ihr Leben nimmt ein gewaltvolles Ende. Ada drei im KZ und ihr Körper wird benutzt. Bei dem Versuch, sich zu befreien stirbt auch diese Ada.
Mit der vierten Gestalt von Ada sind wir im gegenwärtigen Berlin. Ada ist Schwarz, in Ghana aufgewachsen wie Ada eins, studiert Informatik in der Tradition von Ada zwei, und den direkten Bezug zu Ada drei erfahren wir im Verlauf. Ada trägt das lang ersehnte Kind aus, das die anderen nicht bekamen. Der Weltgeist beschützt sie als Pass und kann sie nicht schützen. Bezüge zur Geschichte, den anderen Adas und ihren Weggefärt:innen sowie Peinigern führen wie Perlen zu ihr, sie beginnt zu verstehen, sich zu verschwestern und sich zu ermächtigen.
Bewertung
5/5
16.04.2021
Buch (Gebundene Ausgabe)
Durch & durch besonders. Adas...
Durch & durch besonders. Adas Raum bedient verschiedene erzählerische und zeitliche Ebenen. Als Folge wirkt der Roman anfänglich etwas wirr und extravagant, aber schnell zieht der feministische und vor allem außergewöhnliche Roman einen komplett in seinen Bann. Ein Herzensbuch!
BjoernAndBooks
aus Hildesheim
5/5
09.04.2021
Buch (Gebundene Ausgabe)
Im Kaleidoskop der Identität(en)
Ada ist stark – in jeder Hinsicht und in jedem Leben, das Sharon Dodua Otoo ihren Adas angedeihen lässt. Denn sie ist keine singuläre Protagonistin, sondern vielmehr ein Prinzip, das sich durch die Identitäten der verschiedenen Adas über die Jahrhunderte verkörpert. Im 15. Jahrhundert in Ghana, im 19. in London und im Jahr 1945 im KZ Mittelbau-Dora werden wir Zeuge, wie Ada ihr jeweils individuelles Schicksal Teil eines Geflechts werden lässt, dass das Prinzip Ada durch die von Otoo als Schleifen betitelten Realitäten trägt. Im Jahr 2019 angekommen kulminieren die Erfahrungsschätze in einer Ada, die in Berlin versucht, eine Wohnung zu finden, und dabei mit allen Sujets aus Gegenwart und Vergangenheit konfrontiert wird: Es geht um Rassismus, um ihre Rolle als Frau, um Identitäten und Identitätslosigkeit, um Heimat und Fremde, Familie und Freundschaft. Und es geht um die Liebe zu den Männern in ihren Leben.
Otoo bricht mit sämtlichen etablierten Lesegewohnheiten und das auf fulminante Art: Sie fragmentiert die Linearität der erzählten Zeit, verwebt die einzelnen Stränge zu einem wurzelartigen Gebilde und versprüht dabei so viel Power und Leidenschaft, dass der Leser*in positiv schwindlig wird. Nicht nur, dass sie ihre Protagonistin in mehreren Entitäten und Persönlichkeiten auftreten lässt und diese immer wieder zusammenführt und trennt. Gleichzeitig führt sie eine Art spirituellen Begleiter ein – mal Reisigbesen, mal Türklopfer oder eben der titelgebende Raum im Konzentrationslager -, der mit Gott – mal weiblich, mal klischeemäßig als „alter weißer Mann“, zumeist berlinernd – konferiert und auf Adas schicksalshaften Wegen begleitet. Die Sprachgewalt und die Wucht der beschriebenen Bilder sind in ihrer Ausformung wahrlich einzigartig. Otoo gibt der Leser*in die Möglichkeit, jede Ada einzeln lieben zu lernen, sie ins Herz zu schließen, dabei vor den Ungerechtigkeiten der Welt beschützen wollend.
Das Bild des Perlenarmbands als Symbol, das sich durch die Jahrhunderte fortschreibt, fungiert als Kitt zwischen den Schleifen und zwischen den Adas und ikonisiert gleichzeitig mit seinen Referenzen zu den Anfängen des Kolonialismus.
Eine einzelne Rezension und einmaliges Lesen erfassen nicht im Ansatz, was Sharon Dodua Otoo dem Lesenden auf den Weg mitgibt. Sie liebt, sie hasst, sie verurteilt, sie beurteilt, ist sachlich-nüchtern, dann wieder forsch und fordernd und all das mit einer gehörigen Portion Charme, unfassbarer Intelligenz und einer wahnsinnigen Freude am Leben. Das überträgt sich voll und ganz. Ich möchte mehr!
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