Baldwins explizitester, leidenschaftlichster Roman Warum hat Rufus Scott - ein begnadeter schwarzer Schlagzeuger aus Harlem - sich das Leben genommen? Wegen seiner Amour fou mit der weißen Leona, einer Liebe, die nicht sein durfte? Verzweifelt sucht Rufus' Schwester Ida nach einer Erklärung. Aber sie findet nur Wahrheiten, die neue Wunden schlagen - auch Wahrheiten über sich selbst. Wie ihr Bruder war Ida lange bereit, sich selbst zu verleugnen, um ihren Traum zu verwirklichen, den Traum, Sängerin zu werden. Wie ihr Bruder trägt sie eine Wut auf die Weißen in sich, die sie diskriminieren. Bis jetzt. Baldwin verwickelt uns in ein gefährliches Spiel von Liebe und Hass - vor der Kulisse eines Amerikas, das sich selbst in Trümmer legt.
Kundinnen und Kunden meinen
4.3/5.0
13 Bewertungen
5 Sterne
4 Sterne
3 Sterne
2 Sterne
1 Sterne
(0)
Gefährliche Liebschaften
Sursulapitschi am 21.05.2021
Bewertungsnummer: 1498219
Bewertet: Hörbuch-Download
Dieses Buch ist beeindruckend und sehr eigen.
Der Erzählstil ist umwerfend. Hier malt jemand Bilder mit Worten, wobei oft die Dinge gar nicht konkret benannt werden. Gedankenfetzen und Assoziationen fließen ineinander und kreieren Atmosphäre, machen Musik fühlbar und Gefühle plastisch ohne schwülstige Umschreibungen. Dieser Text hat eine zweite Ebene, eine Art lautmalerische Poesie, die gerade im Hörbuch ganz wundervoll hervortritt. Christian Brückner hat ein Gespür dafür, poetische Texte ohne Pathos vorzutragen. Man hat das Gefühl: Ja, genau so muss man das lesen.
Die Story selbst fängt stark an, gerät aber schnell ins Stocken und tritt dann auf der Stelle. Wir sind in der Künstlerszene New Yorks, irgendwann in den 50er Jahren vermutlich, wo der schwarze Musiker Rufus arbeitslos durch Harlem streift und verzweifelt ist. Nach seinem Selbstmord ist man sehr betroffen. Er hatte viele Freunde und auch seine Schwester Ida versteht nicht, was ihn umtrieb.
Das ist der Aufhänger und der rote Faden, der uns durch Bars, Kneipen und literarische Zirkel führt. Schauspieler, Musiker, Schriftsteller, deren Mäzene und Bewunderer bilden eine Blase, in der man sich kennt und auch liebt und offen ist für vielerlei Beziehungen.
Wir durchleben intensiv mehrere Liebesgeschichten in unterschiedlichsten Konstellationen von Hautfarbe und Geschlecht, die alle an irgendeiner Stelle leidvoll sind und die zeigen, dass der schöne Schein trügerisch ist. Man bewundert sich auf Cocktailparties und hat ein Verhältnis mit der Frau seines besten Freundes.
„Allmählich denke ich, wachsen heißt nur, immer mehr über Schmerz zu lernen. Das Gift wird zur Nahrung, man trinkt jeden Tag ein bisschen. Hat man das einmal gesehen, sieht man es dauernd, das ist das Problem.“
Die Botschaft dieses Buches ist schwer greifbar. Es passiert wenig, wird aber viel durchdacht, durchlitten, diskutiert und philosophiert. Anhand des Covers hatte ich mit einem Buch gerechnet, in dem es vorrangig um Rassismus geht. Das ist auch ein Thema, aber nicht allein.
„Leiden hat keine Farbe, oder?“
Dieses Buch ist klug und poetisch und so tiefsinnig, dass man tief schürfen muss, um es hinlänglich zu verstehen. Immerhin kann man an jeder Stelle schürfen und findet etwas, die Frage ist nur, ob man das möchte.
Ich bin sehr beeindruckt von dieser wunderbaren Sprache, nehme einige Bonmots mit, habe mich aber dennoch ein wenig durch das Buch geschleppt, das viel Tiefgang und deutliche Längen hat.
Auf jeden Fall ist es ein Gewinn, dieses Buch als Hörbuch zu genießen. Christian Brückner trägt einen über so manche Länge hinweg und zeigt einem 17 Stunden, 55 Minuten, 56 Sekunden lang, was Poesie ist.
Facettenreich und eine großartige Geschichte
Bewertung aus Villach am 19.08.2024
Bewertungsnummer: 2271301
Bewertet: Buch (Taschenbuch)
Diese Geschichte in Worte zu fassen ist nicht so einfach. Zu verstrickt und komplex sind die Protagonist*innen und deren Beziehungen untereinander. Immer geht es jedoch um Liebe, Hautfarbe, Sexualität und Anerkennung.
Der Roman wurde 1962 veröffentlicht. 14 Jahre hat Baldwin daran geschrieben. Es geht um den schwarzen Jazzmusiker Rufus, der sich aufgrund des Rassismus in Amerika, insbesondere in Harlem, wo der Roman angesiedelt ist, das Leben nimmt. Seine Schwester Ida und seine Freunde bleiben zurück und versuchen zu verstehen, warum Rufus eine Selbsttötung begangen hat.
Baldwins Freund, Eugene Worth, hatte sich 1946 ebenfalls auf diese Art das Leben genommen und dürfte die Vorlage für die Romanfigur des Rufus sein.
Das Faszinierende an diesem Buch ist die Lebensrealität, wie sie sich Ende der 1950er Jahre in Amerika gezeigt hat: Rassismus, Homophobie und Ungerechtigkeiten in allen erdenklichen Lebensrealitäten.
Ein nahegehender Roman, der sehr lesenswert ist, aufgrund der vielen Themen, die in vielen Facetten seziert werden.
Aus dem Englischen: Miriam Mandelkow
Kurze Frage zu unserer Seite
Vielen Dank für Ihr Feedback
Wir nutzen Ihr Feedback, um unsere Produktseiten zu verbessern. Bitte haben Sie Verständnis, dass wir Ihnen keine Rückmeldung geben können. Falls Sie Kontakt mit uns aufnehmen möchten, können Sie sich aber gerne an unseren Kund*innenservice wenden.