Das Leben des Psychiaters Gregor Assmann droht aus den Fugen zu geraten, als sich seine Haut auf mysteriöse Weise zu verdunkeln beginnt. Schmerzlich erfährt er, was es bedeuten kann, als "Schwarzer" in einer "weißen" Gesellschaft zu leben. Derweil rekonstruiert eine geheimnisvolle Unbekannte die Geschichte des haitianischen Freiheitshelden Toussaint Louverture, der über zweihundert Jahren zuvor gegen Sklaverei und koloniale Rassendiktatur kämpft. Was sie alle verbindet, ist die unerfüllte Sehnsucht nach einer Welt, in der die Farbe der Haut keine Rolle mehr spielt. Als Vergangenheit und Gegenwart aufeinandertreffen, geschieht etwas völlig Unerwartetes.
Pigment ist ein spannender, vielschichtiger Roman über die gesellschaftlichen und historischen Wurzeln des Rassismus.
Kundinnen und Kunden meinen
4.9/5.0
Bewertung
aus Beucha
5/5
20.08.2021
Buch (Taschenbuch)
Rassismus ist leider noch aktuell, obwohl es nur eine Rasse Mensch gibt.
Gregor ein hervorragender Psychiater geriet eines Tages in Verwunderung, als seine Hautfarbe plötzlich dunkler wird. Er führt ein Protokoll zu seiner Hautveränderung. Auf Grund dessen, wird er willkürlich von der Polizei kontrolliert und ihm werden rassistische Äusserungen entgegen gebracht. Er wird sogar von ihnen misshandelt. Er konnte sich nicht erklären warum es so ist. Einerseits seine äußerlichen Veränderung andererseits die rassistischen Beleidigungen. Er war sichtlich geschockt. Dann beschäftigt er sich mit dem Thema Rassismus, der ihm auch in der Klinik begegnet, als ein "dunkelhäutiger" Konsul eingeliefert wurde. Sein Direktor verhält sich ihm gegenüber immer abwertender und er wird zum Verantwortlichen für die brutalen Taten gegen Gregor. Er lernt Marie Mica kennen. Beide finden zusammen. Sie erhält durch ihre Arbeit, alte Briefe von Toussaint Louverture, einem haitianischen Freiheitskämpfer, der sich vor etwa 200 Jahren gegen Rassismus und Sklaverei in den Kolonien stark machte. Marie Mica führte Traumgespräche mit Toussaint und lernte dadurch die Geschichte dieses Mannes kennen. Am Ende ist sie eine Urahnin von ihm. Die Geschichte von damals spiegelt sich auch heute wieder. Gregor saß ungerechter Weise im Gefängnis und Toussaint ebenso. Beide hatten dunklere Hautfarbe als andere. Der Rassismus ist heute noch aktuell, obwohl es nur eine Rasse "Mensch" gibt. Ich hoffe, dass nachfolgende Generationen es endlich begreifen und jeden Menschen so annehmen wie er ist. Ein interessanter, spannender und geschichtsträchtiger Roman mit einem so passenden Cover, so wie jing und jang zusammengehören.
Shilo
aus Ulm
5/5
21.07.2021
Buch (Taschenbuch)
Sehr bewegend
Das Leben des Psychiaters Gregor Assmann droht aus den Fugen zu geraten, als sich seine Haut auf mysteriöse Weise zu verdunkeln beginnt. Schmerzlich erfährt er, was es bedeuten kann, als "Schwarzer" in einer "weißen" Gesellschaft zu leben. Derweil rekonstruiert eine geheimnisvolle Unbekannte die Geschichte des haitianischen Freiheitshelden Toussaint Louverture, der über zweihundert Jahren zuvor gegen Sklaverei und koloniale Rassendiktatur kämpft. Was sie alle verbindet, ist die unerfüllte Sehnsucht nach einer Welt, in der die Farbe der Haut keine Rolle mehr spielt. Als Vergangenheit und Gegenwart aufeinandertreffen, geschieht etwas völlig Unerwartetes. (Klappentext)
Dieser Roman läuft in zwei Handlungssträngen. Einmal in der Gegenwart (fiktiv), einmal ab dem Jahr 1776 in Haiti, wobei diese geschichtlich belegt sind. Es geht um die Wurzeln des Rassismus und deren Auswirkungen bis in die heutige Zeit. Die Schicksale der beiden Protagonisten sind zutiefst bewegend und bringen den Leser zum Nachdenken. Der Schreibstil ist emotional und lässt die verschiedensten Emotionen auflodern. Und schon stellt sich die Frage: „was wäre, wenn ich....?“.
Mein Fazit:
Ein Roman, der zutiefst berührt und zum Nachdenken anregt. 5 Sterne und eine absolute Leseempfehlung.
Samantha Faye
aus Freihung
5/5
15.07.2021
Buch (Taschenbuch)
Wenn lausige Pigmente über Wohl und Wehe entscheiden ...
Aufwühlend, sehr klug geschrieben, entlarvend, die Wurzeln des Übels dekonstruierend, um zu zeigen, wo es im Argen liegt. Meisterwerk!
Ist es denn zu utopisch von mir angedacht zu hoffen, daß wir alle in erster Linie nur Menschen sind und ausschließlich nach unserem Charakter sowie Verhalten beurteilt werden? Und daß sämtliche anderen Distinktionen samt und sonders marginal und nachrangig wären? Egal ob Gender, Nationalität, Religion, sexuelle Ausrichtung, soziale Schicht, Beruf, Bildung, Alter, Ethnie, was auch immer?
Der Film BlacKkKlansman von Spike Lee mit John David Washington und Adam Driver entlarvt sehr intelligent den tumben Rassismus und führt ihn ad absurdum, umso besser, weil er auf kluge Weise Humor einbaut und der Film auf wahren Ereignissen beruht.
Noch im September 1977 wurde der Ehemann einer Stuttgarterin, eine Freundin meiner Mutter, ein "man of color", Angehöriger der Army in Georgia vom Ku-Klux-Klan gelyncht, aufgeknüpft, mitsamt hrennendem Kreuz.
Der Film Mississippi Burning ist auch ein wichtiger Film, der wahre Begebenheiten verarbeitet.
Und immer noch ist der Rassismus quicklebendig, wie man ja immer noch oft bezeugt sehen und hören kann. Deswegen sind Bücher, wie dieses hier, von Johannes Pantel umso eminenter.
Der Autor, Ahlen 1963 durch seine Erdenankunft definitiv bereichernd, ist studierter Medicus, Philosophicus und Psychologie. Er ist Facharzt für Psychiatrie und Psychotherapie. Er ist sehr fleißig als Urheber und Herausgeber von mehr als drei Dutzend Büchern und über 300 Buch- und Zeitschriftenartikeln. Er hat an der Frankfurter Goethe - Universität eine Professur für Altersmedizin inne und erhielt für sein wissenschaftliches Wirken schon mehrere Preise. Kein Wunder, daß dieses hier besprochene Werk durch und durch humanistisch sowie von Empathie geprägt ist und ein tiefes Verständnis der Humana Conditio eindrücklich präsentiert.
Achtung! Für nachfolgende ironische Wortwahl übernimmt Rezensentin keinerlei Haftung. Deswegen die prägnanten Anführungszeichen.
Wie kann anno domini neglecti 2010 einer "Langnase" und "Weißbrot" klargemacht werden, was Rassismus bedeutet? Indem er gegen seinen Willen dank Melanin dunkler pigmentiert wird und er sich in einen "man of color" verwandelt?
Genau dies mysteriöse Ereignis widerfährt dem Psychiater Gregor Assmann. Besorgniserregend, beunruhigend, aber ohne Folgen, weil schuldlos? Von wegen!
Nicht nur läuft ihm die ihn ach so innig liebende Anverlobte davon, nein, seine berufliche Sicherheit sowie Zukunft gerät ebenfalls ins Schwimmen. Am eigenen "nachtenen" Leibe muß er erfahren, was scheinbar harmlose Pigmente doch für gravierende Unterschiede machen können.
In der "schneeweißen" Umgebung erlebt er latenten wie unverhohlenen Rassismus. Wird er so bleiben? Oder wieder "blütenweiß" werden? Sich durch diese Erfahrungen transzendieren? Wertvolle Einsichten und Erkenntnisse werden? Ein besserer Mensch werden, jenseits sämtlicher Kategorisierungen?
Der zweite Erzählstrang wird von Toussaint Louverture dominiert, ein charismatischer, kluger, gut taktierender Freiheitskämpfer vor gut zweihundertzwanzig Jahren auf Hispaniola, jenem Teil, der später Haiti wird.
Er möchte, daß alle Sklaven frei sind und sie einen eigenen Staat bekommen. Im Gegensatz zu den "Kolonialherren" ist er wesentlich vorurteilsfreier, denn auch "Weiße" sind auf seiner Seite.
Er erlebt Wahnsinn, Chaos und Gewalt pur. Wird er eine Chance haben und Historie schreiben? Toussaint war übrigens ein real existierender Mensch.
Das Buch ist sehr klug erdacht und komponiert. Gregor und Toussaint sind über den Abyssus der Zeit hinweg ineinander verzahnt, laufen parallel, ja, reflektieren und verbinden sich sogar gegen Ende des Romanes auf eine bestimmte Art und Weise.
Ungeschönt zeigt der Autor im damaligen historischen Kontext all die Grausamkeit, die den Sklaven widerfuhr, vor allem Sébastian. Das macht unglaublich zornig, hilflos, wühlt auf und treibt Tränen in die Augen. Was den Sadismus betrifft, ist die Phantasie des Menschen grenzenlos.
Jedoch auch in der Gegenwart macht es einen wütend, wie immer noch Rassismus und Racial Profiling sowie unzählige Klischees noch existieren. Auch Johannes Pantel entlarvt und dekonstruiert den Rassismus auf geschickte Weise und zeigt die toxischen Wurzeln kongenial auf.
Denn dieses Gift hat das Potential jede Gesellschaft dauerhaft zu zersetzen. Siehe Trump und USA, aber leider auch Europa und der Rest der Welt sowieso. Allein wie noch die Indigenen angegangen werden ... In Kanada wurden noch bis in die 90er Jahre ihnen die Kinder weggenommen. Zwangschristianisierung wie bei den Sklaven auf Haiti. All die vielen Kindergräber im Staate des Ahornblatts ... Der Transcanada-Highway und all die toten, ermordeten indigenen Frauen, die den Behörden anscheinend egal sind.
Ertrunkene Migranten im Mittelmeer, Hassverbrechen ... Ich glaube, daß aus vielfältigen Gründen Hopfen und Malz verloren ist, was die Menschheit betrifft.
Der Autor hat das Buch exzellent recheriert und viel viel Herzblut sowie intensive Reflektion in dieses sein Buch einfließen lassen. Chapeau!
Ein komplexes, aufrüttelndes Buch mit vielschichtigen, ambivalenten Protagonisten in einer emotional packenden Geschichte. Dazu angetan, auf jeden Fall an den heißen Eisen dranzubleiben. Vielen Dank, Johannes Pantel!!!
thats.new.life
aus FRANKFURT
5/5
13.07.2021
Buch (Taschenbuch)
So wichtig, so schmerzhaft
Das Cover und der Klappentext machten mich sehr neugierig auf das Buch, da die Thematik leider heutzutage in ganz verschiedenen Auswüchsen immer noch existiert und Rassismus, Ausgrenzung, Diskriminierung nicht mehr nur durch Hautfarbe, sondern auch anderen Dingen gegenüber aufrechterhalten wird.
Gregors leben im Jahre 2010 ist eine fiktive Handlung, sehr beeindruckend finde ich die Idee. Seine Haut verdunkelt und er ist plötzlich in einer weißen Gesellschaft Situation und Behandlung ausgesetzt, die sonst nur schwarze Menschen erleben. Ausgrenzung, Mobbing, Gefahr seine Arbeit zu verlieren, deine Verlobte die sich abwendet und vieles mehr. Schmerzhafte Situationen, die er am Anfang einfach nur hinnimmt ohne sich tu wehren.
Der zweite Handlungsstrang ist authentisch und gut recherchiert und handelt über den haitianischen Freiheitshelden Toussaint Louverture, der ca. ab dem Jahr 1776 über zweihundert Jahren zuvor gegen Sklaverei und koloniale Rassendiktatur kämpfte in Saint Domingue, eine französische Kolonie auf was auf dem heutigen Haiti lag.
Diese zwei Erzählungen verbindet zusätzlich eine Unbekannte. Was es mit dieser auf sich hat, entdeckt man während man verschlungen von diesem spannenden Buch am Lesen ist.
Sehr gelungenes Buch, es gefällt mir hervorragend.
Bewertung
5/5
05.07.2021
Buch (Taschenbuch)
Bewegendes Buch zu einem sehr wichtigen Thema
Der Psychiater Gregor Assmann scheint ein erfülltes Leben mit einem angesehenen Job und einer wunderbaren Verlobten zu haben. Doch dann merkt er, dass etwas mit ihm geschieht. Seine Haut verdunkelt sich zunehmend und erst ist seine Verlobte weg und dann auch sein Job in Gefahr. Gregor erfährt nun am eigenen Leib den unterschwelligen und auch den offenen Rassismus und was es bedeutet als „Schwarzer“ in einer „weißen“ Gesellschaft zu leben. Der haitianische ehemalige Sklave und Freiheitskämpfer Toussaint Louverte ist den Weg aus der Unterdrückung bereits 200 Jahre zuvor gegangen – sein Kampf gegen Sklaverei und den Kolonialismus war schmerzhaft aber letztendlich erfolgreich.
Dieser Roman hat mich vollkommen überrascht. Im Vorfeld wusste ich nicht, was mich erwartet. Das erste Kapitel steigt etwas später als der reguläre Handlungsverlauf ein. Gregor ist bereits „erdunkelt“ und spürt die Folgen mit voller Wucht. Und Toussaint sitzt in Haft. Danach fängt deren Beiden Geschichte von vorne an. Und beide Handlungsstränge sind einfach fesselnd und bewegend. Als Leser schwankt man zwischen Unverständnis, Wut, Trauer und Sprachlosigkeit. Perfekt und sehr detailliert recherchiert ist der (größtenteils) historisch belegte Handlungsstrang rund um den haitianischen Freiheitskämpfer. Diese Liebe zum Detail ist ein enormer Pluspunkt. Aber auch Gregors fiktive Erlebnisse im Deutschland des Jahres 2010 sind leider nicht aus der Luft gegriffen, sondern Alltag für viele Menschen. Auf diesen Missstand muss hingewiesen werden und ein Bewusstsein dafür geschaffen werden, dass es auch Dinge wie Alltagsrassismus und Racial Profiling nicht mehr gibt. Eine absolute Leseempfehlung von mir!
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