»Vielleicht ist es nicht völlig falsch, wenn sich ein Jude darum kümmert, Eichmann zur Fiktion zu verurteilen.« Mit beißendem Spott zeigt uns Ariel Magnus in diesem Roman einen unbelehrbaren Menschen, dessen antisemitischer Irrglauben auch im argentinischen Versteck ungebrochen war und der dort bar jeder Reue und völlig unbehelligt von einer Rückkehr nach Deutschland träumen konnte - bis zu seiner Verhaftung 1960. Buenos Aires, 1952: Ricardo Klement alias Adolf Eichmann hat Pech, denn ausgerechnet an dem Tag, an dem seine Frau Vera mit den Söhnen endlich aus Deutschland in Buenos Aires eintreffen werden, sind alle Blumen ausverkauft. Offiziell gibt sich Klement als der Onkel seiner Söhne aus, um unerkannt zu bleiben. Der einstige Cheforganisator der Deportationszüge nach Auschwitz führt im argentinischen Exil ein bescheidenes Leben und trifft bisweilen im Restaurant »Zur Eiche« zahlreiche SS-Angehörige und NSDAP-Funktionäre zum gemütlichen Plausch. Diese werden nicht nur vom deutschen Botschafter gedeckt, sondern auch von der argentinischen Regierung und Juan Perón unterstützt. Nur wenn sich an den Nachbartischen emigrierte jüdische Familien zum Abendessen niederlassen, wird es für die Nazigrößen ungemütlich - was, wenn jemand sie erkennt? Nach seiner Verurteilung bestand Eichmann darauf, ein kleines Rad im Getriebe gewesen zu sein. Ariel Magnus führt uns ins Innere dieses unbelehrbaren Nazis und seiner menschenverachtenden Ideologie.
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Uneinsichtig bis zum Schluss
Bewertung aus Bendorf am 13.09.2021
Bewertungsnummer: 1566287
Bewertet: eBook (ePUB 3)
Was hat mich dieser Roman über Adolf Eichmann geschafft. Emotional vor allem und ich musste immer wieder mit dem Kopfschütten, wie es dieser Kriegsverbrecher geschafft hat, so viele Jahre unbehelligt in Argentinien leben zu können, ohne Angst haben zu müssen, dass man ihn findet und vor Gericht stellt. Lange hatte es gedauert, bis der Mossad ihn habhaft werden konnte.
Der Schreibtischtäter, der die Deportation von hunderttausenden von Juden zu verantworten hatte, lebte als Ricardo Klement in Argentinien. Weshalb er dort unbehelligt leben konnte unter Péron erzählt Ariel Magnus sehr gut. Er ist auch nicht der einzige Kriegsverbrecher dort und es ist immer wieder schauderhaft, wenn sie aufeinander treffen und bedauern, dass ihre Idee nicht von Erfolg gekrönt war und nun Pläne schieben, wie man es besser machen kann, bei einem neuen Versuch. Da gruselt es einen.
Ariel Magnus gelingt es gekonnt Adolf Eichmann darzustellen, wie er ist. Ein Bürokrat, überheblich, selbstherrlich und ohne jedes Unrechtsbewusstsein. Für die Darstellung nutzte er Interviews, die Eichmann in Argentinien gegeben hat. Es ist eine große Rechercheleistung von Ariel Magnus, der Enkel einer Holocaust-Überlebenden, die er vollbracht.
Er hat es geschafft einen unheimlich dichten, gruseligen und erklärenden Roman zu schreiben, in denen sicherlich manche Dialoge Fiktion sind, aber noch vielmehr sich an Fakten und Begebenheiten orientiert. Mit seinem ruhigen Schreibstil überzeugt er mich immer wieder, wenn er deutlich macht, wie Eichmann ohne Reue in Argentinien lebt, an seinen Taten von damals festhält und es nicht anders machen würde. Er geizt nicht mit beißenden Spott und manchmal überreizt er etwas. Aber es passt immer noch. Stellenweise war es etwas mühsam zu lesen, da Ariel Magnus auch einige Fremdwörter und auch ab und an verschachtelte Sätze verwendete.
Ich stelle es mir unheimlich schwer vor, ein Buch über einen Kriegsverbrecher zu schreiben, der als Schreibtischtäter so viele Gräueltaten begangen hat und der selbst in seinem Prozess 1960 in Tel Aviv keine Reue zeigte und sich nur als winziges Glied der Maschinerie sieht.
Was eindeutig widersprüchlich ist, wenn man die vorherigen Seiten gelesen hat, wie er selbst kleine Verbesserungen in der Kriegsmaschinerie immer noch huldigt und verklärt.
Das ganze Buch hat mich sehr mitgenommen. Ich bin immer noch fassungslos darüber, wie sie nahezu unbehelligt dort leben konnten. Wie manche Kriegsverbrecher in Saus und Braus dort lebten, teilweise sogar mit ihren Klarnamen, neue Karrieren aufbauten und immer noch den Gedanken von damals nachhingen. Letzteres auch Eichmann, dessen Leben in Argentinien nicht so einfach war. Zumindest das.
Fazit
In “Das zweite Leben des Adolf Eichmann” entlarvt Ariel Magnus Adolf Eichmann und zeigt deutlich auf, was für ein widerwärtiger, rachsüchtiger und kaltschnäuziger Mensch Adolf Eichmann war. Ein Roman, der mich nachdenklich zurücklässt.
emotionale Geschichte
Bewertung aus Ennepetal am 28.05.2021
Bewertungsnummer: 1501260
Bewertet: eBook (ePUB 3)
Klappentext:
Buenos Aires, 1952: Ricardo Klement alias Adolf Eichmann hat Pech, denn ausgerechnet an dem Tag, an dem seine Frau Vera mit den Söhnen endlich aus Deutschland in Buenos Aires eintreffen werden, sind alle Blumen ausverkauft. Offiziell gibt sich Klement als der Onkel seiner Söhne aus, um unerkannt zu bleiben. Der einstige Cheforganisator der Deportationszüge nach Auschwitz führt im argentinischen Exil ein bescheidenes Leben und trifft bisweilen im Restaurant »Zur Eiche« zahlreiche SS-Angehörige und NSDAP-Funktionäre zum gemütlichen Plausch. Diese werden nicht nur vom deutschen Botschafter gedeckt, sondern auch von der argentinischen Regierung und Juan Perón unterstützt. Nur wenn sich an den Nachbartischen emigrierte jüdische Familien zum Abendessen niederlassen, wird es für die Nazigrößen ungemütlich – was, wenn jemand sie erkennt?
Nach seiner Verurteilung bestand Eichmann darauf, ein kleines Rad im Getriebe gewesen zu sein. Ariel Magnus führt uns ins Innere dieses unbelehrbaren Nazis und seiner menschenverachtenden Ideologie.
Meinung:
Ein einfach und flüssig geschriebenes Buch, das sich mit einem wichtigen Thema befasst, nämlich der Judenvernichtung in Nazideutschland und der "Wiedergeburt" derer, die dafür verantwortlich waren und die sich einem ordentlichen Prozess für die von ihnen begangenen Verbrechen entzogen.
Es ist eine Geschichte, die gegensätzliche Emotionen weckt, denn Magnus entscheidet sich, uns einen gewöhnlichen Eichmann zu zeigen: einen Mann, der bedauert, dass er seiner Frau bei der Ankunft am Flughafen keine Blumen kaufen konnte, oder der durch die argentinischen Straßen spaziert und sich an der lokalen Architektur erfreut.
Als romanhafte Reportage ist es in einigen Passagen eine lobenswerte und spannende Erzählung.
Der mittelmäßige Bürokrat ist glaubwürdig, er ist sich der Güte seines Jobs sicher und als unbelehrbarer Nazi ist er von seiner menschenverachtenden Weltanschauung immer noch fest überzeugt.
Fazit:
Ein interessantes Buch für alle, die gerne mehr über das NS-Regime wissen wollen und das ich unbedingt weiterempfehle.
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